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Nr. 27tt
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Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener
Je« mifienb kalter werden dem Anzeiger wöchentlich dre, mal beigelcgt.
Zweites Blatt Mittwoch de« 25. November__________________
Gießener Anzeiger
Kmerat-Anzeiger.
18»«
vierteljähriger Aöonncmcntsprcis: 2 Mark 20 Pfg. mit
Bringerlohn.
®urd) die Post bezogen 2 Mark 50 Psg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchukstrahe Wr.7.
Ucrnsprecher 51.
Elimts- und 2lnzeineblntt fiit? den Ureis Gieszen.
[ Hratisöeikage: Hießener AamikienMtter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Feuilleton.
Das Probejahr.
Von E. Reinhold.
(Nachdruck verboten.)
„Rann, Herr Schultz, waS ist denn daS mit Sie? Sie machen wohl gar Ihren Examen?" fragte meine biedere Wirthin verwundert, als sie eines schönen Morgen-, so gegen elf, mir meinen K.ff e brachte und m'ch erblickte, wie ich dastand tn einer nie an mir gesehenen Feinheit, meinen kleinen dicken CorpuS gehüllt in einen, uatürlickerweise ge- pumpten, Frackanzug und angethan mit einem funkelnagel- neuen mir erb- und eigenthümlich gehörigen Papierkragen.
Ich lachte, gab der guten Alt n einen sreundschastlichen K'-apS aus den Rücken und spedirte ste wieder hinaus. Examen machen, der V rmchr war schmeichelhaft, aber ich sand ihn komisch. Zwar möglich wäre eS gewesen, daß ich mir in den sechzehn Semestern meiner akademtichen Laufbahn die ranze Summe theologischen WiffenS etnge richtert hätte, aber, b u lieber Gott, ich hatte eigentlich noch gar nicht angefangen zu studtren. Aller Aniong ist schwer, mir war er zu schwer. Wie sollte ich da an Examen baten ?
Nein, der Frack, den ich anhatte, war kein ExameuS- srack, er war ein BläuitgamSsrack. Den Abend zuvor hatte ich der Rosel, des alten bidcrben BärenwtrthS feschem Töchterlein, von den schwellenden Lippen daS Geständntß einer Liibe geküßt, die ich längst in ihren braunen Augen gelesen, und nun war ich bereit, äußerlich und innerlich tn der ersorter- lichen feterltchen Verfassung, mir den väterlichen — die Mutier war tobt — Segen einzudeimsen.
Um einen günstigen Ecsolg dieses heiklen Ganges war mir nicht bange. Allerdings, ich hatte nichts und ich war richt-, aber eben weil ich nicht- hatte, konnte um so leichter au- mir etwa- Paffende- g-macht werden, ein Bärenwtrih rämltch. Den Gedanken hatte Rosel mir eingegeben. Der Alte war ein Klotz, aber er wollte mir wohl- auch kam dann die Summe, mir der ich bet ihm tn der Kreide saß,
auf die einfachste Weise wieder in die Familie. UedrigenS konnte ich auf die Fürsprache der Stammgäste im „Schwarzen Bären" rechnen. Sie waren sämmtltch meine Gläubiger und interesstrten fich schon lange dafür, daß ich eine gute Heirath machte.
Nur eine Person würde meinem Glück fich mit aller Macht entgegenstemmen, Tante Alwine, de- BärenwirrhS Schwägerin. Die war ein Drache, zwar nicht von Gestalt, denn ste war leidlich hübsch und noch nicht gar so alt, noch nicht einmal vierzig, aber innerlich. Jeder Mensch, im Hause nicht nur, sondern in der ganzen Nachbarschaft, fürchtete sich vor ihr, denn ste that den Mund nur auf, um zu schimpfen, und ste wischte fich in alle-. Mich hatte fie be- sonder- aufs Korn genommen. Wenn fie mich sah, stichelte fie auf mein „Studiren" und de- TageS mindesten- viermal erinnerte fie mich in unzartester Weise an meine Vermögen-- Verhältnisse.
Daß d'ese alte Schachtel einen Heidenlärm schlagen würde, wenn sie von meinem geplanten Eintritt in die Familie hören würde, war mir klar. Aber ich hatte Rosel gebeten, der Tante nichts zu sagen, bi- ich den Alten herumgekriegt hätte. Denn hatte ich ihn für unS gestimmt, dann ließ er fich nicht mehr beschwatzen von seiner Schwägerin, und bei ihm lag doch schließlich die endgiltige Entscheidung.
So wollte ich eben getrosten Muthes meine Freier-- füße nach dem „Schwarzen Säten* in Bewegung setzen, da trat der Briefträger zu mir herein und brachte mir einen Brief. E- war ein Schreiben vom Gericht und mißtrauisch betrachtete ich das Ding von allen Seiten. Sollte ich eS öffnen? Das Gericht hatte mir bisher immer nur Unangenehme- mttzutheilen gehabt, meisten- Mahnungen ungeduldiger Gläubiger- schließlich aber siegte doch die Neugierde, welchem meiner MammonSleiher ich in diesem Augenblicke wohl stachen sollte, und ich erbrach daS Siegel.
Aber was war daS? Sah ich recht? Wollte wirklich die Glücksgöttin den gesammten Inhalt ihres Füllhorns mit einem Male auf mich schütten? Onkel Ferdinand in D., der reichste Gastwirth in ganz Thüringen, war gestorben
Alle Anuoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" «ntgegen.
und hatte mir, mir ganz allein, nicht nur den „Weißen Fuchs", sondern auch sein ganzes Baargeld hinterlaffen. War so etwas erhört? Juft in dem Momente, wo ich deu kühnen Sprung vom Gotte-gelehrten zum Bierwirth bt* schloffen, fiel mir der frequenteste Touristengasthof so gleich« sam alö reise Pflaume in den Schooß. Hatte somit nicht auch da- Schicksal meine Umsattelung gutgeheißen? Nun war ich ein gemachter Mann I Nun aber trab in de» „Schwarzen Bären", jetzt brauchte ich auch Tante Alwine nicht mehr zu sülchten.
Ich traf den Alten, Rosel- Vater, in seinem Privatzimmer am Stehpult. Al- ich eintrat, bl'ckte er auf mich mit dem Wohlwollen eines englischen Bullenbeißers.
„Halt nurS Maul," knurrte er mich an, als ich zu sprechen beginnen wollte. „Halt nur- Maul" — wir verkehrten immer in so vertraulichem Tone miteinander — „weiß schon alle-, hast Deinen Onkel beerbt und willst meine Rosel beirathen. Geht aber nicht, da- Heirathen, kriegst die Rosel nickt, wenigsten- jetzt noch nicht. Hab alle- überlegt mit der Alwine. Bist 'n Lumich, hast alles versoffen, was Du gehabt hast, und noch was darüber. Wirst auch Dein Erbchril verschleudern, ist nicht so groß, wie Du denkst, kenne den „Weißen Fuchs", ist seit einiger Zeit verloddert, und wenn Du jetzt hinkommst und führst da Dein Schlaraffenleben, dann dauertS kein Jahr und Du bist so weit wie heute."
„Mein Junge, so geht da- nicht," fuhr der Alte nach einer Pause fort, während ich wie betäubt dastand, „Du verstehst nichts vom Geschäft, denkst bloS, Du willst Dir gute Tage machen, und die Rosel ist noch jung, ein reine- Kalb. Mußt noch warten, mußt Dir die Frau erst verdienen. Sollst erst zeigen, daß Du waS kannst, daß Du Dir nicht auch Deinen Verstand versoffen hast, wie Alwine meint. So in 'nem Jahr wollen wir mal wieder reden, wenn Du w'rk.ich mein Schwiegersohn werden willst."
(Fortsetzung foIgQ
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.
Gartenstraße 2.
Vom 19. bis 21. November:
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1
Angebot der Arbeitnehmer.
Buchbinder. Friseurgehilfe. Maurer, schmied.
Schubmacherges. Schneidergeselle. ^chreinergesille. Kistenmach r.
1 Coloorteur.
1 Hausdiener.
1 Aushilfskellner.
2 Erdarbeiter.
1 Lauffruu.
1 B chbinderlehrling
1 Fuhrknecht.
4 Dienstmädchen.
2 Hausmädchen.
9 Taglöhner.
Haub burschen.
Gärtner.
Fahrburschen.
Werkführer oder Büreau-Gehilfe.
9863
Nachfrage der Arbeitgeber.
1 Glaser Rabmenmacher. 1 Kutscher-
11 geprüfter Heizer. 1 Taglöhner.
1 Maschinenmeister für feinen Accidenz, und mehrfarbigen Druck, selbstständ Arbeiier, per 28. November, spätestens 4. December. 1 Gärtner.
10 Lehrlinge, je 1 Schuhmacher», Bäcker-, Schlosser-, Schmied-, Schneider,, Schreiner- Setzer, und Buchdruckerund 2 Buchbinderlebrlinge.
6 Dienstmädchen auf sofort.
2 Dienstmädchen auf sofort nach AuSw.
2 do. für landwinhschastliche Arbeiten.
2 tüchtige Pferdeknechte 1 perfecte Köchin
1 Schweizer nach Auswärts.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Rabertshausen für 1S97/98 liegt vom 27. November d. I. an acht Tage lang auf der hiesigen Bürgermeisterei zur Einsicht der Betheiligten offen.
Rabertshausen, den 21. November 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Rabertshausen.
Widdersheim. 10389
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♦ Fritz Howack, 10171
Ausstattungs-Geschäft und Wäsche-Fabrik.
Weimar, den 15. November 1896.
Der Vorstand der Htiindigeu Ausstellung.
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Bekanntmachung1.
Die Kaupl- und Schluß-Iiehung der Weimar-Lotterie
/«Loose 1 Wk Kauptgewinn 50,000 HKL.X \ Zusammen 8000 Gewinne für 150,000 Mk. / findet
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