Einzelbild herunterladen

Dienstag den 25. August

1890

199

M.

Anrts- und Anzeigeblntt für den Tkreis Gieren

Gratisbeilage: Gießener Kamikienökätter

Nr. 29 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 18. d. M.

v. Gagern.

Bekanntmachung

«Hute Laden, ft

81 inabme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« f fr.||nib( n Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen , Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Lt Gießener A^itlienvrälter tDeckTi dem Anzeiger ßoWntlich dreimal bergelegt.

Der

Anzeiger . rU mt täglich, »«i rusnahme deS ytontag».

toerlUe troir hiermit zur allgemeinen Kenntniß bringen:

D) Der Markt beginnt um 6 Uhr früh. Vor dieser Z eit dürfen keine Thiere auf der. Straße aufgestellt werden.

Da die Maul« und Klauenseuche in den Ortschaften Bon­baden, Dutenhofen, Niederwetz, Reiskirchen, Volpertshausen und Wetdenhausen in größerem Umfange aufgetreten ist und dringender Verdacht vorliegt, daß die Seuche auch noch in anderen Theilen des Kreises herrscht und da sie in den an­grenzenden Nachbarkreisen in gefahrdrohender Weise noch be­steht, sehe ich mich genöthigt, auf Grund der mir Seitens de» Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten gemäß § 1 der Instruction des Bundesraths vom 27. Juni v. I. ertheilten Ermächtigung, den auf den 26. August d. I. in der Stadt Wetzlar sowie den auf den 3. September d. I. in Ehringshausen anstehenden Biehmarkt

hiermit aufzuheben.

An dem 26. August findet daher auch die für diesen

Nidda hat daS nöthige AusstchtSpersonal zu stellen, | damit den getroffenen Anordnungen genau nachgekommeu > wird.

3) Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten I Orten deS GroßherzogthumS Heffen, Thiere von Hand- I lern nur dann, wenn fie mindestens 7 Tage in un- I verseuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zustande I zugebracht haben, aufgetriebev werden. Beim Auftrieb I der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Eon- I trole der betr. Ursprungszeugnisse zu verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden.

4) Außer der Controle der UrsprungSzeugniffe findet noch eine thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auf­trieb statt.

Büdingen, den 20. August 1896.

Großherzogliches Kreisamt Büdingen.

I. V.: Merck, Großh. Kreisamtmanu.

Die nachstehende Bekanntmachung des Kgl. LandrathS- amtes Wetzlar bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, den 24. August 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Die Herren Gemeindevorsteher deS Kreises ersuwe ich, die vorstehende Anordnung auf ortsübliche Weise in der Ge­meinde sofort bekannt machen zu laffen.

G o e d e ck e.

Zu r Durchführung der veterinärpolizeilichen Ueberwachuug de sr aw 31. August l. I. zu Nidda mit Genehmigung

betr. Rothlaufseuche.

Die Rothlaufseuche in der Stadt Braunfels, Kreis Wetzlar, ist erloschen.

Gießen, den 24. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

geMt werden müssen.

Schotten, 18. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Schotten.

Schönfeld.

Vierteljähriger ^vounementspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogerr 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expedition' und Druckerei:

Schutstratze Wr.7^ Fernsprecher 51.

(N,. 2334.) Gesetz, betreffend die Abänderung des

2) Der Auf- und Abtrieb des Viehes darf nur von einer von Großh. Bürgermeisterei Nidda zu bestimmenden -------. -*

Stelle aus erfolgen. Die Großh. Bürgermeisterei I Tag augesetzte Körung von Zuchtstieren nicht statt.

Gnoßh. Ministerium deS Innern hat durch Entschließung 15. August d. I. die Abhaltung der Di eh Märkte tu Ober-Seemen am 10., und zu Gedern am ° September l. I. unter der Bedingung genehmigt, daß

Thiere aus unverseuchten Orten der Provinz Oberheffen umb dek Köntgl. Preuß. AmtSgerichtSbezirkS Btrstein auf- gcafctltben werden dürfen, daß Thiere von Händlern aber

Bekanntmachung,

be imchvch: Die Maul- und Klauenseuche, hier: die Abhaltung von Viehmärkten.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. August. DieVolkszeitung" hält ihre Meldung, daß Herr v. Stetten aufgefordert worden sei, sich amtlich über den Fall Puttkamer zu äußern, voll­kommen aufrecht und ergänzt diese noch dahin, daß unmittelbar nach Bekanntwerden der Gerüchte über einen bevorstehenden Colonialscandal sich daS Auswärtige Amt an Herrn von Stetten mit der Anfrage gewandt habe, in welchem Ver- hältniß er zu besagtem Gerücht stehe. Nach der Publikation des Falles Stetten-Puttkamer habe das Auswärtige Amt Herrn von Stetten angefragt, ob er zu dieser Veröffentlichung in Verbindung stehe. Er habe erklärt, daß die darin auf­gestellten Behauptungen durchweg den Thatsachen entsprächen, die er nicht einmal, sondern vielmal an verschiedenen Orten und Jedem, der es hören wollte, mitgetheilt habe. Herr v. Stetten trifft, wie dieVolkSztg." Wetter berichtet, in kürzester Frist aus Sarvon in Berlin ein und stellt sich und sein Zeugniß dem Auswärtigen Amt zur Verfügung. Des­gleichen werde er Herrn von Puttkamer, der sich öfter öffentlich gerühmt haben soll, ihn auS dem Colontaldienst verdrängt zu haben, auch persönlich zur Rechenschaft ziehen. Weiter stellt dieVolkSztg." fest, daß Veröffentlichungen über daS Puttkamer'sche Regiment in Kamerun bevorsteheu.

Berlin, 22. August. Wie gerüchtweise verlautet, wird das russische Kaiserpaar vor der Abreise von Kiel nach Kopenhagen der Prinzessin Heinrich, der Schwester der Zarin Alexandra, auf dem Gute Kemmelmark einen Besuch abstatten.

Berlin, 22. August. In der Thorn er LandeS- verraths-Affaire wird derStaatSb. Ztg." gemeldet, daß gestern Frau Fahrin und deren Tochter entlassen worden find, weil der Grund, der fie in Unsersuchuugshaft gebracht, nämlich die Verdunkelung deS ThatbestandeS, nicht mehr vorliegt.

Berlin, 22. August. DemVorwärts" zufolge be- schloffen die Buchbinder Stuttgarts gestern in einer großen Versammlung zur Durchführung ihrer Forderungen die Arbeit heute allgemein niederzulegev. Einige Firmen sollen inzwischen die Forderungen bewilligt haben.

Berlin, 22. August. Während des Aufenthalts des Kaisers von Rußland in Breslau und Görlitz wird der commaudtreude General deS 3. Armeecorps, Generallieutenant v. Ltegnitz, zum Ehrendienst commandirt werden.

Berlin, 22. August. Heute Mittag hat auf dem Caserven- Hofe deS 3. Garde-RegimentS zu Fuß die Enthüllung des I Kriegerdenkmals stattgefundeu. Die Feier nahm einen

>> 'M

Stu-

1 *

i06t_k__-

Demi

, Amönebi

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

rit oder ohi»l rwiechen. ft H. Rocke

Arch

LI Zn meinem Ai e 32 ist ein Lak npa per 1. Oetobti

- 3i"

oder ofn vnrniethen. SKthMbttgtt, l; ^ergmchw u vermieten.

Seltern

mit Logis in L: Zvttieben werden dürfen, oatz Lytere von Panorer«

Nie, l-S-o.-:; »ui« dor n zugelassen werden, wenn fie mindestens 7 Tage in t, perl. October b. «Eseiuchten Orten der Provinz Oberhessen in seuchenfreiem feÄk« bo6 6tim Auftrieb

n von Hem' ü0.:ia vorschriftsmäßige UrsprungSzeugniffe vorzuzeigen r i ° Nichthändler von den Bürgermeistereien, für

Bi?«HHSnd>ler dagegen von einem beamteten Thierarzt aus-

"ll Richt bn albt9«l!i1 ibenet genannt! mN ift tvj °us betneur non t Kunst BrrW. ti0<« Dijk unb ^mälbtanlaultt. tmtua9 nach ! Zieles wat fe Elchen Kaisen t

)t. Petn-bml! G^lihes^ über" die Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschaften rrte sind die N i, t>om 1 Mai 1889, sowie dm Geschäftsbetrieb von Consum- 'brandtldeffkr' «msftilte«. Vom 12. August 1896.

i), Rubens 2335.) Bekanntmachung, betreffend das Gesetz

6e, Wam veqi« den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch i« »W Sprengftoffen. V°m II. August 1896.

Un und Gießen, den 21. August 1896.

inlttantotii Gr°ßh°rz°gl,ch-s Gteßm.

T Im.Sitvtt A

L Lagert n 1500 qm, eotra. r

Ministeriums des Innern stattfindenden ViehmarkteS nachstehenden Bestimmungen zur Anwendung, rtz bei ÄtMv. w» - -- - -

sein Lager aufs Neue so gut e» gehen wollte und schlief bald darauf, gefaßt auf den Untergang der Welt, sorglos wieder ein, diesmal im Schlafe belohnt für seine Stand­haftigkeit durch einen herrlichen berückenden Traum, in dem ihm Fortuna die goldenen Aepfel der HeSpertden reichte.

Als er am frühen Morgen erwachte, schien die Sonne hell und verlockend in das kleine Zimmer hinein und warf auf die Wand, gerade über seinem Haupte, einen langen, goldig funkelnden Streifen. ES war, als wollte sie ihn be­grüßen zu neuem Kampfe mit den Gefahren der Weltstadt.

Als verstünde er fie, lächelte er sich ganz vergnügt in dem Spiegel ihm gegenüber au, reckte die Glieder und erhob sich erfrischt und gestärkt. Nun war eS ihm, als wäre sein erstes verunglücktes Auftreten am vergangenen Tage in Berlin nur ein böser Traum gewesen, der im Dunkel der Nacht längst verflogen sei.

Er fühlte sich Plötzlich heimisch, als wohne er hier be­reits seit Jahren, und dieses Gefühl zauberte andauernde Heiterkeit in seine Seele und auf seine Züge.

AlS ihm die Wirthin mit einem freundlichenGuten Morgen" den Kaffee auf einem sauber gedeckten Brett herein- gebracht, er den ersten Schluck genommen hatte, nahm er eine Postkarte zur Hand und schrieb, dem Schicksal und deffeu launigen Poffen zum Trotz, folgende Zeilen im Telegramm­stil au seine Mutter:

Gestern früh gesund und vergnügt hier angekommen. Ueberall das beste Entgegenkommen und herzliche Auf­nahme gefunden. Berlin ist eine herrliche Stadt. Ich hoffe es bald zu erobern. Schon bin ich zur Attacke übergegaugen. Tausend Grüße und Küffe von Deinem

Conrad Carl SchnurPS."

Feuilleton»

Debüt in der Weltstadt.

Berliner Skizze von Max Kretzer.

(Schluß.)

öle wurde erst beruhigt, nachdem er ihr llammelnd »o triller Empörung seine Zeugnisse gezeigt hatte und nun GeWM, mit den harten Thalern zu klappern, um die Miethe tau kocamS zu entrichten. Sie lenkte ein, bat für dasVer­schon' um Entschuldigung und erklärte sich nun gerne bereit, ihai» tin GlaS Bier vorzusetzev.

Da er nun im Gefühle seiner Unschuld Muth bekommen

^..^gtzhaMslo gab er vor, sich die Sache noch einmal überlegen m* Crie|U rMen, steckte die gehäkelte Börse wieder ein und em- VV io. sich, trotzdem die Frau zuletzt weich wie Wachs ge-

war.

JaAOOOV' Unterwegs nahm er sich vor, beim Miethen einer 'KAng niemals mehr um ein GlaS Wasser zu bitten, er im Verlaufe der nächsten Stunde zehnmal in Vifpn und < Met tagt gekommen war, an diesem Vorsätze festzuhalten, e Ur bi»b^ ' trttiäit «r endlich die Freude, bei einer schlichten und braven D einfaCverpackaDg' l(efl RajenUe Obdach für seinen Koffer und sich zu erlangen, und . lnsl-$e umi» umter Bedingungen, die er sich im Geheimen ge- lle4renonm'irtesl^,*,ö,ta,iit hatte.

der ndfranZ5s'Lti In, dieser ersten Nacht hatte er einen merkwürdigen

isc1160 , .»he Man hatte ihn vor eine Droschke gespannt und

^ti:tLihw an zum Ziehen. Weil er nicht gleich die Kraft w . gxilllv samt), nahm man ihm den Ring von der Uhrkette und tder 0 i°9R ihn denselben durch die Nase. Die beiden Schusterjungen Ste^ . soatttw «auf dem Bock und riefen fortwährend:Hottehüh, ndFant8J !" In der Droschke aber saßen die beiden

Gauner und der Galgenvogel von derInsel", die sich jedes­mal laut belustigten, sobald die beiden Schusterjungen auf ihn einhieben.

Dieser sonderbare Auszug wurde von einer johlenden Menschenmenge begleitet, die einen bekränzten, tobten Gaul trug, über dem in der Luft die Aufschrift schwebte:Eng­länder aus Perleberg."

Schließlich, als er gar nicht wehr weiter konnte und da« Gefühl hatte, wie tobt umfinken zu müssen, kam fein wohlmeinenber Rathgeber von der3nfel", der brave Schutz­mann, mit gezogenem Säbel herbeigestürzt, um ihn aus seiner trostlosen Lage zu befreien.

DaS »Volk" erhob ein wildes Geschrei und stob aus­einander.

Just im selben Augenblick hatte SchuurpS im Schlafe das Gefühl, als berste die Erde unter ihm mit einem Krach auseinander und er sänke in eine gähnende Tiefe.

Dadurch erwachte er, und als ihm klar wurde, wo er sich befand, kam er zu der Erkenutniß, mit der Bettstelle durchgebrochen zu sein, was er auch an seiner schiefen Lage merkte. Bereit» am frühen Abend hatte die Wirthin etwas verschämt ihn darauf aufmerksam gemacht, daß im Zimmer noch nicht alles so in Ordnung sei, wie eS sein müßte, daß aber am anderen Tage die nöthige Abänderung geschaffen werden würde.

Nun wußte er, waS fie mit dieser dunklen Andeutung gemeint hatte. r , ,

Da er vor dem Schlafengehen bereits geahnt hatte, baß der Quell seiner unverdienten Leiden noch nicht ganz erschöpft sein werde, so empfand er nunmehr eine gewisse Genug- thuung darüber, sich nicht getäuscht zu haben. Leise und bedächtig, um die Nachbarn nicht zu stören, gestaltete er