Ausgabe 
25.6.1896 Zweites Blatt
 
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1896

Donnerstag den 25. Juni

Amts- und Airzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Amtlicher Theil

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nn nilrt von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, SkgerMi Dag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

All? Annoncen-Bureaux de» In- und LuslandkS nehme, Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

20,000 Pferdestärken nutzbar zu machen, die Niagara Power- Company arbeitet zur Zeit mit 15,000 Pferdestärken, welche Kraft in Electricität umgesetzt, durch fünf Hauptleitungen den zahlreichen industriellen EtabliffemrntS, Prioathäufern und der öffentlichen Beleuchtung zugängig gemacht werden soll. Die mit d r Ausarbeitung des Voranschlages betrauten Ingenieure behaupten, daß aus diese Weise die Betriebs­kraft um 40 pCt. billiger, wie durch die besten Dampf­maschinen erhalten werden könnte.

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: K Lauterbach, 22. Juni. Der hier stationirte Gendarm . atiulkrm heute Morgen gegen 3 Uhr von einer Nacht- rntto-wmle zurück In der Nahe seiner Wohnung feuerte er an# (braun Revolver drei Schüsse auf sich ab und verletzte sich q in Raufe lebensgefährlich. Nach einem soeben um- etnnkn Gerüchte soll Zater von einem Dritten geschaffen word.iAseiu. Thatsächlich steht fest, daß am Aufkommen ^aterHttiezweifelt wird.

-M- Slublol, 22. Juni. Vorige Woche gruben einige cute i sott HopfmannSfeld Sand in der hiefigen Grube. - ietb*d innrbe ein Mann von herabstürzenden Sandmaffen .lat i Ur|id)tttt6t. Glücklicherweise ist der Unfall recht- zeitig t iwerkt worden. Man begann sofort, den Unglück- lichen: strvilszugraben und gelang es auch zur allgemeinen .vrculMi, töt halb dem Ersticken nahen dem Leben wieder- zugebM

Mvainz. 23. Juni. Zu der am 6. Juli stattfindenden . ocitiMOllsierordentlichen Generalversammlung der hessischen ud bahn waren bei dem gestrigen Schluß deS An- meldeMtriiii» die Anmeldungen der Acttonäre hier nicht so .ahlr. ich trlsolgt wie bei den beiden vorhergegangenen General- , ersar/awlimgen. Em Schluß auf den Besuch beziehungsweise aus b isilDartretung der Acttonäre in der bevorstehenden Ge- neral wiiav imlung läßt sich hieraus nicht ziehen, indem die MitUMMen von den zahlreichen auswärtigen Anmelde- stellutuqm üum größten Theil noch auSstehen und bekanntlich r.---tjc .talmnner die große Mehrzahl der Action durch Berliner,

Birrtrliäbrtga Jl»oancment5Fr<l»i 2 Mark 20 Psg. mU Bnngerlobn. Durch dir Poft bezog« 2 Mark 50 Psg.

Ntdactton, Lxprdino, und Druckerei:

-ch,rSratzeHlr.7. Fcrnsprcchrr 51.

Citeratur und ICtinft.

Die in ihrem gesammten Inhalt ausgezeichnete Wochen­schrift .Dies Blatt gehört der Hau»fra«l" enthält des Prac. tischen und Anregenden ungemein viel: vorzügliche RathsLIage fur das praktische Leben und ausgezeichnete Erzählungen für die Famiiim- Unterhaltung. Da« Gebiet der Mode der Kindergarderobe, der Wäsche und der Handarbeiten wird in dem reichenModetheil des Blattes bildlich und textlich behandelt, das Neueste und Practischste wird immer vor Augen geführt. »Dies Blatt gehört der Hausfrau!" erscheint wöchentlich, also 13mal im Vierteljahr, der Abonn-mentSprelS von Mk. 1.40 ist somit ein sehr billiger, er stell sich wöchentlich im Durchschnitt nur auf wenig über 10 Pfg. Jede Buchhandlung oder Postanstalt übernimmt Bestellungen.

Durch das vor Kurzem in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers und der Mehrzahl der Bundesfürsten enthüllte। Denkuml, welches Deutsche Krieger aus allen Gauen des Reiches Wilhelm dem Großen auf dem Kyffhäuser errichtet haben, ist der alte, sagen­umwobene Berg in erhöhtem Matze ein Anziehungspunkt nid) .nur für hben Deutschen Patrioten, fonbtrn auch im Allgemeinen für irden Deutschland bereisenden Touristen geworden. In Folge dieses Um­standes ist eine Kyffhäuserliteratur entstanden, die namentlich den Swecken der Diienttrung jedes Wanderers dienen fat'. Unter der «ÜQ< dieser Specialliteratur ragt (in Buch hervor, welche» soeben in 6 Auflage erschienen ist und in höchstem Matze allen Anforde- runaen gerecht wird, die man an ein Kyffhäuser - Touristenbuch zu stellen berechtigt ist. Es ist der in Fr. Eberhardts Verlag in Nordbausen erschienene Äarl Meyer» Führer üder da» SysshLuseraebirae. Das in hocheleganter Ausstattung vorliegende Werk, besten Preis (0.75 Mk.!) ein erstaunlich niedriger ist, enthält alles Wistenswerlhe: Tonristenkarten, Abbildungen (u. A. deS Denk­mals), Routen - Anweisungen, die Geschichte deS KysthäuserS und seiner Umgebungen, kurzum, eS läßt den Benutzer niemals im Stichs Das Werk ist nach den neuesten Quellen bearbeitet und enthält u. A. auch einen Führer durch Stolberg, dessen neuerbauter Thurm auf der JosephShöhe ein Hauptanziehungspunkt deS iLüdharze» tft. Wir empfehlen das in jeder Beziehung hervorragende Buch unseren Lesern auf das Angelegentlichste.

Hamburger und Frankfurter Bankhäuser vertreten war. Die Stellung, welche der Verwaltungsrath in der nächsten Generalversammlung einnehmen wird, ist durch die nachträgliche Erklärung deS DerwaltungSrachS in der Generalversammlung vom 3. Juni theilweise schon bestimmt, indem der in dieser Erklärung gemachte Vorschlag durch da» erhöhte RegierungS- angebot von 30'/, Mk. per Actie im Wesentlichen Annahme gefunden hat. ES dreht sich in der nächsten General- Versammlung also nur darum, wie sich die Majorität der Acttonäre zu dem erhöhten RegierunaSangebot verhalten wird.

Mainz 23. Juni. Dem Bürgermeisterei Brigeordneten Commerzienrath Retnach von hier, deffen silberne» Bei­geordneten Jubiläum heute in festlicher Weise begangen wurde, wurde aus diesem Anlaß von dem Großherzog der Character als Geheimer Commerzienrath verliehen. An Stelle deS für den in den Ruhestand getretenen Herrn von Buri zum ReichSgerichtSrath ernannten Ersten hiesigen Staatsanwalts vr. Ewald wurde der seitherige LandgerichtS- rath Dr. Schmitt zum Ersten Staatsanwalt bet dem hiesigen Landgericht bestimmt.

Die ktadt öffen, deren Einwohnerzahl bei der letzten Volkszählung am 2. December 1895 96 123 betrug und die blrect hinter Crefeld mit 107 279 Einwohnern rangirt, hat am vergangenen Freitag die Zahl von 100000 Einwohner erreicht. Die Rheinprovtnz har bekanntlich die meisten großen Städte mit über 100000 Einwohnern- es sind deren jetzt sieben: Köln (320371 Einwohner), Düsseldorf (176025), Elberfeld (159 359), Barmen (127 006), Aachen (110 489), Crefeld (107 279) und Essen (100000). Die Zahl aller deutschen Städte mit über 100 000 Einwohnern beträgt 29. Die nächste Anwartschaft auf 100000 Einwohner hat Mannheim. .

* @ine großartige elektrodynamische Kraftanlage wird jetzt zur Licht- unö Triebkraft Erzeugung zu Lyon geplant, die jener der Niagarakraftanlage wenig nachstehen wird. Durch Ausnutzung der Rhone-Gefälle denkt man, nach einer Mit- tbeUung des Internationalen Patent-BüreauS Earl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6., mittelst zwanzig Turbinen gegen

tlf|c»rt*|eieer »rschi^n itglich, in 1II? lene bei 1 trau»-

DSM ßkN» W-mstll» blätter »erbewi^ Anzeiger üMM 1 reimat iW-ki.

Kmilleton.

Iohannis^auber.

Nooellette von Hans Warnow.

(2. Fortsetzung.)

yji bin gewiß ein recht thörichteS Ding," sagte sie endlich Wächtern und blickte verlegen auf ihre schmalen 7^-ßcttp, Ible unter dem Gewände hervorsahen, ,abet 6er* zeih, lij<iz!mSmann . . . ich kann von meiner Schwäche nicht lafienT.?

6h Schatten legte sich über seine Züge.

e|;r versprich mir wenigstens, diese Schwäche nicht , nemti mtehr im Verkehr mit anderen Leuten zu zeigen," bat tflü t , , , , .

Siiikrab verwundert da» Köpfchen und versuchte in seinen Mietr^czri lesen. Gewiß schämte sich Otto, eine io aber- gläutWi Kran zu besitzen und wollte dicS vor der Welt moglilii:-. geheim halten. Thränen drohten in ihre Augen zu st, irr:-/ aber sie bezwang fich und fragte leise:Vielleicht hat r nt: *4 Dir gegenüber über mich lustig gemacht?"

ii Wachte eine verneinende Bewegung.

wollte ich Keinem, wer eS auch sein möge, rathen," enigeütre er ernst,i* würde darin mit vollem Fug und R-'chtt ue schwere Beleidigung sehen, die dem Spötter theuer zu ft.täia kommen könnte. Aber Dein Aberglauben, Kind, beretattniir, wenn Du ihn auch ferner noch so offen wie biShelmw: Schau trügst, in meinem Berufe Unannehmlich. feltethaabi durchkreuzt bei den Patienten meine ärztlichen Änoraltjicien. DaS habe ich noch jüngsthin wieder erfahren/ Er Ml sich über den Dollbart, welcher fein Gesicht um- rahmiNv i:td fuhr dann fort:Die Arbeiterfrau Nagel Du rBHi sie ja, sie «st die Mutter unserer früheren Köchin n-oi' ain Rothlaus oder, wie efl im VolkSwunde he.ßt, an der h»j, erkrankt. Ich wurde zu ihr gerufen und fand, daß i'lti riecht schmerzhafte Entzündung der Kopfhaut vorlag, ttelttibli time sorgsame ärztliche Behandlung erforderte, um wciteM > gefährlichen Folgen vorzubeugen. Nach Verlauf einerc Lilhhe konnte ich denn auch eine völlige Genesung der alternd constatiren. Al» ich bei meinem letzten Besuche meinMksi liedigung über den unerwartet schnellen und günstigen

BekmmiwaÄmm.

Bal Nroßherzogliche Ministerium deS Innern und der Justizisit luer deutschen LebenSverficherungSgesellschastAtlaS" zu LuciiiigLhafen a. Rh. die Erlaubniß zum Gefchäftsbetrieb >m GHnjhe', zoglhum unter den üblichen Bedingungen ertheilt. t Sieben, den 22. Juni 1896.

GroßherzoglicyeS KreiSamt Gießen.

v. ®ogern.

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meidend, gingen alle umher, denn der kleine Hans, welchen Anna Marte vor zwei Jahren ihrem Gatten geschenkt hatte, lag an Scharlach schwer darnieder.

Seit Erkrankung des Kindes brachte Doctor Winter jede freie Stunde, welche er seinem Berufe abringen konnte, am Bette des kleinen HanS zu. Er gönnte sich feine Ruhe und setzte sein bestes Können ein, um seinen Sohn zu retten. Aber die Krankheit schien der ärztlichen Kunst zu spotten, der Zustand deS kleinen Patienten verschlimmerte fich trotz aller Bemühungen und ein Tag nach dem andern verfloß, ohne daß eine Wendung zum Befferen eintrat.

In diesen trüben Tagen bewies Anna-Marie eine Seelen- starke, die Niemand in der jungen Frau gesucht hatte. Wohl krampfte sich auch ihr das Herz in wildem Weh zusammen, wenn sie ihr geliebteß Kind leiden sah, ohne ihm helfen zu können, aber fie klagte nicht, sie jammerte nicht. Sie wollte ibrrm Gatten da- Herz nicht noch schwerer machen, alS es ihm ohnehin schon war. Sie theilte sich in die Pflege des Kindes mit einer Diakonissin und verließ nur auf kurze Stunden da» Krankenzimmer, um ihrem von den Anstreng­ungen der Nachtwachen erschöpften Körper die nöthige Ruhe zu gönnen.

Heute faß fie wieder in dem Seffel am Fußende des Bettes und blickte mit starren, heißen Augen auf den Kleinen, welcher sich qualvoll in glühendem Fieber hin- und herwarf. Da wurde leise die Portiöre an der Thüre des Kranken­zimmers zurückgeschoben und Doctor Winter erschien auf der Schwelle. Er begrüßte seine Frau mit innigem Händedruck, nickte der Diakonissin, die an der anderen Seite des Bette« stand, zu und prüfte den Pul- de» Kindes. DaS Ergebniß seiner Untersuchung mußte ein recht trauriges sein. Er seufzte leise, kaum vernehmbar, aber Anna Marie hatte e« doch gehört und richtig gedeutet. Sie legte die Hand aus seinen Arm und fragte tonlos:Gibt keine fRettungr

Nicht hier," flüsterte er zurück und gab ihr ein Zeichen mit den Augen, ihr zu folgen. .

Mit zitternden Knieen erhob fie sich, noch einen langen, trostlosen Blick warf fie auf den Kleinen, dem eben die Dia­konissin eine kühle Compresse auf die Stirn legte, dann ver- Hefe fie am Arme deS Gatten daS Gemach.

(Schluß folgt.)

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Keneral-Mnzeiger.

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1 vormittags 8 Uhr 14 A Fahrpreis.Ei: Um zahlreiche dcheili

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Verlauf der Krankheit äußerte, wurde die Nagel befangen und gestand mir mit verlegenem Lächeln ein, daß fie fich hinter meinem Rücken die Rose von einemklugen" Manne habebesprechen" laffen und deßhalb so schnell genesen sei. Natürlich hielt ich der Alten das Thörichte ihrer HandlungS- weise vor, doch Frau Nagel blieb mir die Antwort nicht schuldig und meinte recht spitz, daß ich da-Stillen" doch nicht so verachten solle, dadie gnädige Frau Doctor" selbst an die Wunderkrast diese» Zaubermittels glaube, wie sie von ihrer Tochter erfahren habe. WaS sollte ich darauf ent­gegnen, ohne Dich bloSzustellen? . . Ich mußte mich mit ver- legenem Achselzucken entfernen."

Während der Rede ihres Mannes war in dem Gesichte Anna Maries eine feine Röth? aufgestiegen. Sie mußte Otto Recht geben, er war durch ihr Verschulden in eine fatale Situation geraden. Warum war fie auch bisher allen Menschen gegenüber so offenherzig und arglos gewesen. Sie faßte den Entschluß, von jetzt an in ihren Äußerungen vor- fichtiger zu sein. c .

Otto, sagte fie, fich von ihrem Sitze erhebend und den vollen weichen Arm um die Schultern ihre« ManneS schlingend,Du hast freilich alle Ursache, Deine kleine dumme Frau recht tüchtig auSzuschelten, aber bitte, sei wieder gut, HerzenSmann. Jck> werde mit Niemand mehr über solche Dinge reden . . Bist Du nun zufrieden?"

Er mußte wohl und drückte statt der Antwort einen langen Kuß auf ihre frischen Lippen. Wie konnte er auch ihrem Blicke, in d-m fich so viel hingebende,' selbstlose Liebe au-sprach, widerstehen? ES war sreilich nur ein schwacher ErMg, den er errungen, aber immerhin ein Erfolg. Viel­leicht gelang eS ihm trotz alledem noch, sein kindlich naive« Weib auS dem Nebel d:S Aberglaubens auf den Boden deS gefunden Menschenverstandes zurückzuführen.

Drei Jahre später. Wieder war der Johannistag in die Lande gekommen, wieder spannte fich ein blauer Himmel über die im Schmucke deS Sommers prangende Erde und wieder bufteten und blühten wie damals die Rosen hinter der Villa des Doctor Winter. Aber keiner im Hause deS ArzteS hatte heute ein Auge für all die Blumenpracht, die fich da draußen, vom Sonnengold überstrahlt, anSbreitete. Mit traurigen Mienen und jede» laute Geräusch sorgsam ver-

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leben dem Kurliaiiii* einen Neubau vergrößert immer.

Pension 3 Mark.

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(ifi iir? Nr . 147 Zweites Blatt

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