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Mittwoch den 25. März
Zweites Blatt
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Gießener Anzeig er
vierteljähriger
i) Aöo»«c«e«tsprelSr
W 2 Mark 20 Pfg. mit
Kenerat-Wnzeiger
Amts- unb Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzsn.
Kratisöeikage: Gießener Kamitienökätter.
Amtlicher Theil
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Innahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» lelflenben Lag erscheinenden Nummer bi» Borin. 10 Uhr.
Alle «nnoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Ecke.
„Hannewackel! Kommst mit nach Elmstein?^
Bor dem Träumenden steht eine lichte Mädchengestal^
-vmuthig, blondlockig wie das Brüderchen und festlich
Vringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mar! 50 Pfg.
Nedaction, ErpedNioO und Druckerei:
Kchulftrnt- Mr.F.
Fernsprecher 51.
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März, vom 20. bis zum 30. Mörz, sind recht erfreulich, denn sie deuten auf ein mildes gewächsigeS Frühjahr.
W. Rommelhausen i. d. W., 20. März. Unsere kleine Gemarkung führt einen guten T ö p f e r t h o n, der sich besonders zu Blumentöpfen eignet. Die Leute sind daher für das Herstellen de« Thönes und das Brennen gut eingeschult. Im Winter ruht das Geschäft satt ganz. Kaum zieht aber der Frühling inS Land, so wird unser Handel auch belebt. Die Lieferungen gehen meistens nach Hanau, welches die größte nahliegende Eisenbahnstation ist. Da der Bau der Eisenbahn von Stockheim durch die Wetterau nach Frankfurt in gewisier Aussicht steht, die Linie aber nahe an un8 vordeiführt. werden wir Verbindung mit Frankfurt erhalten, wodurch unsece Thonindustrie, die gar nicht so unbedeutend ist, jedenfalls einen kräftigen Aufschwung nehmen wird.
n.Friedberg.23.März. UnsereGeflügelauSftellung erfreut sich fortgesetzt eines ungemein starken Besuches. In den NachmittagSstunden des gestrigen Sonntags hielt eS ungemein schwer, sich durch daS dichte Gedränge zu arbeiten. Aber man machte sich die Mühe nicht umsonst; denn der junge Geflügelzüchterverein hatte sich keine Mühe verdrießen lassen, um etwas Schönes und Gediegenes bieten zu können. Der Catalog weist 461 Nummern auf und 114 Aussteller hatten sich betheiligt. Gänse waren nur sehr wenige auS- gestellt, was wohl damit zUsammenhängt, daß diese sich eben in der Brütezeit befinden. Von Enten waren vertreten: Peking, Rouen, Aylesbury, Türkische Enten und Kreuzungen, von Hühnern: Hamburger Lack- und Sprenkelhühner, Ramelsloher und Lakenfelder, Bergische Rassen, Thüringer Baus- bäckchen, Italiener, rebhuhn- und andersfarbig, Minorka, Langshan, Plymouth Rocks und Wyandottes, Dorking und Dominikaner, Spanier und Andalusier, Houdan, Cochtn, Brahma, Malayen und Kämpfer, Sumatra, Phönix und Jokohama, La Fläche und Crävecoeur, Paduaner und Holländer, Bantam, rosenkämmige, sebright und japanefische, Zwergkämpfer, Köchin- und Brahma-Bantam, Pfauen, Fasanen und Perlhühner und diverse kleine Rassen und deutsche Schläge und Kreuzungen. Von Tauben finden wir: Langschnäbel, Tümmler und Trommeltauben, Gimpel- und Staarentauben, LuchStauben, und Lerchen, Kröpfer, deutsche, Schwalbeu- Flügel- und Schildtauben, Pfaffen- und Mohrenköpfe, Mönch * EtStauben, und Schnippen, andere Farbentauben, Brieftauben, Römer, und Monteaubau, Kröpfer, englische
H. An» dem Horlosfthale, 20. .März. Der 1896er Frühling hält .mit programmmäßiger Pünktlichkeit seinen Einzug bei uuS. Gestern begann man allgemein mit dem Umgraben von Saatbeten im Freien. In geschützt liegenden Gärten hat man schon vor längerer Zett mit dieser Arbeit begonnen. Auch das Pflügen der ^Grundstücke hat seinen Anfang genommen. Samendickwurzel und Samenweißrüben werden bereits verpflanzt. Staare, Amseln, Droffeln und Buchfinken find eifrig am Nesterbauen. Auch die Elster zimmert fleißig an ihrem Horste. Erstaunlich ist der Fortschritt von gestern auf heute in der Natur. Die Wirsen find nahezu ganz grün in den geschützten Lagen. Gestern hatten wir einige Tropfen warmen Regen, es wurde sehr warm und wir beobachteten Blitze, aber ohne Donner. Derartige Erscheinungen in den sehr wichtigen Wendetageu des
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Deutsche» Reich.
Berlin, 23. März. Am Sonntag fand in Wilhelms- Hafen die Enthüllung des vom Commerzienrath Oechel- Häuser gestifteten Kaiser Wilhelm - Denkmale- statt- im Auftrag des Kaisers wohnte Prinz Friedrich Leopold von Preußen der Feier bei. Nach einer Ansprache deS Stifters des DenkmaleS an den Prinzen hielt Viceadmiral ValviS die eigentliche Festrede, in derselben mit warmen, patriotischen Worten des Wirkens und der Persönlichkeit deS großen Kaisers gedenkend. Prinz Friedrich Leopold dankte beiden Rednern und unternahm dann eine Befichtigung des DenkmaleS, an deffen Fuße alsdann Veteranen und Vereine Kränze niederlegten. Später besichtigte der Prinz die Werft, nahm hierauf im OffizierScafino das Frühstück ein und reifte bald nach 4 Uhr nach Oldenburg weiter, um dem dortigen Hofe einen mehrtägigen Besuch abzustatten.
— Die Blättermeldung, wonach der Berlepsch'sche Entwurf eines Gesetzes über die Organisation deS Handwerks dem preußischen StaatSministerium jetzt zugegangen sein sollte, wird von der offictösen „Nordd. Allgem. Ztg." demrntirt, dagegen von dem gleichfalls offieiösen „Hamb. Corresp " aufrecht erhalten. Es wird sich wohl bald zeigen, welches von beiden Blättern mit seiner Auffaffung in dieser Angelegenheit Recht hat.
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„Geh, laß mich, Marile, ich bleib halt doch lieber | daheim."
„Na, so ein" — aber sie kommt nicht zu Ende; am Garrenzaun nickt ein fröhliches, schnurrbärtiges Gesicht und winkt und lacht und flüstert ein lustiges „Grüß Gott!" Da ist sie über und über roth und freudig erschrocken an den Zaun gelaufen. Der Hannewackel aber kaut an feinem Pfeifensttel und blickt wehmürhig-traurig hinterdrein.
„Hannewackel! Wie stehtS, gehst uet mit?"
Die stämmige Bäuerin selbst rüttelt ihn ermunternd an .den Schultern, daß beinahe daS qualmende Pfeiflein aus dem Munde gefallen wäre.
„Ich dank schön, Bäuerin, aber mir ist uet ganz wohl."
„Wie Du willst- mach DtrS bequem, koch Dir auf den Abend ein Grützen und ein paar Eier- follte Dich aber doch noch ein Lüstchen ankommen, so weißt, wo wir zu finden find. Gehab Dich wohl, Hannewackel!"
Die seidenen Feströcke und die bunten Schürzenzipfel flattern um die Ecke.
Leb wohl, Hannewackel," — wieder lugt der Blondkopf herüber — „werd Dir waS Schöne-mttbringen. Leb wohl!"
Und der Bauer mahnt: „Gieb fein Obacht, daß nix pasfirt!" Dann kuarrt die Hofthüre und fällt klirrend wieder in- Schloß — fort find fie.
„Run werd ich wohl endlich meine Ruh haben!" grollt der Bursche hinterdrein und blickt den Davongeheudeu über den Gartenzaun nach. Wie fie so gemächlich und stattlich dahiuschlendern! Der Bauer und die Bäuerin breitspurig und selbstgefällig vornweg, da- «übleiu einmal hüben und einmal drüben, immer lachend, immer springend, und daun schmuck und säuberlich daS Marile. Ja, da- Marile, daS Marile! Seufzend kehrt fich der Bursche ab und macht fich ein neuer Pfeiflein zurecht. ES ist still um ihn her, schwül und still, und über den Hof flimmert der gluthende Schein der Mittagssonne. Nero, der Hofhund, liegt unter der Bank, streckt zuweilen heißathmeud die Lefzen auf uud schnappt nach den Mücken, die ihm um die Ohren schwirren- die Hühner haben fich tu den Schatteu der Mauer, in die aufgescharrten kühlen Erdhöhlen gelagert, über den Düngerhaufen summe» blauschivernd unzählige Fliegen enb unter dem Schmurndach
Fenilleton.
Drs Hannewsckkls Kirmeßsonntsg.
Skizze aus den Pfälzer Bergen.
Von Heinrich v. Lautern.
(Nachdruck verboten.)
„Hannewackel*)! Gehst mit zur Kirmeß?"
Ein blondes Bübchen trollt um die HauSecke auf einen tiasamen Burschen zu, der im Sonnenschein auf der Bank sitzt uud vor fich ^'iuträumend sein Pfeifchen schmaucht.
„Hannewackel! Gutsel**), viel Gutsel kaufen — ach ja, und Earouffel fahren?!"
„Nein, Carlchen, ich geh nicht mit — muß den Hof süten." v „ r .
Der Blondkopf lugt den Burschen mit fragenden Aeugletu w Wie kann ein Mensch zum Ktrmeßsonntag den Hof wten müffen? Aber daS Krausköpfchen ist zu voll von Sattel- und Carouffelgelüsten, ein paarmal tätschelt eS die braune, schwielige Hand des Burschen mit seinen winzigen, nfigeu Ftugerchen und hüpft dann wieder leichtfüßig um
Der Meetr Zotiger erscheint täglich, rmt Ausnahme beS Montag».
Die Gießener Deamitieuv kälter »erben d-m Anzeiger »Schentlich dreimal beifldegt
ager in I m, sowie | riilkzesetzte | >eten za A Siglen !
geschmückt. _ ., ,
„Nein, Marile, ich muß — ich muß — na, ich kann ftlr net!" , _. ,
„So geh doch mit! Heut wenigsten- einmal, zur Kirmeß. hast ja reins nicht- sonst, Du armer Kerl, und — weißt — v Elmstein find die Mädchen gar nicht unrecht."
„Kann schon sein, Marile, aber nach mir fragt doch I'.iae."
„O, Du Griesgram! Freilich, wenn Du alleweil den Kopf häng« läßt und so absonderlich daherblickst, als gäbS leim' Sonn' und kein Singen auf der Welt! Geh, sei ge- scheldt und fei lustig und komm' mit. Der Franz ist auch Md; wirst schon Dein Spaß haben."
*) Pfälzer Bezeichnung eins- hdmath- und besitzlosen Menschen. I
»*) Nafchwerk.
10.
Ireflektor.
Feilt!
as-Ofei
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ohn Carl
Bade-Ofenfl serwerkj^, iige> Arbeit nach >
wirbeln und tanzen leuchtende Staubstretfen durch die Sonnenstrahlen, die durch Ritzen und Spalten fallen.
Der Bursche auf der Bank ist unruhig geworden und heftig aufgeblasene Rauchwolken zerstattern blauwirbelnd im Sonnenschein. Auch der Hund mag nimmer ruhen- unter der Bank kriecht er hervor und schiebt den Kopf schweifwedelnd auf die Kniee de- Burschen, in den großen, glänzenden Augen- sternen die stumme Frage: „WaS machen wir nun?"
Und der Hannewackel tupft ihm auf die kühle, feuchte Rase, streicht ihm daS glatte Fell und spricht: „Ja, ja, Nero, Du uud ich — wir find beide so zwei arme Hundeseelen. Du freilich bist immer noch bester dran, Du fühlst nix da- von, Du gute-, dumme- Vieh, aber unsereiuS hat nun einmal sein ewige- Sinnen und Denken und kann nimmer weg- kommen über diese- leidige Leben uud über die Dummheit, daß eS Herren und Knechte gibt, Herren und Knechte weitaus, welteiu. Und da stellen fie fich auch noch obendrein hin, ein- um- andere, ziehen ein freundliches Gesicht und sagen: „Hannewackel, gehst mit?" Ja, und geht der Hannewackel mit, dann darf er in Gnaden sechs Schritte hinterdrein tappen, weunS Norh thut auch noch den Buben tragen- in Elmstein nachher gibt- ein Maß Bier uud dann läßt man ihn laufen, den armen Knecht. O, du armselige- Hundeleben!"
Er schiebt den Hund bet Seite und ist mit einem Ruck auf den Beinen. „Wenigsten- einen anderen Rock willst au- ziehen," murmelt er, fich dehnend, „damit daß Du selber auch einen Begriff kriegst von Sonntag uud Kirmeß.
Just will er oben seine Kammerthür auskliuken, da kommt ihm ein seltsamer Gedanke. Er streift die Schuhe^ ab und schleicht auf den Zehen über den Boden an eine von ihm nie geöffnete Thür — die Thür von Marilenß Mädchen- stube. Sr hält den Athem au, wie er die Klinke niederdrückt, und tritt mit hochklopfeudem Herzen in daS stille Heiligthum. Auf dem Fensterbrett duftet ein Strauß vollaufgeblühter Rosen, — gewiß vom Franz! Uud über der Stuhllehne hängen die Alltagskleider, die fie vorhin erst mit dem Feststaate vertauscht.
(Kortzetzung folgt.)
Lekauvtmachmlg,
betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des SroßherzogthumS; hier: Gesuch des Verein- „Kunstfreund" zu Darmstadt um Genehmigung einer Verloofung.
Der Verein „Kunstfreund" zu Darmstadt beabsichtigt mit einer im September l. I. abzuhaltendrn Ausstellung eine Verloofung von Oelgemälden zu verbinden.
Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz Hai die nachgesuchte Erlaubntß zur Veranstaltung dieser Ver- loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 25,000 Loose zu 1 Mark daS Stück ausgegeden werden dürfen uud mindesten- 60 pEt. des BruttoerlöseS au- dem verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenstäuden zu dervenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Srvßherzogthum gestattet worden.
Gießen, den 21. März 1896.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 21. März 1896. vetreffend: Die Ableistung de- Huldigung-- und Ver- faffungSeideS.
Daß «wßherzogttche KrriSawt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Homberg.
Die Ableistung deS Huldigung-- und BerfaffuugSeideS bei in Ihren Gemeinden neu aufgenommeuen Ort-bürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ort-bürger zu werden, verheirathet haben, soll Samstag den 4. April d. I., Bormittags 9 Uhr, in dem Rathhause zu Grüuberg stattfinden.
Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen auzuzetgen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.
Halten fich derartige Personen au-wärt- auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.
v. Gagern.


