Ausgabe 
24.12.1896 Erstes Blatt
 
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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, rit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener ^emtCicniratler »erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.

Hratisöeitage; Gießener Aamitienötätter.

Alle Annoncen-Vareaux deS In- und Auslandes nehme» | Anzeigen ffir denGießener Anzeiger- entgege«.

>»aah«e von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden tag erscheinenden Nummer bis Bor». 10 Uhr.

Amtliche» Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Waffergenoffenschafr Inheiden.

Mittwoch den LV. Januar 1897, Nachmittag» 8 Uhr, fiavet die Generalversammlung der rubr. Waffer- genoffenschaft auf dem Gemetadehause -u Inheiden mit folgender Tagesordnung statt:

1. Abstimmung über die Anträge des Genossenschaft«- Vorstandes, betreffend Abänderung des Melioration-« ProjecreS.

Die Anträge liegen zur Einsicht der Betheiligteu in der Zeit vom S. bis 17. Januar 1897 auf dem Amtszimmer der Bürgerwelsteret Inheiden offen.

2. Neuwahl des GenoffenschaftSvorstandeS in Gemäß« heit deS § 11 des Statuts.

Gießen, den 22. December 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gieße».

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Maul« und Klauenseuche auf Hof RiugelShauseu.

Nachdem auf Hof RingelShausen die Maul« unb Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöft« sperre augeordnet worden ist.

Gießen, am 23. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Maul« und Klauenseuche zu TraiS«Horloff.

Nachdem in einem weiteren Gehöfte zu TraiS« Horloff die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestellt wurde, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gemarkungssperre angeordnet worden ist.

Gießen, den 23. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

__________________v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

In der Gemeinde Oberquembach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Die angeordnete Gemarkungssperre ist wieder aufgehoben worden.

Gießen, den 21. December 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Deutsche- Reich.

Au» dem ReichSlaude, 22. December. Ein wichtiges Glied in der Kette der Germaniftrung tritt in Metz in der jüngsten Zeit in die Erscheinung. Nach dem Kriege 1870/71 zog ein großer Theil der Metzer Hausbesitzer nach Frankreich, ohne ihr Grundeigevthum in Metz zu veräußern. Man sah eS damals eben für selbstverständlich an, daß die Einverleibung in Deutschland nur vorübergehend sein und daß man nach einigen Jahren wieder tu die alten Verhält« u ffe zurückkehren werde. Seit man sich in dieser Erwartung getäuscht sieht, suchen, wie dieMetzer Zeitung" schreibt, die in Frankreich lebenden Eigenthümer ihre Häuser zu ver« kaufen. So find innerhalb Jahresfrist nicht weniger als 236 Häuser in den Besitz von Deutschen übergegangen. Metz nimmt also auch in dieser Beziehung immer mehr den Eharacter einer deutschen Stadt an. Die alteinheimische Bevölkerung befindet sich bekanntlich schon seit Jahren in der Minderheit.

tteuefte

Wolff« telegraphischer Lorrespondenz-Bureem.

Kiel, 22. December. DieKieler Zeitung" erklärt, aie Meldung von der beabsichtigten Entsendung der arsten Panzerdivision nach Tanger entbehre jeder Begründung.

Hamburg, 22. December. Die zehn geretteten Leute »om «Iltis" find heute Nachmittag um fünf Uhr hier an« gekommen.

Hamburg, 22. December. Heute fand abermals eine Auszahlung von Unterstützungsgeldern an die Vtrikenden statt. GS sollen im Ganzen 190,460 Mk. ver« tthrilt worden sein. Im Hafen wurde heute auf 161 Schiffen

mir 355 Gangen gearbeitet, 39 Schiffe lagen ruhig. Bon 86 an den Quais liegenden Schiffen arbeiteten auf 64 Schiffen 1460 Leute an 168 Krähnen. Am Quai selbst arbeiteten heute 2127 Leute.

Leipzig, 22. December. Bet dem Preisausschreiben zur Erlangung endgiltiger Pläne und Modelle für ein Bölkerschlacht-Nationaldenkmal erhielt von 72 eingereichten Plänen den ersten Preis 6000 Mk. Architekt Wil- Helm Kreis Charlottenburg, den zweiten Preis 4000 Mk. Architekt Otto Rieth Berlin, den dritten Preis 2500 Mk. die Architekten Karl Spaeth und Oscar USbeck Berlin, den vierten Preis 1500 Mk. Architekt Professor Bruno Scymitz Charlottenburg, den fünften Preis 1000 Mk. Architekt Arnold Hartmann-Berlin.

Sofia, 22. Drcember. Der Gerichtshof in dem Pro« «ffe gegen die Mörder StambnlowS fetzt fich aus 3 Richtern und 3 Geschworenen zusammen. Die drei An­geklagten, von denen Tufektschiew fich bisher gegen Caution auf freiem Fuße befand, jetzt aber in Haft genommen ist, erklärten sich nicht für schuldig. Tufektschiew sagt auS, er sei an der Ermordung nicht betheiligt, würde jedoch Stam- bulow getödtet haben, wenn er ihm begegnet wäre, denn Stambulow sei ein Tyrann gewesen, der seinen (Tusekt« fchiews) Bruder zu Grunde gerichtet hätte. Die Zeugen­aussagen bieten nichts Neues. Petkow bekundet, Stambulow habe Halt» und Tufektschiew als seine Mörder bezeichnet. Grekow erklärte, Stambulow sei stets in Sorge gewesen, daß sein HauS mittelst Dynamit in die Luft gesprengt werde. Mach legt einen Brief StambulowS vor, der erst nach deffen Tode geöffnet wurde und in dem der Ermordete die da­maligen Minister beschuldigt, mit Tufektschiew einen Anschlag gegen sein Leben verabredet zu haben.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 22. December. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt officiös DieMittheilungen für die Vertrauensmänner der nattonalliberaleq Partei" haben nach derNational-Zeitung" in einer Erörterung Über da» Scheitern der Justiz« Novelle hervorgehoben, daß die Möglichkeit einer Ver­ständigung zwischen Regierung und Reichstag in dem Augenblick unerreichbar erschien, als der Staatssekretär der Reichs« justizamtS fich lediglich an die Vertrauensmänner der CentrumS« Partei gewendet hatte, um den Preis eines etwaigen Com- promiffeS zu erfahren. Diese tatsächliche Angabe ist unrichtig. Der Staatssekretär deS RetchSjustizamtS ist an irgend eine Partei mit Anfragen oder Compromiß-Berfuchen nicht heran« getreten. Nachdem die verbündeten Regierungen ihre Stellung zu dem Beschluß deS Reichstages im Laufe der Verhand« lungen bestimmt und unzweideutig kundgegeben hatten, lag sür ihre Vertreter kein Grund vor, um unter Preisgabe einzelner als unerläßlich bezeichneter Forderungen mit Com- promtß-Verhandlungen vorzugehen.

Berlin, 22. December. Durch die Explosion einer Aetherflafche find heute Morgen um 7% Uhr in der König­lichen Charito sechs Personen verletzt worden.

Berlin, 22. December. Die Abendblätter melden auS Ple ß: Im Lagerraum einer hiesigen Drogenhandlung erfolgte durch unvorsichtiges Umgehen mit Licht eine Explosion. DaS Haus wurde demolirt und einige Nachbarhäuser in Brand gesteckt. Drei Personen find schwer verletzt.

Berlin, 22. December. Die Leiche deS verstorbenen Generalmajor v. Lippe wird in der kommenden Nacht von Dresden nach Berlin übersührt und morgen Nachmittag 2Vs Uhr auf dem Garnisonkirchhofe in der Haseuhaide mit allen militärischen Ehren beigesetzt werden.

Berlin, 22. December. Der bayrische Krtegsminister Freiherr v. Asch weilt, wie ein hiesiges Blatt berichtet, zur Zett in Berlin. Man bringt seine Anwesenheit mit der Frage der Reform deS MilttärstrafprocesseS in Zufammenhang.

Frankfurt a. M., 22. December. DieFranks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Im Palast herrscht seitdem Empfange deS russischen Botschafters Neltdow eine seit Monaten nicht dagewesene zuversichtliche Stimmung. Vielleicht unter dem Einfluffe derselben übersandte der Sultan dem Präsidium des Courtis« ,für die nationale Subseription . eine Million und dem Personal de» Palastes zu dem gleichen Zwecke 200000 Mark.

Stuttgart, 22. December. Wie in anderen Großstädten werden von jetzt ab auch am Stuttgarter Bahnhof zum Betreten de« Perrons Perrou-Karten ausgegeben.

Budapest, 22. December. Im Handelsministerium begann gestern die Enquete in der Angelegenheit der Börsen« re form. ES wurde fast von allen Kreisen die Rothwendig- kett der gesetzlichen Regelung des Börsenwesens erkannt. Bei

der Frage, ob auch die Interessenten der Laudwirlhschaft an der Börse vertteten sein sollen, wurde dies als wünschenS- werth bezeichnet.

Zürich, 22. December. Der ReichSbank«Agevt H e g e l e, welcher sich in Lichtensteig mit Morphium zu vergiften suchte, befindet fich außer Lebensgefahr. Man fand bei ihm nur 185 Mark vor.

Pari», 22. December. Der verhaftete Hauptmann a. D. Guillot soll wegen Spionage vor das Zucht-Polizei« gericht und wegen LaudeSverrathS vor das Kriegsgericht gestellt werden.

Pari», 22. December. Der Ober-KriegSrath hielt gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten Faure eine Sitzung ab, deren DiScmsion nicht bekannt ist.

Toulon, 22. December. AuSständische Werft­arbeiter fordern eine Lohnerhöhung und Entlastung deS WeSftführerS. Die Italiener, welche bisher die Arbeit fort­fetzten, haben befchlosten, fich den Strikenden anzuschließen. Zwei hiesige Blätter fordern zu Beiträgen für die Strikenden auf. Der socialiftische Abgeordnete Auseret trifft heute hier ein. Man glaubt, daß der Strike eine große Ausdehnung annehmen wird.

Brest, 22. December. Da« bei der Queffant-Jusel untergegangene Schiff wurde von verschiedenen Capitänen als der Dampfer Dourch erkannt. Ein Theil der Bemannung destelben wurde gerettet, während der Capitän mit dem Schiff unterging,

London, 22. December. ES verlautet neuerdings, daß die britische Regierung wahrscheinlich auf eigene Faust Zw augSmaßregeln gegen den Sultan ergreifen werde. Wegen Durchführung dieser Maßregel habe Lord Salisbury am Sonntag eine längere Unterredung mit de« Schatzkauzler gehabt und später die fremden Botschafter empfangen, um ihnen den Entschluß der britischen Regierung mitzutheilen.

Petersburg, 22. December. Im Befinden de« KriegSminifterS ist keine Besserung eingetreten. Man hält feinen Rücktritt für bevorstehend.

Sofia, 22. December. Die von deutschen Blättern ge­brachte Meldung, daß im Hause StambulowS eine Bombe aufgefunden worden sei, wird als Erfindung be­zeichnet.

Newyork, 22. December. Der Senat vertagte bi« nach den Ferien die Weiterberathung über den Antrag Cameron betreffs die Unabhängigkeit CubaS, indem er zugleich erklärte, daß dem Congreß allein das Recht zustehe, diese Unabhängigkeit anzuerkennen. Damit ist die cubanische Frage vor der Hand bei Seite geschoben.

Berlin, 23. December. Zu den neuerlichen Meldungen, Finanzmintster Miquel sei amtSmüde, schreibt dieNordd. Allgem. Ztg.": Ernsthafte politische Kreise, welche den Zu­sammenhang der Dinge kennen, werden kaum verstehen, wie Zeitungen auS solcher Qaelle stammende Nachrichten dieser Art ernst zu nehmen und zu dtScutireu vermochten.

Berlin, 23. December. DieNordd. Allg. Ztg." weist darauf hin, daß das beiLandwirtheu erfolgende Aufsuchen von Bestellungen auf Waaren, wie z. B. Dünge- mittel, landwirthschastliche Maschinen rc., die im Betriebe der Landwirthschaft Verwendung finden, den Beschränkungen nicht unterliegt, die infolge der Aenderung in der Gewerbe- Ordnung für die Detailreisenden eingetreten find.

Berlin, 23. December. DenBtrl. Neuest. Nachr." zufolge gedenkt der Gouverneur der Gchutziruppe von Deutsch- Ostafrika, Oberftlieutenant v. Trotha, im Januar eine» Urlaub in die Hkimath anzutreten.

Berlin, 23. December. DieVoss. Ztg." meldet an« Athen: AuS Larissa wird berichtet, daß am Sonntag bet Prophetalia« am Olymp ein blutiges Gefecht zwischen Türken und einer griechischen Jnsurgentenbande statt- gesunden habe. Die Türken, 80 Mann stark, begleiteten eine UntersucbungScommission von 8 Mitgliedern. In dem Ge­fechte sollen sämmtliche CommisfionSmitglieder, 24 türkische Soldaten und 4 Insurgenten getödtet worden sein.

Hamburg, 23. December. Viele Strikeposten wurde» gestern verhaftet. Die Auszahlungen von Strikrgeldera betragen bisher zusammen 192,460 Mk.

Gießen, den 23. December.

Zur Aufklärung. Auf vielseitige Anfragen hin sei bemerkt, daß daS biblische SchauspielLicht vom Lichte" ganz sicher am ersten WeihnachtSfeiertage, Nachmittag« 5 Uhr, in Steins Garten aufgeführt wird. Der Artikel