Ausgabe 
23.8.1896 Drittes Blatt
 
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1896

Sonntag bett 23. August

Zlints- und Zlnzeineblutt für dsn UwU Gieren

Amtlichen Theil

kolonial- ien- und

Alle »nnoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger» entgegen.

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drin»:- Male verwies man ihn auf einen abermals entgegen, rse,Pb Hegenden Stadttheil, wohin er diesmal den Omnibus

Itti* ungefähr in der Gegend wohnen müsse, die er nr halben Stunde verlaffen hatte, gab er das Suchen

Gieren, den 21. August 1896.

Großherzogltches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

vierteljähriger

AvonnementspreiZ 9 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlobn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

vedaction, ExpeditiiJ und Druckerei:

SchnlßrntzeNr.,«- Fernfprecher 51.

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man sich eine angenehme Aufbesserung der Verhältnisse verspricht.

Kaum aber war man einig geworden, hatte er um ein frisches Glas Wasser gebeten, weil daS Beefsteak im Re« staurant sehr salzig gewesen war, als der liebenswürdige Zug im Gesicht der stattlichen Wittwe verschwand, sie Plötz­lich beide Hände gegen die Hüften stemmte und ihn so herausfordernd von unten bis oben musterte, daß er sie mit halb geöffnetem Munde erstaunt anblickte. Und erschreckt trat er einen Schritt zurück, als sie mit überlegen-spöttischer Miene begann:

Also ein GlaS Waffer soll ich Ihnen holen? Sehen Sie mal an! Damit Sie mich hier aus dem Zimmer haben und Sie inzwischen Uhr und Kette dort von der Tommode stehlen können, wie? Auf den alten Trick falle ich nicht mehr rein. DaS ist mir einmal passtrt und nicht

Wuchtig wie ein Coloß stand sie ihm gegenüber und maß ihn mit einem durchbohrenden Blick, als wollte sie sagen: Du bist mir gerade der Rechte, Schwachmatikus, Dich halt ich mit steifem Arm zum Fenster hinaus!

Er wurde blaß und da er vor Entsetzen bei diesem Der« dacht nicht gleich die richtigen Worte zur Aufklärung fand, so glaubte sie, daS Richtige getroffen zu haben und fuhr daher in derselben Tonart fort:

Sie wollen mir aufmutzen, daß daS Ihre sammtlichen Sachen find? WerS glaubt, wird selig. DaS kennt man schon. Damit wollen die Herren Langfinger uns Sand tu die Augen streuen. Und wenn fie nicht gleich mopsen, dann thuu fie eS am andern Tage, gehen heidi und lasten ihren werthlosen Plunder zurück. Mau liest eS ja fast jeden Tag in der Zeitung." r .

Sie war so in Eifer gerathen, daß er die Empfindung hatte, fie könnte im nächsten Augenblick handgreiflich werden.

(Schluß folgt.)

hier zur Nidder, nach Stockheim, geht ihrer Vollendung ent- gegen. Sie wird wahrscheinlich noch in diesem Jahre dem Verkehr übergeben werden.

n. Büdingen, 20. August. Die in 38 Orten unseres Kreises bestehenden Psenntgsparkassen hatten nach dem letzten Ausweis am Ende des ersten Semesters 1895 ein Guthaben von 132137.22 Mk. Davon hat Echzell mit 21715 Mk. den größten, Gelnhaar mit 17.40 Mk. den kleinsten Antheil. Die Einlagen im zweiten Halbjahr beliefen sich auf 11079.37 Mk. und waren im December, wo fie die Höhe von 3369.97 Mk. erreichten, am höchsten. Unsere neue Genossenschafts-Molkerei eröffnet heute ihren Betrieb.

|[» er dann wiederum zu hören bekam, daßWittwe

vekaustmachung,

betreffend: die Maul, und Klauenseuche.

* Die neueste Frucht der Vereinsmeierei ist derHeirathS- club", der letzthin in Berlin gegründet wurde. Auf- genommen werden nur junge Männer und Wittwer, junge Damen und Wittwen, die die wirkliche und reelle Abficht haben, fich schnell und glücklich zu verheirathen. AuS- geschloffen sollen die Mitglieder wieder werden, sobald fich ein Paar gefunden.

* In Roda gerieth ein achtjähriges Mädchen mit einem gleichaltrigen Knaben auf der Straße, wo beide zusammen gespielt hatten, in Streit, in deffen Verlauf daS Mädchen seinen kleinen Gegner dermaßen mit einer Stricknadel zwischen der zweiten Rippe in den Rücken stach, daß die Lunge verletzt wurde. Der arme Junge liegt schwer darnieder.

WaS kostet eine Fliege? DerC. M. Z. erzählt Jemand: Es gibt nur wenige Jnsecten, die sich in so hohem Maße der öffentlichen Verachtung und dem allgemeinen Uebelwollen ausgesetzt haben wie die Fliegen diese er­barmungslosen Quälgeister, die uns tückisch aus den süßesten Träumen auswecken, die Ruhe unseres Landaufenthaltes stören, und selbst die Gutmüthigsten zu Ausbrüchen ohn­mächtiger Wuth reizen. Welche BernichtuvgSkämpfe hat mau schon gegen sie unternommen mit Letmruthen und Fliegen- papier, mit Quasfieuholz, Kürbisblättern und Betfuß! Aber diese Sorte von Quälgeistern ist unausrottbar,' in jedem Sommer findet fie sich in unverminderter Zahl ein und der aussichtslose Kampf gegen die mißrathenen Geschöpfe, die so erbärmlich find, daß selbst der Teufel fie nur in der Roth frißt, beginnt von Neuem. Und diese Thtere sollten eine marktgängige Waare sein, einen regulären Preis erzielen? DaS ist, wie wunderbar es klingt, in der That der Fall. Hören Sie so schreibt uns ein Freund unseres Blattes wie ich von dieser seltsamen Thatsache Kenutniß erhielt. Gestern ging ich die Schützenstraße entlang. An der Ecke

Feuilleton.

Deb«t in der Weltstadt.

Berliner Skizze von Max Kretzer.

(4. Fortsetzung.)

A . nactp Iti Freundin seiner Mutter an diesem Tage auf, ge.

v tztz-lW lodur kh aber, sobald er ein Unterkommru hätte, die 6e»

Ifidltt/ deutnl-zsvolle Mittheiluug nach Hause zu schreiben, daß eS A in SBklln Mode zu sein scheine, alljährlich mit den Möbeln oour tinern Ende der Stadt nach dem andern spazieren zu

rsus!

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tot Anmi raße 10,1 "usgeschaf,

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Rainer.

und wunderte fich dann, daß nach Berichtigung der Zeche, wobei er seiner Abneigung gegen daS Trtnkgeldgebeu treu geblieben war, der Kellner plötzlich das Gehör verloren zu haben schien, als eS sich noch um einen neuenSchnitt handelte. Erst nachdem Schnurps viermal die Bestellung wiederholt hatte und zuletzt etwas ärgerlich mit dem leeren Krug aus deu Untersatz trommelte, wich allmaltg die Taub­heit des realistisch gestimmten Ganymeds, der dann mit der Herablaflung eines zukünftigen GasthofsbefitzerS den ge­füllten Krug vor ihn hiustellte und beim Vorübergehen so häufig Seitenblicke aus den hartnäckigen Gast mit dem Koffer warf, daß dieser fast in Verlegenheit gerieth.

SchnurpS, dem die Erlebntffe der letzten Stunden noch in den Gliedern lagen, wollte ihn nicht aufs Neue reizen, und so paßte er fich den Weltstadtgewohnheiten an und legte, als er ging, ein Fünfpfennigstück mehr auf den Tisch, wofür er denn die Genugthuung erlebte, die aufgehende Sonne im Gefichte des Kellners zu beobachten und einen verständniß- vollen Kopfnicker entgegenzunehmen.

Das sehe ich jetzt ein, in Berlin muß mau Geld aus- geben, um verstanden zu werden," waren dann feine Ge- danken, als er fich wieder auf der Straße befand.

Er hielt es nun an der Zett, fich nach einer Wohnung umzusehen. Er durchwanderte mehrere Straßen und bltev dann vor einem Hause stehen, au deffen großem Thorwege wohl ein Dutzend Papptafeln darauf htnwiesen, daß hier ein Taubenschlag für Chambregarnisten sein müsse, öte je nach Bedürfniß allmonatlich auSflogen und durch neue ersetzt wurden. - . txi

Ein etnfenftriges Zimmer im vierten Stockwerk erschien ihm seinen Verhältnissen angemessen zu ^ nnb fo> ma^te er fich denn auf den Weg hinauf zur zukünftig enHerbttgS wirthtn. Er wurde mit jener bezaubernden Freundlichkeit empfangen, die weniger dem Menschen an und für fich, als dem voraussichtlich prompten MiethSzahler gilt, von dem

Gießener Anzeiger

Kmerat-Mnzeiger.

Der ttefret Anzeiger erichmt täglich, «ttt Ausnahme bei lotrtofll.

Bit Gießener 9* «ttleavtälter totrfle dem Anzeiger vßchWÜ'ch dreimal trigelegt.

der Markgrafenstraße rannte ein etwa zwölfjähriges Mädchen mich an. Seiner Hand entfiel eine Pappschachtel, deren Deckel fich löste. DaS Kind begann zu jammern:Meine Fliegen, meine Fliegen ..."WaS ist denn passirt, Kleine?" fragte ich theilnahmSvoll.Ach, nun find meine Fliegen fort", sagte sie traurig und nut mühsam unterdrückte fie die Thränen.Ich hatte vierzig Stück, jetzt sind fie fortgeflogen." «Aber der Verlust ist doch nicht so groß , versuchte ich zu trösten.Fliegen gibt es doch genug, wenn eS Dir Spaß macht, solche zu besitzen/ «Ach, daS sagen Sie", entgegnete daS Kind.Aber fangen sie erst mal vierzig Fliegen, dann werden Sie sehen, wie schwer daS ist. DaS Mädchen hob feine Pappschachtel auf und wollte betrübt seinen Weg fortsetzen. Mich interesfirte diese Fliegen­geschichte und ich fragte die Kleine:Du fängst wohl die Fliegen zu einem besonderen Zweck?" <,3°, ffewitz, ich verkaufe fie.-Du verkaufst fie? Nun, so will ich Dir den Schaden ersetzen."Ja, ich bekomme für zwanzig Fliegen eine Kaulquappe." Ich war rathlos.DaS wären also für Fliegen, die du, vielleicht durch meine Schuld, verloren hast, zwei Kaulquappen. Nun habe ich aber zu­fällig gar keine Kaulquappen bei mir, um Dir den Schaden ersetzen zu können. Jndeß, vielleicht findet fich Rath. ®ö9e mir erst, wer Dir die Fliegen abkauft?"Ich verkaufe sie an den Vogelhändler", entgegnete die Kleine,der ge­braucht fie zum Füttern von Vögeln und Fröschen. Aber lebendig müffen die Fliegen sein, sonst taugen fie nichts. Das ist gar nicht so leicht, zwanzig Fliegen zu fangen. Das glaube ich wohl. Aber was fängst Du nun mit den Kaulquappen an?" -Die behalte ich, bis junge Frösche daraus geworden find." -Hast Du denn für diese Ver­wendung?"O, gewiß! Die verkaufe ich wieder an den Vogelhändler. Für acht Stück bekomme ich einen Groschen.' So hatte sich mir also daS Geheimniß des FltegenhandelS enthüllt: für zwanzig Fliegen gibt es eine Kaulquappe und für acht Frösche, die fich aus diesen Kaulquappen entwickeln, zehn Pfennige baareS Geld. Das ist zwar ein etwas um­ständliches Handelsverfahren, aber es zeigt doch, daß selbst ein so gehaßtes und vielgeschmähtes Jnsect wie die Fliege auf demWeltmärkte" etwas gilt. Dankbar für die interessante Bereicherung meines Wissens gab ich der Kleinen einige Nickel.O", sagte fie gerührt,dafür könnt' ich Ihnen noch viele Fliegen bringen."

Schlußtermin. Lehrjunge:Meister, wenn Sie mich noch amal prügeln wollen, da müssen Sie fich tummeln, sonst ist es zu spät. Meister:Weshalb denn?" Lehrjunge: In einer halben Stunde habe ich auSgelernt."

n. »an der mittleren Nidda, 20. August. Mit der Her- Bull 3 stellens d-r Eisenbahn von Friedberg nach Nidda werden sich sür unsere Gegend die VerkehrSverhältniffe ganz andern, gestalten. Sobald günstigere Wegverbtndungen nach 1 Reto-Meim geschaffen sein werden, wird nämlich dieses als

i nächMr Bahnstation für unS den ganzen Verkehr von hier an ff bequem < fich Man plant darum die Herstellung einer neuen «i u EhaMr von Leidhecken durch den Wtesengrund der Horloff nach- SiethelSheim. Dadurch wird der Weg für unS zur . Thompson Hz Bahnstation bedeutend abgekürzt, während wir unter den n '' . k- l lktzipM Wegeverhältniffen nach Ranstadt näher haben. In

SteinllW unjectm Interesse liegt eS bann auch, wenn fich unsere Post- tr, verMnduv.g mit Reichelsheim anders gestaltet. Man hofft WW i bekannten Entgegenkommen der oberen Postbehörde neu He durch die VerkehrSverhältniffe dictirten und darum dereWsten Wünsche deö Publikums, eS zu erreichen, daß der Eintzipivni r, der jetzt täglich einmal von Reichelsheim nach . gtatefabl fährt, von einer zweimal dorthin fahrenden Post LbgeM wird. Vielleicht erreichen wir eS auch, daß wir . unter flufigabe der Postverbindung nach Ranstadt eine solche nachl Stockheim erhalten, da ja jetzt nach dem Staatsvertrag wifWn Hessen und Preußen der Bau der Bahn von Frankfurt nachü Stockheim gesichert erscheint. Die neue Chauffee von

-fahnia, vvaS darauf schließen ließe, daß eS hier allen Menschen sehr:! gut gehen müsse.

_____ Stirne Uhr war stehen geblieben, wahrscheinlich, h Ui weiti fit gleich ihm das Bedürfniß nach Ruhe empfunden D J battix. Dafür meldete ihm daS Knurren seines Magens, daß die Mittagsstunde längst herangerückt sein müffe. Da er mßtvkrtveile in daS Zentrum der Stadt gerathen war und ,a denam ciftnn Tage nun einmal den Gentleman spielen wollte, 'fetieD . / so giinj er in ein Restaurant der Friedrichstraße, daS er

ac und zuerst ittffolge der gothischeu Fenster mit Butzenscheiben für xjgeu iap'tlle gehalten hatte, stärkte fich mit einem Beefsteak

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Itnnbbh M 3n ben Gemeinden Niederwetz und Dutenhofen, 'UlMllU M .kret» Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen -eisen. w unfc , Arhijst. und GemarkungSsperre angeordnet worden. Die erkstätte. Raul, unb Klauenseuche zu Wetzlar ist erloschen.

,DaS hätte ich wissen sollen," dachte er und nahm fich jOr,t bet der nächsten Gelegenheit einen Plan von Berlin zu Itahn. Wieder am Ziele an gelangt, wurde ihm dieselbe AuEnst wie zuvor. Mit Mühe ließ er fich zurechtweisen, um im die neue Adresse zu gelangen, wobei er mehrmals itDOU zmeM, hin und her geschickt wurde und einige Male statt

* -er :8otoort nur ein stummes Achselzucken erhielt. Zum

isse 4 betr. Rothlaufseuche.

t-Knabeuschtlli In fcer Gemeinde Oberquembach, Kreis Wetzlar, l nw st i t" einem Gehöft die Rothlaufseuche ausgebrochen.

Di Ile bCli (Sieben, den 21. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.