Ausgabe 
23.6.1896 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

m 145 Zweites Blatt. Dienstag dm. Jun>

18»«

' WH);

NMi, inj(6

»te6

°"S 8 U(l:

Q6 Sok

"Orvnk^j

arte,

J»»i W

bet

ren-Itj»® llmeistnrhkm;

nsta

h den 24j

US

r Gai L. A.

0. Juli l1 .0«

Tn

unb 4 fc 8 Uhr r^e

i Garten w? xhaustellW *

te verreiv

. Klein.

Klewitz.

Markwili Zinsser,

10.

iO

lu

l/l

dl IllSkl

K 31'

K 40

i

»5

J il

0

40 50

30 K

'<L

MA Al^ Prall'

«q«-L

JwMi

E

t i'-1, i03

® 2

leer chtetzp-1 £«|tl«et «M« täglich, atial rlahme bet

: TRtagl.

b eigener WHeM-k»§rLtter ea* wm Anzeiger dreimal

Kißeelegt.

Meßener Anzeiger

Kenerat-Unzeiger.

Bierttliäbdgrt >S»wefwextsyrd» i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlobn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Rrtachon, etptbittax unb Druckerei:

Ich.tstratze Mr.t. Fernsprecher 51.

Amts» und 2ln$eig<blatt für ben Äreis «fiietjen.

Hratisbeikage: Hießener Iamitienbtätter.

Amtlicher Lheil

die

des

laffl»

o. (Sagetu.

Ilteilmt Bon Anzeigen ju der Nachmittag» für ben fr> fl^ r Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

Bad-Nauheim, 22. Juni. Vor einigen Tagen erhielt der Besitzer deSEuropäischen HofS", Herr C. Meifinger, von einem früheren Kurgaste eine lebende Schildkröte im Gewicht von ca. zwei Centnern zugesandt. Dieselbe wurde vorgestern geschlachtet und am Sonntag ächte Schildkröten, suppe und Schildkröten.Ragout servirt.

W. Herbstein. 20. Juni. Herr Hilfsgerichtsschreiber Steller hatte daS seltene Vergnügen, zwei Apollo« (Männchen und Weibchen) in bet sogenannten Naxburg fischen N>eder-MooS und Freiensteinau einzusangen, Schmetter­linge, die bekanntlich nur in der Schweiz häufig Vorkommen. Wie vorauSzusehen war, flohen die Arbeiter an der Wasserleitung dah'er häufig auf Felsen, die die Arbeit sehr erschweren unb verzögern und finden in Folge dessen saft jeden Tag Sprengungen mit Dynamik statt, die die Sicher­heit der Bevölkerung sehr gefährden. Beispielsweise wurde eine schwere Spalte Holz auf die Dachfirste eine» Hauses geschlendert, woselbst sie mit Wucht beim Niederlagen das Dach durchschlug. Glücklicherweise stnd giöhere Unfälle noch nicht vorgekommen. Trotz dieser Arbeiteschwierigkeilen wird indesien von sachverständiger Seite verfichert, daß dle Wasser, lei'unq bi« 1. September l. I. vollendet sein wird.

Die Arb.it ist leicht und flott fertig, und dle Wäsche dl-nkt mit Schnee! ldt$

Deutsche» Reich.

Balin, 20. Juni. Die(Lonserv Lorresp." erklärt die sDWmqg betStaatSb. Ztg.", tah Abgeordneter v. Lev e tz ow

Gourmand, er gab viel auf einen guten Tisch unb Halle eine betonten Vorliebe für feine- Gemüse. Während b r Sommerzeit durfte u. a. ein Salatgericht nie auf dem Mittagstische fehlen. Anna-Marie trug selbstverständlich dieser Geschmacksrichtung ihres Gotten Rechnung. Sie batte der Köchin einen dahin gehenden Bifchl ertheilt, aber heure am Johannistage halte sie die SalatsLüfiel, welche bereits auf btm Tische gestanden, noch kurz bevor Otto von seinen Krankenbesuchen nach Hause gttommtn, wieder in die Küche tragen lasten, weil sie fich noch zur rechten Zeit erinnert, dah man, wie sie von ter Mutter erfahren, am Johanni», tage nicht-Grüne»" esten dürfe, da die« dem Menschen Schalen an seiner Gesundheit bringe. Der Arzt hatte sofort seine LieblingSspeise vermißt unb von Anna Marte erfahren, warum auf ihre Anordnung der Küchenzettel um jenes Ge­richt gekürzt worben sei.

Die Mittheiluvg seiner Frau hatte Doctor Winter aus» Tiesste vertrösten, zumal er heute ohnehin recht schlecht ge­launt war. Er hatte sich um bie frei gewordene Ptosestur an einer mitteldeutschen Universität bemüht unb kurz vor Tisch de Nachricht erhalten, baß die Faculiät der Regierung einen anderen Bewerbet für den erledigten Lehrstuhl in Dor- schlag gebracht habe. Sem Ehrgeiz hatte durch diese Zurück­setzung eine empfindliche Kränkung erfahren. Unb nun fern nach Anna Matte ihm, bem wtffenlchaftlich hochgebildet Manne, mit ihrem dummen Aberglauben. Sein Blut ge- rieth in Wallung, eS kochte und gähne m ihm, aber er belaß zu viel Selbstbeherrschung, um in Gegenwart de- zu- unb abgehenden Diener-, welcher bei Tische aufmanete, .sein.m Berger Luft zu machen. Eist nachdem die Tafel aufgehoben war unb die Gatten sich in la« gemeinsame Wohnz'mmcr zurückgezogen hatten, war der Sturm loögebtochen.

(Fortsetzung folgt.)

mit darüber verhandelt habe, ob nicht derG r o b e. G ot f I lieb-Paragraph" gegen den Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg auzuwenben sei, soweit sie sich auf Herrn v. Levetzow bezieht, für unrichtig.

Berlin, 20. Juni. Li-Hung-Tsch ang wohnte gestern Abenb bem ihm zu Ehren gegebenen Festmahl beim Reichs' avzler bei, an bem auch bie StaatSmimster, Staat-secretäre unb die Mitglieder der chinefischen Botschaft theilnahmen. Der Besuch beim Fürsten BiSrnarck wird am 26 d. M. auf der Rückreise de- viceköntgS von Hamburg nach Berlin erfolgen.

Berlin, 20. Juni. Ein Offizier, welcher gestern In der Keithstraße mit einer Dame von einem Manne belästigt und schließlich an der Brust gepackt wurde, versetzte bemKl. Journal" zufolge diesem mit bem Säbel mehrere wuchtige Hiebe Über Gesicht und Kopf, fodaß er blutüberströmt zu- sammenbrach. Der bewußtlos gewordene Mann, besten Name bisher nicht festgestellt werden konnte, wies 4 große Kopf­wunden auf. Der Offizier gab sofort den Vorfall bet der

Schlußbesprechung Ende nächster Woche statt.

Die Wirthschaftliche Bereinigung Reichstag- sollte heute zusammentreten, um den vom Bunde der Landwirtbe auSgearbeiteten Entwurf, detr. die Alter«. und Jnvaliditätsverstcherung, zu beratheu. Die Sitzung konnte jedoch wegen B-schlußunfähigkeit nicht abgehalten werden.

Wie dieBeil. N. Nachr." melden, haben im BundeSrath nur bie Hansestädte gegen da- Börsengesetz

fichligte heute die Werst ,,vulcan". Zu seinem Empfange waren großartige Vorberettungen getroffen. Der Victkövig gab oft feiner Bewunderung Über die Leistungen der deutschen Jadustrie Ausdruck. ~ _ .. . .

Frankfurt a. M.. 20 Juni DerFrkf Ztg." wird au- Paris berichtet: Obwohl noch feine osficiellen Nachrichten eingetroffen sind, daß der Czar nach Paris kommt, ver- zeichnet derGauIoiS" da- unglaubwürdige Gerücht, daß der Ezat und die Czarin noch Wien, Pari« unb London reifen unb über Berlin zurückkehren.

Fraukfurt a. M., 20. Juni. DieF.kf. Zig-" meldet au- Lonbon: Die Pforte hat eine Proclamatiou ver. öffentlicht, burch welche die Deputirten von Kreta zur Na- tionalverfammlung nach Kauna einberufen werden. Die Christen mißtrauen jedoch, der£tme8" zufolge, diesen Maß­nahmen unb befürchten, dah ihnen eine Falle gestellt werden soll, zumal neue Truppen von Alexandrette herangezogen worden stnd.

vekamttmachMg,

b an uÄbeiter-Frühzug von Grünberg nach Gießen betr.

Bon Montag den 29. Juni an wird der bisher nur IwiWim lGroßen Bufeck und Gießen verkehrende Arbeiter- Frw'tzn wou Orünberg aus um 4 Uhr 45 Mm. Vorm. ibgi.dtn 4tnb in Saaten, Reiskirchen, Großen-Buseck und gmbqin cmhalten.

A Kahn-Strecke Grünberg-Gießen wird während dieses ßUfllKltetirß nur an den unmittelbar bei ben genannten BtacHnti gelegenen Straßen Uebergängen bewacht werben, m -Mrl|flen aber nach Maßgabe der Bahnordnung für deutsche Bald» untergeordneter Bedeutung betrieben, also ohne ang der Bahn und ohne Schließen der SÄnitLeu an den sonstigen Bahn Uebergängen.

tmaeaen wird bei Annäherung des Zuges iu -i tineitt unbewachten Wegübergang mit der auf e ekijoovmotive bestudlicheu ®Iode Hur ru-aruuug hiterbie Passanten geläutet.

|Q< Diejenigen, weiche in den genannten Morgenstunden iuf s im »on der Bahn überschrittenen Straßen unb Wegen u »der zu Wagen verkehren, werden daher ausgefordert, >af j 11« lAläutctoignal zu achten unb bie Bahn nicht zu über- schrchürn, solange baffelbe ertönt.

Gis feen, ben 15. Juni 1896.

Großherzogliche« Kreisamt Gießen.

v. Gag etn.

Feuilleton.

Iohannis^suber.

Novellette von HanS Warnow.

(Nachdruck verboten.)

Zwischen dem Privaidocenten unb praktischen Arzte DjlhiDtito Winter unb seiner jungen Frau war efl zu einer je ttiui ehelichen Scene gekommen. Sie hatten fich mit vltGüem Augen und zornig gerötheien Wangen gegenüber» gyH-dtM unb es waren auf beiden Seiten Worte gefallen, so i liiif unb schneidenb und verletzend, baß fie in der Seele eiltet | eiben der beiden Gatten blureode Wunden zurückgelasten ha-ilv Nun war der Streit zu Ende, aber er hatte m t ' reite Versöhnung geschloffen. Doctor Winter stand mit imteteder geschlungenen Armen am Fenster, er hatte seiner Frte den Rücken zugekehrt unb schäme in den Garten hinaus, le nih hinter der von ihm bewohnten Villa au« breitete. O MMtagShitze des Johannistage« lag über dem sorgsam Attei'i m Rajen unb den Blumenbeeten mit ihrer bunten fttteewradjt. Starr und unbewegt ragten bie Baume in dv ü: n-nenburchglühte, flimmernde Luft, nur hin unb wieder sp ui ie(n leichter Windhauch in ihren Zweigen unb trug ötoi ifeen Duft der zahlreichen Rosen, die em Garten blühten, tup.Uni am Fenster stehenden Manne bexüber. Die Rosen! . .. Doctor Winter fuhr sich mit der Hand über die ®tirn, al Ml solide er ein Bild fortwischen, da- in seiner Erinnerung ai teil liegen mar. Aber die Gedanken ließen fich nicht bannen, fii«tilgten immer wieder zurück und forderten gebieteriich Eliuz.. Er mußte daran denken, wie eS auch an einem JlßWMiStage gewesen war, als er sich mit Anna-Marie dem einzigen Kinde wohlhabender Eltern, verlobt H. E Damals, in den Tagen der Rosen, war ihm und seiürn treizenden Braut da- reinste, seligste Liebesglück er* 61 Ult Sie hatten eine NeigungShcirath geschloffen unb

Alle Innoncen-Bureaur de» In- und Uu»landc» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" eniq-q^

nicht» würde das Glück biß jungen Paare- getrübt haben, | winn Anna Marie sich mit ihrem Gatten auch geistig ver» wandt gefühlt hätte. Aber gerade in diesem Punkte herrschte zwischen ihnen eine Disharmonie. Anna-Marie war von ihrer Mutter in abergläubischen Anschauungen erzogen worden und diese hatten in dem zur Schwärmerei hinneigenden Ge- rnüth de- jungen Mädchen- einen guten Nährboden gefunden, auf dem fie Üppig emporwucherten. Selbst al- Anna Marie hrrangewachsen war unb sich verheirathlt hatte, log sie noch immer in den Banden de- Aberglauben- und machte auch im Verkehr mit Andern hieraus kein Hehl. Mit liebevoller Nachsicht hatte Otto in den Flitterwochen die thörichte Schwäche feiner kaum neunzehn Jahre alten Frau Übersehen, allmälig war aber doch in ihm der Wunsch aufgefttegen, Die­jenige, welche seinem Herzen so nahe stand, von ihren aber« gläubischin Anschauungen zu befreien. Aber mochte Anna' Marie fich auch sonst in ihren Ansichten dem Urtheile de- geliebten Manne» willig unterordnen, auf diesem Gebiete ihre- Seelenlebens leistete fie ihm einen ganz ungeahnten Widerstand und ließ sich nicht eines Blff-ren belehren. Schon wiederholt war es aus diesem Anlaß zwischen ihnen zu kleinen Wortplänkeleien gekommen, die immer damit ihr Ende erreicht, daß Anna-Marie sich auf die finite ihres weisen xjerrn Präcepior, wie fie ihn bei solchen Gelegenheiten scherzend nannte, gesetzt und Otto den Mund mit ftüffen ge« schloffen hatte. Trotz alledem war in dem Arzte eine leise Mißstimmung zurückgeblieben, die immer mehr hervortrat unb schließlich einen ernsten Zwist zwischen den Gatten herbei- geführt hatte.

Anna Marie huldigte, wie viele abergläubische Leute, dem System der Tagewählerei- fie lArieb dem einen Tag aünftige, dem anderen ungünstige Bedeutung für da« Geschick der Menschen zu und dichtete namentlich dem JohanniSrage zauberische Kräfte an. WoS mußte man nach ihrer Meinung

I nicht alles thun und unterlaßen. Otto war ein wenig

Polizei zu Protokoll. r

Berlin, 20. Juni. Auf Wunsch der Kaiserin stellte der Arbeitsausschuß der Gewerbe-Au-stellung jeden Sonntag den Hörsaal im Chemie-Gebäude zwecks gottesdienstlicher Feier für die Angestellten und Besucher der Ausstellung zwischen 10 und 11 Uhr zur Verfügung.

Berlin, 20. Juni. DerReichsanz." veröffentlicht die Verleihung deS GroßkreuzeS deS Rothen Adlerorden« an den Cardinal Prinzen zu Hohenlohe-SchillingSfürft zu Rom.

Der Vicekönig Li« Hun g-T f ch an g hatte nach dem gestrigen Diner abermals eine längere Unterhaltung mit dem deutschen Reichskanzler und bem Staatssecretar des Auswärtigen, wobei, wie derPost" gemeldet wird, die Frage einer Kohlenstation für die Flotte zur Sprache ge« kommen fein dürste. Voraussichtlich findet die dritte und

gestimmt.

Der dtremonienmetfier v. Kotze wird die wegen . 54, herricht am Waschiiß beim Gcb>auch von

1 des Duell» mit bem Frbrn. v. Schrader über ihn verhängte |frtOyllCyTClt ,Lhns Wasch.Extrael". D R. P. I , 7 I y ~ < ,n <11,. .._k er-». hi» anxtrfif- hl-nft wie

I Festungshaft morgen in Giatz antreten.

I Stettin, 20. Juni. Vicekönig Li Hung-Tschang de-

Gießen, ben 15. Juni 1896.

Bek.lt.: Wie oben.

fflU «nlbetwtlüDf »rrtßate Gießen imiHe Gr. Bürgrrmeiftercicn Aouerod, Groftco. xRMtd Veueru, Bersrod, Oppenrod, Reiskirchen, Ntellnirdsfelden, Harbach, Hattenrod, Saasen, -iieiuhardshain, Lauter und Gruoberg.

Bur beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung in berin oittften 14 Tagen wieberho't ortsüblich publiciren zu