Ausgabe 
23.5.1896 Zweites Blatt
 
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1 entschlief sanft uath r Gatte, Vater, Bit?

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-Aufseher.

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nebst Kindern.

ai 1896.

Sonntag Nachmitta

i Nr. 7, ans statt.

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M. 120 Zweites Blatt. S-msta, de- 23. Mai

1896

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A-tliS" irtemt täglich, 1 w El -nähme de» Jiontafll.

he Gießener

Wiede t>em Anzeiger 2 Mich dreimal tcigelegt.

Gießener Anzeig er

Keneral-Unzeiger.

Bierteliäbrfflet J^6xee*rxt»|irrt» i 2 Mark 20 Ptg. mtt Vringerlvhn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Ptg.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Hratisöeilage: Gießener Kamilienbfätter

IDii-l mt von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» $ edjubim Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Lu»lande» nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

verschiedenen Versmaßes herausheben, z. B.Christkindlein, komm".DeS tobten Kindes Christbaum".DaS selige Gute".Eines wünsch' ich mir vor allem andern".Den Herrn laß walten".Km Bettlein deS geliebten KlndeS". Du warst wie eine KnoSpe".Zeuch hin, mein Kind". Osterfreude".Ostertrost- u. s. w., so geschieht eS in der Absicht, die Aufmerksamkeit vieler für Poesie empfänglicher Gemüther auf die schöne Gabe hinzulenken. ES ist ein be­sonderer Schmuck für einen Prediger deS Evangeliums, wenn er auch für Poesie und Musik solch aufgeschlosienen Sinn hat, wie G. Vogel. Deshalb beklagen wir seinen Weggang und wünschen seinem Abschiedswort (am 31. Mai) viele auf­merksame, dankbare Hörer.

n. Friedberg, 20. Mai. Der heutige, sogenannte Pfingstmarkt hatte einen schönen Verlauf. Auf de« Schweinemarkt ging es sehr lebhaft zu. Er war mit Ferkeln ungemein stark befahren und doch konnten nicht alle Kauf­liebhaber befriedigt werden- denn e» wurde rafch alles ver­kauft. Bei so flottem Geschäft kann nicht Wunder nehmen, daß die Preise stetig stiegen und zuletzt noch AuSschußwaare mit 12 bis 16 Mk. für das Stück gehandelt wurde, während Primawaare zu 40 Mk. für das Paar willige Abnehmer fand. Weniger begehrt waren Einlegschweine. Doch fand auch hier alles Angebotene Abnehmer, allerdings zu nicht hohen Preisen, denn es wurde nur ausnahmsweise über 40 Mk. für ein Stück bezahlt. Auch auf dem Krämer- markt ging es lebhaft zu- denn er ist schon seit einem Menschenalter der Ort, auf dem die ganze weite Umgegend ihre Pfingstbedürfniffe, namentlich bezüglich der Confirmandeo, befriedigt. Zu dem heutigen besonders lebhaften Verlauf trug hauptsächlich der Umstand bei, daß, wie oben erwähnt, der Ferkelmarkt den Verkäufern ein schönes Stück Geld eingedracht hatte.

% Darmstadt, 21. Mai. Dem Großherzoglichen Gym- nasiallehrer Herrn Profeffor Dr. Richard Löbell zu Darm­stadt ist die venia legendi für Litteratur und Geschichte au der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt ertheilt worden.

einem Geldpreise von Mk. 10 000 und fünf Ehrenpreisen, ausgeschrieben. ES kommen außer demselben noch zwei große Flachrennen, ein Hürden Rennen und zwei Steeple» Chase-Rtnnen zur Entscheidung, sodaß die Gesammtpretse die Höhe von Mk. 22 000 erreichen. Ferner sind alle Rennen mit Ehrenpreisen auSgestattet, im Ganzen 12, sodaß wie i« letzten Jahre, der 21. Juni eine große Anziehung auf die Pferdebefitzer habeu wird und eine starke Betheiligung in sicherer Aussicht steht. Mit verschiedenen Eisenbahndirectionen soll verhandelt werden, damit dieselben den Besuchern der Rennen auf eine einfache Fahrkarte die freie Rückfahrt ge­statten.

Und sie blieben fitzen. Vor einer Abtheilung bei B erliner Schöffengerichts kam kürzlich toteber einmal bet Fall vor, baß ber Borsitzenbe eS für angebracht hielt, ben anwesenben weiblichen Zuhörern aoheimzugeben, ben Saal zu verlassen, ba wahrscheinlich Dinge berührt werben müßten, bie für die Ohren anstänbiger Frauen nicht paßten. Trotz dieses Hinweises rührte sich Niemanb von der Stelle. Nach kurzer Pause meinte ber Borsitzenbe:Ich nehme au, datz alle anstänbigen Damen ben Zuhörerraum verlassen haben, sobaß wir uns nun nicht mehr zu genieren brauchen!" Die anwesenben Frauen schlugen bie Augen zu Boben aber sie blieben sitzen.

eine Milliarde Auster« wurde im Jahre 1895 in Frankreich zum Verkauf gebracht, welches enorme Quantum einen Werth von 17</2 Millionen reprSsentirte- die Production hat sich nach einer Mittheilung des Internationalen Patent- BureauS Carl Fr. Reichelt, Berlin, N.W.. seit einigen Jahren um etwa 30 pCt. gehoben, jedoch sind die fran­zösischen Sachverständigen über diese- anscheinend günstige Resultat keineswegs erfreut, da sie diesen Erfolg einem un- sinnigen Raubbau zuschreiben, der einige Jahre weiter t-e- trieben, die französische Austernzucht total ruiniren-de, da man schonungslos selbst ganz junge, noch nicht fv't« pflanzungSsähige Thiere aus den Markt bringt und hierdu.ch natürlich den Bestand in schädigender Weise vermindert.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

n wird wiederholt daraus aufmerksam gemacht, daß oiai Srochtsschreibereien täglich, mit Ausnahme der Sonn- uwA ZeiLrtage, nur von 10 bis 12 Uhr Vormittags für die HMhichenben geöffnet sind uwb daß, wer einen Richter zu pirttchmi wünscht, ohne vorgeladen worden zu sein, sich hierzu DWtivochs Bormittags einzufinden hat. Rur für be- oi* dringende Sachen kann eine Ausnahme gestattet roeiTtben.

Zuwiderhandelnde haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn -i.ghil! Gehör gefunden zu haben, abgewiesen werden.

8ließen, den 16. Mai 1896.

Großh. Amtsgericht Gießen. Langermann.

twriM **6 pwotajMU».

D Bon bet Lahn, 21. Mai. Bevor Herr Pastor M 8o«el, was Viele lebhaft bedauern, die Gemeinde h igBerm verläßt, hat er noch ein herrliche-, warm und ttt'iff (rtifunbeneß Büchlein:Auf bem Wege nach Emmaus", 25i Milche Lieber, au-gehen lasten, (Darmstadt, Johann Lich 1696. 66 Seiten elegant auSgestattet, vorräthig in de:",:^Är'schen Buchhandlung in Gießen), hervorragend ge- ttgtntl j|U ConfirmationS-, HochzeitS-, auch Geburtstags- gesHlfrnkim zumal für Mädchen. Gewidmet ist die sinnige, ciim Gube dem Grafen Gustav zu Erbach-Schönberg und

ieunu Gemahlin, geb. Prinzessin von BattenbergZur Feier 'uurfrlbnrnen Hochzeit, 29. April b. I." 8 Jahre hinburch reitylt unser Verfasser als Hoscaplan im Schloste zu Schönberg unrtH !lag ihm barum nahe, auf MiterlebteS in den Liebern dir; iwefien unb ihm bie poetische Weihe angebeihen zu lasten. Jr'i irr Wibmung zum 29. April finben wir bie Worte: ' dN mar mit Euch baS durftet Ihr erfahren. Im T'hMmchein beS Glücks, im FrühlingSprangen, Im Sturm- wi-ri icnb wenn Tobtenglocken klangen: Stets war sein '^uim-mtlitz -u gewahren." Wenn wir hier nur einige leMlchaisten, bie auf ben weihevollen, zum Herzen sprechenben JnM k inigermaßen schließen lasten, aus ben 25 Liebern

Feuilleton.

8 a 9 Pfiugstöchsrrt. Humoreske von E. Fahrow.

(2. Fortsetzung.)

Zr-ilich, da» trotzige Ding, die Annemarie, hatte ihm dii^n immer Widerstand entgegengesetzt, sie wollte hei- 'wenn sie Lust habe, meinte sie. Aber der Tausend, __im Feind haben mochte er den Motzenbauer doch nicht! UaitzimSlachen würden ja doch am Ende morgen die dummen uz«! ben Ochseuführer, den Franzl--

Ra, jetzt war 'S einmal geschehen.

In der Nacht wachte der Bauer einmal auf, eS rcanniöon gerade, als fei etwas Weißes durch die Stube ?"'^aae Heiligen, wenn jetzt der Pfingstheilige böse war, __ttn- wirklich bei ihm zu spuken aufing!

$|ne Gänsehaut lief dem Alten über den Leib, er Haäiti sich und wußte nicht wovor.

»m nächsten Morgen weckte ihn schon Musik an» seinem M'lkliüBchlaf. Der Ueberlinger stand spät auf wie eiu ©tinter, er schlief in der Nacht gar zu wenig, heute des.>«!-,» war er erst gegen Morgen eingeschlafen.

Run stand er auf - eS war schon beinahe acht Uhr tinkMcnite hinter den Gardinen auf die Dorfstraße.

Der erste Ummarsch fand soeben statt, das heißt, d e <DtMai»be zog von einem Hause zum andern und holte btt Wm und Mädchen einzeln heran-. Diese vereinigten sich QKunDor dem Hause deSFührer-" und von dort au- ging der-llaziug mit dem geschmückten Opferthier vor sich.

Smt zwei Stunden dauerte ei, bis dieser letzte Theil -ui-kimde kam. Der Ueberlinger dachte, daS Gescheiteste naan wenn er sich zum Hause hinauSwachte unb ben Bor- miutüj ||U einem Gang auf bie Wiesen benützte.

girt er aber nach ber Annemarie rief, baß sie ihm ben Mlmzllllikaffee bringen solle, hörte er zur Antwort nur eiu rmimolleS Stöhnen au- bereu Kammer.

Mit angstvoll klopfenbem Herzen öffnete er die Thür:

Vermischte»

* Der Verein für Hindernißrennen ii Frankfurt a. M. hat jetzt feine Propositionen für ben Tag beSGroßen Preises von Frankfurt", bekanntlich einer Steeple-Chafe mit

Was ischt denn, Maibli? Wo bischte benn?"

Ach, Batterle, mir iS gar so schlimm! I hab hier scho so lang g'seste, i weiß nit, wie 'S mir ischt."

Da saß sein Töchterchen in ber wohlverbunkelten Stube, hatte ben Feststaat schon angelegt, baS Mützchen mit ben langen seibenen Bänbern auf bem Kopf unb ließ sich vornüber hängen, als fei ihr sterbensweh zu Muthe.

JeffeS, Kinble, Du wirscht mir do' nit krank werde?"

I weiß nit, Batterie. I Habs Dir glei' g'sagt, baß Oechserl kann Dir kei' Sege' bringe."

JeffeS, JeffeS, Annemarie, waS rebst Du ba toteber? Daß Oechserl wirb bie Lent grab so schmecke, wie e annereS. Soll i nit den Bader hole laffe, Maidli?"

DaS hätte nun der Annemarie sehr schlecht in ben Kram gepaßt unb beßhalb wehrte sie ab:

Mir wirb scho beffer, Vatter, laß mt nur still ba sitze. Wenn hernach die Büble komme, muß i boch nauS." DaS war ja richtig. Sie wußte boch nauß heut zum Pfingstfest! Aber wenigstens blieb der Alte bei ihr fitzen, anstatt wie sonst allmorgendlich durch die Ställe zu gehen, und das hatte ja eben die Kleine erreichen wollen.

Endlich näherte sich der Zug dem Ueberlingerhof. Die Pauke gab den Tact an, eine weniger schöne als laute Musik folgte unb gleich barauf klopfte es an die HauSthür.

Die Annemarie sprang auf wie electrifirt.

Jetzt ischt m'r ganz guet, Batterl, abje, i geh mit bie Anveren."

Unb hinaus war sie, ehe noch ber Alte sich von seinem Staunen über ihre plötzliche Genesung erholen konnte.

Wie er aber nun besorgt ber Tochter nachging unb vor bie Thüre trat, empfing ihn ein bonnernbeßHoch!" nnb ein Tusch.

Er traute seinen Ohren nicht.

Gleich daraus hatte er Ursache, auch seinen Augen nicht zu trauen, denn dort, dem Zuge voran, geleitet vom Motzen- bauersraozl im höchsten FesttagSschmuck, ging ein Ochse, so schwer unb blank nnb stark wie sein Preißthier, sein großer Scheck.

WaS ging ba vor?

Ein guter Beobachter guten Wirkungen erkennen, dieLahnsWasch Extraet" hervorbrtngt, ldaher ist dieser euch ein Freund der klugen Hausfrau beim Wascben und Putzar. Ueberall kauft man:Lahns Wasch. Extraet" I). ll. k. 82 424. 138

Dem großmüthigen Geber Dank unb Hoch!" rief aber' mals ber Franzl, indem er ben Hut über seinem freube- strahlenben Antlitz schwenkte,unb nochmals hoch! Unb abermals hoch!*

Bin i verrückt ober ist ber verrückt?" bachte ber Alte, indem er sich immer weiter hinter die Gardine zurückzog. Doch baß half ihm nichts, bie jungen Burschen brangen gleich darauf in die Stube unb zogen ben Ueberlinger vor bie Thür.

Dort trat ber alte Motzenbauer auf ihn zu unb schlug ihm lachenb auf bie Schulter.

Du bischt ober einer, Ueberlinger! Hascht e Späßle mache w»lle, so e StaatSöchsle hascht eingetauscht mit bem elenbige Spaßvieh gestern! Na, brav is, baß ber reiche Ueberlinger ben schwerste Pfingstochse gibt, wo mr bisher gehabt habe! Du komrnscht boch effe bet uns heut, Ueberlinger?"

Der nickte bloß.

Ihm war fürchterlich zu Muthe- waß für eine höllische Hexerei war denn hier vorgegangen?

Kaurn baß ber Zug weiterging, eilte er mit zitternden Knieen in den Stall JeffeS waS war da pasfirt?

Anstatt seiner zwölf prachtvollen Zugthiere standen da zwölf schaudervolle alte Gerippe, magerer, wie sein gestern ausgesuchte- Pfingstöchserl, ganz stocksteinmager!

Herrgotts sacrament) Da hatte er sie ja, die Strafe für seinen Geiz, ganz wie eS die Annemarie prophe- zeiht hatte.

Ec rief nach dem Knecht, nach der Magd, aber Niemand antwortete, denn alles war mit bei dem Pfingstumzug.

O je, o je!" stöhnte ber Bauer,jetzt bin i e ge- fchlagener Mann! Jetzt IS m'r mei Vieh verhext unb nit lang wirb S bauere, ba wirb 's brenne ober e Seuch wirb komme! HLtt i boch nur gestern gleich e guetß Oechserl gegebe, mei, mei, waS fang i an !"

Mit bebenden Händen tastete er sich auS dem verhexten Stalle wieder hinaus- er getraute sich gar nicht, die Ochsen anznfaffen, die alle gleichmäßig roth wie gestern waren, aber sonst die reinen Schattenbilder ihrer selbst.

(Schluß folgt.)