Mr. 276
Entag den 22. November
1896
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Gefunden: 1 silb. Freundschaftsreif, 1 Geldstück, 2 Taschenmesser, 1 Armband, 1 Brille, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Muff, 1 Manschettenknopf, 1 Henkelkorb, 1 Regenschirm, 1 Hut, 1 stlb. Damenuhr, 1 Handschuh, 1 ArbeitS- beutel, 3 Bücher, 1 Hemmvorrichtung, 1 Kinderkragen.
Gießen, den 21. November 1896.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Neueste
WolssS telegraphischer Lorresvonberrr-Burram.
Berlin, 20. November. Der „Polit. Corresp." zufolge umfaßt die heute vom BundeSrathe genehmigte Ergänzung zum RetchshaushaltS'Etat für 189 7/9 8 die Summe von 10,150,000 Mk. zu Besoldungsverbesserungen. Letztere stellen sich als eine Fortsetzung der durch die Nachtragsetats von 1890/91 und 1891/92 begonnenen Gehaltsaufbesserungen dar und umfaffen die in den Jahren 1890 und 1891 leer auSgegangenen Beamtenstufen bis zu den Röthen zweiter und dritter Klaffe. Bet den Offizieren des Heeres und der Marine sollen die Gehälter und die Ausrückung einheitlich durch alle Waffengattungen geregelt werden. Auch die Regelung der DlenftalterSstufen bet den Beamten wird nicht unberührt bleiben.
Berlin, 20. November. Der Gesetzentwurf betr. die Feststellung deS zweiten Nachtragsetats für das Jahr vom 1. April 1896/97 und die Abänderung des Gesetzes vom 20. März 1896 wegen Ergänzung der Einnahmen des erwähnten Staatshaushaltes stellt die Einnahmen und Ausgaben auf 1,398,750 Mk. fest. Es tritt der StaatshauS- haltSetat für die Jahr vom 1. April 1897 hinzu. Der für da» Jahr vom 1. April 1896/97 im Etat der allgemeinen Finanzverwaltung in Höhe von 15,150,000 Mk. in Ansatz gebrachte Betrag mäßigt fich auf 14,285,612 Mk.
Berlin, 20. November. Der BundeSrath hat in seiner heutigen Sitzung den Antrag Sachsens betreffend die Anwendung des Bö>fengesetzeS vom 22. Juni 1896 auf die sächsischen Börsen, sowie die Anträge von Bremen, Lübeck und Hamburg zum Börsengesetz vom gleichen Datum den zuständigen AuSschüffen überwiesen. Dem Ausschußantrage über die Vorlage betreffend die Ergänzung zum Entwürfe des ReichShauShaltsetatS für 1897/98 wurde die Zustimmung enheilt.
Berlin, 20. November. Die Fractionen des A b g e o r d - netenhauseS beschossen heute die Wiederwahl deS bisherigen Präsidiums.
Berlin, 20. November. Der „Nationalzeitung" zufolge soll das Gehalt der Oberlehrer auf 2500—5700 Mk., anstatt wie jetzt auf 2100—4500 Mk. festgesetzt werden. DaS Höchstgehalt soll nach 24 Jahren, anstatt wie bisher nach 27 Jahren, erreichbar fein.
Berlin, 20. November. Der dem Abgeordnetenhause zugegangene Gesetzentwurf betr. den Erwerb der Hessischen Ludwigsbahn ermächtigt die Regierung, nach Maßgabe der Verträge vom 8. und 9. Juli und vom 23. Juni 1896 den Umtausch von Mk. 111,900,000 Stammactien der Hessischen LudwtgSbahn in Schuldverschreibungen der 3proc. preußischen Staatsanleihe und in Schuldverschreibungen der 3proc. hessischen Staatsanleihe herbetzusühren, sowie die Schuldverschreibungen der 3proc. preußischen Anleihe in dem zur Ausführung der Verträge erforderlichen Betrage aus- zugrben. Die Regierung ist ermächtigt, von dem Baar- betrage 41 Mk. auf jede Actte gleich dem in Höhe von 7,646,500 Mk. auf Preußen entfallenden Antheil zu vertragsmäßigen Abfindungen an den Vorsitzenden, die Mitglieder der Specialdirectiou und die gegenwärtigen Mitglieder des VerwaltungSrathes der Hessischen LudwtgSbahn, zur erstmaligen Instandsetzung und Ergänzung der Betriebsmittel d-r Bahn, 1 Million, zur Deckung der schwebenden Schulden der Hessischen Bahn bis 2,253,000 Mk. dem auf Preußen entfallenden Antheil zu zahlen. Der Finanzminister und ArbeitSminister find ermächtigt, den Kaufpreis für den Erwerb der Bahn zu zahlen bezw. auf die StaatSkaffe zu über- nehmen. Der Finanzminister ist ferner ermächtigt, die bisher begebenen Anleihen des bezeichneten Eisenbahn-Unternehmens soweit fie nicht bereits getilgt find, zur Rückzahlung z« kündigen. Die von Preußen aufzubringenden Mittel sind durch Verausgabung des entsprechenden Betrages vonStaatß- sÄulden-Berschreibungen aufzubrtngen. Wegen Verwaltung u a) Tilgung der Anleihe kommen die Vorschriften deS Gesetzes vom 19. December 1869 zur Anwendung.
Posea, 20. November. Der Kaiser hat auf ein bet der Eröffnungsfeier des hiesigen neuen Priesterseminars an ibn abgesandteS Huldigungstelegramm telegraphisch seinen Dank und den Wunsch aussprechen lassen, daß daS neue Seminar eine Schule der Tugend werden möge, die einem treuen Sohne des Staates und der Kirche zur Ehre gereiche. Der Papst übersandte dem Seminar telegraphisch den Segen und gestattete, daß eS seinen Namen trage.
München, 20. November. Der Erntebericht für daS Köntgretch Bayern pro 1896 weist als durchschnitt- lichen Ertrag vom H ctar nach den etngelaufenen Ernte- berichten auf: Hafer 27,64, Kartoffeln 154,74, Klee, auch Luzerne, 105,04, Wiesenheu und Grummet 100,09 Centner.
Bern, 20. November. Der BundeSrath schlägt dem gesetzgebenden Rathe die Herabsetzung des Zinsfußes auf lil2 pCt. der vom Bunde den Caotonen Zürich und Aargau gewahrten Anleihen für die Unterstützung der durch die Katastrophe der Nationalbank bedrängten Gemeinden vor.
Rom, 20 November. Der englische Botschafter hat der italienischen Regierung alle wünschensmenhen Erleichterungen für den Durchzug der italienischen Gefangenen durch Zeila angeboten.
London, 20. November. Nach einer Meldung deS „R-uter'schen BureauS" hat Dr. Jameson sich gestern im Gefängnisse einer Operation unterzogen. Derselbe befindet sich, obwohl die Besserung den Umständen nach günstig fortschreitet, sehr schwach. Der Zustand erregte während der Nacht Besocgniß- es sind besondere Vorkehrungen sür die Pflege des Patienten getroffen.
Sofia, 20. November. Der heute, als am Gedenktage der Schlacht von Slivnitza, vor dem Fürsten und der Fürstin stattgehabten Parade wohnte der Kciegsmtnister Petrow nicht bei.
Depeschen deS Bureau »Herold".
Berlin, 20. November. Fürst zu Stolberg-Wernigerode, Präsident deS preußischen Herrenhauses, ist gestern Abend auf Schloß Wernigerode gestorben. Der Dahin- geschiedene war Kanzler deS Ordens vom schwarzen Adler, General der Cavallerie A la suite der Armee, seit dem 20. März 1893 Präsident deS Herrenhause». Er stand im 60. Lebensjahre.
Berlin, 20. November. Der preußische Landtag wurde heute Mittag 12 Uhr vom Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe durch Verlesung einer Thronrede eröffnet. Nach dieser haben fich die Finanzen Preußens fortdauernd gebessert- die Rechnung pro 1895/96 weise einen erheblichen Ueberschuß auf und die Finanzlage gestatte eine wesentliche Steigerung der Ausgaben. Die 1890 unterbrochene Gehaltsaufbesserung von Beamten, Richtern, Professoren und Lehrern, einschließlich der Volksschullehrer, sollen wieder ausgenommen werben- ebenso sollen auch die Wittwen- und Waisengelder aufgebesscrt werden. Die Thronrede erwähnt die bevor- stehende Zinsherabsetzung der 4procent'gen preußischen Staats- schuld- ferner soll zur Schuldentilgung ein Fond geschaffen werden. Der Erwerb der Hessischen LudwigSbahn wird er wähnt und versichert, daß man auch fernerhin der Land- wirthschaft besondere Aufmerksamkeit zuwenden werde. Das Gesetz über die Handelskammern soll abgeändrrt werden. Auch find verschiedene GemeindeverfassungS-Angelegenheiten zu ordnen.
Berlin, 20 November. DaS Abgeordnetenhaus hielt heute Nachmittag 1 Uhr seine erste Sitzung ab. Etn- gegangen sind die Gesetzentwürfe, betreffend den Erwerb der Hessischen LudwigSbahn, die Convertirungs Vorlage und daS Lehrerbesoldungsgesetz. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidiums. — Im Herren Hause machte heute der Vicrpräfident Freiherr v. Manteuffel Mittheilung von dem Ableben deS bisherigen Präsidenten des HausrS, Fürsten Stolberg. Die Sitzung wurde alsdann vertagt. Morgen findet die Wahl der beiden V «Präsidenten statt.
Berlin, 20. November. Bei Berathung des Etats des ReichSawtS des Innern wird, wie die »Post" hört, die Börsenreform zur Sprache gebracht werden.
Berlin, 20. November. In der gestrigen Fracti o nS- sitzung der foctalistischen Parteileitung wurde beschlossen, eine Interpellation über den Beschluß der zweiten Ständekammrr deS Königreichs Sachsen, betreffend' die Er- werbSgenossenschaften, vom 27. März d. IS. einzubringen. Die Begründung wurde Bebel übertragen, während Stolle und Wurm in der Debatte sprechen sollen. Gleichzeitig soll eine Interpellation eiugebracht werden betreffs der Repressalien, welche seit Kurzem die russischen Zollbehörden gegen die Ein- -
suhr feiner deutscher Ledet waaren in Anwendung bringen. Hierzu find Ullrich und Schippel als Redner bestimmt.
Berlin, 20. November. Der »Reichsanzeiger" veröffeut- litt d>e Verleihung des erblichen Adels an den Landrath Dr. jur. W. Meister zu Homburg v. d. H. und an den Dr. ehern. Her bert Meister zu Frankfurt a. M.
Berlin, 20. November. Gegen den Redakteur der „Neuen Welt", Edgar Steiger, sowie den Verfasser der Erzählung „Der Nazarener", den Schriftsteller L. Salama n-Lasser, ist wegen Gotteslästerung Anklage erhoben worden.
Berlin, 20. November. Der dem Abgeordnetenhause zu- gegangeve Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kündigung und Umwandlung der vierprocentigen consolt- dtrten Staatsanleihe in dreieinhalbprocentige ist im Wesentlichen bereits bekannt. § 10 dieses G-setze» bestimmt, daß die auf Grund dieses Gesetzes in dreieinhalbprocentige umgewandelteu oder gemäß § 7 auSgereichten Staaisschuldverschreibungen und die im Staatsschuldbuche umgeschrtebenen dreieinhalbprocentigen Buchschulden den Gläubigern vor dem 1. April zur boaren Rückzahlung nicht gekündigt werden dürfen. Die Kündigung darf nur auf Grund gesetzlicher Ermächtigung stattfinden.
Frankfurt a. M., 20. November Die „Franks. Zig." meldet aus Würzburg: Landrath Ritter von SchulteS, der langjährige Bürgermeister von Schweinfurt, wurde in der heurigen Plenarfitzung des unterfränktschen Landraths, nachdem er noch soeben gegen Frhrn. v. Thüngen warm für die Kreiszuwendungen an die Realschule zu Schweinsurt eingetreten war, von einem Herzschlag betroffen und sank tobt vom Stuhle. Die Sitzung wurde sofort aufgehoben. Rtter von SchulteS war eines der verdienstvollsten Mitglieder deS unterfränklfchen LandratheS.
Bochum, 20. November. Auf der benachbarten Zeche „Carl Friedrich" sand eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis jetzt find fünf schwer verletzte Bergleute geborgen und in daS Krankenhaus „Bergmannsheil" überführt worden.
Recklinghausen, 20. November. Zu dem Grubenunglück auf cer Zeche „General Blumenthal" wird weiter berichtet: Drei Bergleute werden noch vermißt. Die feit gestern Abend mit größtem Eifer betriebenen Rettungsarbeiten schreiten nur langsam vorwärts, da fie mit großen Gefahren verbunden find.
Altona, 20. November. Fast die gesammte Mannschaft deS Hamburger Segelschiffes „Melpomene" wurde beim Eintreffen in dem Hamburger Hafen wegen Meuterei verhaftet.
Triest, 20. November. Infolge eine» Zusammenstöße» deS Torpedobootes Nr. 61 ist baß Torpedoboot Nr. 83 gesunken. Mehrere Matrosen wurden verletzt, ein Heizer getödtet. DaS Torpedoboot Nr. 61 hat starke Beschädigungen erlitten.
Pari», 20. November. Der „Univers illustre" veröffentlicht einen „Commandant 3c.“ unterzeichneten Bericht über den Besuch deS deutschen Lagers in Elsen- born bet Malmedy. Nach den von dem Commandanten gemachten Beobachtungen soll Deutschland Dank diesem nur einen Kilometer von der belgischen Grenze entfernten Lager im Falle eine» Krieges innerhalb 24 Stunden 300,000 Mann in daß Maasthal werfen können. Der Commandant ertheilt der französtschen Regierung den Rath, an der füdbelgtschen Grenze ein ähnliches Lager zu errichten.
Loudon, 20. November. Die Blätter fühlen fich beleidigt durch den Appell des Erzbisch ofS von Moskau an die Oeffentlichkeit zur Steuer der HungerSnoth in Indien und sagen, Rußland habe bisher sür diesen Zweck nur 2000 Rubel aufgebracht. Wenn England nicht im Stande sei, selbst für seine Colonien zu sorgen, so sei eß an der Zeit, diese aufzugeben.
Berlin, 21. November. Wie verlautet, beträgt da» PluS der Etsenbahn-Ueberschüsse pro October 1896 rund 7 Millionen.
Berlin, 21. October. Der „Kreuzzeitung" zufolge soll neuerdings der Generalsuperintendent Dr. Br yand er auß- ersehen sein, an Stelle deS verstorbenen Dr. Fromme! die beiden ältesten kaiserlichen Prinzen zur Confirmation vorzu- bereiten. Ec wurde deshalb auf ein Jahr von seinem gegenwärtigen Amte beurlaubt.
Frankfurt a. O., 21. November. Die „Oderzeitung" meldet authentisch, eS sei unentschieden, ob Oberst Liebert in besonderer Mtssion nach China oder al» Gouverneur nach Ostafrika gehe.


