Ausgabe 
22.5.1896 Zweites Blatt
 
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Freitag de» 22. Mai

M 119 Zweites Blatt.

Anrts- und Anzeigeblutt für den Areis Gietzen.

Hratisöeitage: Hießmer Kamikienötätter.

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Vllnah me von Anzeigen zu der Nachmittag« für de. Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

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stockmagere Luder für die Arme gebe willst und i werd mt nit wuodere, wann mer alle miteinand zur Straf der»

Mitteln da« Bedürsaiß in der Stadt ein viel gröbere- ist, wozu allerdings auch noch andere in einer Stadt nüthigen Ausgaben hinzukommen. Der Preis der Lebensrnittel, d. h. der wichtigsten, ist dagegen billiger in der Stadt wie auf dem Lande, wie ein Vergleich dieser Preise, z. B. zwllchen Frank­furt a. M. und der Orte im nördlichen Oberhessen, sattsam beweist. Ja Frankfurt erhält man den vterpfündigen Laib Brod schon für 38 Pfg., hier auf dem Lande kostet er 40 und 42 Pfg. Dabei ist da- Brod in Frankfurt von einer Qualität, mit der sich unser ländliches nicht messen kann. DaS Pfund Kalbfleisch ist schon erhältlich dort für 50 $ 0., hier aus dem Lande kostet eS 60 Pfg.; auch daS Rindfleisch ist um 5 Pfg. billiger. DaS Pfund gewöhnliche Leber- oder Blutwurst kauft man dort zu 60 bis 70 Pfg., hier zu 80 Pfg. So könnten wir eine ganze Reihe von Lebensmitteln auf- zählen, die alle im Preise billiger in der Stadt als, aus dem Lande find. Nur ein Product möchten wir noch erwähnen, das ja immer mehr zu allgemeinem Genußmtttel gewordenist, das Bier. In Frankfurt bekommt man die Flasche Bier von trefflicher Beschaffenheit für nur 17 $fg.

geliefert, hier kostet fie abgeholt 25 Pfg. Wenn daS Leben trotzdem billiger auf dem Lande ist als in der Stadt, so liegt daS lediglich nur an der hier zur Bedingung werdenden Genügsamkeit._

vikrteljLhrlgrr |l6oeere<nliprcUi 2 Mark 20 Pfg. mU Brmgerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

fUboction, trpfbiti®, und Druckerei:

Kchulürahe Ar.7. Fernsprecher 51.

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Alle Annoncen-Vurraux de» In- und Lu»lande» nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

CHcrotur uwb Arsnst.

- Der «oder«» Eociali-m«-. Von Max Haushofer In Original - Letnenoand 3 Mark. Verlag von I. 3- Weber in Leipzig. Dieses Buch ist für einen sehr großen Leserkreis berechnet. für Alle, die ein Verständntß der modernen socialtstischen Ideen ge­winnen oder ihr bisheriges Verständnttz dieser Ideen läutern wollen. Aus der Tagespresse der verschiedenen Partetrtchtungen erhält der Leser wohl die Erkenntniß von den Kriegsereigniss-n, welche in dem fortdauernden Kampfe »wischen der Socialdemokratie und ihren Gegnern sich zulragen; aber er erhält keine genügende Kenntnitz der Ursachen, welche zu diesem Kampfe geführt haben, und der letzten Rtele, um welche gekämpft wird. Diese Ursachen und Ziele sind hier klargelegt worden. Dem Verfasser lag hauptsächltar daran, den eigentlichen Kernpunkt des foctaldemokrattschen Programms die Verwandlung des capttalisttschen Privateigenthumsan Production«- mitteln in gesellschaftliches Etgenthum - gründlich zu -n schleterv, die denkbaren Formen der Expropriation und des hierauf solgenden socialtstischen Betctebes zu erörtern und so in den Gedanken deS Lesers ein Urtbetl über die Möglichkeit oder UnmSglichkett einer socialtstischen Weltordnung entstehen zu lassen.

hext werde."

Damit ging fie auSlder Thüre, schleuderte ihre Zöpfe Über die Schultern und begab fich inS Dorf, wo schon alle Vorbereitungen für daS morgige Fest getroffen waren.

Sie war fest entschloffen, die Schande nicht auf dem Vater sitzen zu laffen. WaS.? DaS ganze Dorf fah mit Bewunderung und Neid auf den herrlichen Ueberltngerhos, wo nicht nur Reichthum, sondern auch musterhafte Ordnung herrschte, die fie, Annemarie, wohl aufrecht zu erhalten wußte. Und nun, bet der ersten Gelegenheit, einen dem Besitzthum entsprechenden Glanz zu entfalten, wollte der Vater fich so blamiren?

Oho, da hatte fie doch auch noch mitzureden! Besonders da dieses Jahr der Franzl der Führer war, lag ihr daran, mit demUeberlinger-Pfingstöchserl- womöglich alle die andern zu übertrumpfen. k

Denn der Franzl, der sollte ja einmal ihr Mann werden, da- war schon lange so besprochen zwischen den beiden Familien, und gerade weil eS besprochen war, hatte fich Annemarie bisher geweigert, den schmucken Burschen zu ihrem Schatz zu erheben. , .. .

Dabei hatte fie ihn aber dochhimmelkreuzgern , den Heben Burschen mit den braunen Blitzaugen, und jetzt gerade wollte fie ihm helfen, einen StaatSochsen vorzuführen an­statt des jammervollen, alten ThiereS, da- der Vater dazu bestimmt hatte. ...

Dir u-b-lvllg-r rieb stch zu Houft He Hunde über feinen Einfall, denn nun wurde er den alten Ochsen, den ihm kein Häusler mehr hatte abkausen wollen, auf gute Manier los, ja, der von der Gemeinde zu erwartende Zuschuß bildete noch einen anständigen Kaufpreis für das elende Viech.

Er hatte aber zu früh triumphirt.

Der Franzl ging mit bitterböser Mteue soeben vor dem Dorskrug aus und ab, als die Annemarie bei Wege! daher- kam und ihm mit einem wunderlich verlegenen Geficht zun ckte. I ,Na, Annemarie, bischt Deinem Oechserl davongelaufe?

werd' ?"

Met, Annemarie, wa! wtrds helfe? Nehme werde mer'n scho müsse"

Fallt uns gar nit ein, Franzl. Komm e Stückle Weg mit, t werd Dir sage, waS ma thun."

DaS ließ er fich nicht zweimal sagen. Er ging mit der Annemarie neben der Gartenmauer deS Kruge! hin und her und wenn er dabet da! erste Mal den Arm um ihre Hüfte legte, ohne daß fie wild wurde, fo that das ihrem Ein« verständuiß keinen Eintrag.

An diesem Abend war dem Ueberlingerbauer gar nicht gut zu Muthe. Wahrscheinlich plagte ihn sein böseS Ge- wissen, vielleicht that auch Annemarie'! Weilsaguug ihre Wirkung, kurz, er fühlte fich so unsicher und bedrückt, all habe schon die Hexerei ihren Anfang genommen.

Denn das war nun einmal au! einem rechtschaffenen Bauern der dortigen Gegend nicht auszurotten, aber­gläubisch waren fie alle wie die Landleute au! dem stnfteren Mittelalter. ,

Der Franzl und die Annemarie waren freilich schon auf­geklärter, fie glaubten nicht mehr an Hexen und dergleichen dumme! Zeug, und deßhalb erlaubten fie fich auch ganz kecklich damit zu scherzen.

Gegen Abend hatten ein paar Burschen da! arme Opfer- thier aus dem Krautgärtchen abgeholt, fie faßten, sie wollten e! über Nacht noch ein btlchen mästen.

Der Ueberünger machte sich nicht! au! diesem wieder­holten Spott: er war etwa! beunruhigt, daß der Franzl nicht mehr wtedergekommen war, sollte: der Bursche etwa ernstlich böse über die kümmerliche Pstngftgabe sein? Da! wäre dem Alten sehr unlieb gewesen, denn der Motzenbauer war der Nächstteichste im Dorje, und ihn hätte er gar zu gern zum Schwiegersöhne gehabt.

(Fortsetzung folgt.)

Inden Apoty und Dreien«'

HpjSf HE annemarie ihr- Zuflucht zu ein« List auf Bater da! wird Dir Unfege' bringe'. Hascht Ä'N wi- de- Tr-tt.rb°u.r iei beichte, Lieh z' M lischt, weil er über die Sammlung gespott hat, wo fWW&ircbl im Wald g macht worde tto?

verbiet Dir solches Gered, Du Gaul! Hab «ei LsM-z noch nit über nix H-iligeS gespott " ^r,wtrdS vteh ntiitil M weil Dir das Pfingstöchserl nit gesallt.

ilkier wenn auch Annemarie soeben eine GauS Mult »ar, io liefe fle fich befefeolb nicht °'°!^ch'-r°. 9i»HK bei einige Klub de, reichen Bauern und durfte fich ^Senn i e San, bin, da kann i auch ichnattere, Satter.

bann nur die benutzte Weidezeit. Kranke und bösartige Thiere, sowie über 1'/. Jahre alte Hengste, welche die anderen Thiere stören, können ausgeschloffen werden. Sonstige Auskunft erthellt der genannte Grobherzogliche Baurath Dr. Die ff erb ach.

Laubach, den 11. Mai 1896.

Der Präsident des landmirthschaftlichen Vereins vonOberheffen. Friedrich Gras zu Solms-Laubach.

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D Daueraheim, 20. Mai. Nach wochenlanger Pause hatten wir gestern gegen Abend 6 Uhr endlich den ersehnten Regen, wenn auch in nicht genügender Menge. Mehrere Gewitter zogen fich über unser Dors zusammen, ein Blitz­strahl schlug in eine Hofraithe und traf einen jungen Burschen, jedoch nicht tödtlich. ES trat Betäubung ein, die jetzt noch nicht ganz gewichen ist. Aus Himmelfahrttag entstand in dem nahen Echzeller Wald ein Brand, der noch rechtzeitig entdeckt und bewältigt wurde. Die große Trockenheit und die Unvorfichtigkeit der Spaziergänger haben den Waldbrand hervorgerufen. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo mau von solchen Fällen manchmal hören wird. Heute ist die Witte- rung wieder rauh, stürmisch und unfreundlich. Der 1896er Wonnemonat läßt Manches zu wünschen übrig.

AaS dem BogelSderg, 20. Mai. Die diesjährigen Holzversteigerungen find nun bis auf wenig zurück- stehende zu Ende gebracht. Im Allgemeinen darf der Preis des heurigen Brennholzes als ein normaler bezeichnet werden. Bei Beginn der Versteigerungen etwas hoch, sank er zu Ende derselben auf die seither gewohnte Preisstufe. Eine Aus­nahme von den sonst üblichen Brennholzpreisen machen die Preise im Oberwalde. Hier wurde in einzelnen Districten der Raummeter Buchenscheit für nur 2 Mk. verkauft, während er sonst durchschnittlich 6 bis 7 Mk. gekostet. Der Raummeter Buchenprügel kostete nur 1,50 bis 1,80 Mk. gegen 4 bis 5 Mk., die man dasür in anderen Waldungen zahlen mußte. DaS sind in der That billige Brennholzpreise.

§ Vom Lande. 20. Mai. Der Glaube, daß das Leb en in einerGroßstadt theurer sei, weil hier die Lebens­mittel kostspieliger seien, als auf dem Lande, ist ein fast all­gemeiner. Dieier Glaube hat aber nur insoweit seine Be- rechtigung als durch daS Angebot von Genüffen und Genuß-

Feuilleton.

Das Pfingstöchserl.

Humoreske von E. Fahrow.

(1. Fortsetzung.)

Smremarie aber stand mit zornglühenden Wangen an affinen Fensterlein ihrer Kammer, fi- hatte die ganze Urtenettang mit angehört und fich ganz entsetzlich für ihren Bc-M oitfchämt. . _

Im Stalle standen zwölf wundervolle funge Ochsen, öeUi nften davon hatte sie dem Vater abzuschmeicheln. «e- ;uoftty UBib ihm die Schande vorgestellt, die für ihn darin läge, rnZcn daS eine Mal in zehn Jahren, wo an ihn die Reihe jeMSethenl kam, nicht ebenso freigebig sein wollte, wie die

m . Di. Provinzial - Fohleuweide bei Merlau be- Wleds-V0M mltl in diesem Jahr am 1. Juni. Die Fohlen müffen an "" " - - biet*;!«! Tage zwischen 10 unb 1 Uhr Mittags daselbst mit

urdjneer Halfter und Kette, sowie mit GesundheitS- s dlitin von Grobherzoglicher Bürgermeisterei oder Veterinär- art^l abjjeliefert und den 30. September d. I. um dieselbe Scheit abgeholt werden, wobei der Besitzer beim Einfangen bekWich fein muß.

Tir Fohlen erhalten, neben Behandlung und Werde- fuMtln auf circa 34 Hectaren bei trockenem Wetter Kleegras ob.Lt be naffem Wetter Heu und außerdem pro Tag und L'i/e Pfund Hafer aus der Vereinskaffe. Jeder Be- Ionin jedoch Haferzufatz in Natur oder durch Selbst- utoi geben laffen.

' üi Weidegeld für bezeichnete Zeit von vier Monaten bekdgt pro Fohlen 39 Mk. 04 Pf. oder pro Tag 32 Pf. nitbnii-ifc die Hälfte beim Eintrieb und die andere Halste vo - dem 1. August l. I. an die Verwaltung rssp. Groß- jeierailiäien Baurath vr. Dieffenbach in ©runberg be- laEXaTben. Allenfallsige Kurkosten ber Fohlen muß ber Ei'öWlhrirner bezahlen. Letzterer kann wegen begründeter 93er* häM.it fein Fohlen zu jeder Zeit zurücknehmen und bezahlt

Bischt der reichste Bauer weit unb breit, Batterie, und wi.vt! nit zeige, daß Det Herz doch gut isch - geh - W briiiii aneb den Scheck her für die arme Leut.!

ftier der Alte hatte nichts von einem sounsinnigen

<8 J »otten" er meinte, der rotfee Ochse M büJB sleischig (daß Gott erbarm', die Zunge war v.elleicht

»chbl k jLt,' §,, cLleifwiae an ihm) und soviel fettes Fleisch tauge !o.,blc-6cetberben Pt M ^d)ft£n8 ffr DA® 20' ¥ Ml-

___Anian üht Plakate and 3«ttst.s Mfmbenbm Proben ist > >sene unb 10 Pfg. für fttrfc zahlen Mlilär 00m Fckm) tzen halbe Preise, Most

Hochachtungsvoll

. Director unb atteiniii:

unb t (006 Dir nochmoi '« ficht e Snnb, wenn Dn bo« | n.ckte er fie. Denn d°« Necken konnte er nnn einmoi nicht «"LJ?.. »X für bie Arme gebe willst - nnb i »erb losten, (ofeolb er bie« liebe S^mengefichtchen (ofe

Anstatt ihn ober wie gewöhnlich mit einer oerven -ant- wort abzuweisen, stand sie still und sagte ganz sreuudlich:

Hascht Du, geglaubt, daß i den Pfingstochsen dulde

Theil.

Bekmmtmachung.

Aniolge Verfügung Großh. Ministeriums des Innern un^btr Justiz vom 27. März l. I. ist die Abhaltung des ii Hen 1. Juni L I geplanten ViehmarkteS zu ®i|ä|oltrn, verbunden mit einer Verloofung und Prämnmng, um ita bei- Bedingung genehmigt, daß nur Thiere aus unver- jeitsiäoi Orten der Kreise Schotten, Gießen, Alsfeld, Lauter« bac4Whingen und Friedberg, Thiere von Händlern aber uu a bann, wenn sie mindestens 7 Tage in unverfeuchten Ci Um inaglitiet Kreise in seuchenfreiem Zustand zugebracht tial'M aiufgetrieben werben dürfen.

k^otten, den 16. Mai 1896.

Großherzogliches Kreisamt Schotten.

Schönfeld.

BekanatwaÄims.