1896
Freitag deu 22. Mai
Erstes Blatt
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Kenerak-Anzeiger
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und Anzeigeblutt für den Äreis l6iefzen
Hratisbeitage: Gießener Jamitienötatter.
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BiraRjmt Do* Anzeigen zu der Nachmittag- für de» ffchmdrn Lag erscheinenden Nummer bi» Botin. 10 Uhr.
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erst hierzu umgewandelt wurde, um dem Auge noch mehr Abwechslung zu bieten. Dieser „neue See" steht wiederum durch einen Canal mit dem nahegelegenen Karpfenteich in Verbindung, welch letzterer malerisch von einem Negerdorf der deutschen ColonialanSstellung nnb von dem hier hingezauberten „Alt-Berlin" begrenzt wird. Für die Boote und venetianischen Gondeln mit ihren ächt importirten, braungebrannten Gondolteren bietet sich also auf diese Weise ein weiter Tummelplatz und nicht lange wird es mehr dauern, wenn erst einmal die diesjährige Maikühle einer wärmeren südlichen Temperatur wirklich gewichen ist, dann werden hier feurige italienische Weisen erschallen und allabendlich werden unS die „Adio Bella Napoli“ und andere italienische Volks, lieber ltebgewordene Erinnerungen an den schönen Süden wecken.
In einem weiteren Briefe bespreche ich die Baulichkeiten, welche sich auf dem AuSstellungSterrain befinden.
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stützung aller nationalen Parteien finden. Als polnischer Gegencandtdat wird Herr v. Zurvenski genannt.
Berlin. 20. Mm. Die Sonntag Sruhe im Handels» gewerbe betrifft eine mit Ermächtigung der zuständige Minister, sofort in Kraft tretende Verordnung des Polizeipräsidenten für den Stadtkreis Berlin, welche besagt: Den Gast- und Schankwirthen ist an Sonn- nnb Festtagen außerhalb bet sür den HauptgotteSdienst bestimmten Zeit, der Ausschank von Wein und Bier vom Faß unbeschränkt, b. h. an Ort und Stelle, sowie über btc Straße, gestattet. Jeder andere Verkauf über die Straße unterliegt den be- schränkenden Vorschriften, die über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe erlaffen worden find.
Berlin. 20. Mai. Heute Nachmittag hat bei prächtigstem Sommerwetter in Westend der B l n m e n c o r s o stattgefunden. Die Trabrennbahn, auf welcher sich der Eorso bewegte, war reich mit Blumen und Fahnen geschmückt. Zahlreiche, mit kostbaren Blumen verzierte Gefährte nahmen an dem Früh- lingsfest Theil. Die Kaiserin, deren Erscheinen man bestimmt erwartete, mußte einer leichten Unpäßlichkeit wegen dem Corso fernbleiben, wohl aber hatte sich die Prinzesfin Friedrich Leopold eingefunden.
Berlin, 20. Mat. Der Großherzog von Sachsen- Weimar richtete anläßlich des FriedenSjubilaumS ein Telegramm an den Fürsten Bismarck. In seiner Antwort dankte dieser für die ihm seit langen Jahren erwiesene Huld und Güte.
Berlin. 20. Mai. Wie aus Moskau gemeldet wird, empfing daS Czaarenpaar gestern die Abordnung des preußischen 2. Garde-Dragoner-RegimentS Kaiserin Alexandra von Rußland in Audienz, bet welcher die Ernennung der Kaiserin zum Chef deS Regiments bekanntgegeben wurde. Später wurde das Gefolge des Prinzen Heinrich von Preußen, sowie General v. Werder und die zur deutschen Botschaft commandirten Offiziere vom Czaarenpaar empfangen.
Berlin. 20. Mai. Von der bevorstehenden Auslieferung FriedmannS ist dem „Tagebl." zufolge der Berliner Criminalpolizei eine Mittheilung seither nicht zugegangen. ES sei daher allem Anschein nach unrichtig, daß die Auslieferung am SamStag in Avricourt vor sich gehen werde-
Berlin. 20. Mai. Wie daS „Tageblatt" erfährt, ist in diesen Tagen von Seiten der französischen Regierung die übliche Anfrage bei der deutschen Regierung etngegangen, ob die Person deS für den Botschafter Herbette als Nachfolger in Aussicht genommenen Diplomaten genehm sei. Die Entscheidung dürfte erst nach der Rückkehr deS Kaisers von der Jagd in Pröckelwitz erfolgen.
Karlsruhe. 20. Mai. Dem Landtage ist heute die Vorlage wegen Erbauung eines Rheinhafens bei Karlsruhe zugegangen.
mit dem für die Ausstellung einbezogenen Areal über Million Quadratmeter. Dieses Terrain ist überdies prächtig bewaldetes und gärtnerisch wohl gepflegtes, unmittelbar — wie ich oben schon sagte — an die seeartig erweiterte Oberspree ausfließt.
Schönheit, umsomehr noch, als daS erste junge Grün ihm augenblicklich einen eigenartigen Reiz verleiht.
Das AuSstellungSterrain ist ein sehr ausgedehntes, weit größer in seiner GesammtauSbehnung als das Terrain aller seitherigen Weltausstellungen in Europa. Der Treptower Park breitet sich nämlich in einer Länge von 1,5 Kilometern und einer Breite von rund 0,8 Kilometern suS und umfaße
«olffß telegraphisches Lorrefpondenz-Buremr.
vtidapest. 20. Mai. DaS „Ungarische Correspondenz- meldet: In Anbetracht der tiefen Hoftrauer n anbtn während des hiesigen Aufenthalts des Königs im Juni b »in Aussicht genommenen Hoftafeln unterbleiben, gtian tii» Mitglieder deS internationalen Poft- und Telegraphen- :cxnjtcfit6 werden am 19. Juni zur Hoftafel geladen. Bei
Filier der Grundsteinlegung des KöutgSpalasteS am 61 IM bleibt die Hoftrauer in Geltung. Dagegen wird fi.fü ßl Idte Feier am 8. Juni aufgehoben.
D«. 20. Mai. Eine Meldung der „Tribuna" auS ÄVchuua vom 18. Mai berichtet: Morgens sah man aus destvFmt Adigrat fünf Abteilungen Ttgriner von je 1-M Mann ohne die italienischen Gefangenen hinabmarschiren. UAijvi 'Prestinari dachte zuerst an eine Hinterlist. Die TWinnc zogen bald zurück und man sah nun den Lieutenant Sfl itrrro mit den Führern der Abeffynier hinausziehen, bdiMlitte italienischen Gefangenen folgten. Unter lelgimr war auch Major Salsa. Der RaS Scium- richtete an den Major Prestinari einige Worte des MMuS. Prestinari ließ den Abeffyniern militärische Ehren tütedieo,. Am Nachmittag wurde die Uebergabe des Forts ■jciltjcgcn. RaS Sciumtesfai unterzeichnete daS betreffende ALMiick. Die Kanonen wurden zersprengt und einzelne SWI eingegraben. Eine Batterie, welche erst vor einigen Tüvjinim daS Fort gebracht, wurde fortpeschafft. 300000Gewehr- pcfltmnit und 6000 Artilleriegeschoffe wurden vernichtet und
Raffee — der ebenfalls in den durch ein großes Plakat „Hier können Familien Kaffee kochen" kenntlich gemachten Localen wiederum persönlich von „Muttern" fabricirt wird. Zu diesem in Strömen bereiteten warmen Getränk liefert bann die sorgende Hausfrau den Kaffee, der Wirth hingegen für einige Pfennige — daS heiße Wasser. Man wird zugeben müssen, baß man in Berlin flott, ober auch billig zu leben versteht.
Wer niemals die Selben und Freuden einer solchen Berliner Landpartie durchgekostet, wer niemals daS bunte Leben und Treiben in diesen Sommerlocalen, wo „Familien Kaffee kochen können" mitgemacht hat, der kennt in Wirklichkeit nicht daS Berliner Volksleben, nicht den Berliner in seiner eigenartigen Urwüchsigkeit.
Auch Treptow, so malerisch an der Oberspree gelegen, bildet einen bevorzugten AuSflngSort der Berliner, da eß sowohl von Mutter Natur als auch durch vorzügliche Verbindungen ganz besonders günstig erscheint.
Als seiner Zeit der Kampf um daS Terrain für die Ausstellung so heiß entbrannte, schaarten sich die Mannen deS GroßcapitalS, die vornehmen Müßiggänger deS Westens, um daS Banner „Witzleben", die Männer der Arbeit aber riefen „Treptow", die schwieligen Fäuste deS Osten Berlins schwangen ihr Banner hoch in die Lüfte, man wich und wankte nicht und als die blutige Schlacht geschlagen, da klang eS siegreich durch alle Welten: „Treptow!" Die schwielige Faust, das Wahrzeichen der Berliner Ausstellung, sie hatte den Sieg davongetragen.
Und wahrlich, Berlin braucht sich dieses Sieges nicht zu schämen, liegt doch dieses Treptow entzückend schön. Bietet auf der einen Seite die an dieser Stelle sehr breite Spree ein abwechslungsreiches, lebendiges Bild, so wirkt auf der anderen Seite der große ausgedehnte Park, in welchem sich daß Außstellungßterrain befindet, durch seine Anmuth und
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Die rührige Außstellungßleitung hat viel gethan, die Schönheit des Parkeß noch zu erhöhen, so befindet sich vis-ä-vis dem Hauptaußstellungßgebäude, welcheß den Mittelpunkt der ganzen Anlage bildet, z. B. ein reizender, von alten Bäumen umrahmter See, welcher auß einem Spielplatz
Der
' Anreißer
chentt täglich, Ni Lusnahme de» Wontag».
t* Gießener ,A.»Stt-»Stä1ter V ggfrti dem Anzeiger »MiLich dreimal beigelegt.
die befreiten Gefangenen, mit Kleidungßstücken und Nahrungß. Mitteln versehen, nach dem Lager bei Eherseber abgeführt. Auf der Mitte deß Wegeß »wurden sie von General Baldiffera, anderen Generalen und vielen Soldaten erwartet. Auch einige Eingeborene wurden befreit, darunter der Dolmetscher deß Majors Toselll, NamenS Negusfie. Die Operationen werden nun als abgeschlossen betrachtet.
Triest, 20. Mai. Heute langte der Lloyddampser „Habsburg" auß Alexandrien mit 347 Paffagieren erster Klaffe, für welche 60 provisorische (Kabinen dazu gebaut werden muhten, hier an. Eine Cabine wurde biß zu 20 Psund Sterling bezahlt. Die Paffagiere schildern die in Alexandrien herrschende Panik alß außerordentlich. Der Handel stocke fast vollständig.
London, 20. Mai. Heute haben 3000 außstandige Zimmerleute die Arbeit zu erhöhten Löhnen wieder aufgenommen.
Moskau, 20. Mai. Der Kronprinz von Griechenland und Fürst Ferdinand von Bulgarien sind heute Nachmittag hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe war eine Ehreuwache aufgestellt. Die Musik intonlrte zuerst die griechische und dann die bulgarische Hymne. Zum Empfange waren zahlreiche Mitglieder der kaiserlichen Familie, die Generalität und Hofwürdenträger erschienen. Später trafen die französischen Vertreter mit General Boißdeffre ein.
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Berlin, 20. Mai. Der preußische Hof legt heute für den Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich die Trauer auf 14 Tage an.
Berlin, 20. Mai. Die Reichstagß-Lommtsfton für daß bürgerliche Gesetzbuch hat heute die erste Lesung beendet und sich dann biß zum 2. Juni vertagt. Man hofft die zweite Lesung etwa biß zum 16. Juni zu erledigen, um bann dem Wunsche der Regierung gemäß den Entwurf vor Daß Plenum zu bringen. Eß ist der „Poft" zufolge in Aussicht genommen, die zweite Lesung im Plenum am 22. Juni zu beginnen und man rechnet in maßgebenden Kreisen darauf, daß diese die beiden Wochen biß zum 4. Juli in Anspruch nehmen wird, sodaß die dritte Lesung vielleicht am 6. und 7. stattfinden könnte. Wenn auch von verschiedener Seite bezweifelt wird, daß man den Reichßtag so lange wird zusammen- halten können, so glaubt die „Post" doch, daß eß von anderer Seite nicht an sehr energischen Anstrengungen fehlen wird, die Verabschiedung deß bürgerlichen Gesetzbucheß in dieser Session ohne eine weitere Unterbrechung der Tagung herbeizuführen.
Berlin, 20. Mai. Für die ReichStagßnachwahl im Kreise Schwetz wird der bisherige Vertreter dieses Kreises, Herr Holtz.Panlin (Rp.) wieder ausgestellt werden und die Unter-
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Deutsche» Reich.
krrahdurg, 18. Mai. Durch kaiserliche Cablnetßordre aijuilt icommanbirenben Generale bes 15. (Straßburg) unb 1M Metz) Armeecorpß ftnb in Elsaß-Lothrlngen verschiedene nvM militärische Schutzmaßregeln gegen die in le tziil Zeit häufiger versuchte Spionage eingeführt worden, (g-e ifi idas Betreten der Forts, Befestigungswerke, isoliner VischiLtgungßwerke u. dgl. absolut jedem Civilisten unter» scrG, welcher Nationalität er auch sei. Daß Betreten der »taltrncn ist nur jenen Civilpersonen gestattet, die mit den Di-ntbsn Generalstab ausgestellten jederzeit widerruflichen Eiil-llduißscheinen versehen find und unter Bürgschaft einer bffctrn deutschen Persönlichkeit stehen. Ebenso ist den kLmiühmern streng verboten, bei den Festungsarbeiten auß» lätolltyt Arbeiter zu verwenden und selbst gegen die deutschen ' lamilhmer muß seitens l>er Militärbehörden eine ver- fckWche Ueberwachung eintrtten. Auch wegen der Unter- hcjulluvg über militärische Angelegenheiten im öffentlichen Ltd!« find den Militärangehörigen besondere Beschränkungen aiefirkft worden.
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Feuilleton.
Berliner Ausstellungsbrirfr.
(Von unserem Correspondenten.)
VIII.
Berlin, 19. Mat 1896.
Hier durch die staubigen Straßen unserer Hauptstadt •h tritt unib baß hastenbe, geschäftige, wahrhaft großstädtische LeLSv mnb Treiben beobachtet, der ahnt kaum, daß nicht aMgireiit vor der Stadt der niemals rastenden Arbeit, dem - tturiiltn, ermatteten Wanderer landschaftliche Schönheiten wiMu, wie man sie nur fern ab von ber Großftabt zu firfnÄc erhofft.
Luch baß staubige, ruhelose Berlin hat seine, ber Fijmienwelt so wenig bekannte, herrliche Umgebung unb ber heißen Sommermonate bteten bte leicht zu er» «eMnlien Vororte und Waldungen den Bewohnern unserer roilrci mftabt bte heißersehnte Erholung. Nicht Jebem ist tM j3nnt, während der hier oft unerträglich heißen -SZ!»me:rtage einen Surort auf dem Lande, im Gebirge oder ans ht See aufsuchen zu können und doch fühlt ein Jeder baiiBirilngenbc Bedürfniß, den heißen, ordentlich Hitze auß» it^taDen Manern, ber bicken, wie ein Uebel fich über bte enegn Straßen lagernden Luft zu entfliehen. Da pilgern baiueiim einem schönen Sonntage Hunderttansenbe von Menschen Hilm:; nach bem Thiergarten, welcher fich unmittelbar an «Mui anschlteßt, bevorzugter ist jeboch vom Bürgerthurn ber Hßkwuwalb, wo man tm Grünen ober auch an ben malerisch ge^mein Seen unter Gotteß freiem Himmel „Natur kneipt" UEtll ibkrju ble selbst mitgebrachten, von „Muttern" höchst et,i;Mnbtg präparirten „Stullen" mit gutem Appetit unb tnü Wer, ungebunbener Laune verzehrt. Befeuchtet wirb beftnr Sammen burch ben braunen Trank ber Labe, — den
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■ färbe U , Lacke, Pinsel rc. W. av Walter, 1 nfectio ad Mäd i in SBoUe unb M kskin-, Tlicot- unb 2bf- igen Preisen, m, KchdU


