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Sonntag den 22. Mär;
Erstes Blatt.
Nr. 70
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
Hratisöeitage: Hießmer Ilamilienökatter.
Abonnements - Einladung
Annahme von Anzeige» zu der Nachmittag» für de» -rlgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Au»lande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Deutscher Reichstag.
65. Sitzung. Freitag, den 20. Mar, 1806.
Die Etatsberathung wird fortgesetzt.
Bet dem Etat der Retchsschulb, über welchen die Debatte gestern abgebrochen worden war, spricht sich noch Abg. Rtntelen gegen die Eonverttrung der RetchSschulden auS, worauf der Etat ohne weitere Debatte genehmigt wird.
Bet dem Etat der Zölle und Verbrauchssteuern beantragt die Commission eine Resolutton betr. Erleichterungen tm Verkehr mit denaturtrtem Spiritus Zu dem Behuf wird der Wunsch ausgesprochen, daß da« Denaturtrungsmtttel auch in kleinen Quantitäten an die Brenneretbesitzer soll abgegeben werden dürfen.
Ferner liegt ein Antrag Auer vor betr. Aufhebung der Salz- steuer vom 1. April 1897 ab.
Bet dem Titel Zölle berichtet
Abg. Pachnicke (srs. Vg.) gleich über die Commissions-Verhandlungen über den Antrag Lieber. Diesem Anträge^zufolge, welcher von der Commission angenommen worden ist, soll durch eine Bestimmung im Etatsgesetz angeordnet werden, daß künftig von den etwaigen Uederschüffen der Überweisungen an die Etnzel- staaten über die MatrtculardettrLge die Hälfte zur Verminderung der Reichsschuld zurückbehalten werden soll. Außerdem soll demgemäß schon von den Ueberweisungen pro 1895/96 der Betrag von 13 Mill, etnbehalten und zur Verminderung der Retchsanlethe verwendet werden . ° , o. ,
Abg. Lieber schlägt vor, die Erörterung des Antrages Lieber hier auSzuscheiden und erst bet Berathung des Etatsgesetzes erfolgen zu lasten, da zumal über diesen Antrag ein besonderer Referent bestelll^ft' ejnb z^s^ge des Abg. v. Stumm erklärt Schatzfecretär Graf Pofadowsky: lieber den Quebracho - Zoll, zu dessen Gunsten der Retchvtag im Vorjahre eine Resolution beschloffen, habe der BundeSrath sich noch nicht schlüssig gemacht; in allernächster
wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei' (Pietsch & Scheyda).
Vierttlsähriger >Sox»n»ad»prrte» 2 Mark 20 Pfg. mir vringerlohn. Durch die Post drzoge» 2 Mark 50 Pfg.
Ribaction, Exprdrno^ und Druckerei:
-ch»rstr-heAr.7. Fernsprecher 51.
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 2. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebenst rin. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lau senden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Borgänge in der Provinz so frühzeitig tote möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- verthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- virthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Jtchaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. ausgeben zu
Der chlehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».
Die Gießener IKmitie« v kälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zelt aber werde das geschehen. Er bitte, die Erörterung dieser Angelegenheit noch htnauszufchteben, vielleicht bis nach der Vertagung des Hause« über Ostern. , .
Abgg. Broekmann und Hitze (C.) sprechen zu Gunsten des Quebracho-Zolles, Abg. Fischbeck dagegen.
Abg. v. Rarborff bemerkt, er müsse sich doch sehr darüber wundern, daß der Bundesrath sich während eine« vollen Jahre« noch nicht über die Resolution habe schlüssig machen können.
Schatzsecretar Gras PosadowSky: ES sind hierbei wichtige Fragen zu bedenken: die Jnteresten der chemischen Technik, der Gerberei, der Leder Industrie, unsere weit und tiefgehenden Exportoe, hältniste.
Abg. Gras Kanitz: Die Zolleinnahmen seien in Folge der Handelsverträge stark zurückgegangen bezw. hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Ermäßigung der Zölle auf Getreide allein bedeute für das Reich pro 1895 eine Einbuße von 45 Mill, und die Zollherabfetzungen inSgesammt einen Verlust von 70 btS 80 Mill. Eine Revision der Handelsverträge würde durchaus nicht, wie StaatSsecrelär v. Marschall behauptet habe, der Würde des Reiche» widersprechen. Ueberdies würden Rußland und Oesterreich sich gar nicht weigern, einer Revision zuzustimmen. Unser Zolltarif entspreche nicht den Interessen des Landes. ES sei unmöglich, diesen Zustand länger fortbauem zu lassen. Fugit in-epan-abile tempas! (Lebhafte Zustimmungsruse rechts.) Der BundeSrath kenne nicht die Zustimmung im Lande. JfSraoo rechts.) Sollen wir wieder nach Hause gehen, ohne den Wählern etwa« mttzubrlngen/ (Leb- ^a*ter©?aet»!ecretar Aschenborn bestreitet entschieden, daß unsere Reichsfinanzlage sich nach Abschluß der Handelsverträge verschlechtert habe. Gerade die Zolletnnahmen seien — wie Redner an der Hand der Statistik ausführt — seit einigen Jahren bis zur Gegenwart erheblich im Steigen. (Lebhafter Beifall link«.)
Abg. Müller-Fulda (Ctr.) weist gegenüber dem Grasen Kanitz darauf hin, daß gerade mit der Zeit der höchsten Getreidezölle die rapideste Steigerung der Reichsschulden Hand in Hand gc- g^Abg*'Fisch deck (srs. Vg.): Die Herren rechts sind wohl nur so erregt wegen der Verhandlungen im englischen Unterhaufe'.(Große Unruhe rechts) Sie übersetzen den ganzen infolge der Handelsverträge eingetretenen Aufschwung in Handel und Verkehr und die Einnahmesteigerung bet einer ganzen Reihe anderer Zolle. Redner regt sodann die Einrichtung eines Zollgerichtshofes an, auf Unzukömmlichkeiten bei Bemessung von Tarasätzen hinweisend, besonders M ^baCl0D.a$itorborff (Rp.): Herrn Fischbeck kann ich nur erwibern, baß ich über bie Lonboner Nachrichten sehr ruhig denke. Was mich erregt, ist, daß die Herren, die drei Tage lang über Dr PeterS sprachen, unS hindern wollen, über die landwtrthschatt- liche Noth zu sprechen. Wenn wir die Handelsverträge noch acht Jahre haben, dann ist die Landwirthschaft durch daS mobile Capital expropriirt. (Beifall rechts.) .
Titel Zölle wird sodann genehmigt, ferner Tabaksteuer und Zuckersteuer debatteloS.
Bei der Salzsteuer befürwortet t „ cc ,
Abg. Schultze-Königsberg (Soc.) den Antrag auf Aushebung der Steuer vom 1. April 1897 ab.
Meßmer Anzeiger
Keneral-Anznger.
HerrMeton.
Wochenbriese aus der Residenz.
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 20. März.
Ott» Äoquette f. — Eifenbahnfragtn. — An« dem Kunstleben.
Eine ernste Trauerkunde, die in der ganzen Stadt mit inniger, ungeheuchelter Betrübniß aufgenommen wurde, durcheilte am verflogenen Mittwoch schon in den ersten Morgenstunden die Residenz, e» war die Botschaft von dem Hin- scheiden Otto RoquetteS. Seit dem Jahre 1869 gehörte der nun entschlafene Dichter dem Lehrercollegium nuferer Technischen Hochschule als Profeffor für deutsche Literaturgeschichte an. Zahllose Schüler haben seit dieser Zeit seine Vortröge gehört und Anregung mit hinauSgenommen ins Berufsleben, für die sie dem liebenswürdigen Lehrer stets dankbar geblieben sind. Otto Roquette war jedoch nicht nur in den Kreisen der akademischen Bürger außerordentlich Leliebt, auch die Bürgerschaft war stets bestrebt, ihm Beweise ihrer aufrichtigen Zuneigung und Verehrung darzubringen. Besonders schön zeigte sich daS vor nunmehr zwei Jahren, da sich ganz Darmstadt rüstete, um mit den näheren Freunden des Dichters besten 70. Geburtstag festlich zu begehen. Damals wurden dem greisen Herrn zahllose Beweise dank- barer und freundschaftlicher Gesinnung evtgegengebracht und in rüstiger Gesundheit konnte er alle Huldigungen entgegen- nehmen, darunter auch den herzlichen Wunsch, daß eS ihm noch lange vergönnt sein möge, in gleicher Weise weiter zu wirken und zu schaffen. ES hat nicht sollen sein. Nun ist der saugeSfreudige Mund verstummt, doch daS Andenken des Sängers von „Waldmeisters Brautfahrt" wird sobald nicht verlöschen bei allen Denen, die Sinn und Jntereffe für dichterische Werke besitzen.
Eine kurze Skizze deS Lebenslaufes des Heimgegangenen woge hier folgen, sie stützt sich im Wesentlichen auf daS, waS Otto Roquette selbst in seiner Autobiographie dargestellt hat. Süm 19. März 1824 ist der Dichter io Krotoschin io Poseo geboren. Wäre ihm also noch ein Tag vergönnt gewesen,
so hätte er das 72. Jahr vollendet. Die väterliche Familie leitete ihren Ursprung suS Frankreich her. Zunächst besuchte Roquette daS Gymnasium zu Frankfurt a. O., dann bezog er 1846 bie Universität Heidelberg, und wie er dort als fröhlicher Bursch gelebt und gesungen, daS hat er selbst in seiner Lebensbeschreibung anmuthig dargestellt. 1848 brachte ihn nach Halle und in dieser Zeit entstand daS 1851 zuerst erschienene Märchen „Waldmeisters Brautfahrt", daS des Dichters Name in alle Länder trug und 1885 bereits in 56. Auflage erschienen ist. Dann folgte eine wechselvolle Reisezeit, die nach Süddeutschland, der Schweiz und Italien führte. Nach dreijähriger Lehrthätigkeit in Dresden finden wir den Dichter 1867 in Berlin, wo er an der Kriegs- akademie als Profeffor für allgemeine Geschichte ein Jahr wirkte. 1869 folgte dann seine Berufung nach Darmstadt, und hier, in seiner zweiten Heimath,Entstanden noch manche duftige Schöpfungen eines frischen, liebenswürdigen Talentes, lyrische Gedichte, Epen — so vor Allem die nach unserer Meinung bedeutendste Roquette'sche Dichtung „Gevatter Tob" — Novellen und Dramen. Auch durch eine Geschichte der deutschen Literatur machte sich der Dichter verdient, doch treten naturgemäß diese und andere wissenschaftliche Leistungen vor seinen poetischen zurück. Ein größeres Publikum erfreute sich oft an den Darstellungen der Dramen des Dichters auf der Darmstädter Hofbühne. So stehen uns noch die Aufführungen seines „Rosengarten", „Don Sebastian", „Longelot" und seines letzten Werkes „Die Schweden in Altorf" in gutem Andenken. Für patriotische Gedenktage bot die Liebenswürdigkeit RoquetteS öfters Festspiele und Prologe rc. Die rege Thätigkeit des greifen Dichters erlitt nur im vergangenen Jahre d^ch einen Un- glückSsall, der ihn eine kurze Zeit auf das Krankenlager warf, eine unfreiwillige Unterbrechung. Jetzt ist sie für immer abgeschloffen, doch vergeffen werden wird sie nicht. Wenn auch die Literaturgeschichte Otto Roquette nicht unter den Ersten nennen wird, einen ehrenvollen Platz wird sie ihm stets anerkennen müssen. Heber daS Leichenbegängniß, welches am heutigen Freitag stattfand, findet sich das Nähere unter „Provinzielles".
Der Wochenbericht hätte dann noch, in Anlehnung an
ein jüngst an dieser Stelle erwähntes Thema, einer jüngst abgehaltenen Der sammlung zu gedenken, die sich mit der geplanten Bahnanlage von Lindenfels durch da» Modauthal nach Oberramstadt und mit der angeblich geplanten Verlegung der Main-Neckarbahn befaßte. ES kam dabei zu lebhafter Aussprache, doch dürften nähere Mittheilungen über diese Localsragen für auswärtige Leser kein größeres Interesse haben. — Im Kunstleben haben wir vor allem das wohl- gelungene Concert deS Richard Wagner-Zweigvereins zu erwähnen. Der Vorstand hatte wiederum eine stattliche Anzahl vortrefflicher Solokräste gewonnen. Im Mittelpunkt deS Programmes standen Kompositionen des in Weimar lebenden Componisten Gustav Gutheil. Seine Vocal- und Jnstrumentalcompofitionen fanden gebührende Anerkennung. Außer dem genannten Componisten wirkten noch Frl. Marie Schober von der Weimarer und Frl. Pewny von der hiesigen Hofbühne mit, und — last not least — unser ausgezeichneter Kammersänger Weber, und Hofmusiker Kleitz, ei' Violionvirtuose ersten Ranges. — Auch der Jnstrumental- verein hatte mit seinem Concert einen schönen Erfolg- als Solistin interessirte dabei namentlich eine Schülerin des Hrn. Mufikdirector Senff, Frl. Lindemann, die schon im „Tannhäuser" als Hirtenknabe ein hübsches Talent offenbart hatte. Im Hoftheater errang sich das neue Lustspiel „Comteffe Guckerl" von Schönthan und Koppel-Ellfeld einen fröhlichen Erfolg, der wohl für viele Wiederholungen vorhalten dürfte. Der Wiener Kammersänger Theodor Reichmann, der am Sonntag hier ein Gastspiel beginnen sollte, wird nun nach neueren Bestimmungen erst im April hier auftreten, ebenso Frl. Wedekind, der rasch aufgestiegene Gesangsstern von der Dresdener Hofbühne. Für das Concert des Hrn. Dr. F. Harre« in künfttger Woche find gleichfalls tüchtige Solisten gewonnen, und das Interesse des einheimischen Publikums für den Debütanten ist bereits erfreulich groß. Schließlich fei noch erwähnt, daß am Sonntag die zur Regimentsjubelfeier der 115 er entworfenen lebenden Bilder bet der Wiederholung für das allgemeine Publikum gleichfalls mit größtem Beifall aufgenommen wurden.


