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Zweites Blatt
Mittwoch de« 21. October
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-i- fllein.ginben, 20. Dctoier. Am v-rfl°sf«nen Sonn- '°g hielt Herr Landwirth,chafl«lnlp-c«°r Kurth einen lehr, teidien Vertrag über da- wichtige Thema: „Wie düngt der Landwirth heute am billigsten?» Rednerlührte au«: Ein Hauptfehler io der Düngung fei, daß immer noch zu wenig mit Phosphorsäure gedüngt werde. Der Stickstoff wirke allerdings mehr auf das WachSthum, aber die PhoS- phorfäure begünstige mehr die Körnerbildung und beuge dem
«?or* Wirthschaftödünger enthalte auf zwei Theile Stickstoff nur einen Theil Phosphorsäure, es müsse jedoch im umgekehrten Verhältnisse gedüngt werden. Eine noch größere Verschwendung an Stickstoff werde getrieben
Düngung der stickstoffhaltigen Klee« und Hülsen- früchtefelder. So müßte jeder Landwirth Phosphorsäure zu- kaufen, dagegen könne und solle man den Stickstoff, den teuersten Nährstoff, so viel als möglich durch den Anbau der stickstoffsammelnden Pflanzen und durch Zukauf von Kraft, futter ersetzen. Bet der künstlichen Düngung sei die Düngung oft noch einseitiger, indem Dünger angewendet werden, welche nur einen Nährstoff enthalten. Die Anwendung der künstlichen Dünger bestimmen fich heute saft nur nach dem « flr rr senden vier kaufe man heute die Nährstoffe, Stickstoff und Phosphorsäure am billigsten und man dünge in folgender Weise: Im Herbst gebe man schwefelsanreS Ammoniak als Stickstoffdünger und ThomaSschlacke als PhoS- phorsäuredünger,- im Frühjahr Chili alt Stickstoffdünger und wiederum ThomaSschlacke. Letztere sei heute dem Super- Phosphat vorzuziehen, weil ihre PhoSphorsäure d. h. die citratlöSliche, ebenso wirksam ist wie die wasserlösliche des SuperphoSphatS, jedoch oft noch nicht die Hälfte von dem kostet, was für die wasserlösliche bezahlt wird. Das Super- phoSphat wirke zwar etwas mehr auf das WachSthum, aber nicht mehr auf die Körner, dafür fei die ThomaSschlacke von besserer Nachwirkung, was für den Klee von großer Wichtig, kett ist. Mit Ausnahme der Hackfrüchte, die noch etwas Superphosphat erhalten sollen, könue man ThomaSschlacke überall anwenden und dabei genüge es, sie vor der Saat unterzupflügen. Von erhöhter Wirkung sei sie auf kalkarmen Böden, wie bei uuS, da zugleich dem Boden eine nicht unbeträchtliche Menge Kalk zugesührt wird. Auch der dritte Nährstoff, das Kalt, dürfe nicht fehlen, darum müsse auch
mit Kainit gedüngt werden. Vor Allem fehle eS an diesem Stoffe auf leichten Böden, auf Wiesen und bet starkem Hack- fruchtbau. v
+ Geiß-Nidda, 18. Ociober. Gleich unserer ersten diesjährigen Bürgermeisterwahl wurde die wettere am 14. v. MtS. stattgehabte Wahl auf Grund der von der Gegenpartei erfolgten Reclamation durch den Kreis- ausschuß gestern für ungilttg erklärt und die Gemeinde abermals in eine Averfionalsumme von 60 Mk. verurtheilt Bekanntlich standen in beiden Wahlgängen die nämlichen Candidaten, welche zufällig gleiche Familiennamen haben, fich gegenüber,- dieselben waren abwechselnd als Sieger aus den Wahlkämpfen hervorgegangen und zwar je nur mit geringer Stimmenmehrheit. Es steht uns daher eine dritte Wahl, vielleicht noch dieses Jahr, in Ausficht.
A Freiensteinau, 18. October. Kürzlich war hier Tanzmusik. Gegen 3 Uhr Morgens begleitete ein Bursche ein Mädchen nach Hause und verabschiedete sich eben auf der Straße von demselben, als vier Burschen herbeisprangen, ihn zur Erde warfen und ihm im Augenblick eine ganze Anzahl Messerstiche beibrachten, sodaß der Verletzte ärztlich behandelt wird.
§§ Hainbach (Kreis Alsfeld), 17. October. Gestern Abend gegen 6 Uhr verschied hier der im 81. Lebensjahre stehende Landtagsabgeordnete Carl Pfannsttel nach fünftägiger Krankheit. Der Verstorbene war seither das älteste Mitglied der Zweiten Ständekammer (etwa 24 Jahre lang), Mitglied des KreiSauSschusses und sonstiger öffentlicher Ehren- amter, auch war er früher lange Jahre Bürgermeister unserer Gemeinde. Allgemein war er als tüchtiger Mann sowohl im Staats- wie im Gemeindrleben angesehen, geachtet und beliebt bet Jedermann.
-1- AuS dem Vogelsberg, 18. October. Mit dem 15. October ist die gesetzliche Schonzeit für Fische eingetreten. Bekanntlich gehen die Fische, um zu laichen, bachaufwärts und zwar schon lange vor Eintritt der gesetzlichen Schonzeit und gelangen — hierorts — in die sogen. Mühlgräben, in denen sie stehen bleiben müssen, weil sie wegen der vorhandenen Terrainschwierigkeiten nicht weiter können. Dies ist ein großer Schaden für die Fischzucht. Alle Müller find fischereiberechttgt in ihrem Mühlgraben, sogen. Pädrtch, und sie machen zum größten Theil von ihrem Recht den ausgiebigsten Gebrauch. Einsender dieses hat in den letzten
Wochen wahrgenommen, daß ein hiesiger Müller fast tagtäglich ganze Körbe voll hübscher Forellen in der Schwere bis und über 2 Pfund baß Stück, ä Pfund für 80 Pfg. iosschlug und hierbei eine ganz beträchtliche Einnahme zu verzeichnen hatte. Für die Fischereipächter, die Pacht zahlen müssen, ist dies nicht erfreulich, weil für diese der Fang eine schwierige Sache, andererseits aber dieser Massrnfang von ganz bedeutendem Nachtheil für die Fischzucht ist, denn mit dem Fangen dieser schweren Latchforellen werden Tausende von Eiern vernichtet.
AuS Oberheffeu, 16. October. Von befreundeter und absolut zuverläsfiger Seite wird den „N. Hess. Volksbl." geschrieben, daß die Zettungsmeldungen, wonach Herr Land- tagSabgeordneter Joutz in Butzbach zur antisemitischen Partei gehöre, durchaus grundlos sei. Herr Joutz ist auf eine Einladung des Vorstandes des mitteldeutschen Bauernbundes, dem allerdings auch Antisemiten angehören, s. Z. auf einer VertrauenSmäunerversammlung zu Ostheim als Candidat zur Landtagswahl aufgestellt worden, nachdem derselbe erklärt hatte, weder aus einer Partei austreten, noch in eine andere eintreten zu wollen. Er hat sogar bestimmt erklärt, daß er auf die Candidatur verzichte, wenn man diesen Wechsel verlange. Herr Joutz ist für einen Landkreis gewählt und hat dessen Interessen zu vertreten, wird sich aber seiner Er- klärung zu Folge an kein Parteiprogramm binden. Seine Wahlmänner bestanden aus 10 Bauernbündlern, 7 Katho- likcn und 4 Arbeitern — alle, aber bezw. die Majorität, dürften seine in der Gegend sehr bekannte Thätigkeit in Butzbach in Berücksichtigung gezogen haben. Herr I. ist seiner politischen Anschauung entsprechend nach wie vor freisinnig.
Zugenheim, 16. October. Herrn Bäckermeister Heinrich Fischer dahier wurde der Auftrag, einen russischen Koch in dem Kuchenbacken, besonders von Zimmtkuchen, zu unterrichten. Den russischen Majestäten mundete bet ihrer Anwesenheit am Dienstag dahier der von Herrn Fischer gelieferte Kuchen so sehr, daß sofort Befehl ertheilt wurde, einen Koch mit der Backart deS Herrn Fischer vertraut zu machen.
Hntoerfitäts - Nachrichten.
„.München, 19. October. Der ordentliche Professor der tbier- ärztlichen Hochschule Feser ist gestorben.
tfcuUIcton.
Strich durch die Rechnung.
Von O. Sandor.
(Schluß.)
Knut hatte es fich aber in den Kopf gesetzt, daß die beiden ein Paar würde» und deßhalb mußte eß durchgesetzt werden. Sie war ja doch einmal so 'n zierliches Dingelchen, zur Frau Professor wie geschaffen.
Zwar war Elisens Mutter anderer Meinung. Sie be- hauptete, Lieschen schaffe trotz ihrer Zierlichkeit für zwei und fle besitze wehr Energie und Geschick, einen großen ländlichen Haushalt zu führen, als manche robuste Bauerfrau, — aber Knut ließ fich — obgleich er selbst mit Vergnügen GliSchenS Rührigkeit beobachtete — nicht überzeuge». Er wollte und mußte seinen Willen haben . . . Knut lachte vergnügt in fich hinein.
Da kam ja auch schon baß flotte Phaeton mit den beiden StaatS-Traberu die Allee heraufgeschnurrt, um im nächsten Augenblick auf dem Hofe zu halten. Leichtfüßig sprang Hermann, ein schlanker, eleganter junger Manu mit seinen, etwa« bleichen Zügen, aus dem Wagen, ihm folgten zwei Herren, ein älterer und einer in Hermanns Jahren.
„Guten Tag, Vater!" rief Hermann. „Ich bringe Dir zwei liebe Gäste mit . . . Hier Professor BehrenS, mein verehrter Lehrer, und hier mein Commilitone Alfred von Schervttz?—"
,/Jch hatte denselben Weg nach K.", sagte der Professor, „und folgte deßhalb der Einladung Ihres Sohnes. ES ist mir angenehm, der Erste zu fein, der Ihnen zu dem glanzenden Examen des jungen DoctorS Glück wünscht."
„Examen? Doctor?" wiederholte Knut verblüfft, die Hand des Professors schüttelnd.
„Nun ja, Vater," sagte Hermann fröhlich, „einmal muß es ja doch heraus und deßhalb will ich beichten, ehe '4 die Schwelle unseres Hauses betrete. ES war vielleicht aarecht, daß wir Dich all die Jahre hindurch mhstificirt hvbeu, aber sieh — ich konnte mich mit der Landwirthschaft, W befreunde» und deßwegeu habe ich statt der landwirth- 1
| schelmisch lächelnd. „Detter HanS sund ich haben uns heute i Morgen verlobt . . . hatten einander schon lange lieb — schon lauge . . nicht wahr, baß ist ganz nach Deinem Herzen? Du haft HanS ja so oft gelobt, daß er so tüchtig uud fleißig sei . . . Run bekommt Dein Schwiegersohn den Hof, ich
I bleibe hier und FrerksenS Hof ist für immer unserer Familie I erhalten."
»Bravo!* ries Hermann uud die sremdeu Herren drängten fich an den verdutzten Alten und gratulirten ihm zu der „zweiten freudigen Ueberraschung des Tages".
I Was sollte Knut machen? Zwar ging ihm diese Ver- I lobuug gewaltig gegen den Strich, aber im Grunde hatte daS Mädchen Recht: nur auf diese Weise blieb der Besitz in der Familie. Außerdem war gegen HauS, der auch noch ein schönes Vermögen mit hineinbrachte, nichts eiozuweuden. Und wie sollte er schließlich den Herren gegenüber seine Weigerung auch motivireo? Sollte er sagen: -Ich habe es mir in den Kopf gesetzt, daß . . . Sie hätten ihn einfach für verrückt gehalten.
Nachdem die erste Aufregung fich gelegt, setzte man fich zu Tische. Anfangs war Knut schweigsam, das Zusammen« brechen seiner Pläne und die Ersolglofigkeit seiner Energie I wurmte ihn gewaltig. Bei dem vierten und fünften GlaS Rothwein aber begann er aufzuthaueu. Die schmeichelhaften Lobreden, die der Professor dem Fleiß und der Begabung seines Sohnes hielt, prallten nicht wirkungslos an seiner väterlichen Eitelkeit ab, und als der alte Herr beim siebenten GlaS die Gesundheit des jungen Paares und des Herrn Doctor auSbrachte, stieß er kräftig mit an und gegen Ende des vorzüglichen Essens hatte er seine behagliche Stimmung wiedergewonne».
Seinen Freunden erzählte Knut später, er habe die ganze Geschichte längst durchschaut und alles gewußt, uud um den Frauensleuten den Spaß nicht zu verderben, habe er geschwiegen uud so gethan, als sei daS alles eine große Ueber- raschusg für ihn.
Bon seiner eisernen Energie aber spricht er seitdem nicht mehr so viel a!S früher.
schaftlichen Akademie die Universität besucht und Medicin studirt. Verzeih mir die Täuschung . . . Ich habe auch tüchtig gearbeitet uud mein Examen glücklich —"
„Glänzend bestanden," fiel der Professor dem jungen Manne inS Wort. „Erster Character mit Auszeichnung! Außer dem Doctordiplom trägt der junge Herr bereits feine Ernennung als Assistenzarzt in der Klinik des berühmten Professor BehrenS in Kiel in der Tasche, und daS will etwas sagen. Ich denke, wem ein solcher Sohn und solche Botschaft ins Haus geschneit kommt, der kann fich schon freuen und über die nebensächliche Frage, wie daS alles gekommen, hinwegsetzeu. Nehmen Sie'S hin wie ein Wunder, lieber Freund ..."
Knut stand da und wußte nicht, ob er Fisch oder Fleisch sei, ob er loSdonuern ober gute Miene zum bösen Spiel machen sollte ... Die Gegenwart der fremden Herren genirte ihn . . . Sein Junge Doctor — — heimlich — hinter feinem Rücken . . . Ihm verging Hören und Sehen. Aber gerade als er den Mund aufmachte, um ein Donner« Wetter loSzulaffeu, kam Frau Rieke aus dem Hause gestürzt, warf fich, jauchzend und schluchzend zugleich, zuerst in die Arme ihres Sohnes und fiel dann ihrem Alten um den Hnls . . . fie habe ja mit im Complott gesteckt, er möge ihr I utcht böse sein, der Junge habe ja doch bewiesen, daß er den richtigen Weg gegangen.
Knut schien eß im Beisein des jovial lächelnden Professors das Gerathenste, vorläufig wenigstens feine Gefühle unausgesprochen zu lassen. Er brummte einige unverständliche Worte und führte dann seine Gäste in das Hau» und dort direct ins Eßzimmer, wo der Tisch gedeckt stand und EliSchen im weißen Latzschürzchen eben des Vater» LieblingSsuppe, eine I appetitlich duftende Rindfleischbrühe mit Tpargeln und I SchwimmklöSchen, auftrug. Auch Vetter Hans war im Bratenrock zur Stelle.
„Da haft Du Deinen Bruder, den neugebackenen Herrn I Doctor," sagte Knut mit ziemlich grimmiger Betonung, „Frerksen» Hof wird jetzt wohl seiner Zeit unter den Hammer ommen. Wüßte nicht, wer ihn unserer Familie erhalten I sollte . . 'S ist 'ne Schande —"
„O Vater, dafür wüßte ich schon Rath," sagte EliSchen '


