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in grösster!- Friedr. Kitte ■ Giessen, W*;
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»frianer **jctgrr leint täglich, in 3 uSnahme bt» Montag».
t>r Gießener «HmItienSlSller i iri r dem Anzeiger i E' lich dreimal I cigelegt.
Zweites Blatt. Donnerstag den 21. Mai_____________________
Meßemr Anzeiger
Kenerat-Unzeiger.
1896
Vierteljähriger > ASo»«r«e»t„reiL» 2 Mark 20 Pfg. mW Bringerlohn.
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M^ri.en Tag erscheinrndm Nummer bi» vorm. 10 Uhr. ^tlUlPUlUUyC. ^TUUlllICllVlUllCl. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Feuilleton.
D«s Pfingstöchserl.
Humoreske von E. Fahrow.
(Nachdruck verboten.)
Vi> Einer heutzutage noch einen altväterischen, wo« w'ötM historischen Gebrauch sieht, da freut er sich und deakt': „ t,Bi{l idoch waS Schönes um die Pietät- Gebräuche, die fd*ei io, grauen Heidenthum wurzeln, müssen doch tief mit dr D ikinrrsten Herzen der Volke» verbunden sein, wenn sie fickitzevct heute erhalten."
Vbrr tiefer hinein schaut selten Jemand in solche Sitten, eSi! Id bann irgend ein Professor oder Schriftsteller, die ja be!Hml ch ihre Nase in alles hinetnstecken müsien, waS sie atiifl btr GotteSwelt nicht« angeht.
Vc eS nun allgemein bekannt ist, daß unser christliches PW-zfi-!^ welche« erst im vierten Jahrhundert n. Chr. zu ctrnim kirchlichen Feste gemacht wurde, ursprünglich ein Heid- ntHitil ^rühlingSseft war, hat man sich daran gewähnt, alle BeMgeiräuche, die damit Zusammenhängen, einfach in irgend eint« Veiltehung zu dem Lenz, dem neuerwachten Leben, dem watuWniten Lichte, zu br ngeo.
Nm> mag daS ja auch in den meisten Fällen seine Rich- tIgelit Huben, — Ausnahmen gibt es aber auch dabet, und no m stich einer Ausnahme soll hier berichtet werden.
In einer anmuthigrn Gebirgsgegend Deutschlands, die ■ d)i litt näher bezeichnen will, weil die Betheiligten das ÜbÄvtMnrrken könnten, hat sich vor gar nicht langer Zeit einm Schichte zugetragen, an der solch eine Pfingstmode sch:W «ar und die so bald in dem Dorfe nicht vergeffen roeohn wird.
Doat herrscht die Sitte, daß die zehn reichsten Bauern delEr-eS zu jedem Pfingstfeste der Reihe nach einen Ochsen herWzeKrn haben, eben daS „Pfingstöchserl-, daS dann ge- schlyichel und unter die Armen des Dorfes vertheilt wird, >a,«il arnch diese einen Festbraten haben. Und diese Mode
war einfach einmal von einem reichen, wohlthätigen Bauern eiugeführt worden. Jede» Gemeindemitglied gab etliche Groschen zu diesem Behufe her, aber eS versteht sich von selbst, daß der Werth deS Ochsen damit nicht bezahlt wurde, so daß die Hergabe deS „OpferthiereS" eben ein Opfer des reichen Bauern blieb.
Seit Menschengedevken hatte sich keiner gewehrt, dieser öffentlichen Wohlthätigkeit zu genügen, ja, eS setzte sogar jeder eine Ehre darein, jedeSmal einen recht stattlichen, jungen Ochsen herzugeben, solchergestalt auch hierin den Vorgänger womöglich übertrumpfend, — denn daS Uebertrumpfen gehört nun einmal zu den Vergnügungen eines echten, rechten Bauers.
Dieses Jahr kam der Ueberlingerbauer an die Reihe, einer der Vermögendsten, aber auch Geizigsten aus dem Dorfe.
Schon lange vorher hatten die alten Männlein und Weibletn aus dem Armenhaus betrübt die Köpfe geschüttelt, — einen StaatSbraten würde eS gewiß dieses Jahr nicht abgeben!
Und auch die jungen Burschen krauten sich hinter den Ohren, — waS sollte denn daS für ein Pfingstöchserl geben! Wenn so ein Gerippe mit Blumen und Bändern geputzt durch daS Dorf geführt wurde, dann guckten gewiß die „Maidli" nicht stolz auf die Führer hin, — ja, der „Ochsentavz" Abends auf dem Tanzboden würde am Ende gar zu einem Gespött wegen deS unausbleiblichen Neckens der anderen Bauern werden.
„O je, waS fange mer an?"
So lautete die Frage der Burschen unter sich, die alle heute etwas vom ahnungsvollen Engel in sich trugen.
Leider hatten sie richtig geahnt.
Als die Deputation, wie sie fich auf abgekürztem Wege nannte, zu dem Bauern in die Stube trat, am tu ungefüger, poetischer Rede ihren Ochsen zu fordern, sah sie der Ueber lmger schon so listig und höhnisch an, daß ihr angst und bange wurde.
Nur der Motzenbauerfranzl, der blickte keck und ruhig dem Alten in» Auge- hinter dem Schtebfensterchen, das in die Kammer nebenan führte, hatte er schon daS blitzende Auge und die schwarzen Flechten der Annemarie entdeckt, deS Ueber- ltngerS hübsches Töchterlein, daS dem Franzl gar gewogen war.
„Wir wünschen dem Herrn einen vollen Tisch,
An jeder Eck ein' gebrat'nen Fisch" — begann der Motzenbauersohn seine Rede.
Aber gegen jedes Herkommen fiel ihm der Ueberlinger inS Wort und sagte:
„Mer wolle uns nit aushalre, Büble, — Zeit isch Geld — geht nur nau» ins (Sattle, Habs scho angrbunde, Euer Oechserl."
Wie die Burschen aber nun inS Gärtle kamen, sahen sie ein Vieh da angebunden, waS noch viel jämmerlicher war, als ihre Phantasie eS ihnen auSgemalt hatte.
„Mei!" sagte der Franzl, indem er sich zu dem Bauern herumwandte, der in der Hofthür lehnte, „Ueberlinger, da hat aber der Stallbub a Dummheit g'macht, das ischt ja gar kei Oechserl, 'S ischt ja e Zickerl!"
„Hascht aber schlechte Augen für Dei' junge Jahr, Franzl! Und doch dabei so e großmächtig Maul! WaS ma nit erlebe kann heutzutage!"
Der gelassene Spott des UeberlingerS zeigte den Burschen, daß fie bei ihm nichts auSrichten würden. — Aber sollten sie deßhalb mit solchem „elenden Gestöcke" abziehen? Das mußte noch überlegt werden.
„Ja, Bauer, jetzt da müffe mer erscht noch emal nauf in den Wald und mehr Laub holen. Für so e Prachtvieh ischt unser Vorrath zu klein, mer komme aber wieder. Unser Pfingstöchserl müsse mer habe', — was werde fich die arme Leut freuen, daß thne der reiche Ueberlinger sei größtes StaatSviech spendtrt! Na, — wolle scho sehn, ob mer'S nit bis morge mäste könne!"
Damit zog die Deputation wieder ab und versammelte fich zu weiterer Berathang im Dorskrug.
(Fortsetzung folgt.)
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