Nr. 300 Viertes Blatt. Sonntag den 20 December
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Feuilleton.
Das Victoris-Kreux
Eine WethnachtSgeschichte von A. O. Brazier.
(Nachdruck verboten.)
„ES hilft nicht-, Lilly," sagte der alte Mann seufzend, „tß hilft ntchdas Kreuz muh fort.“
®c strich bei diesen Worten über die Bettdecke und versuchte vergeblich, sich in dem schmalen Bette auszurichten, um da- Mädchen, das auf der anderen Seite des Zimmers stand, zu sehen.
Dieses schaute aus dem Fenster, ihre Thränen rannen unaufhaltsam die Wangen herab, während sie verzweifelt die Hände rang.
„Es ist da- Letzte, waS wir haben, Lilly," sagte der Mann nach einer Weile, indem er sich umsonst bemühte, das Zittern seiner Stimme zu unterdrücken, „eS ist das Letzte, waS wir auf der Welt besitzen. Einst glaubte ich, ich würde eher sterben, als daß ich mich davon trennen könnte."
Dem jungen Mädchen gingen diese Worte sehr zu Herzen.
„Thu's nicht, Vater!" tief sie. „Ich — ich —"
Sie vermochte nicht wetterzusprechen und ging lief er> schütiert nach der anderen Sette des Bettes. DaS Gesicht des alten Mannes, der in demselben lag, war von mancher Säbelnarbe durchfurcht und in den matten blauen Augen flammte von Zett zu Zett ein seltsames Feuer auf. In den feinen Zügen dieses Greises lag etwas, das Achtung gebot.
Die Tochter kniete an seiner Seite nieder und küßte seine abgemagertr, bleiche Hand, die regungslos auf der Bettdecke lag.
Ec blickte sie zärtlich an und streichelte ihren schönen Kopf.
„Z3ge,e nicht, mein Kind," sagte er dann, während sich
feine Lappen schmerzlich verzogen, „eS muß sein, und — und — eS wird hier recht kalt."
Das Feuer war in der That nahe am Erlöschen, denn die wenigen .Kohlen waren schon fast ganz zur Asche gebrannt, weiteres Brennmaterial war aber nicht mehr vor« Händen.
Das Zimmer enthielt beinahe nichts mehr. Ein zerbrochener Stuhl stand neben dem Bette und eine roh zubehauene Packkifte, die als Ti'ch diente, nahm einen kleinen Raum in der Mitte ein; in der einen Ecke lagen noch einige zerbrochene werthlose Gegenstände — das war die ganze Ausstattung des Z'mmerS.
Die trostloseste Armurh herrschte tu der kleinen Wohnung; jene Armuth, die den Geist zerstört und den stärksten Muth zerbricht. Und der Mann, der krank und bleich im Bette lag, war völlig gebrochen an Leib und Seele, war alt und hilflos, und doch hatte er einst zu Englands tapfersten und ruhmgeklönten Ssldateu gehört.
„Seine Tochter reichte ihm ein Victoria-Kreuz. Die Thronen rannen dem alten Manne langsam über feine Wangen, als er eS in seinen zitternden Fingern hielt. DaS broncene Kreuz — dieses Emblem des HeldenmutheS — gl'tzerte gar seltsam in dem fahlen Licht. Schnell gab er eS der Tochter zurück und sagte mit brechender Stimme:
„Nimm eS, mein Kindl Ich kann seinen Anblick nicht ertragen, eS erinnert mich zu sehr an die Vergangenheit. O, mein Kindl . . . Doch geh, geh! ... Es wird unS ein wenig Geld einbringen und vielleicht ändert sich unser Schicksal biS morgen."
DaS war eitel Hoffnung. Wie sollte sich daS Schicksal dieser Aerwsten in so kurzer Zeit ändern? Nur noch schlimmer mußte daS Elend werden, wenn die letzten Pfennige oufgezehrt waren.
Morgen war Weihnachten, doch davon sagte Lilly ihrem Vater nichts. Sie setzte ihren Hut auf, warf einen dünnen ’
Shawl um den Hals und stürmte hinaus in die nebeligen schneebedeckten Straßen.
* *
Das Kästchen mit seinem kostbaren Inhalt in den Händen, durcheilte Lilly die Straßen, in denen eine zahlreiche und glückliche Menge sich hin und her drängte. Sie versuchte, den Leuten, die ihre Einkäufe zum Christfest machten, auszuweichen, plötzlich jedoch stieß sie mit Jemand zusammen und sie wäre zu Boten gestürzt, hätte nicht eine kräftige Hand sie gehalten. Doch bet dieser Gelegenheit entglitt daS Kästchen ihren Händen und daS Kreuz fiel in den Schnee.
„Ich bitte sehr um Entschuldigung," sagte der Mann, seinen Hut lüftend. „ES thut mir leid, doch der Nebel ist daran schuld. Verzeihen Sie wir; ich habe Sie wohl sehr gestoßen?"
„Ach nein," versetzte das junge Mädchen mit trübem Lächeln. „Doch wo ist daS Kreuz?" rief fie erschreckt, „ich habe eS fallen lassen."
Bei diesen Worten bückte fie sich nieder und begann im Schnee nach dem Verlorenen zu suchen.
„O, nicht doch," sagte der junge Mann hastig. „Lasten Sie mich, bitte, nachsehen. Es ist meine Pflicht, ich bin ja schuld."
Er zog eine Streichholzbüchse aus der Tasche, zündete ein Hölzchen an und entdeckte nun nach längerer Zeit einen kleinen Gegenstand, der gerade zu seinen Füßen log.
„Allmächtiger Gott!" rief er. „WaS ist daS? Et« Victoria-Kreuz!"
„ES — eS gehört meinem Vater," sagte das junge Mädchen furchtsam. „Geben Sie es mir, bitte, zurück — ich - ich -"
Der junge Mann schaute ihr in das Gesicht. ES war schmalbäcktg und bleich und ihre Augen waren noch jetzt vom Weinen geröthet.
(Schluß folgt.) £
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Angebote sind postfrei und unter entsprechender Auffch'isl an die unterzeichnete Behörde bis zum Eröff ungS- Termin Samstag de« 2 Januar 1897, Vormi'taas 11 Uhr, einzureichen
Zuschlagsfrist vier Wochen.
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Verdingung de- «l-inschtagen- vo« 3500 cbm Bahnschotter an* vorhandenen Steinen für die Reu dauttnie Beienheim — Siidda im Ganzen oder i« Theiien.
Die Verdingungsunterlagen find im Bureauzimmer Nr 3 der unterzeichneten Behö de in Gießen (Frankfurterftroße 6») tinzusehen, können auch von da gegen poftfrete Einsendung von 70 Pfennig bezogen werden
Angebote sind postfrei und unter ent sprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde biS zum EröffoungS» Termin Sam-ta- de« 2. Januar 1897, Mittags 12 Uhr, einzureichen.
Zuschlagsfrift vier Wochen.
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