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-Kiener Anzeiger erscheint täglich, »U Ausnahme bei Montag».
Die Eießen er --«iktenötälter »erben dem Anzeiger »öchmtlich dreimal beigelrgt.
Drittes Blatt. Sonntag den 20. December
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wm m —>«[— Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
AnrtLicher Theil.
Gießen, den 16. December 1896.
Betreffend: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstnmmen-Anstalten des Landes.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. @ep< tember 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entgegen,
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ob in Ihren Gemeinden taubstumme Kinder vorhanden sind, welche das zur Aufnahme in eine Taubstummen-Anstalt erforderliche Alter erreicht haben. Die Kinder müssen da, 8. Lebensjahr erreicht, dürfen aber daS 12. Lebensjahr noch nicht zuiückgelegt haben.
Sollten sich aufnahmefähige taubstumme Kinder in Ihren Gemeinden rvorfinden, dann wollen Sie sich über die Verhältnisse der Eltern der Kinder ausführlich äußern und sich hierbei des nachfolgend abgedruckten Formulars, dessen einzelne Rubriken sorgfältig auszufüllen find, bedienen.
v. Gag ern.
Namen der Eltern und ihre Beschäftigung
7.
Bei der Geburt war alt
Wieviel Geschwister
am Leben
gestorben
der Vater
8
die
Mutter
Brüder '
Schwe- ; stern f£> ------------------1
Brüder
Schwestern
Ungefähres
Veranlassung
Umfang der Taubheit
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Unterrichtet
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Mit waS jetzt beschäftigt?
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wurde, es
der Eltern
geboren
wann?
wodurch?
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wo?
von wem?
wo?
von wem?
10.
11.
12.
13.
14.
15.
1
6.
17.
Bemerkungen.
18.
VerlmLschter
* Siu Offizieröbmfche in Berlin sollte dieser Tage für seinen Herrn einige Eintrittskarten zur Tribüne des Reichstages holen und entledigte fich feines Auftrages in finniger Weife derart, daß er „BilletS zum Abgeordneten- ReichStagS-Theater" forderte.
* BreSlau, 14. December. Beim Schlittschuhlaufen brachen in Bregnttz die 8 und 6 Jahre alten Sohne des MühlenpächterS Hentschel ein und ertranken. Der Vater wollte fie retten, ertrank aber gleichfalls.
* Leipzig, 14« December. Der verstorbene Rentner Rolffs in Mühlheim a. Rh. vermachte, dem „SagebL* zufolge, fein gefammtes Vermögen von 300,000 Mk. dem Gustav-Adolph Verein.
* Sin eigenartiger Geisteskranker, der auf dem Gebiete der Jrrenpflege ein Psychologisches Räthsel bildet, befindet fich seit einigen Tagen in der Herzberger Irren- anstalt. Es ist dies der 58 jährige Drechsler Otto Gretchen, der jetzt aus der Strafanstalt Brandenburg nach Verbüßung einer vierjährigen Zuchthausstrafe gekommen ist. Der eigenartige Patient, der sonst scheinbar ruhig ist, kriecht
den ganzen Tag auf der Erde herum, indem er behauptet, ein Regenwurm zu sein, der zertreten werden müsse, da er sich versündigt habe. Hat er seine Mahlzeiten eingenommen, so kriecht er in seine alte Stellung zurück, in welcher er bleibt bis zum Schlafengehen,- er schläft dann ebenfalls in kauernder Stellung nur auf Dielen, mit einer Decke zugedeckt und kümmert fich um seine Umgebung gar nicht.
* kpleudide Beleuchtung. Eine unangenehme Weihnacht-- Überraschung wurde einem dieser Tage nach mehrmonatiger Abwesenheit von der Riviera in die deutsche Heimath heim- kehrenden Ehepaar zu Theil. Als es nämlich den Salon öffnete, strahlte ihm in vollem Lichterglanze der von der Decke herabhängende achtflammige Gaskronleuchter entgegen, den das Dienstmädchen in seiner Herzensfreude, nach Italien mitgenommen zu werden, bei der Abreise der Herrschaft auszulöschen vergessen und der nun Monate lang Tag und Nacht gebrannt hatte. Die Gasrechnung von nicht geringer Höhe ist sowohl für die Herrschaft, wie für die vergeßliche Magd ein bitterer Nachgeschmack zu der italienischen Reise.
* Kaltblütig. Professor (dem ein Stück Plafond auf den Kopf fällt): „Es ist nichts, meine Herren! ES war nur ein starker Niederschlag von kohlensaurem Kalk!"
Prägung werden angefertigt in der
Brühl’schen
Feuilleton.
Wochenbriese ans der Residenz
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 17. December.
stegimeutSfest des Zuf.-RegtS. Nr. 115. — AuS dem Kuustleben.
Wie bereits in Ihrem Blatte mitgetheilt ward, waren tk am verflossenen 11. d. MtS. 10 Jahre, seitdem Seine Sgl. Hoheit der Großherzog seine militärische Laufbahn in itr Leibcompagnie des 1. Großh. Hess. Jnfant-rie(Leibgarde-) stgts. Nr. 115 begonnen hatte. Da der LandeSfürft die aus tiefem Anlässe vom Regimente zu veranstaltenden Feierlich- hitcn mit Allerhöchst Seiner Gegenwart zu beehren gedachte, Dar es nicht möglich, dieselben am eigentlichen Tage zu begehen, veil der Landesherr um diese Zett nicht in der Refidenz verweilte. Gestern Morgen nun versammelten fich die vier Lataillone gedachten Regiments im großen Hofe der Kaserne en der Alexanderstraße, Mannschaften, Offiziere und SauitätS- »sßztere in Parade-Uniform, um den Ehrentag zu begehen. Der Regimentscommandeur, Herr Oberst v. Schotten, wieS io kurze«, markigen Worten hin auf die militärischen Eigen- Haften, die Se. Kgl. Hoheit während seiner Dienstzeit au hu Tag gelegt habe und auf die hohe Ehre, die dem Regi- ■mte hierdurch zu Theil geworden. Ferner versicherte er, tnß das besondere Interesse deS hohen Inhabers des Regi- mnteS auch stets demselben erhalten geblieben wäre, und mit einem dreifachen Hurrah auf den Landesfürsten, chirrauf spielte die Musik die Natiovalhymne. Am Nach- «iitag geruhte Se. Kgl. Hoheit in den festlich decorirten Sau men deS OffizierscafinoS mit den Offizieren des Regi- MnrteS zu speisen. Während des EffenS brachte Herr Oberst i len Scholten einen Toast auf Se. Kgl. Hoheit aus, der von I itm Großherzoge mit einem Hoch auf das Regiment erwte- '
bert ward. Für den Abend hatte die Letbcompagnie im großen Saale des städtischen SaalbaueS eine Feier arran- girt, an der ebenfalls Se. Kgl. Hoh. der Großherzog mit hoher Gemahlin, sowie sämmiliche Offiziere des Regimentes mit ihren Damen theilnahmeu. DaS Programm WieS Prolog, Mufikstücke, Lebende Bilder und szenische Darstellungen auf und erntete lebhaften Beifall bet allen Anwesenden. Den Schluß bildete ein Tänzchen für die Mannschaften, dessen Beginn die hohen Herrschaften sich noch ansahen.
Besondere Anziehungskraft übt eben seit einigen Tagen im Sunstvereinshause am Rheinthor die Ausstellung einer Reihe von Gemälden der Frau Hermine von Preus ch en auS. Die Künstlerin ist eine geborene Darmstädterin und hat einen großen Theil ihres Leben- hier oer- bracht, um so größer ist da- Interesse, das man ihren Schöpfungen entgegenbringt. Auch das Großh. Museum be- fitzt eines ihrer Werke, ein Bluwenstück, dem es nie an Bewunderern fehlt. Seit neuerer Zeit nun verfällt die Künstlerin in eine Art ihr Talent zu bethätigen, die ihren Kreis von Freunden kaum erweitern wird. In ihrer Sucht nach Genialität der Auffassung und Wiedergabe des Gesehenen, geräth fie derart auf Abwege, daß man ohne eigentliche Freude ihren Entwicklungsgang verfolgt. Wirklich schön ist in der Ausstellung auch nur ein Stillleben „Zwiebeln" betitelt.
Auch der Verein „Kunstfreund" hat seit einigen Tagen eine Ausstellung seiner Gewinne veranstaltet. Sie zeigt namentlich Werke hessischer Künstler, deren Lage zu verbessern der Verein fich als Ziel gesteckt hat.
In den Concertsälen macht fich die Nähe deS Wethnachts- festes bemerkbar, der Besuch der Darbietungen läßt, da Alles die Hände voll zu thun hat, nach «nd deshalb natürlich verschiebt man größere Veranstaltungen bis nach dem Feste. Dennoch konnten wir in der vergangenen BerichtSwoche
zwei musikalische Concerte registriren. Das erste fand für einen wohlthätigen Zweck statt und wieS unter den Mitwirkendcn keine geringere als die Mainzer Orgelvirtuofin Jenny Luk auf, die sowohl I. S. Bachs Präludium und Fuge (B-a-c-h), wie die Variationen über „0 sanctissimo“ von ihrem Vater F. Luck in geradezu glänzender Weise zu Gehör brachte. Das zweite Coucert hatte der unermüdlich thätige Richard Wagner-Verein arrangirt. In ihm sang u. A. Herr Franz Harres au Stelle deS erkrankte« Herrn M. Stury eine Reihe von Balladen von Püddeman« und erntete damit reichen Beifall. Auch der neu ernannte Hofconcertn^ifter Ludwig Z mmermann wußte die schon neulich ihm an dieser Stelle nachgerühmten Vorzüge durch die brillante Wiedergabe von Bruchs G-moll-Soncett und der ^-dur-Polonatse von H. Wiensawsky aufs Neue zu beweisen.
Im Großherzoglicheu^ Hoftheater fand das für Gießen längst keine Neuheit mehr bedeutende Jbsen'sche Schauspiel „Nora" seine erste Aufführung. Die Rollen de- Werkes waren nur von ersten Kräften besetzt und so konnte denn die vorzügliche Wirkung deS Ganzen nicht fehlen. Als Volks- und Schülervorstellung hatte die Direction am letzte« SamStag Schillers „Maria Stuart" aufs Repertoire gefetzt, die vor einem dichtgedrängten Hause in Scene ging. A«ch Meyerbeers „Hugenotten" fanden ein zahlreiches Publikum. Die Oper gab nicht weniger als drei Gästen Gelegenheit zur Bethätigung ihrer Kunst. Einer derselben, Frau Felix« Kaschowska vom Stadtteater in Leipzig, sang die „Valentine" auf Engagement. Indessen paßt die ganze Art, wie die Dame fingt und spielt, nicht in unser Ensemble, we-hald ein Engagement trotz der nicht zu unterschätzenden künstlerische« Fähigkeiten deS Gaste- kaum perfect werden wird. —


