Ausgabe 
20.11.1896 Zweites Blatt
 
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Freitag de» 20. November

Weßener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Dir Gießener Aamirienvkälter »erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Ofener ^xzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montags.

1890

Vierteljähriger -Vonnemeutspreirr 2 Mark 20 Pfg. nut Lringerlohu.

Durch die Post bezöge» 2 Mark ÖO Pfg.

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chratisöeikage: Gießener Aamikienötätter.

Alle Annoncen-Lureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Feuilleton.

Daneben.

Nooellette von Martin Beck.

(Schluß.)

Jetzt kam die Reihe, bei deren Anblick ihr Fuß leiser auftrat und in liebevoller Vorsicht dahinging. ES war, alS fürchte sie mit jedem Zertreten eines GraShälmchenS, mit jede» leisen Anstretfen an eine Blume, mit jedem festen Tritt und jedem tiefen Athemzuge Jemand wehe zu thun. Und so glitt sie fast unhörbar wie ein Schatten bis zu dem einen Grabe dort, dort, ziemlich am Ende der Reihe. Da nickten ihr die Blumen im Abendhauch entgegen, die sie selbst als einzigen Schmuck auf den raseobesetzten Hügel ge- Pflanzt hatte.

Behutsam ließ sie sich nieder, faltete die Hände und faß ein Weilchen in sich gekehrt. Dann musterte sie die Blumen und brachte mit schonenden Fingern, wie wenn sie einen Altar berühre, einiges daran in Ordnung. Und nun erst überließ sie sich dem süß-wehmüthtgen Genuß ihrer Seele, dem Zurückträumen inS Leben, der Erinnerung an die von ihrer Seite genommenen Lieben.

Wie mancherlei, was sie mit ihnen an Leid und Freud erlebt hatte, gewann da wieder Sprache und Gesicht in der sinnenden Seele, und die tief eingesunkenen Augen der kleinen Gestalt blickten dabei freundlich über die zahllosen stillen Grabhügel und über die ferne, in kalte Abenddämme- rung sich etnhüllende Stadt. Erinnerung und Hoffnung auf Wiedersehen erfüllten das ganze Herz mit wundersam be- glückendem Trost. Beinahe jeden Abend legte sie sich so hier ihre Gedanken zurecht und fand dabei einen weihevollen Frieden. DaS wurde ihr zum festen Stab für ihr schlichtes, ärmliches Leben.

,DaS ist doch ein recht traurige-, verlaffeneS Grab," sagte sie auf einmal zu sich und blickte auf den benachbarten Hügel.Nur Gras und ein paar Feldblumen find wild darübergewachsen. Seit dir Sarg darunterliegt, ist wohl Niemand wieder herausgekommen. Und es ist doch auch einer Mutter Kind darin. Gewiß hat der arme, vergessene

Tobte auf der ganzen wetten Welt keine Measchenseele mehr, die fich um ihn bekümmern könnte. Rudolf," wendete sie sich wie entschuldigend zu ihres Sohnes Ruhestätte, indem sie aufstand,Du verzeihst mir, wenn ich Dir einen Blumen« stock nehme und Deinem armen Nachbar gebe. Wenn ich wtederkowme, erhältst Du einen neuen."

»Ach, ich weiß eS ja," erzählte fie leise vor fich hin, während sie einen blühenden Gerauieastock mit dem Napf aus der Erde lockerte,Du warst ja Dein Lebenlang so ein guter Kerl, der das Hemd auf dem Leibe mit einem Nothletdendeu getheilt hätte, wenn- nicht anders ging. Du freust Dich nur darüber, daß ich Deines Nachbarn Grab nicht so kläglich dastehen lasse. Und wenn Du reden könntest, würdest Du gewiß zu mir sagen: Weißt Du, Mutter, würdest Du sagen, thu doch die anderen Blumen auch hinüber, wenn ich auch eine Weile gar keine habe. So würdest Du sagen."

Nun, Mütterchen," erklang auf einmal eine Männer- stimme hinter ihr, al- fie fich wieder auf ihr geliebtes Grab setzte und dem Geranium zuuickte, dessen rothe Blüthen fich nun auf dem anderen Grabe im Abendwinde wiegten Ihr seid ja jeden Abend hier. Da ruht gewiß Euer seliger Manu."

ES war der KirchhofSverwalter, der so sprach. Sie war erst ordentlich erschrocken, hatte fich aber schnell wieder gefaßt.

Nein," sagte fie mit traurigem Lächeln,mein Mann liegt wohl au die zehn Meilen von hier begraben und meine anderen Kinder auch. Hier ruht nur mein letzter Sohn. Wir wohnten zusammen. Ich war zu ihm gezogen, al- mein Manu starb. Und nun wurde er mir auch noch ge­nommen. Ich lag viele Wochen krauk, als er gestorben war. Nun bin ich wenigstens gern an seinem Grabe. Das ist wir eine Erholung, und ich glaube, ihm macht eS auch Freude, wenn er'- sehen kann."

Aber das kann doch gar nicht sein Grab sein," weinte der Mann nachdenklich, der in einem Büchlein geblättert hatte. Wie hieß Euer Sohn, liebe Frau?"

Rudolf Wegert," brachte die Alte mühsam hervor und blickte den Mann ganz bestürzt an.

Nummer 312," murmelte der nach einem Blick auf da- mit einer Zahl versehene Holzstäbcheu am Grabe.Ja, Ihr habt Euch geirrt, gute Frau. Vielleicht habt Ihr» nur verwechselt, weil Ihr lange krank wäret und nicht gleich wieder herauSkonntrt. Hier, wo Ihr fitzt, Negt ein alter, fremder Mann, der im Krankenhause gestorben ist, kurz nach Eurem Sohne, und der keine Angehörigen mehr besaß. Euer Sohn liegt hier. Merkt Euch nur die Nummer genau. Nun, guten Abend!"

Er zeigte auf das öde, schmucklose Grab daneben, auf das die Alte vorhin in erbarmendem Mitleid den Geranten­stock gesetzt hatte, und schritt langsam weiter. DaS alte Mütterchen stand erschüttert da und blickte beide Gräber zweifelnd an.

Er w'.rdS schon wissen," murmelte fie und griff on ihre welke Stirn.Es ist ganz gewiß so, wie er sagte. Ach, Du mein lieber Gott, vergteb mir nur meine große Dummheit. Und, Rudolf, sei mir nicht böse, daß ich Dein Grab so lange veröden ließ und ein fremdes dafür pflegte. Hält' tch'S nur eher gewußt."

Sie fuhr wie liebkosend und abbittend mit beiden Händen über die Unkräuter und Gräser des Grabes daneben und betrachtete e- mit ganz eigenen Blicken.

Morgen soll es schön und freundlich ausseheu, daß Du Deine Freude daran hast, wenn Du vom Himmel herunterguckft. Aber da» andere Grab," und fie blickte recht mitleidsvoll und gerührt darauf,mag seine Blumen auch behalten. Ich hab eS so lange lieb gehabt. Ich will fie nun beide zusammen pflegen. Der arme, fremde Mann darunter soll nicht so verlassen liegen, wo mein Sohn daneben eS so gut hat und noch eine Mutter besitzt, die sein Grab besuchen und pflegen kann."

Und von eigenthümlichen Gefühlen bewegt, ging sie, oftmals noch nach den beiden, mild umschatteten Gräbern zurückbltckend, hinab nach der Stadt, die in der steigenden Dunkelheit in eine breite, düstere, ungeheure Masse ver­schwamm, gegen welche wenige halbverborgene Lichter ver­geblich ankämpften.

Bekarmnnachrmg.

Montag de« 23. I. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll im Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 15, ein städtischer Bauplatz von 708 qm, Elle der Grürrberger- und Laudmauustratze ge­legen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Lageplan und die Bersteigerungsbedingungen können auf unserem Bureau eingesehen werden.

Gießen, den 18. November 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

10244 Gnauth.

Bekanntmachung.

Die Rechnung der Armenkasse und der Plockischeu Stis- tung sür 1895/96 liegt während 8 Tagen auf unserem Büreau .Zimmer Nr. 3 der Bürgermeisterei -r- zu Jedermanns Einsicht offen.

Gießen, den 16. November 1896.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

___________________________Wolff.______________________10238

Christbescheerung*

der Kleinkiuder-Betvahranstalt.

Am Sonntag den 20. Deeember d. I. soll die Christ- bescheeruug für die Kinder unserer Anstalt stattsinden.

Wir haben für 220 Kinder den Christbaum zu schmücken und bm Tisch mit Gaben zu decken.

Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den "»ohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergl., be« sonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für «nfere Kleinen ermöglicht, zuwenden zn wollen.

Eine Lifte zur Erhebung von Beittägen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der vachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frl. Amalie Bansa, Aordanlage 41, Frau Dr. Brüel, Löberstraße 11, Frau Amtsgerichts« rolh Gebhardt, Gartenstraße 15, Frau Rechnungsrath Kalbfleisch, Hl. Emilie Langermann, Südanlage 21, Frau Pfarrer Naumann, Mdanlage 8, Frau Louise Ottens, Bismarckstraße 11, Frau Auguste 6hrvan, Seltersweg 64, Frl. Louise Wortmann, Asterweg 16. Auch iie Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang y nehmen.

Gieße», den 14. November 1896.

Der Vorstand der Kleiukiuder-Bewahraustalt.

Dr. Naumann, Pfarrer.

Bekanntmachung.

Beide Abtheilungen des Umlagekatasteos der land- und sorstwirthschastlicheu Berussgenossenschast, fortgeführt sür 1896, liegen zwei Wochen lang, nämlich vom 19. November bis zum 3. December d. I., auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Betheiligten offen. Etwaige Einsprüche gegen den Inhalt dieser Kataster sind innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Offenlegung bei dem Vorstande der land« und forst- wirthschastlichen Berufsgenoffenschaft in Darmstadt bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen.

Gießen, den 17. November 1896. 10252

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_________________________I. V.: Wolff._________________________

Die Behebende

des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege nehmen Freitag deu 20. November wieder ihren Anfang im Saale des alten Rathhauses. Sie finden statt:

1. Für Schulkinder: jeden Freitag Abend von 5 bis 7 Uhr;

2. Für Frauen und Mädchen: alle vierzehn Tage, Freitags von 7i/2 bis 9i/z Uhr,

so daß in der einen Woche die Frauen, in der anderen die Mädchen erscheinen.

Zur Theilnahme berechtigt sind nur Diejenigen, die sich dazu an­gemeldet haben. Diesen wird zu ihrem Ausweis beim ersten Besuch des Nähabends eine Mitgliedskarte eingehändigt, die jedesmal mitzubringen ist.

Der Vorstand:

9978 Schlosser. Frau Baron v. Gagern.

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