Ausgabe 
20.11.1896 Erstes Blatt
 
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W*. 274 Erstes Blatt

Freitag deu 20, November

1SO6

Der Gießener Zn,elger erscheint täglich, mit Lutnahme btS MontagS.

Die Vießener A-amitleobtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Gietzmer Anzeiger

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Zlnrts- und Anzeigeblatt ftir den Ttveis Gieren.

Aunahme'von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

chratisöeitage: Hießener Kamilienötätter.

Alle Anuoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Amtliche»' Theil.

Bekanntmachung, betreffend: Gontrolc der Jnvaliditäts. und Altersversicherung der unständigen Arbeiter.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 81. Januar 1895, Gießener Anzeiger Nr. 81, wird hiermit zur öffentlichen Kenntutß gebracht, daß der KceiSbote G u l d a n zu Gießen von dem Amte eines Controlbeamten entbunden und an seine Stelle der Wachtmeister i. P. Scherf zu Butzbach ernannt worden ist. Zu dem Bezirke desielben gehören aus unserem Kreis die südlich der Linie Holzheim, Grüniugen, Dorf-Gill, Ltch, Nieder- und Ober-Bessingen (diese Orte einbegriffen) gelegenen Gemeinden.

Gießen, den 18. November 1896.

GroßherzogltcheS KretSamt Gießen. ___________________v. Gagern.

Bekanntmachung.

Nach Beschluß der Generalversammlung deS landwirth- schaftlichrn BeztrksverrinS Gießen soll in diesem Frühjahr der Bezug von ThomaSphoSphatmehl und Katnit durch den laudwtrthschaftlichen Bezirköverein, jedoch ohne jegliche Garantieleistung durch den Bezirksverein, vermittelt werden.

ES wird dies unter dem Ansügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht:

1) daß bet Bestellungen von Mitgliedern deS landwirth- schaftlichen Bezirksvereins, die den Betrag von 30 Mk. nicht übersteigen, die Kosten deS Transports der künst­lichen Dünger per Bahn bis Gießen, Hungen und Grünberg auf die BeztrkSvereinSkaffe übernommen werden,

2) daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mit­glieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins find, ebenfalls auSgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn fie nicht vorher noch Mitglieder deS landwtrth- schaftltchen BezirkSvereius werden und fich zu diesem Behuse bet dem Unterzeichneten anmeldeu sollten, deu vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten,

S) daß zur Ausführung der Bestellungen eine Commission, bestehend aus dem Unterzeichneten, Herrn Rentner Fr. Georgi, Herrn Oeconom Fr. Helfrich und Herrn Joseph Güngertch, sämmtlich von Gießen, ernannt worden ist und daß Bestellungen durch die Großh. Bürgermeistereien, bei Großh. KretSamt Gießen oder dem Unterzeichneten bis zum 1. December l. I. längstens einzureichen find,

4) daß die Zahlung deS Düngers bet Empfang desielben zu erfolgen hat,

5) daß bei Bestellung eine« Waggons (200 Str.) Thomas- phosphatmehl und Kainit angeboten ist:

a. ThomaSphoSphatmehl mit 17pCt. Gesammt- PhoSphorsäure und 14pCt. citratlöSlicher Phosphor- säure, iucl. Sack zu 2 Mk. pro Gentner, die Fracht beträgt von Staßfurt bis Gießen bei Bestellung eines Waggons ca. 44 Pfg., zusammen 2.44 Mk. pro Gentner;

b. Kainit per Gentner incl. Sack zu 94 Pfg., mit 5pGt. Nothstand 7.50 Mk. pro 200 Gtr., die Fracht beträgt ca. 44 Pfg., zusammen 1.38 Mk.

Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in Ihren Gemeinden zu ver­öffentlichen, Anmeldungen entgegenzunehmen und längstens bis zum 1. December l. I. an Großh. KreiSamt oder den Unterzeichneten einzusenden.

Gießen, den 18. November 1896.

Der Direktor deS landwirthschaftlichen Bezirk-Vereins. __________________________Jost. ________________________

Bekanntmachung,

betreffend: Antrag auf Feldbereinigung der Gemarkung Garbesteich und die Anlage von Wegen in den Baumstücken.

Das Ergebniß der am 13. October 1896 zu Garben- t-cich erfolgten Abstimmung über den rubr. Antrag ist felgendes:

Flächeninhalt der gefammten zu bereinigenden Fläche: 500,8011 Hectar.

Gesammtzahl der auf dieser Fläche Begüterten: 513.

Gegen den Antrag haben gestimmt: 3 Grundeigen- thümer mit 34,1714 Hectar betheiligter Fläche.

Für den Antrag haben gestimmt: 510 Grundeigen- thümer mit 466,6297 Hectar betheiligter Fläche.

Hiernach hat der Antrag die gesetzliche Majorität er­halten.

In der Zeit vom 21. bis 28. November 1896 liegt das AbstimmungSprotocoll nebst der Zusammenstellung des Abstimmungsergebnisses auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Garbenteich zur Einsicht offen.

Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder RechtSbeständig- keit dieses Ergebnisses find binnen 14 Tagen, von der Ver­öffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblalt an ge­rechnet , mittels schriftlicher Beschwerde bei Großh. Obern landwirthschaftlichen Behörde in Darmstadt geltend zu machen.

Friedberg, den 18. November 1896.

Der Commissär für die Leitung der Abstimmung: 10268 Dr. Göttelmann, Großh. Kretsamtmann.

Tteuefte

WolffS ttlLgrsphtfckeS tfoasfpoKjhotxtgwMs

Ellwauge», 18. November. Bei der geftern stattgehabten Ersatzwahl im 13. württemberglschen RelchStagSwahlkreise find bisher gezählt worden für Professor Hofmann (Gtr.) 9323, Bräutle (Volksp.) 5171, Agster (Soc.) 1267, Geß (natl.) 407 Stimmen. Da nur noch einige kleinere Orte ausstehen, scheint die Wahl HofmannS sicher.

Paris, 18. November. Ein verw egener Post- diebstahl ist heute hier verübt worden. Der Kutscher eines Postwagens wurde auf dem Wege zum Bahnhofe von einem die Uniform eines Briefträgers tragenden Manne angehalten mit den Worten:Gevatter, Du hast den falschen Sack ge­nommen, hier ist der richtige." Der Kutscher ließ den Aus­tausch vollziehen. Auf dem Bahnhofe wurde aber sofort daS Fehlen des Sackes mit Gelvbriefen im Werthe von 42 000 Francs bemerkt. Der vorhandene Sack enthielt nur Papierschnitzel.

Petersburg, 18. November. Nach Privatmeldungen aus Rostow am Don find die Getreidepreise auf den süd- rusfischen Märkten stark anziehend; in NoworosfiSk notirt Weizen 10 Rubel pro Tschetwert. Die Nachfrage aus dem AuSlande wird als stark bezeichnet. Die.'Seefrachten steigen.

Sofia, 18. November. Heute fand eine von dem Pastor der deutsch.evangelischen Gemeinde abgehaltene Trauer- feier am Grabe des Fürsten Alexander statt; der­selben wohnten Fürst Ferdinand sowie die heute hier ein- getroffene Wittwe des Fürsten Alexander, Gräfin Hartenau, bei, ferner Ministerpräsident Stoilow, zahlreiche Hofbeamte und hohe Offiziere.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 18. November. DerNationalzeitung" zufolge fiel es während der gestrigen Verhandlungen des Reichs­tages über die Duelldebatte und den Fall Brüsewitz auf, daß ein hoher Offizier, welcher fich in der Hofloge be­fand, sich eifrig Notizen machte.

Berlin, 18. November. Einem hiefigen Blatte wird versichert, daß Herzog Johann Albrecht von Mecklen­burg geneigt sei, den ihm angetragenen Posten eines Gou­verneurs von Deutsch-Oftasrika anzunehmen. Der Herzog ist bekanntlich Präsident der Eolonialgesellschaft.

Berlin, 18. November. Der Bund der Landwirthe wird am 27. und 28. dsS. Mts. eine AuSschußfitzung ab- halten.

Berlin, 18. November. Nach einer derNordd. Allg. Zig." zugegangenen Mittheilung werden die Blättermeldungen über Unruhen im Kameruner Schutzgebiete maß- gebenderseitS für durchaus unbegründet gehalten. Die Aus­schreitungen einzelner eingeborener Händler harrten noch der Berurtheilung. Die in den letzten Tagen eingelaufenen telegraphischen Nachrichten erwähnten indessen nichts von Unruhen.

Berlin, 18. November. Sämmtlichr Bäckermeister Berlins erklärten fich gestern Abend in einer sehr zahlreich besuchten Generalversammlung nach einem eingehenden Re­ferat de-Obermeister- Gemmelhardt gegen die Zwang-- organisation deS Handwerks. Gleichzeitig wurde beschlossen, an den Bundesrath, sowie an alle gesetzgebenden Körperschaften Petitionen wegen Abschaffung deS Maximal- ArbeitstageS zu richten.

Wie«, 18. November. Am Samstag trifft hier der Groß-Oheim deS Zaren, Großfürst Michael Niko­lajewitsch, ein. Derselbe verbleibt einige Tage hier und wird sofort nach seiner Ankunst vom Kaiser in Audienz em­pfangen, zur Hoftafel geladen und auch an den kaiserlichen Hofjagden in Gording und Elsgrub theilnehmen.

Wie», 18. November. Die Meldung der »Daily RewS", daß die Großmächte fich geeinigt hätten, die Verwaltung des

türkischen Reiches durch verantwortliche europäische Minister auSsÜhren zu laffen, wird in hiesigen diplomatischen Kreisen als jeder Begründung entbehrend und als phantastische Erfindung bezeichnet.

Graz, 18 November. In dem Tunnel am Arlberg entgleiste ein Güterzug. Der ZugsÜhrer und Gon* ducteur wurden verwundet. Die Maschine und einige Waggon- wurden beschädigt.

Venedig, 18. November. Hier herrscht ein heftige« Unwetter. Die ganze Stadt ist überschwemmt, der Schiffs­verkehr unterbrochen. DaS Llohdschiff aus Triest konnte erst nach ISftünbtger gefährlicher Fahrt in den hiefigen Hafen etnlaufen.

Turin, 18. November. Die Kriegsverwaltung übertrug dem Gußstahlwerk Poldyhütte in Kladno die Lieferung von 300 000 Gewehrläufen.

Brüssel, 18. November. Im Senat ist ein Gesetzentwurf auSgeiheilt worden, welcher das Buchmachen bei Pferde­rennen mit einer Strafe von 100 ins 5000 FrcS. verbietet. Die Senats Eowmifsion hat den Vorschlag gemacht, auch die Spielhäuser mit 500,000 Frcs. zu besteuern. Außerdem soll jedes Mitglied deS Spielclubs 500 FrcS. Pact zablen.

Vrüffel, 18. November. Gestern wurde die erste Ber- theiluvg der Mittagssuppen und Brode kostenlos an 3200 arme Kinder auSgeführt.

Nom, 19. November. »Tribuna" veröffentlicht einen heftigen Artikel gegen den Präsidenten Faure und nennt denselben den Freund und ArbeitSgenoffen Mene- likS. DaS Blatt macht Favre den Vorwurf aus feiner Haltung gegenüber Italien während des afrikanischen Abenteuers und constatirt die literarischen Fortschritte Mene- likS. Faure habe demselben nicht nur K 1:gSkunst, sondern auch Stilistik beigebracht. Den Major Nerazzini nennt daS Blatt einen Feigling.

Loudon, 19. November. »Daily News" melden, Deutschland und Oesterreich würden die vom Sultan vorgeschlagene Reorganisation deS türkischen Reiches an- nehmen. ___________

H Recklinghausen, 19. November. Auf Zeche ^Gene­ral Blücher- fand heute Morgen eine Explosion schlagender Wetter statt. Die Unglücksstätte ist noch nickt zvgänoljch. V-'rmutblich sind 30 B-ra'eute oetödtet.

CocaUs mit provinzielle*,

Hießen, den 19. November.

** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 18. November u. A. die Pfarrer Freundlieb von Ulrichstein, Marquardt von Ober- Gleen, Schäfer von Stadecken, den Rentamtmann Kloo- von Alsfeld.

* Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde erthetlt durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 26. September dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Gau-Algesheim Jacob Stiel finger V.

♦♦ Die GeneralVerfammlung deS landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gteßeu fand am Dien-tag Nachmittag auf Lovys Felfenkeller statt. Herr RegierungSrath a. D. Jost, der Vorsitzende, gab zunächst bekannt, daß durch Vermitte­lung der Landwirthschaflsgesellschast zu Berlin österreichischer Rothklee bezogen werden könne, ferner durch den landwtrth- schaftlichen Bezirksverein künstliche Düngemittel, für welche Bestellungen beim Vorstand abgegeben wie auf einer sofort In Gircuhtion gesetzten Liste angemeldet werden könnten (flehe Näheres im Amtlichen The:l der heutigen Nummer); ferner machte der Vorsitzende auf einige Saatangebote auf­merksam, desgleichen darauf, daß als Schutzmittel gegen SchwelnerothlaufPorcosau" empfohlen worden fei. Bezüg­lich des letzteren Mittels empfahl Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer Abwarten, bis weitere Verlache angeftellt wor­den seien. Hierauf ging der Vorsitzende aus den ersten Gegenstand der Tagesordnung über: Die Nothwendig- feit der Abänderung der hessischen Instruction für die chemischen Untersuchungsämter zur Untersuchung der Milch. Der Vorsitzende theilte u. A. mit, daß nach § 8 der für die Stadt Gießen erloffeien Milchverkanssordnung daS speclfische Gewicht der Milch (ganzer Milch) zwischen 1,029 und 1,033 liege, dieselbe mindestens 2,8 pGt. Fettgehalt befltzkn solle, nach § 11 der­selben Ordnung haben die Sachverständigen als gewässert z» betrachten Milch, deren specifischeS Gewicht unter 1,027 liegt, als gerahmt, deren Fettgehalt weniger alS 2,8 pCt beträgt. Nach einer im März v. I. in Gießen vorgenommenen Unter­suchung der BerkaufSmilch eines Oeconomen betrug deren