M 117 zweites Blatt
Mittwoch de« 20. Mai
Amts- und Anzeigeblutt für den Aveis <6ie^en»
Hratisbeikage: Gießener Aamikienbkätter.
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■ ntmirr» von Anzeigen zu »er Nachmittag- für de» jol«i'Ä'n Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr,
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diese» alten Gotteshauses betritt. Bekanntlich wurden im Jahre 1892 die Grundmauern der alten Capelle durch den historischen Verein zu Darmstadt, welcher, angeregt durch den Namen de» Platzes, Nachgrabungen vornehmen ließ, wieder au» Tageslicht gefördert. Es war am 15. Juli 1893, dem Geburtstage der hohen Stifterin, al» die Weihe des CrucifixcS stattfand, zu der fich auch Ihre Röntgt. Hoheiten der Großherzog mit Gemahlin und anderen hohen Fürstlich» ketten eingefunden hatten. Etn Jeder, der diese aus dem 14. Jahrhundert stammende Capelle, eine Stiftung der Grafen von Katzenellenbogen besucht, wird in weihevoller Stimmung diese Stätte verlassen. Einer der besten „Herrgottsschnitzer", Bürgermeister Lang in Oberammergau, hat das Bild des Heilandes, welches ergreifend und tröstend zugleich wirkt und des Schnitzers Kunst im günstigsten Lichte zeigt, hergestellt, eine in Oberammergau allgemein geübte Kunst, der die dortige Gegend nicht minderen Ruhm verdankt, al- den Passion-- spielen.
F. Darmstadt, 18. Mai. Der Radfahrer-Verein Darmstadt hielt gestern Sonntag sein großes, internationales FrühjahröRad-Wettfahren auf der 500 Meter langen Rennbahn an der Hetdelbergerstraße ab. Dem dort veranstalteten Corso, der Mittags V24 Uhr seinen Anfang nahm, wohnten eine große Anzahl hiesiger und auswärtiger Vereine mit Fahnen bei, der eine große Menschenmenge, als er die Straßen der Stadt passirte, anlockte. Das Wettfahren hatte Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm von Hessen nebst Gefolge mit seiner Gegenwart beehrt. Während de» Fahrens concertirte die gesammte Capelle deS Großh. Feld.Artillerie-Regiments Nr. 25, unter Leitung ihres MusikdirectorS Stützel, der ein interessantes Programm aufgestellt hatte, daS die Capelle sehr beisallSwürdig durchführte. Der Verein hatte namhafte Gewinne im Werthe von einigen Tausend Mark für daS schneidigste Fahren ausgesetzt. Weltberühmte Kunstfahrer aus Frankfurt a. M., Offenbach a. M., Basel, Mannheim, WormS, Straßburg i. E., Höchst a. M., und anderen Städten sührten geradezu unglaubliche Kunststücke auf, welche einen reizenden Anblick gewährten. Die Preise der Plätze waren: Nuwmerirte Tribüne und Sattelplatz Mk. 2, Tribüne Mk. 1, 1. Platz 50 Pfg., 2. Platz 30 Pfg. ES mochte 8 Uhr geworden sein, als das gelungene Wettsahren seinen Abschluß sand. Wir bedauern übrigens, daß wir wegen Mangels an Raum darauf verzichten müffen, die wohlgelungene Veranstaltung, die so allseitigen Anklang fand, nicht im Einzelnen aufzählen zu können.
^eitumauii können." „ , e „ , . -
i „b ist Eure Tochter krank?" sragte theilnehmeud Guy.
' wohl kaum, aber traurig. Ach, wüßte ich doch
I Inerc iryt, der sie wieder fröhlich macht."
Mattet mir, Ebeuthed-Bey," erwiderte Guy, „Eurer I Schutte MS zu fühlen, ich bin etn geübter Maguettseur und
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R. Darmstadt, 18. Mai. Beim Eintritt der Verstaatlichung der Hesftfchen Ludwigsbahn wird noch eine kitzliche und für den Staat sehr kostspielige Frage auftauchen, nämlich die: waS mit den Mitgliedern der Spe- cialdirrction der Gesellschaft geschehen wird. Diese sünf Herren, welche schwerlich geneigt sein dürsten, in den Staats- dienst zu treten, befinden fich in einer sehr gesicherten Situation , indem sie wohlverbriefte Rechte aus die Fortdauer ibres Gehaltes und hohe Pensionsansprüche haben, wobei da- Dtenstalter für die Höhe der Bezüge bestimmend ist. Jeden- falls wird sich die Regierung, analog sonstiger Bahnverstaat- l'chungen, mit diesen gut dotirten Angestellten irgendwie abfinden und haben hierüber bereits auch Besprechungen mit einzelnen Mitgliedern der Specialdirection der Ludwigsbahn stattgefunden. Welche Summen hierbei in Betracht kommen, läßt fich danach bemessen, daß sich einer der Herren der Specialdirection eine Entschädigung von 25,000 Mark pro Jahr auf die Dauer von 15 Jahren, also einen Gesammt- betrag von 375,000 Mk. herauSgerechnet hat. Wenn die anderen vier Herren der Specialdirection entsprechend ihrem Dienstalter die gleichen Ansprüche erheben, so dürfte der Staat jedenfalls über 1 Million als Entschädigung für die Specialdirecli0n zu zablen haben._____________ _
:i. iftiebberg, 17. Mai. Der geplante Ausflug der Bürr pr meist er des Kreise- auf den Niederwald sand yeftrer roue vorgesehen statt. Von Setten de- KreiSamtS betheMicn fich daran Herr Geheimer RegierungSrath Kreisrath j vr Brad en, die Herren KretSamtmanu SÜfsert und ivtztliiephake, sowie etwa 70 Bürgermeister. Auch , erra öchr linspector Süß machte die Fahrt mit. Mit dem Mai>'»Vrsi:r-Bahnzug Nr. 92 tras man kurz nach 7 Uhr in Von'Mt ein und setzte um 8 Uhr 15 Mtn. die Reise mit ttx * IB^n bi» Biebrich fort. Hier wurde ein Dampfer be- 'liegißn, dcn mau in Rüd-Shetm verließ. Die meisteu der -.rrnti benutzten nun die Zahnradbahn, um aus die Höhe । l Itlmptn, wo unter Führung das Denkmal besichtigt ■ iiTlrltt,on dem Herr Geheimer Regierungsrath Dr. Braden ach | bkjtt patriotischer Ansprache etn begeistert ausgenommeS Hochij aus Seine Majestät den Kaiser und Seine Königliche ■obeHi bei Großherzog ausbrachte. Nach kurzer Rast im erfolgte die Abfahrt nach AßmannShausen und anni die Ueberfahrt nach Bingen. Da Regenwetter eintrat, nte iretfitb die geplante Tour zur RochuScapelle und es wurde, inerr ireundlichen Etuladung deS Geheimen Herrn'RegierungS- rath | jolgaib, bald der Weg nach dem nahen Büdesheim an- gettentfa, wo auf der Besitzung des Genannten ein solennes Bc-ph'NbroS' die Theilnehmer erwartete, denen dabei reichlich 'Jtldgra^eit geboten war, sich von der Vorzüglichkeit des auf tet Malm'sch en Besitzung gezogenen Weines zu überzeugen. )ah: ilbnbd au den nöthigen Toasten heiteren und ernsten .nhcliM nicht fehlte, braucht wohl kaum besonders bemerkt 1 ti'.ntbtn Deu Dank der Versammlung an den freigebigen Speimtn sstattete Herr KreiSamtmann Süffert ab. Für ;iel,t:|i «irüh kam die Zeit des Aufbruchs. Mancher blieb ibefW noch zurück, um heute noch eine Tour rheinabwärts uMm-chmen. Die Anderen kehrten noch Abends heim, voll Uhu wahrer Begeisterung für unseren schönen Rheinstrom und llltlnt Umgebung, sowie von Dank für den Veranstalter nd t'Sisi^eber, Herrn Geheimen RegierungSrath Dr. Braden.
k. 2 armpadt, 18. Mai. Kein Besucher der Bergstraße illtri!: «rscaumen, der zwischen dem waldgekrönten MelibokuS nd tlttt Ruine des Auerbacher Schlaffes .liegenden „Noth- 0tritt" einen Besuch zu machen. Ein hehres Bild deS gekr-eÄchtim Heilands, eine Stiftung Ihrer Durchlaucht der Fraudttifin Marie zu Erbach-Schönberg, grüßt aus dem Wallüiittmikel den Wanderer, dessen Fuß die Trümmerstätte
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Vorzug.“
niv.-Prof.Dr.Statuil
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Feuilleton.
Eine Serailgeschichte.
Bon E. Fahrow.
(Schluß.)
Guy ergriff ihre kleine Hand, welche heftig zitterte, und begann ihr den Puls zu fühlen.
„Freundlicher Wirth," begann er hierauf, „Deine Tochter leidet an Herzweh, Du mußt ihr mehr Zerstreuung verschaffen. Hat sie einen Herzenswunsch?"
„Ich möchte reisen," sagte A'ischa.
Ebenihed schlug die Hände zusammen.
„Allah behüte Dich!" rief er entsetzt. „DaS kommt von der abendländischen Erziehung her! Wer hat Dir solche Abenteuergedanken eingeflöht?"
A'ischa gedachte muthig den Augenblick zu benützen.
„Verzeihe, mein Vater, wenn eS Dich kränkt- aber Du weißt, ich sehne mich gerade nach jenem Abendland, wo die Frauen unverschleiert gehen und doch ehrbar find."
Zornroth schüttelte Ebenihed die Fäuste.
„Nie, so lange ich lebe! Du wirst noch in diesem Monat heirathen, daS merke Dir. Die Grillen werden Dir vergehen, wenn Du im SeraU des Fürsten Achmed Beu Gnzmed fitzest. Ihr seht, Doctor Dreadford, daß sie nicht krank, sondern nur launisch ist."
Guy verbeugte fich zustimmend. Dann, indem er einige Zeichen über MschaS Stirn machte, flüsterte er ihr in eng- Uscher Sprache zu :
„Heute Abend um neun Uhr."
Aischa verneigte sich und ging, gefolgt von ihren Frauen, hinaus.
Guy beendete inzwischen sein Geschäft mit Ebenihed und es wurde dem wachthabenden Euuuchen mttgetheitt, daß am heutigen Abend um neun Uhr dieser fremde Herr ohne Schwierigkeiten Fatime und Alida abholen dürfe.
In unscheinbaren Gewändern, da- von dichten Schleiern umhüllte Gesicht bräunlich gefärbt, trat am Abend nicht Fatime, sondern Aischa in Alida- Beglettung vor die Thür. Ebenihed selbst geleitete Guy mit den beiden Frauen zu dem wartenden Wagen.
„Was macht Aischa?" fragte er noch zum Abschied die Negerin.
- kann» fiwielleicht curtren."
jfl >ttie gröbere Lüge war nie gesprochen worden, denn Guy» |gtt6i keine Ahnung von der Kunst de- MagnetifirenS, nur tOtahlt er die mystischen Neigungen der Morgenländer und II«nie! auf sie, — auch wußte er von Aischa, oatz ihr > «ateßBltin» Wort Englisch verstehe.
lijf-ja wurde gerufen und trat tief verschleiert herein.
„Sie fchläst, Herr," erwiderte diese. „Laßt sie morgen noch ungestört, fie wird dann in der Einsamkeit am schnellsten zur Vernunft kommen."
Ebenihed nickte, Guy stieg ein und im schnellen Lause floaea die Pferde davon.
Während dieser Zeit war die falsche Aischa, die junge Satfrne, In ben Kleibern eine« Filcher«, welche Guy durch leinen Unti,Händler in du« Hau« geschmuggelt Hane, über die Gartenmauer geklettert und eilte nun durch einen kleinen Olivenhain dem hauptwege ,u, wo fie logleich von dem schnellen Wagen eingehole wurde. Schwierigkeiten standen ihnen nun nicht mehr im Wege. Guy bestieg mit seinen entführten Begleiterinnen ein Dampfboot und fuhr bis nach Triest, wo er der verwickelteren Wege wegen die Eisenbahn wählte. Auf mannigfachen Umwegen erreichte er mitfeiner nunmehr europäisch gekleideten Aischa England und übergab seine schöne Braut dort der Obhut seiner Schwester, einer verheiratheten Dame. Jetzt erst schrieb er an seinen Schwiegervater wider Willen und stellte ihm vor, daß er nun nicht mehr anders könne, als die Einwilligung zu der Heirath mit ihm geben. Aischa ihrerseits fügte einige Zeilen hinzu - sie würde sich eher das Leben nehmen, als von ihrem Guy lafltn und so weiter, und so weiter.
Ebenihed'Bey war weise und fügte sich dem Zwange und so endete die romantische Geschichte mit einer prosaischen Ctvilehe. Guys Schwester aber konnte eine Frage nicht UnU^2BaTum in aller Welt," rief fie, „haft Du nicht wirk» lich Fatime und Alida als Ehrenschutz mitgenommen und die echte Aischa in Fischerkletdung entfliehen lassen? Wenn nun im letzten Augenblicke Ebenihed Euren Betrug entdeckt ^°lte JSott schützt die Liebenden!" versetzte Guy. „Unb Aischa konnte nicht al- Knabe gekleidet eMteheu, dmn Du vergißt ihr lauge- Goldhaar. Und daS zu opfern, wäre ja unmöglich gewesen."
Gießener Anzeiger
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Ifctg Morgen- erschien bei Ebenihed ein Unterhändler, welchen bem Bey vortrug, daß Fatime, die Tochter Alida-, r:ncra ziälvenden Bewunderer in einem jungen Engländer ge- - .. sunbltw halbe, welcher fie auf der Straße gesehen. Er sei
-HWlNku bereiÄzrln-e bedeutende Summe zu zahlen, wenn Ebenihed-Bey dm ittd junge Mädchen überlassen wolle.
Mnlhed war, wie fast alle Türken, überaus habgierig md !»ibesann fich keinen Augenblick, Ja zu sagen.
Jr möge selbst kommen," setzte er indeß hinzu, „denn ich b ;i fiel dem Handel Bedingungen zu stellen."
& also geschah es, daß eine- Morgen- Guy Dreadfort bei etat guten Frühstück seinem ahnungslosen Schwieger- aterr b spe gegenübersaß und um Fatime handelte.
müßt die Mutter mit iu den Kauf nehmen," sprach bet f:Üt, denn ich möchte die beiden nicht trennen, «ach vünsM ich schon lange, meiner Tochter Aischa andere Ge- ährriÄvMl zu geben- diese Schwarze und ihre schone, nur noch L Miullliche Tochter Fatime scheinen mein Kind nicht auf-
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