Ausgabe 
19.12.1896 Erstes Blatt
 
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Nr. 299

Erstes Blatt

Samstag den 19. December

1890

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

Redaction. Expcditioir und Druckerei:

-tkukftraße Zlr.7.

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Die Gießener

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Der

Hteßeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorrn. 10 Uhr.

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Alle Annoncen-Burcaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Anrtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

In der Gemeinde Grebenau und auf dem Schmitt« Hof bet Lehrbach, Kreis Alsfeld, ist die Maul« unb Klauen« seuche ausgebrochen und Gchöftsperre angeordoet worden.

Gießen, am 17. December 1896.

Großherzogltches Kretsamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 16. December 1896. Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. Sep« rember 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unsere Ausschreiben vom 14. No­vember 1893 Amtsblatt Nr. 10 und 26. Februar 1896 Gießener Anzeiger Nr. 51 sehen wir der Einsendung der in rubr. Betreff erwachsenen UrberwachungSbogen bezw. der Ihnen obliegenden Berichterstattung im Falle in Ihrer Gemeinde solche Kinder nicht verpflegt worden sind, bis zum 10. Januar k. I. entgegen.

v. Gagern.

Abonnements^Eiyla-ung.

Zum Bezug desGießener Anzeiger" für das 1. Vierteljahr 1897 laden wir hiermit ergebenst em. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstütztdurch an allenOrtender Provinz Oberhessen ansässig e Berichterstatter, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fttrhzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­

zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen bettiebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wiffens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschäft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten llnterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gießener Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Famllien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzuttetende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu- gesteüt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswätts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden ton, tote seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­bettag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).

Deutscher Reich»

Berlin, 16. December. Der LandwirthschaftS-Mintster verbot den Hagelversicherungs-Gesellschaften Bo­russia unb Patria unb der Hagelversicherungs Bank die Ge­währung eines Sonderrabatts von 5 pCt. an die Mitglieder des Bundes der Landwirthe unb drohte mit ConccsfionS- Entziehung im Nichtbeachtungsfalle.

Von mehreren Handelskammern werden an bett preußischen Landtag und an die Regierung Protesteingaben gerichtet, die sich gegen die Einbringung deS Gesetzes be­treffend die Besteuerung des DetailreisenS richten. Diese überstürzte Gesctzesmacherei ohne Befragung der Han­delskammern findet mit Recht die allgemeinste Mißbilligung deS gesammten HandelSstandes.

Neueste AochrichteNo

Nolff« telegraphische« Correfponbcaa« duteea.

Berlin, 17. December. Der BundeSrath ertheilte tu seiner heutigen Sitzung dem Antrag, betreffend die Aus- stcllang der CivilversorgungSscheine für die in den Colonial« bienst eingetretenen Militärpersoneu, unb bem Ausschuß­antrag, betreffend daS amtliche Waarenverzeichniß zum Zoll­tarif, seine Zustimmung. Ferner wurde die Zustimmung enhetlt bem Ausschußanirag, betreffend die Abänderung und Ergänzung der Instructionen für die zolltechnische Uutei« schetdung deS Talgs, dem Anträge Preußen-, betreffend die AuSsühruug des Börsengesetzes vom 22 Juni 1896, der Vorlage, betreffend Anwendung des BörsevgesetzeS vom 22. Juni 1896 auf die Börse in Straßburg i. E, und dem Nachtragsantrag Preußens, betreffend die Ausführung de« ReichSbörsengesetzeS vom 22. Juni 1896.

Berlin, 16. December. ES verlautet, daß ein Gc« samwt - Ausstand der Bäckergehilfen Deutsch­lands für daS nächste Jahr vorbereitet werben soll, falls die Bestimmungen über den Moximal-ArbeitStag eine Ein­schränkung erfahren.

Hamburg, 17. December. Die Gewerkschaft der Eisenbahn-Angestellten ist nunmehr endgiltig gebildet. Den Ausständigen ist das Befahren des Hamburger Hafen« polizeilich untersagt. In den StaarSquais arbeiteten gestern 1793 Mann mit 147 Krähnen. 35 Krahnsührer werden noch eingelernt. Die fich zur Arbeit meldenden Ausständigen werden zurückgewiesen, bis der GeneralauSstand als beendet erklärt fein wird. In einer heute abgrhaltenen Versamm­lung der Schauerleute erklärte der Führer Döring, wenn der Friede, wir die Arbeitgeber ihn anstreben, geschloffen werde, so werde der geeignete Zeitpunkt abgewartet werden, um den AuSstand wieder aufzunehmen, wenn nicht im Früh­ling, so im Herbst 1897.

Paris, 17. December. Die Deputtrtenkammer nahm mit 495 gegen 21 Stimmen die Credite bezüglich der Ausgaben anläßlich der Anwesenheit deS Kaisers Nikolaus in Paris an. Vorher wurde ein von mehreren focialiftischen Deputaten beantragtes Amendement, dahin gehend, diesen Crebiten 4 Millionen Franc« zur Unter­stützung von beschäftigungslosen Arbeitern hinzuzufügen, mit 346 gegen 136 Stimmen abgelehnt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Be­willigung eines provisorischen Zwölftels, mit 479 gegen 55 Stimmen angenommen.

Petersburg, 17. December. DerRegierungsbote" ber» öffentlicht folgende Darstellung der Studentenunruhen in Moskau: Die Studenten hätten Landsmannschaften ge­bildet, unb diese wären zu einem Verbände zusammengetreten. Letzterer richtete an die Universitäten Aufrufe revolutionär­politischer Natur und unterstützte die ausständigen Arbeiter tn Kostroma mit Geld. Bei der Trauerfeter für die auf

Feuilleton.

Die Speise unserer Besen.

Von Adolf Martens.

(Nachdruck verboten.)

Der Ofen ist im Winter deS Menschen bester Freund." Diese oft gehörte Redensart hat etwas für fich, denn ohne Ofen vermöchten wir schwerlich den rauhen Winter unsere« KlimaS zu ertragen. Und doch find wir eigentlich undank­bar, wenn wir so sagen, da der Ofen im Grunde nur die Rolle des Wärmevermittlers spielt, während die eigentlichen Urheber der Wärme die unscheinbaren, schwarzen, rußigen Kohlen sind, ohne welche die Menschheit gar nicht bestehen könnte. Nicht bloS deßhalb, weil wir ihnen im Winter die vöthige Wärme verdanken, diesem Zwecke dient ja der ge­ringste Theil der zu Tage geförderten Kohle, sondern weil wir ihrer zu industriellen und technischen Zwecken bedürfen, weil ohne sie weder ein Dampfzug unsere Fluren durchrasen, noch ein Fadrikschornsteiu mit seinen schwarzen Dämpfen den Himmel vetfinstern könnte. Thatsächlich läßt fich heute, im Jahrhundert des Dampfes, die Culturstufe eines Landes nach dessen Verbrauch an Steinkohle berechnen. England allein verbrauchte im Jahre 1886 über 150 Millionen Tonnen unb alle Jahre steigert sich in den Culturstaaten um neun Millionen Tonnen ber Verbrauch. DeS Oefteren ist daher schon die Frage erörtert worben, waS aus der Menschheit werden soll, wenn einmal die Kohlenvorräthe der Erde er­schöpft find. Die Gelehrten haben diese Thatsache in gar «icht zu ferne Zeit gefetzt, manche auf etwa 1000 Jahre,

andere mehrere hundert. U. A. hat der englische Statistiker Hüll ausgerechnet, baß selbst bei mäßiger BerbrauchSfteige« rung die englischen Kohlenschatze nur noch 376 Jahre auS- reichen können. Alle diese Berechnungen beruhen natürlich nur auf Muthmaßungen, eS kommt einerseits auf die Masse ber Vorräthe, andererseits auf die Art deS Verbrauchs an. Wer kann denn wissen, ob nicht schon in 100 Jahren die Electricität den Dampf so völlig abgelöst hat, daß wir weder zu technischen, noch hauSwirthschaftlichen und Heizzwecken der Kohlen mehr bedürfen? Jetzt erscheint uns das freilich ganz undenkbar unb wir vermögen gar nicht zu begreifen, wie bie Menschheit je ohne Kohlen hat bestehen können. Und boch erfreut sie fich der schwarzen Diamanten, wie man die wenhvollen Mineralien auch genannt hat, erst feit ver- hältnißmäßig kurzer Zeit. Roch im 13. Jahrhundert kannte man in Europa die Kohlen kaum, so daß ber berühmte Reisende Marco Polo bei Gelegenheit feiner großen chinesischen Reife mit Erstaunen schwarze Steine verbrennen sah. Die Chinesen besaßen also schon damals die Kenntniß der schätz- baren Steine, haben dieselben aber nicht auSzunützen gewußt, und erst tn neuerer Zeit hat man angefangen, den ungeheuren Kohlenvorräthen des himmlischen Reiches energischer zu Leibe zu gehen.

Unendlich groß find die Kohlenschätze ber Erbe. Allein daS Kohlengebiet von Großbritannien umspannt beinahe 500 Quadratmeilen; Deutschlanb, Frankreich, Spanien, Böhmen unb Mähren besitzen große Kohlenlager. Wett über­ragt werden dieselben an Ausdehnung aber von denjenigen Chinas und Nordamerikas- die Kohlenregion deS letzteren Gebietes allein wirb auf 9000 geographische Quadratmeilen

| geschätzt. Die Gesammtsörberung beziffert sich nach Roßmäßer in Europa auf 295 Millionen Tonnen, in den Vereinigten Staaten auf 88 Millionen Tonnen nnb auf der ganzen Erde auf 394 Millionen Tonnen im Jahr.

Unwillkürlich taucht tn uns die Frage auf: Woher kommen diese unendlichen Massen deS nützlichen Minerals und wie war es möglich, daß sie sich tn ber Erbe aufftapeln konnten? Die Wissenschaft hat uns diese Frage zu beant­worten versucht. Nach der Auskunft, die sie unS ertheilt, erschließt der schwarze, unscheinbare Stein in fich ein großes Geheiwniß, erzählt er eine seltsam phantastische, wunderbare Geschichte. In ihm gebunden ruht da« Sonnenlicht ver­gangener Jahrtausende, so daß wir in Wahrheit mit der Sonnenwärme einstiger Perioden unsere Oefeu Hetzen unö unsere Dampfwagen treiben:ConservirteS Sonnenlicht" könnte man also nicht ohne Berechtigung unser gemüthltches Kohlenfeuer nennen.

Die Periode ber Steinkohlenentstehung fällt in das so­genannte zweite Weltalter, die paläozoische Periode ober das Alterthnm der Erde. Man unterscheidet innerhalb dieser Periode in der Hauptsache drei Zeiten: die Silurzeit, die Devonzeit, und die Carbon- ober Steinkohlenzeit. Doch sind nicht lebiglich in ber unter dem besonderen Namen ber Stein- kohlenzeit bekannten Periode unsere Steinkohlen entstauben, denn auch in späteren Formationen finden fich beträchtliche Kohlenlagerungen, wenn auch festzustehen scheint, daß gerade die erwähnte Periode besonders günstige Bedingungen für die Bildung deS schwarzen Minerals bot.

(Schluß folgt.)