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Nr. 273 Zweites Blatt
Donnerstag dm 19* November
1896
ÄMtS- uttb fuv ben Grenzen.
Gratisbeilage: Gießener Aamilienötätter.
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Und aus alle konnte ich stolz fein. Und
’sfeld.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Ubr.
prächtige Kinder.
ich habe den Mann
Alle Anuoacen.Burcaux deS In« nnb AuSloudeS nehmen Anzeige« für den „Gießeaer Anzeiger" -entgegen.
begraben müssen und alle meine Sinder, das letzte, mein Sohn, der vor einem und nun bin ich noch ganz allein übrig und habe keine Menschenseele mehr, die lieb haben kann auf der weilen Welt.
— dort oben liegt Vierteljahr starb — geblieben von allen mein ist und die ich
Die Gießener ^«■tifienßfäffer werde« dem Anzeiger WLchentlich dreimal beigelegt.
Der fUfttur Anzeiger «scheint täglich, mit Ausnahme dcS Montag-.
in stummer Bewunderung nach,- ja, es gibt ein Heldevthu« auf der Erde, das größer ist als das auf das Schwert gestützte, daS Heldeothu« des Entsagens und Ertragens.
„Vor diesem Leid ist meines nichts. Und doch erträgt fie daS Leben noch. Und doch ist fie nicht verzweifelt und hat Frieden im Herzen nnd geht ruhig durchs Leben mit dem ungeheuren Schmerz in der Brust."
Und ernst und nachdenklich wandte sich die Frau heim- wärt-, die breite vom Sonnenschein durchleuchtete Straße hinab, auf der das Leben hell und heiter fein alltägliches Spiel trieb, als schiele kein lauernder Tob in das fröhliche Menschengewühl hinein.
Die Alte aber wandelte oben durch die zahllosen Gräber dahin. Sobald fie daS schwarze Gitterthor im Rücken hatte, athmete fie auf wie Jemand, der sein trautes Heim betritt. DaS Leben da unten war ihr fremd geworden. ES hatte gebrochen, waS es versprochen: Glück und Hoffnung. Der Lod, der ihr als unerbittlichster Feind entgegengetreten, war all- mälig ihr Freund geworden. Sie hoffte, er werde fie zum Wiedersehen mit den geliebten Abgeschiedenen führen.
Auf dem Friedhöfe kam deßhalb jedesmal ein tiefer Friede über sie. Unter den Lobten wurde ihr wohl. Die Stadt der Lebenden da unten mit ihrem Glanz und Prunk und Lärm galt ihrem Herzen nichts. Die stille Stadt der Tobten mit ihrer ernsten Ruhe war ihr alles. Hier athmete sie schon wie im unendlichen Frieden der Ewigkeit. Hier war fie bei allen, die fie lieb hatte. Da unten besaß fie Niemand mehr.
Sie waren ihr alle vertraut, die Gräber, an deren Reihen fie vorübergiug. Sie kam ja jeden Abend hier vorbei. Alte, gute Bekannte waren er, die umgitterten oder blumen- übersponnenen, schmalen, regelmäßigen Hügel, die Denksteine und Kreuze mit der goldenen Inschrift und die betenden Marmorengel auf den Ktndergräbern. Sie wußte die Namen all der Todten, die darunter den ewigen Schlaf schliefen. Unbewußt hatten fich die Namen ihrem Gedächtuiß eiugeprägt. Sie las fie ja jeden Tag.
(Schluß folgt.)
Als mein Letzter ins Grab gesenkt wurde, dacht ich, auch ich müßte tobt auf den Sarg hinunterstürzen. Aber ich Habs doch getragen bis jetzt, wenvS auch weh thut. Ich hab oft bei mir gebacht: was sollt ich eigentlich auf der Welt? Mein ganzes Leben war doch umsonst. Aber, wenn ich recht an die vorübergegangenen Zeiten zurückdachte, da kam mirS ganz umsonst doch nicht vor, ich habe doch meinen Kindern und meinem Mann und vielen Anderen manches Gate und Liebe thun können und sie haben mich recht lieb gehabt. DaS gibt einem Friede und Freude in der Erinnerung."
Sie drückte ihr noch einmal die Hand, nickte ihr freundlich zu und ging weiter nach dem Kirchhof, denn fie fühlte, wie ihr die Thränen aufftiegen und ihre Stimme ersticken wollten. Die junge Mutter aber stand betroffen da und hielt inne mit Schluchzen. Eine ganze Weile blickte fie der Alten
Welt vor ihrer Seele in ein ödes, graues Nichts verschwamm, aus dem ihr immerfort nur das friedliche, tobte Ktuder- gefichtchen entgegenblickte, dessen einst wunderbare, blau- strahlende Augen fich nie mehr öffnen werden, um die Mutter glücklich und voll Liebe anzulächeln.
»Liebe Frau," hatte da die Alte gesagt und ihre Hand freundlich mit ihren knochigen, trockenen, zitternden Händen umfaßt und ihr mitleidig ins thranengebadete Antlitz geblickt, «ich weiß, wie weh daS thut, wenn man fein Liebstes dahingeben muß. Der Tod kennt keine Barmherzigkeit. Und was uns das Liebste ist, das ist auch ihm daS Liebste. ES ist ein böses Räthsel um den Tod. Ich hab mir manche Nacht den Kopf darüber krank gemacht ... Sie dauern mich, junge Mutter. Vielleicht kann ich Ihnen ein kleiner Trost sein. Ja, gucken Sie mich nur an. Sie haben noch einen guten Mann daheim und liebe Kinder. Danken Sie Gott dafür. Auch ich hatte einst einen braven, lieben Mann und sechs
Fheilnahme bei unseres oig t
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1 Familie.
Feuilleton.
Daneben.
Novellette von Martin Beck.
(Nachdruck verboten.)
Das Menscheoherz muß gar viel ertragen lernen. Und <8 ist oft so unsagbar schwer, was eS ertragen soll, so schwer, daß eS dabei vor Weh zerspringen möchte.
Die schlimmsten Wunden aber reißt doch der Tod in» Herz. O, wie daS brennend schmerzt, wenn unS Jemand genommen worden ist, an dem wir mit ganzer Seele hingen! Da ist uns mit dem Entschlafenen ein Theil unseres Lebens geraubt. ES ist, als fei uns ein Stück vom Herzen ab- geriffen worden. Und der tiefe Schmerz will und will nicht ruhen. Das find schwere Wunden. Sie bluten immer leise fort. Durch keine Thränen wollen fie heilen.
Wenn fie auch nie völlig vernarben, mit der Zeit kommt doch wieder Trost und Ruhe. Und leichter kommen die, wenn uns andere treue, liebevolle Seelen zurückblieben. Das traurigste LooS, das einem Menschen widerfahren kann, ist aber, wenn er zuletzt ganz allein übrig bleibt von allen Denen, die mit seinem Herzen innig verwachsen waren. Da sind viele Stücke von diesem Htrzen loSgeriffen worden. Und da blutetS drinnen fort in stummer Qual, bis daS arme, vereinsamte Herz seinen letzten Schlag thut.
So ging es einem alten, armen Mütterchen. Jeden Tag, am liebsten gegen Abend, lenkte e» seine Schritte hinaus »ach dem Kirchhofe. Das war der gewöhnliche Spaziergang der alten Frau geworden. In ihrem schwarzen Trauerkleide konnte man fie stets zur bestimmten Stunde da hinaus gehen und m t Einbruch der Dunkelheit heimkehren sehen.
Einmal begegnete fie an der KirchhofSthür einer jungen Mutter. Die konnte ifich vor Schmerz nicht lassen. Ohne Aufhören barg fie ihr schluchzendes Geficht im Taschentuch. Heute war ihr Liebling, ein kleines, herziges Mädchen, ins tzunkle Grab gesenkt worden. Und die glanzlosen Augen der bleichen Mutter schwammen in lauter Thränen, wie die ganze
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Vom 12. bis Arbeitnehmer.
Nachfrage der Arbeitgeber. Glaser (Rahmenmach-r)
1 landwirthschastlicher Arbeiter.
1 Stallmapd.
11 Dienstmädchen.
3 tüchtige Pferdeknechte
1 Mädchen für Botengänge.
her Teilnahme bei eben unserer guten terr
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Wege ihm tief-
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff.
Gewiesen worden ist.
Gießen, den 16. November 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
-tbliebtueo.
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Kutscher. Gärtner. Hausburschen Colporteur. Strickerin. Fahrbursche. Laglöhner. Pferdeknechte.
Bekauunuachuug.
Montag den 23. l. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll im Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 15, ein städtischer Bauplatz von TOS qm, Ecke der Grüuberger- und Laudmauustraste gelegen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Lageplan und die Bersteigerungsbedingungen können auf unserem Büreau eingesehen werden.
Gießen, den 18. November 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
Gartenstraße 2.
Bekanntmachung.
Die Rechnung der Armenkasse und der Plockische« Stis- tuug sür 1895/96 liegt während 8 Tagen auf unserem Büreau — Zimmer Nr. 3 der Bürgermeisterei — zu Jedermanns Einsicht offen.
Gießen, den 16. November 1896.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß an Stelle des zum provisorischen Octroierheber ernannten Wiegers Albert Haas der Schaffner i. P. Karl Andreas Müller dahier zum Wieger an der in städtischer Verwaltung stehenden Güngerich'schen Waage in der Frank snrterstraße ernannt, verpflichtet und am Heutigen in seinen Dienst ein-
Schlosser. 1 Schubmacher.
_ Schneider. 1 Kutscher.
4 Lehrlinge, je 1 Schuhmacher-, Schlosser , Bäcker- und Buchbinderlehrling.
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3 Taglöhner für
1 Werkführer oder Büreau Gehilfe.
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1 Friseur.
1 Glaser.
1 Mälzer.
chm «°»u"b iffen, w'9“ iliterbliebenen
Eindecker,
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1 Schlosser.
2 Schuhmacher.
2 Schweizer.
3 Kellner.
1 Müller.
2 Erdarbeiter.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß an Stelle der zurückgetretenen Marie Rühl, verehelichte Wilke, der Wieger Albert Haas dahier zum provisorischen Octroierheber am Seltersthor ernannt, verpflichtet und am 16. l. Mts. in seinen Dienst eingewiesen worden ist. 10218
Gießen, den 16. November 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gn auth.
Obige Artikel, welche von Solinger Firmen zu angeblichen Fabrikpreisen dem Publikum unaufgefordert zugesandt werden, sind bei uns in bester Qualität zu denselben Preisen zu haben. Taschenmesser imit. Schildplatt, 1 große und 1 kleine Klinge, vergold. Korkjieber, JL 1.20; Scheere, geschmiedet, vergold. Griffe, v* 1.— ; Rafirmesser, bohl geschliffen, JL 175.
Nach auswärts bri 2 Stück ebenfalls franco.
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erbitte möglichst frühzeitig behufs prompter und bester Ausführung.
k Fritz Blowack, Wäsche-Fabrik. J


