Ausgabe 
18.8.1896 Zweites Blatt
 
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Der chiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener

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Zweites Blatt. Dienstag den 18. August__

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Deutsches Reich.

Berlin, 15. August. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet, daß der in Berlin eingetroffene StaatSsecretär Frei- htr>c von Marschall seine AmtSgeschäfte wieder über» normten hat.

Berlin, 15. August. Das Kaiserpaar wird am 17, d. MlS. Vormittags von WtlbelmShöhe abretsen und am selben Tage Abends im Neuen Palais bet Potsdam ein» Neffen.

Berlin, 15. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist «heute Vormittag nach seinen Gütern bet Werkt in Ruß­land abgereist. Er wird erst zur Zusammenkunft deS Czaren mit Kaiser Wilhelm zurückkehren. Auch Minister von lgo etlicher hat Berlin wieder verlassen.

Frankfurt a. M., 15. August. Der Abgeordnete Mohr lendet derFrkf. Ztg." folgende Berichtigung:ES ist nicht wahr, daß ich es unternommen habe, den Werkmeister etnüS Fabrikanten durch Versprechungen zu bestimmen, Ein­richtungen und Fabrikationsgeheimnisse zum Zwecke deS DivtbewerbeS mir rn tzutheilen, daß ich, um Fabrikation-» gkhstniniffe zu erspähen, dorthin gereist sei. ES ist ferner nicht wahr, daß ich mich in die Fabrik zur Mittagsstunde eirMschltchen habe, ich bin überhaupt nicht in der Fabrik gewesen. An dem ganzen Polizeibericht ist überhaupt von heu Wesentlichen nichts wahr, außer, daß ich in Worms gewesen bin und bei dem nicht als Werkmeister, sondern mit mehreren Gesellen selbstständig arbeitenden Schloffirmeister P. Hahn in Horchheim bet WormS eine von ihm erfundene $ti schine bestellen wollte, wie sie in einer Fabrik bei Worms . aitedtet und hieraus völlig unberechtigter Weise ein Anlaß gttiwwmen ist, mich anzuhalten. Ich habe mich gleichfalls niet t als Reichstagsabgeordneter ausgegeben, sondern nur bei Befragen nach meinem Namen und nach Legitimation mich als Landtagsabgeordneter bezeichnet. Die in dem Be­riete enthaltenen Beleidigungen werde ich gerichtlich ver- folggen." Hierzu bemerkt dieFrkf. Ztg.", daß die Firma in Horchheim bei Worms, auf deren Betreiben Herr Mohr fistirt wurde, und jetzt in Untersuchung genommen ist, erklärt hat für alle in derFrkf. Ztg." enthaltenen Thatsachen ilbnr den Fall Mohr einstehen zu können und zu wollen. Herrr Mohr verschweigt übrigens, daß der Schlossermeister haHn seit vielen Jahren Werkmeister in der Horchheirner Fabrik ist und daß die von ihm erfundene Maschine eben zu beu Fabrikgeheimnisfen gehört, die das Gesetz gegen den un­lauteren Wettbewerb schützen will. Das Wettere wird sich zunächst vor dem Gericht finden, an das die Strafsache gegen Nlvhr gelangen wird.

Hamburg, 15. August. Zu den in den letzten Tagen vkrlbretteten Meldungen- daß Fürst Bismarcks Gesundheits­zustand Anlaß zu Befürchtungen gebe, schreiben dieHamb. Nachrichten", daß vor ca. 8 Tagen der Fürst allerdings au Mattigkeit in den Gliedern gelitten hat. Diese sei jedoch lvfwrt wieder behoben worden und der Fürst erfreue sich ®h:ber einer geradezu erstaunlichen geistigen Rüstigkeit und Fritsche. ES sei nicht richtig, daß Bismarck seine Spazier-

Le«iUeton.

Frankfurter Dries.

(Originalbericht für den »Gießener Anzeiger".)

(Nachdruck verboten.)

Strauß - Concert im Zoologischen Garteu. Opernhaus (Tannhäuser"). Schauspielhaus (Fedora").

Dr. M. Wie oft mag Strauß schon die schöne Main» Habet mit feinem auserlesenen Orchester besucht haben, Uly wissen es nicht! Aber das Eine wiffen wir, daß die yclliebtheit deS vom Erbe seiner Väter mit vollem Recht nofitirenden Eduard hier noch nicht ins Wanken gekommen ist, und warum auch? Der Walzerköuig repräsentier ein pviz bestimmtes Genre, das nicht auSsterben wird, so lauge ti Leute gibt, die fich gerne in flottem Tanze drehen, welchen btt' Aufenthalt in glänzend erleuchteten Festsälen eben solch ein Genuß ist wie das Promeniren auf wohlgepflegteu Park» »cgen. Diese Musik weist nicht auf EinsamkeitSftimmuug, teeaft auch nichtder dunklen Gefühle Gewalt", aber toftür wendet sie sich so recht an den munteren Grift der Welligkeit, zeugt von Leben und schafft Leben.

Einem Anderen würde man es vielleicht etwa- Übel irhinen, wenn er ein durch musikalische Geuüffe ziemlich ver- vbtzateS Großstadtpublikum einen ganzen Nachmittag und ildttad mit leichter Tanzmusik regaliren wollte, aber bei 6b narb Strauß hat man es im Großen und Ganzen

gänge eingeschränkt oder gar ganz aufgcgeben habe, sondern das gerade Gegentheil sei der Fall.

Arzsland.

Rom, 15. August. DieOpinione" äußert ihre Be- sriedigung darüber, daß die Idee der Blokade CretaS ausgegeben und die Mächte nunmehr bestrebt seien, die Pforte zur Gewährung billiger Forderungen zu bewegen, welche der Vertrag von Haleppa sonctionirte. Italiens Stellung sei in dem Dreibunde durch die Freundschaft mit England gekennzeichnet.

Rom, 15. August. In derConsulta" versichert man, die Absichten der Pforte seien versöhnlich und man hoffe allgemein, daß die Verhandlungen, welche die Consuln NamenS der Großmächte mit den türkischen Behörden und mit dem Ausstands-Comits führen, zum Ziele gelangen werden. Einem D Plomaten, welcher meinte, daß daS europäische Coucert bei diesen Verhandlungen in die Brüche gehen würde, antwortete Visconti Venosta, ich bin im Gegentheil davon überzeugt, daß das Concert sein schönstes Finale zum Besten geben wird.

Parts, 15. August. DerTempS" veröffentlicht eine Correspoudenz aus Madagaskar, in welcher formell er­klärt wird, Frankreich würde, um die Ruhe auf Madagaskar wieder herzustellen, die Königin absetzen und von der Insel ausweisen.

Paris, 15. August. Auf Befehl deS Präsidenten Faure behält der DampferDupuy de Lome" alle jene besonderen Einrichtungen, welche anläßlich der letzten Reise FaureS ge­macht worden waren. Danach bestätigt es sich also, daß der Czar auf dem Seewege nach Frankreich kommt und daß Faure sich in Cherbourg etnsch'ffen wird, um dem russischen Geschwader entgegenzufahren.

Athen, 15. August. Nach Informationen der Akropolis hat der Specialabgesandte der Pforte, Zichni-Pascha den Auftrag, die aufständischen Cretenser aufzufordern, Abgesandte nach Canea zu schicken, um mit ihnen über eine neue Con- stitution zu verhandeln. Den Abgesandten würde Seitens der Mächte völlige Sicherheit garantirt und ebenso würde eine eventuell neu zu Stande kommende Verfaffung von den Consuln mit unterschrieben werden. ES ist indcß wenig Hoffnung vorhanden, daß die Aufständischen auf diesen Vor­schlag eingehen werden, da ihre einzige Losung jetztKrieg" sei.

Athen, 15. August. Das Cornits der aufständischen Cretenser entfaltet sowohl hier wie auf Creta eine fieber­hafte Thätigkeit, um die durch die Ausbreitung des Auf- standes nöthig gewordenen Waffen herbeizuschaffen. Ju Caudia überfielen Christen eine Anzahl Türken, welche fich auf einem Raubzuge befanden und brachten ihnen schwere Verluste bei.. Die zur Unterstützung herbeigeeilteu Türken wurden ebenfalls zurückgefchlagen.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

vom 18. August bis 23. August.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7 bis 8 Uhr an dem Kurbrunnen, Nachmittags und Abends siehe unten, bei weniger als 100 R. Wärme tm großen Speisesaale des Kurhauses.

gern, wenn er in den Grenzen seines Gebiets bleibt und keine Abstecher ins Sinfonische unternimmt. UebrigenS hatte Strauß diesmal doch seinem Programm einige ernste Num­mern einverleibt: die Traumscene aus MaScagniS Ratcliff", einer Oper, die den Kenner ungleich tiefer be­friedigt als die welteroberndeCavalleria", und eine Ungarische Rhapsodie" von LiSzt, orchestirt von Franz Doppler.

In der Oper gibtS gegenwärtig Gastspiele auf Engage­ment. Die Tenorfrage ist auch für Frankfurt aufgerollt, denn Herr v. BandrowSki wird das umfangreiche Re­pertoire auf die Dauer kaum länger bewältigen können, ob ihm aber in Herrn Schlaffend er g aus Breslau ein Ersatzmann und Nachfolger erstehen wird, möchten wir nach dem Gehörten doch vorerst stark in Frage ziehen. Nicht ungünstig führte fich der Gast alsEleazar" ein, wennschon diese Partie für den Umfang des Könnens einer Tenorkraft gar keine ausreichenden Garantien bietet, hatte auch als Prophet" Erfolg. Aber diese beiden großen Opern alten Stils stehen fast schon auf dem Aussterbeetat, zeugend von verschwundener Herrlichkeit. Die Frankfurter brauchen in erster Linie einen Wagner-Sänger. DaS ist aber Herr Schlaffenberg vor der Hand noch nicht, kann eS bet andauerndem Studium vielleicht werden, denn die stimmlichen Mittel find da, bedürfen nur der weiteren Ausbildung. SeinTannhäuser" war, trotz einzelner schöner und ge­lungener Momente, als Kunstleistung noch zu unfertig und

Dienstag den 18. August, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Von 8y3 dis 10 Uhr spielt die Capelle Tänze und kann auf dem nordweftitchen Thetle der Terrasse getanzt weiden. Abends 8 Uhr im Saale: Humoristische Vorträge tn verschiedenen deutschen Mundarten von Herrn Hermann Förtsch aus Stuttgart. Mittwoch den 19. August, Nachmittags von 4 dis 7 und von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Concert der Capelle des König!. Sächsischen 6. Jnfantertc-Regiments Nr. 105 (König Wilhelm II. von Württemberg) aus Straßburg. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Verbotene Früchte. Donnerstag den 20. August, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kunapelle auf der Terrasse. Abends 8 Ubr im Saale: Concert der Sängerin Signora Teresa Tostt und de» Claviervirtuosen Herrn Rudolf Panzer auS Paris. Freitag den 21. August, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kur- capclle. Diana. Hierauf: Frauen-Emanzipalion. Zum Schluß: Weihnachten. Hierzu: Lebende Bilder. Samstag den 22. August, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert "er Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz. Sonntag den 23 August, Nachmittags von 4 biS 7 und von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Concert der Capelle des 2 Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Kaiser Wilhelm) Nr. 116 auS Gießen. Bei gutem Wetter Abends 10 Uhr: Feuerwerk östlich der Terrasse zur Vorfeier des Namenstages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs. Bei ungünstigem Witter am nächsten Abend.

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Operndarr». ,

Dienstag den 18. August: Regimentstochter. Bajazzo. Mittwoch den 19. August: Zigeunerbaron. Donnerstag den 20. August: Ermtda. Freitag den 21. August: Hansel und Gretel. Puppenfee. Samstag den 22. August: Rheingold. Sonntag den 23. August: Rienzi. Montag den 24. August: Obersteiger.

Dienstag den 18. August: Probepfeil. Mittwoch den 19. August: Hüttenbefitzer. Donnerstag den 20. August: Hotel zum Freihafen. Freitag den 21. August: Braut von Messina. Samstag den 22. August: Die Widerspänstige. Sonntag den 23. August: Der Roman eines armen jungen Mannes. Montag den 24. August: Hamlet.

Citeratur utefc ICunft-

Hermine o. Preuschen, die heißblütige Schriftstellerin und Malerin desmors Imperator, veröffentlicht in Nr. 98 der Rritit", der bekannten vornehmen Berliner Wochenschau, die von Dr. jur. Wrede trefflich geleitet wird, ein Seelenbekenntniß, das an Tiefe der Empfindung und plastischer Anschaulichkeit einzig dasteht. Herzblut" ist wirklich mit dem Herzblut geschrieben und ein äußerst interessantes document humain, das Jeder mit großem Interesse lesen wird. ______________

Deutscher Doldaterrhort", illustrirte Zeitschrift für da« deutsche Heer und Volk. Herausgeber: General-Lieutenant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl S i e g i s m u n d. Berlin W., Mauerstraße 68. VII. Jahrgang. Heft 32 erschien soeben und enthält: Schiffscapitän Kolle. Ein Lebensbild aus den Freiheitskriegen. Von W. Hengst. (Fortsetzung.) Ein Ball an Bord. Von Reinhold Werner, Contre-Admiral z. D. (Mit Abbild) Sein Dutzdruder. Humoreske von M. Eichler. Feld­wache in Feindesland. (Mit Abbild.) Unsere Feldzeichen. Von General der Infanterie z. D. v. Kretschman. Eine Reise in da« Gebiet des armenischen Aufstandes. Von Walter Stehe. (Mit Abbild.) Das Königliche Hauptgestüt Gradttz. Von Alfred Zeller. Von Ströbeck, deyr deutschen Schachspielerdorfe. Von B. Emil König. Das Hufarenpferd. F. Freiligrath. Vaterländische Gedenktage. Vermischtes. Splitter und Funken. Briefkasten. Inserate.

zu wenig vertieft. Die Mängel tn Tonbtldung und Vor­tag machten fich doppelt fühlbar neben dem so wundervoll ausgeglichenen Gesang der Frau Jäger alsElisabeth".

Für ein Debüt war dieVenus" des Fräulein Brandes, die natürlich die Gestalt noch nicht ihrem dramatischen Boll- werthe nach erfaffen konnte, recht annehmbar.

Im Sch au spiel Hause hat man die Saison mit dem F o ur chambault" eröffnet. Auch sonst behilft man fich mit dem alten Repertoire. Die Zeit der Neueinstudtrungen ist noch nicht gekommen. Wenn SardouSFedora" den Reiz der Neuheit auch längst etngebüßt hat, so lohnt eS sich doch, das Stück gelegentlich hervorzuholen, weil die Frank­furter Bühne in Fräulein Frank und Herrn Bauer so vor­zügliche Vertreter der tragenden Rollen befitzt.

Wir wollen nicht vergeffen, in unserem Briefe der That- sache zu gedenken, daß nunmehr auch in Frankfurt die kleinen, an den Eingangsthüren dargebotenen Theater journale oberZwischenactS "-Bücher aufgetaucht sind, welche nächst den Spielzettelu Inserate und leichtere litterarische Unterhaltung bringen. Bis 1. November wird, um das Publikum daran zu gewöhnen, derZwischenact" sogar gratis abgegeben! DaS nns in die Hände fallende Heftchen enthielt eine kurze Biographie Sudermanns mit Portrait, eine Humoreske von Moritz Schlesinger und eine Reihe treffender Siunsprüche des schlesischen Dichters Hugo Kegel (Hartwig Köhler).