Ausgabe 
17.10.1896 Zweites Blatt
 
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Montags.

Di, Gießrnrr ^«ikienötälter tr.ten dem Anzeiger Htynt(irf) dreimal brigelegt.

Zweites Blatt« Samstag den 17, October____________________

Gießener Anzeiger

Kenerat-Nnzeiger.

18»»

Vierteljähriger Aöonncmentsprcir: 2 Mark 20 Psg. mit

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Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

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Kchutstrahe Ar.7.

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Amts- und Anzeigcdlatt füv den T!vers Gieszen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den lilqembtn Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Ubr.

chratrsöerkage: Gießener Aamikienöl'ätter.

Alle Annonccn-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" -entgegen.

Feuilleton.

Die liebe Mama.

Don Anna Seyffert.

(Schluß.)

llluerSittlich hart war fie mit dem Knaben verfahren, ihan Idurch die Schläge, welche fie austheilte/ war ihr Blut »ehr und mehr in Wallurg geratheu, und fie hörte nicht nter enf, bis fie der Arm schmerzte, bis das Geschrei des Bhabon in einem convulfioischen Schluchzen erstickte.

So war es heute gewesen, aber leider auch oft genug Ard em 1

Und trotzdem der kleine Sünder schließlich wehevoll es einen Kuß bat, hatte fie ihm diesen mit harten Worten »irsagl.

freilich alsbald that es ihr leid, daß fie fich wieder zu «Im 'so exemplarischen Bestrafung hatte fortreißen laffen, unb unter Selbstvorwürfen und mit dem Vorsatze, den Mtlncui später für die erlittenen Schmerzen reichlich zu ent- Milzen, schlief sie ein.

Mit diesen übertriebenen LiebeSvrrgeltungen aber fehlte ff! noch weit mehr, und ihre Küffe mochten für Mäxchen Ms« viel Qual bedeuten, wie die schweren Strafen, welche ai |a dulden hatte.

OaS kam der BedauerSwerthrn erst jetzt zum Bewußt- lina, während ihr klar die einzelnen ©eenen vor die Seele (taten Gin unbeschreiblicher Kampf marterte ihre Brust, vta hie Reue um begangenes, nie zu sühnendes Unrecht kam ill« spitt.

Diese Reue aber bohrte fich wie glühendes Eisen ein in Ihr Inneres. Wie sollte fie weiterleben, jeden Augen- i M herfolgt von den schmerzlich avklagenden Blicken deS i nnloinntn Lieblings?

In selbstquälerischer Grübelet suchte fie zu erforschen, auf welche Weise daS Kind, das sie wohl behütet glaubte, allein an den See gelangt sein könne.

Sollte das kleine Herz so verzweifelt gewesen sein, daß eS fich scheute, jemals wieder unter die Augen der gestrengen Mama zu treten?

WaS Martha in diesen Minuten litt, als ihr die Der- muthung auftauchte, ihr Knabe könne infolge ihrer Grausam­keiten den Tod gesucht haben, daS wiegt dea Schmerz eines ganzen Menschenlebens auf.

Angstverwirrt schweift ihr Blick hinüber zu der kleinen Leiche- kann nicht ein Wunder geschehen, um den stillen Schläfer zu neuem Leben zu erwecken?

Soll fie ein langes Leben hindurch büßen, daß fie gefehlt, wo fie doch so unbeschreiblich geliebt?!

Sie befindet fich jetzt allein in dem Zimmer, der Doctor hat es mit der Frau schweigend verlaffen.

Scheu wie eine Verbrecherin erhebt fich Martha- fie schwankt, aber dann ist fie doch an den Tisch getreten, auf welchem, nur mit einem Tuche bedeckt, die kleine Leiche ruht.

Sie will fich überzeugen, ob fie ihr Kind in Wirklich­keit so hart behandelt, wie die krankhaft erregte Phantasie eS ihr jetzt auSmalt.

Die zitternden Hände entfernen das Tuch, sie findet den Muth, daS Kinderköpfchen ein wenig emporzuheben, MarthaS brennender Blick ruht auf den sichtbaren Zeichen, welche den Rücken des Kindes bedecken, diese flammenden Zeichen, die ihre Hand geschlagen.

DaS war zu viel für daS gequälte Mutterherz. Ein markerschütternder Schrei entringt fich den Lippen der jungen Frau, dann taumelt fie zurück auf daS Ruhebett.

Mamachen, ich hab Dirn Frosch gefangen,- sagt da

plötzlich eine frische, herzige Stimme neben ihr, die in MarthaS Ohr klingt, wie die Posaune deS jüngsten Gerichts.

Sie schnellt empor, fie wagt ihren Augen nicht zu trauen, und doch steht Mäxchen neben ihr, stämmig und ge­sund und nur in den großen, kindlichen Augen hastet ein unkindlicher Ausdruck, eine bange Scheu vor den zornigen Ausbrüchen derlieben, lieben" Mama.

War das alles wirklich nur ein Traum oder ist diese- hier Täuschung?

£), mein Gott, strafe mich nicht so unerbittlich.!"

Sie reißt den Knaben an fich, fie fühlt daS lebens- warme Körperchen in ihrem Arm und ein befreiendes, herz­erschütterndes Aufschluchzen entringt fich ihrer Brust.

Sie faltet voll tiefer Inbrunst die Hände und senkt den schönen Kopf leise auf ihre- Kindes Schulter.

ES war ein Traum, o Gott, wie danke ich Dir! Und nicht umsonst sollst Du mich gemahnt haben! DirS sei daS letzte Mal, daß mein Kind mich leidenschastlich erregt fieht. Ich werde weises Maß zu halten wisien, im Zorn wie in der Freude!"

Martha kennt fich zur Genüge fie wird die Kraft besitzen, begangenes Unrecht zu sühnen.

Und als nun Mäxchen, defien Händen der kleine Grün­rock entschlüpft ist, angstvoll zitternd in seiner Furcht vor Strafe auf diegestrenge" Mama schaut, diese aber liebevoll, durch Thränen lächelnd, sagt:

Wir werden daS Fröschlein in ein Glaö setzen, Mama thut Steine und Wasier hinein und Papa wird eine kleine Leiter bauen dann soll Dein Schützling uns viel gutes Wetter prophezeihen" wie jubelt da der Knabe hell auf vor Lust, das Antlitz der jungen Mutter aber erstrahlt in sonniger Verklärung.

Bekanntmachung,

bett, die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen.

iMtt Bezug auf daS Ausschreibeu Großh. Kreisamts «Alchen vom 5. d. Mts., abgedruckt in Nr 236 des Gießener igers, bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenutuiß, Ibeij idie Abhaltung der Biehmärkte zu Gießen am 27. und ? S8. dieses Monats unter den daselbst angegebenen Beding- i eiflew gestattet ist.

Wießen, den 10. Oclob r 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 9042

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hier- birrh xur allgemeinen Kenntniß, daß die

3CT Fortbildungsschule

5 Mon tag, den 19. October l. I, im Stadtkuabeuschulhause blchnl! und von da an wöchentlich zweimal abgehalten wird.

Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während di« letzten drei Jahre aus der Volksschule entlüften wurden und sich hier q; «Men.

Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, bezw. 5 bis TI hr Abends statt.

Es haben sich einzufinden:

SMMag, den 19. October, Nachmittags 3 Uhr: Alle schul- Mchtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fort­bildungsschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker.

Wattag, den 19. Oktober, Nachmittags 5 Uhr: Alle schul- pflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackirer, Tapezirer, Mechaniker mb alle sonstigen Bauhandwerker.

götiytofl, den 20. Oktober, Nachmittags 5 Uhr: Alle übrigen Schulpflichtigen.

Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehr- bi».. Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und A Itiiitcirn die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zeit bei Meidung pi Mlilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, fo* nufttl« beteiligten Eltern, Vormünder rc., den Schulpflichtigen von vor- ft'^betr Bekanntmachung rechtzeitig Kenntniß geben zu wollen.

Wietzen, den 14. October 1896.

Für den Schulvorstand: 9159

Gnauth, Hahn, /

Oberbürgermeister. Fuhr, ! Oberlehrer.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf das Localpolizeireglement vom 6. October er. betreffend: Den öffentlichen Zettelanschlag, bringen wir hiermit zur Kenntniß, daß die von der Stadt Gießen errichteten Anschlagsäulen und angebrachten Tafeln der Firma

Großh. Hof- und Universitätsdruckerei Curt v. Münchow zu Gießen zur ausschließlichen Benutzung überlassen sind. Es hat sich demgemäß Jeder, welcher ein Plakat anheften lassen will, an genannte Firma zu wenden.

Mit der Letzteren find folgende Vereinbarungen getroffen:

Die Unternehmerin ist verpflichtet, alle ihr zugehenden Anzeigen, so­fern dieselben der vorgeschriebenen Form entsprechen, auch ihr Inhalt kein unerlaubter ist, soweit es der verfügbare Raum der Säulen und Tafeln gestattet, in kürzester Frist in der Reihe der Anmeldungen anzuheften. Die Anmeldung gibt ein Vorrecht für die Zeit von höchstens 7 Tagen.

Die Unternehmerin hat die Anmeldungen der Reihe nach in ein Register mit Vor- und Zunamen, Stand und Wohnort mit fortlaufenden Nummern einzutragen. Die Betheiligten haben das Recht, sich über diesen Eintrag zu verlässigen.

Das Anheften erfolgt im Sommer Vormittags von 69 Uhr, im Winter von 811 Uhr. Plakate, welche Morgens angeschlagen werden sollen, müssen der Firma C. v. Münchow am Tage vorher bis längstens 7 Uhr Abends übergeben sein.

Das Anheften hat die Unternehmerin durch die von ihr angenommenen und nach § 43 der Gewerbeordnung legitimsten Personen zu bewirken.

Für die Benutzung der Säulen und Tafeln, sowie für das An­schlägen der Anzeigen an denselben hat die Firma C. v. Münchow von den Auftraggebern folgende Gebühren zu beanspruchen:

Größe des Plakats:

Für 1 Tag

Für 2 Tage

Für 3 Tage

Für 7 Tage

21x31 Ctm.

v4L 1.50

JL 2.

v4t 2.50

JL 3.50

31x42

, 2-

2.50

3.-

, 4.50

42x63

3.50

4.25

, 6-

7.50

63x85

5.-

6.25

7.50

12.-

Plakats von größerem Format sollen nur dann zum Anschlag ge­langen können, wenn dafür der erforderliche Raum vorhanden ist.

Für den das Format 63x85 Ctm. übersteigenden Raum sind pro Quadrat-Centimeter für 12 Tage 1 Pfg., für 3 Tage l1/, Pfg. und für 7 Tage 2 Pfg. zu vergüten. Zwischengrößen werden stets nach der nächstfolgenden höheren Scala berechnet.

Im Falle der Beschädigung der an den Säulen ober Tafeln unge­liebten Anschläge hat die Unternehmerin auf Verlangen der Betheiligten die rechtzeitige Erneuerung der Anschläge zu bewerkstelligen, sofern ihr dazu die erforderlichen Plakate wiederholt unentgeltlich zugestellt werden.

Gießen, den 9. October 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff. 9054

Versteigerungen

Montag drn 19. Moder, Nachmittags 27» Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die zur Concursmaffe der Augvst Selsen- dein Eheleuten n Gießen gehörigen Immobilien:

Flur 38 Nr. 47Vio 703 qm Hosraithe im Wallpförter Feld rechts der Chaussee auf die herrschaftlichen Wiesen,

Flur 38 Nr. 487,- 897 qm Grab­garten daselbst,

Flur 38 Nr. 58«/»o - 2311 qm Wiese daselbst,

Flur 13 Nr 161 - 669 qm Acker auf der Haidt über der Kropbach,

Flur 13 Nr 62 644 qm Steinbruch daselbst,

Flur 13 Nr. 163 668 qm Steinbruch daselbst,

Flur 13 Nr. 180 1100 qm Acker das., Flur 13 Nr. 181 388 qm Acker das., Flur 13 Nr 183 - 1488 qm Acker das , öffentlich meistbietend versteigert werden-

Gießen, den 9 October 1896.

Großh. Ortsgericht Gießen-

I A: Bogt. 8951

Mt Schlachthaus.

Freibank. 9182

Heute und morgen:

Nindsteisch, nicht labenrein, pr. Pfd. 50 Pfg. Schweinefleisch (gesalzen) nicht ladenrein, per Pfd. 45 Pfg-

S88K' Die Freibank bleibt bis Abends 10 Uhr geöffnet

Nürnberger Apielmarell!

Puppen und Ehrtilbonmschmmr,

Kerzwaaren and Gebrauchs-Artikel, Neuheiten in 10 und 50 Pf.-Artikeln- Preisliste 285 nur fürWiedervertanfk 84 0, Friedr. Ganzenmüller in Nürnberg.