Ausgabe 
17.7.1896 Zweites Blatt
 
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1896

Freitag den 17. IM

Stt

Zlintr- und Anzeigrblatt für den Ureis Gieren.

Hratisöeikage: Hießmer Aamitienökätter.

Ms Gaffel, 15. Juli. Die Nennungen für das am vorfindet, eine eigene Industrie entwickelt.

X. S»a in unserer Marine rur Berwendum

Garten

20. Juli: =

Schlichte, altmodische

E- erzählte m.r ,.tzt frelmüM. daß d.-!-^°be« W***

Da tauchte plötzlich baß Angesicht des Fremden

vom

vahnhofe vor meinem Geiste auf und ich hörte fort und fmtt

(.in Droan. als er die Worte zu mir sprach:

zotiKD.

Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Ausländer nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

'Namminn 5?' *

in unserer Marine zur Verwendung kommt, ist eine dunkelbraune ölige Flüssigkeit, die in Tankß an Bord auf­bewahrt und durch Rohrleitungen direct zu den Kesielfeuer- ungen geführt wird. Die Zuführung zu dem Feuerungß- raum erfolgt durch sogenannte Düsen, die in die Stirnwand der Keffel eingesetzt find und durch die das Masut mittelst Wafferdampfeß etngeblasen wird, so daß es sich wie ein Sprühregen verbreitet und eine sehr lebhafte, gleichmäßige Flamme ohne Rauchentwickeluug erzeugt. Will man hier von den Bortheilen sprechen, welche die Masutfeuerung der Heizung mit Kohle gegenüber hat, so find in ersterer Linie der größere Heizwerth, die Billigkeit und der wesent­lich vereinfachte Keffelbetrieb. Mit 1 Kg. bester Kohle lasten sich etwa 10 Kg. Master zur Verdampfung bringen, während 1 Kg. Masut 16 bis 18 Kg. zu verdampfen vermag. Auch der Preis stellt sich 40 bis 50 pCt. billiger als bei der Kohle, und während die Arbeit des Feuerns sich bei der Kohlenheizung ungemein schwierig und anstrengend gestaltet, wird sie bei der Masutheizuog auf daß geringste Maß zurück- geführt und erfordert nur ein kleines Personal, selbst bet großen Kestelbetrieben. ist ferner für Kriegßschiffe von großem Werthe, plötzlich über viel Dampf zu verfügen, um eine forcirte Leistung ihrer Maschinen zu erzielen. In diese Lage kommen namentlich sehr leicht die Torpedoboote, wenn einen nächtlichen Angriff auf feindliche Schiffe gilt. Während eine Dampfentwickelung bei der Kohlenfeuerung immer von dem Grade der Verbrennung der Kohle abhängt, tritt diese bei der Masutheizung sehr rasch ein, da sofort eine den ganzen Feuerungsraum erfüllende, starke Flamme vorhanden ist und eine schnelle Dampfentwickelung in dem Keffel in überraschend kurzer Zett etntrttt. Ein weiterer Vortheil ist die kaum wahrnehmbare Rauchentwickelung. Ein mit Masutheizung fahrendes Torpedoboot oder größeres Schiff macht seine Fahrt durch da» Wasser, als ob von einer unsichtbaren Kraft geschoben würde, von der mau sich keine Rechenschaft zu geben weiß, da ihr Zeuge, der Rauch, fehlt, der sonst in schweren, schwarzen Wolken in kürzeren oder längeren Zwischenräumen auß den Schornsteinen aufsteigt und sich oft wie ein dichter, schwarzer Schleier über

dem stark wachsenden Verbrauch dieses DeftillationsproducteS hat sich in der Nähe voa Halle, wo sich das Rohmaterial ----------- Das Masut, wie

Möbel und ein etwas verschwärzteS Oelbild der Madonna della sedia bildete die einzige Einrichtung desselben. Die Fenster waren vergittert- allein trotzdem ich beim Anblick derselben an jene entsetzlichen Standen im Polizetbureau er­innert wurde, so heimelte mich doch der friedliche Eindruck dieses Gemaches mächtig an. Nach endloser Wanderung in einer Wüste erschien mir dieser stille Platz als Oase.

In einem hochlehnigen Seffel zurückgesuuken, so daß die kleinen Beinchen den Fußboden kaum berührten, das blonde Köpschen seitwärts geneigt, saß hier ein -arteS, etwa neun- jähriges Mägdelein, welches sich bet meinem Eintritt erhob

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für d« -kgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Norm. 10 Uhr.

vierteljähriger

2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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20 Psg.

nd des ganzen Tages, ist b i Garten auf 50 W

Sonntag den 26. Juli hier stattfindende Rennen des hessischen Rettervereins sind außerordentlich zahlreich etngegangen. Für das große Jagdrennen, Preis 5000 Mk., sind bereits 21 Pferde, eine hier bisher ungewohnte Zahl, angemeldet. Ebenso find zu dem sndLen Rennen viele erstklassige Pferde angemeldet.

Frankfurt a. M., 15. Juli. Die Samoaner im Zoologischen Garten haben Freitag noch einmal Schlachtfest. Wieder wird ein ganzes Schwein, nach ihrer Sitte mit heißen Steinen gefüllt, in der vom Donnerstag der vorigen Woche her bekannten Weise in heiße Steine und vlätter verpackt gebraten, von den Männern zerlegt und in feierlicher Sitzung verspeist werden. Sonntag ist wieder der Eintrittspreis sür den Zoologischen Garten auf 50 Pfg. ermäßigt und Montag schließen die braunen Gäste ihre

die Wafferfläche lagert. Grade der Umstand der kaum wahr­nehmbaren Rauchentwicklung kommt den Torpedobooten zu Gute, deren Aufgabe es ist, sich unbemerkt mit voller Fahrt an ein feindliches Schiff heranzuschleichen, um einen sicker treffenden Torpedo zu lanctren. Der ausstetgende Kohlen- rauch wird jedoch nicht selten zum Verräther einer heran- nahenden Torpedoflotille, auf die, sobald sie bemerkt wird, auch schon die leichtern Schnellladekanonen gerichtet find. Doch dieses nur nebenbei. ES soll hier nur auf eine inter- effante Neuerung im Marinewesen aufmerksam gemacht werden, die jetzt schon in unserer Marine einen hohen Grad von Bedeutung erlangt hat und um so werthvoller und epochemachender erscheint, als sie grade zu einer Zeit in Gebrauch tritt, da ohnehin eine gewaltige Umwälzung im KriegSschtffmaschinenban vor fich geht. Wir meinen die Ein­führung der Wafferrohrkeffel auf sämmtlichen Neubauten unserer Marine. Eine Combination der Masutheizung mit diesen schon an fich raschen Dampf-Erzeugern, wie fie ge- plant ist, bezeichnet einen außerordentlichen Schritt vorwärts, und es eröffnet sich bei dieser Betrachtung dem Kriegsmarine- wesen eine weite Aussicht. ES werden von anderer Sette Bedenken erhoben gegen die Sicherheit der Masutheizung, insofern das Bersten einer Granate innerhalb eines gefüllten Tanks durch AnSfließen des Inhalts und Entzündung bet Berührung mit den Keffelfeuern eine große Gefahr für daß Schiff in fich schließe. Dieser Möglichkeit ist man zwar aus­gesetzt: doch welchen vielseitigen Gefahren der Vernichtung durch die neuen Kampfmittel ist ein Schlachtschiff nicht über­haupt ausgesetzt? Die Praxis wird auch hier Mittel und Wege finden, diese Gefahren auf das kleinste Maß zu be­schränken. Jedenfalls ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die positiven Vortheile der Masutheizung ihre möglichen Nachtheile so sehr überwiegen, daß man ihr in unserer Marine ein sehr großes Feld eingeräumt hat. Daß auch fremde Marinen diese wichtige technische Neuerung schätzen, geht aus der Thatsache hervor, daß die österreichische Marine zur Zett zwei ihrer Offiziere, einen Corvettencapitän und einen Maschineningenieur zu ihrer Belehrung nach Wilhelms- Haven gesandt hat. Dieselben machen ihre Studien an Bord des Panzerschiffes 2. Kl.Siegfried", das, wie eingangs erwähnt, eine vollständige Kesielanlage für Masutheizung hat, von deren Leistung man sehr befriedigt ist.

schölten sei. . . ,

Beim Verhör habe fie herzbrechend geschluchzt und fort- gesetzt behauptet, der Fünsztg-GuldenSchein sei ihr auf un­erklärliche Weise abhanden gekommen. Kein Mensch könne ihr daher verdenken, daß fich in ihrer Verzweiflung über den Verlust des Geldes ihr Verdacht auf ihre Reisegefährtin ge­lenkt habe. Da der Frau eine böse Abficht, beziehungsweise ein ErpreffungSversuch nicht nachzuweisen gewesen, habe man fie ihrer Haft entlasten wüsten. Jndeß würde fie noch eine Weile polizeilich beobachtet werden. Mir konnte das wohl einerlei fein! So endete mein Abenteuer im Polizeibureau von P . .. .

Als ich endlich wieder auf die Straße trat, brannte die Mittagssonne des heißen Julitages bereits auf mich nieder.

Der Zug nach H... ging, wie mein Fahrplanbuch mich belehrte, erst gegen 6 Uhr Nachmittags ab. Somit hatte ich einen halben Tag vor mir. Was sollte ich in den langen Stunden beginnen? Die Sehenswürdigkeiten der Stadt waren mir zur Genüge bekannt und nach dem Vorgesallenen trug ich auch kein Verlangen danach, mich zu amüfiren. Einzig nur ein sehnsüchtiges Bedürfniß nach Ruhe regte fich in meiner Brust. , v ,

In ein Hotel zu fahren widerstrebte mir- da besann ich mich glücklicherweise, daß eine Cousine meiner Mutter als Ordensschwester im »sacre coeur" zu P ... weilte.

Ja, dorthin, nach jenen stillen Mauern, wollte ich meine Schritte lenken dort würde man mir schon für einige Stunden Rast gewähren.

Meine Koffer hatte ich direkt nach dem Bahnhofe beför­dern lasten. Ich frühstückte schnell im ersten besten CaföhauS und fuhr eine Stunde später nach dem Kloster hinaus.

An der Pforte deflelben wurde mir der freundliche Be- scheid, daß Mutter Ludmilla, meine Tante, gerade in der Klaste beschäftigt sei- man würde ihr jedoch Mtttheilung von meinem Besuche machen, ich möchte mich einstweilen nur ins Sprechzimmer begeben.

Es war ein mittelgroßer, gewölbter Raum, wohin die

Dame" eine CauzleirathSwittwe aus P . .. wäre, die zwar in kümmerlichen Verhältnisten lebe, indeß völlig unbe-

Ur. 166 Awettes Blatt

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und artig knixte.

Erft nach einer Aufforderung meinerseits ließ eS fiq wieder in den tiefen Sitz herabgleiteu. Der Anzug der Kleinen verrteth mir die Klosterschülerin.

Ich setzte mich ihr gegenüber ans Fenster und betrachtete wohlgefällig daS anmuthige Bild.

Welch seltener Zauber lag über diesem lieblichen Kinder- geficht, daS, von blondem Kraushaar umrahmt, einem Maler zum Modell als EngelSköpschen hätte dienen können.

Allein auch ein Zug von Schwermuth lagerte um de« lieblichen Mund und die tiefblauen Augen blickten zuweilen traurig, als ob ein heimliches Weh an diesem kleine« ^^^,^Du erwartest wohl Deine liebe Mama hier zu sehen?" fragte ich in warmem Tone und nickte dem holden Wesen freundlich zu. . _

,,O nein, Mama ist tobt. Bor biet Jahren starb sie unb seitbem bin ich hier im Kloster," entgegnete bte Kleine zwar schüchtern, boch iu treuherziger Offenheit.

ArmeS Ktnb, bas ist sehr traurig für Dich. Aber hier bei ben guten Klosterfrauen bist Du ja so prächtig ver­sorgt. Alle junge Mäbchen weilen gern imsacre coeur » meinte ich tröstenb.

Ja, sehr gern. Nur ist mir oft so schrecklich bange nach zu Hanse, baß ich viel weinen muß. Ich bin boch noch so klein," versetzte sie mit einem trübseligen Blick.

(Fortsetzung folgt.)

Feuilleton.

Um fünfsig Gulden.

Novelle von Doris Freiin von Spättgen.

(5. Fortsetzung.)

Der chieß««er Anztt-er erscheint täglich, mit Ausnahme be» Montag».

Die Gießener >e«UU*eUttex werden dem Anzeiger »dchenttich dreimal bngelegt.

sein klangreiches Organ, als er die Worte zu mir sprach: .Dürfte ich für Sie eintreten, Gnädige?"

Sonberbar, jetzt im Moment bereute ich fast, ihn nicht int seinen Beistand gebeten zu haben. Er sah wirklich ver­trauenerweckend und dabei so vornehm aus. Dieser sichere, selbstbewußte Blick konnte unmöglich der eines Schwindlers «der Abenteurers sein. Dabei sprach er von einer Sehnlich- leit, die ihn veranlaßt hatte, sich mir zu nahen. Gewiß war er ein verheiratheter Mann- er besaß vielleicht eine Tochter, die au mich erinnerte.

Ich war thöricht gewesen, seine Karte zurückzuweisen. Irth und Hilfe eine- erfahrenen Mannes waren hier un° ^^tz^Undfür sseine u'ir so offen gezeigte Theilnahme hatte ich ihn noch gekränkt) durch Kalte verletzt.

Das that mir jetzt wirklich leid.

Stunde auf Stunde verrann ich vermochte kaum mehr iu denken und war schließlich völlig apathisch geworden.

Da endlich öffnete fich meine Kerkerthür und der alte Polizeibeamte W Überschritt die Schwelle.

An seinem GefichtSauSdruck und seiner Haltung bemerkte ich sofort, daß, Nachricht auS X. . . eingetroffen und er ge- kommen war, Mir die langersehnte Freiheit -urückzugeben.

Mit dnejm mir fast überflüssig dünkeuden Wortschwall drückte er jetzi sein Bedauern auS, mir gegenüber vielleicht gar zu stremge Maßregeln ergriffen zu haben. Mein er wäre ein al-er Beamter und durch jahrelange Praxis zu dem Vrundsatze gekommen, fich niemals, auch nicht durch die ge. tziuneudste ^Persönlichkeit, bestechen zu laffen. Selbstredend stüade meiner Abreise nun nichts mehr im Wege.

Unb meine Reisegefährtin?" warf ich, über den Eifer di- guten IfRanneß lächelnd, ein.

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Mchmer Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

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Der Vorstand.

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* Die Masutheizung in der kaiserlichen Marine. AuS Wilhelmshaven wird derKöln. Ztg." geschrieben: Seit einiger Zeit erheben fich an verschiedenen Punkten der Werft- und Hafenanlagen mächtige, eigenartig geformte BasfinS von 500 Cbm. Inhalt. ES sind die im letzten Mariueetat be- willigten Tanks zur Aufbewahrung flüssigen Brennmaterials für Kesselfeuerung, für deren Errichtung auf den Werften Wilhelmshaven, Kiel und Danzig 176006 Mk. veranschlagt find. Für Pumpvorrichtungen zum Füllen und Entleeren dieser Becken find ferner 90000 Mk. veranschlagt. Seit drei Jahren ist dieses Heizverfahren auf einer Reihe von Schiffen unserer Marine mit Vortheil eingesührt worden. Die ersten Versuche wurden auf einem Torpedoboot gemacht, kurz darauf wurde daS ArtillerieschulschiffCarola" thetl- weise, das PanzerschiffSiegfried" und eine Torpedodivifion ganz dafür eingerichtet- jetzt sind nicht nur die großen Schlachtschiffe zum Thetl damit versehen, sondern mau hat auch schon die Neubauten unserer Marine für diese Keffel- pfg. ML seuerung eingerichtet. Während für diese Heizzwecke in der

IbenbS: russischen und italienischen Marine die bet der Petroleum-

X raffinerte gewonnenen Rückstände verwandt werden, läßt

ncervi nufere Marine ein besonderes Destillat aus der Braunkohle, 6511 das Braunkohlentheeröl oderMasut", Herstellen. Bei