1896
Zittwoch bett 17. Juni
Amts- und Zlnzegeblatt für den Areis «Kietzen.
chrat'öeikage: Gießener Aamilienbtätter
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(Fortsetzung folgt.)
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>1 t hm« bob Anzeige« zu der Nachmittag« für de, fhnvien Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
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forn meinen Augen entfaltet sich ein farbige- Bild. HeriMllünd Damen im französischen Kostüm oder in eie» ^aaMVVaSken schreiten im zierlichsten Tanzschritt an mir
Lese- in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betq durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus- drvliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).
M W. Ans der mittleren Wetterau, 14. Juni. Wieder» bot b.t der „Gießener Anzeiger" darauf htngewtesen, daß oite Segenden der Provinz Oberheffcn ein milde- Klima betet und sich zu Anlagen von feineren Obstsorten, beton» dx-auch zu Haustraubenstöcken eigneten. Die- zeigt stauch jetzt wieder durch folgenden practischen Fall: Die 'armst. Ztg." bringt in Nr. 274 vom 13. d. Mt». Nächsten von der Bergstraße und aus Nierstein, wonach die ^aubengescheine in vlüthe getreten wären. Schreiber dieser eilen hat einen Traubenstock, Frühgutedel, welcher bereit- m 8. d. MtS. die ersten Blüthen zeigte, am 11. d. MtS. .n voller Blüthe stand und in zwei Tagen, wenn die Witterung Stand hält, vollständig abgeblüht haben wird. ES geht daraus hervor, daß unsere geschützten Lagen von der Natur ungemein begünstigt find und daß man im Hinblick auf d>e schlechten Zetten in der Landwirthschaft solche Begünstigungen nicht unbenutzt lasten sollte. Für Tafeltrauben ist wS Bad Nauheim auf unabsehbare Zeit hinaus ein sichrer Abnehmer. — Die Witterung in der abgelaufenen zweien Juniwoche war eine vortreffliche. Sie hat vieles wioer gut gemacht, was von dem rauhen trockenen Mat vevorben worden ist. Die Heuernte steht vor der Thüre.
§§ tzartmauu-haiu (Kreis Schotten), 15. Juni. Der ar der Staatsstraße von hier nach Grebenhain gelegene sogen. „Leidheckenteich", in welchem in den letzten Jahren mehrfach Personen ihren Tod gefunden haben, soll demnächst eine ollständtge Einfriedigung von Eisengitter erhalten. Seither war dieser Teich nur auf einige Meter mit Holzstangen abgesperrt.
n. Altenstadt, 15. Juni. Aehnlich wie an der Berg» straße fällt auch in hiesiger Gegend die Kirschenernte nicht so reich auS wie in den Vorjahren. In dem uns benachbarten Rodenbach, daS durch seine Obst», besonders Kirschen« anlagen jweithin bekannt ist, beträgt die CreScenz etwas mehr als die Hälfte der vorjährigen. Trotzdem zahlen die Händler eben weniger als voriges Jahr- denn es wurden
tick — tack." Ein letzter Sonnen»
Feuilleton.
WW Äs drr Großvater die Großmutter nchm.
Von M. Escherich.
(Nachdruck verboter.)
Bitt ersten Schatten eine« kurzen WintertageS jüllten balillj'irmer in trauliches Halbdunkel. Ich hielt die Hände müiijiii im Schaaß und starrte gedankenlos in der klaren Ätlltfancsg hinaus. Ab und zu knisterte ein harziger Spaha im n ijiei, dann war e» wieder still, nur die Uhr rief gleich»
Birrttljähriger >
2 Mart 20 Bffl- «tt Brixgcrlobn.
Durcki bi« Bost briogm 2 Mart 50 Big.
Rebadion, <t;prbittoa und Druckerei:
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Fernsprecher 51.
vorüber. Wie viel Retchthum und Schönheit, natürliche An- | muth und Koketterie streiten hier um den Vorrang! Und fie scheinen sich alle recht gut zu amüfiren, diese lachenden, tänzelnden, flüsternden Paare. Und dazwischen schreitet ein älterer Cavalier mit schon ergrauendem Haar durch die Rethen, bald mit Diesem, bald mit Jenem plaudernd. Ver- muthlich der Wirth des Hauses. Eben beginnt wieder ein Tanz. Die junge Dame, die ihn eröffnet, mag wohl, nach der unverkennbaren Aehnlichkeit mit dem alten Herrn zu schließen, seine Tochter sein.
Ein allgemeines Entzücken geht durch die Runde, wo sie mit ihrem Partner erscheint. Sie ist die Schönste von allen Schönen. Ein günstiger Zufall führt fie in meine Nähe, daß ich fie mit Muße beobachten kann. DaS vielumworbene Mädchen scheint auf die Gunstbezeugungen ihres Tänzers viel Werth zu legen. Sie fieht ihm erröthend in die Augen, wenn er ihre Hand küßt oder wenn er ihr galant eine Blume vorsteckt, dann verschönt ein glückliches Lächeln ihre holden Züge. Nun entschwindet fie mit im Gedränge. Lebhafter wird der Tanz, erhitzte Gesichter fliegen an mir vorüber, es wird schwül im Saale. Ich verlaffe die Unterhaltung und flüchte mich auf die Veranda hinaus. _ , _ . ,
Welch anderes Bild! Drinnen Lärm, Toben, Stampfen! $ 1 Eir?dunkler Park, von mildem Mondlicht erhellt, die hellen Kieswege, die dunkleren Rasenflecke, die fast schwarz erscheinenden Taxushecken bieten einen malerischen Contrast. An der rechten Seite der Veranda führt eine geschweifte Treppe in den Park hinab.
Unten am Fuß derselben steht eine schöne Ma-ke, ein noch junger Mann im Narrencostüm. Der Mond beleuchtet die scharfen Züge. Sein Antlitz ist bleich wie daS Mond- licht, nur die Augen blitzen zuweilen auf wie Feuer. Ich erinnere mich, ihn schon vorher im Saale gesehen zu haben -
Dermifdpteto
Ms. Kastel, 15. Juni. Am nächsten Sonntag den 21. Juni, Nachmittags, findet hier auf der neu errichteten Radfahrer-Rennbahn vor dem Frankfurter Thore da» dies» - jährige erste internationale Radwettfahren statt.
B. 140 Zweites Blatt
All: Annoncen-Bureaux de- In» und Au«lande« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Monnemeitts^ Einladung.
Z».m Bezug des „Gietzener Anzeiger" für bei# 3. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebens! cirir Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die tj&porcigmffc in kurzer den Thatsachen entsprechender AM t|Ui Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten N UMtcn der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichte ^Bunreaus sowie zahlreiche Mitthcilungen aus dem cii^ncf und weiteren Vaterland halten den Leser ftesci über die Vorkommnisse in demselben auf dem L Wcrtbcn. Unterstützt durch an allenOrtender Provinz C i'Ohi liessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener AWigrr" ferner in der Lage, die interessanten LKgüuge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zr M Hmntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen w nÄ dm Begebenheiten in der Stadt Gießen die gcMhcinde Besprechung im localen Theile des An- zcMs zu Theil werden. Der in der Provinz OMHch'en betriebenen Landwirthschaft wird der Atlüjcig r durch Veröffentlichung von allem Wissens- wiHÄhein aus dem Gebiete derselben besondere Q3crücf= fiWgimg zu Theil werden lassen, daneben aber auch diA N.'obachtungcn und Erfahrungen in Haus- wiiiitWchaft, Handel, Gewerbe und Industrie ini.tat Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge- diöMei? Feuilleton wird neben besonderen Ar- :i!M ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten U: Mihultungsstoff bieten. Außerdem werden die „iMchener Familienblätter", welche dem An- zeMi 'wöchentlich 3mal beigelegt werden, und die steiÄ crn gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff brÄ^cri, namentlich im Kreise der Familien eine 6eW( Beigabe bieten.
Mr ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, HM Zustellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wcnM. Neuhinzutretcnde erhalten vom Tage der BMMung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu gcWi„ wie wir auch gerne bereit sind, Prob- Ni!!lDMrn nach auswärts postftei zu versenden. Dn
•an^oti!« Paar, fesselten mein Jntereffe. Welche Grazie, wel.-Äip!lastik! ES war ein reizende- Kunstwerk.
Ji langer ich hinsah, desto natürlicher kamen sie mir rotll'Ü CCa! WaS war daS? Regte nicht die Tänzerin tetwu^gi? Hörte man nicht denüich da- Schleifen auf der gloisr-TßoIitur der Commode?
i lauschte athemloS. Träumte ich denn? DaS 5ethi: ich Ofen hatte zu knistern aufgehört, auch die Uhr rickrttltiücht mehr. Aber jetzt rauschende Musik, Glaser» kl ia^,! plaudern und Lachen. Betäubt schloß ich die Augen undmririich sie wieder öffnete, da stand ich auf einem MaSken- balHIii vorigen Jahrhundert.
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märaj^ „Stttf — tack, strcÄduschte über die verblichene Tapete, über die betten Ah, ser!i Uder, die dort über der Commode hingen. Das ■varc® meine Urgroßeltern. Ich betrachtete fie lange, dann gltfcsmiln Blick über die Commode und die darauf stehenden LafH. Figuren und NippeS, lauter altmodisches Zeug, die Repi>? ur tanten eines vergangenen Jahrhunderts.
ji.mal die beiden vorderen Porzellanfiguren, ein Menuett
Sicher er Anzeiger
^eneral-Wnzeiger.
Selten
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in dieser Woche Lieferungen vollzogen, bei denen der Gentner nur mit 15 Mk. bezahlt wurde. Die Gesammtkirschen» einnahme wird für Rodenbach auf 2500 bis 3000 Mark tajirt, immerhin eine sehr schöne Einnahme für diese kleine Gemeinde. Im Haufirhandel, der von hieraus auch betrieben wird, stellen sich die Preise wesentlich höher. Für 25 Pfg. konnte seither noch ohne Schwierigkeit daS Pfund verkauft werden.
M. Holzmühl, 12. Juni. Heute Mittag gegen 1 Uhr wurde in dem nahe beim Ort befindlichen Teiche die Leiche de- 10jährigen Johann Dietrich, Sohn des LandwirthS und Pumpenmacherö Georg Dietrich von Holzmühl gefunden. Furcht vor Strafe soll daS Kind in den Tod getrieben haben.
△ AuS dem Vogelsberg, 15. Juni. Nachdem bereits früher eine Petition aufgestellt ist, welche dahin geht, anstatt der Bahnlinie Lauterbach—Grebenhain—Gedern eine von Herbstein abzweigende Eisenbahnlinie nach Schotten zu bauen, ist nunmehr wiederholt von vielen Gemeinden eine an Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheiluug für Nebenbahnen, gerichtete Petition aufgestellt worden, welche Folgende« vorschlägt : Die Bahn soll auSgehen von der zu bauenden Theilstrecke Lauterbach—Herbstein und zwar von Herbstein. Sie läßt sich in Thälern, die allmälig in ihrer Sohle an- steigen und flacher werden, bis an die bei Ulrichstein gelegene Ohmstraße führen. Von dort lönnte sie in einer Curve am Wiesenhof vorbei über den PeterSheimer und Oberseener Hof durch die Gräflich Laubach'schen Waldungen bi« nach Laubach geführt werden. Begründet wird dieser Vorschlag damit, daß diese neue Bahnlinie von großer Wichtigkeit für die Landwirthschaft sei, für die Waldbesitzer, den Fremden» verkehr u. a. m. ,r, , ,
G. GernSheim, 14. Ium. Unsere Realschule, bekanntlich die jüngste im Lande, denn fie wird am 1. Juli ein Jahr alt, hat nun auch einen Cursus für Buchführung eingerichtet, der von den Schülern der oberen Klaffen un» entgeltlich besucht werden darf. Die Einrichtung wird all» gemein mit großer Befriedigung ausgenommen. — Mit Hilfe der Röntgenstrahlen wurde die Hand eine« Schüler- Photographin, worin eine kleine Kugel steckt, die ganz genau nachgewiesen worden ist und deren Beseitigung jetzt keine Schwierigkeiten bietet.
er lehnte an einem Pfeiler und sah starr in da- Gewühl der Andern. Schon dort fielen mir die blaffen Wangen und die seltsam sprühenden Augen auf. Ich gehe an ihm vorbei, ohne daß er mich bemerkt.
Jetzt öffnet sich die Saalthüre und die Tochter de- Gastgeber« tritt am Arme de« jungen, hübschen Cavalier« heran«, deffen Namen ich schon vorhin hörte: Marquis Frederik de Chateau-roche.
»Mon dien! Wie schwül t« drinnen ist- wollen wir ein wenig im Parke promeniren, chSre demoiaelle Hortense ?“
Sie nickte bejahend. Plötzlich lachte fie hell auf.
„Aber Marqui«, so sehen Sie doch meinen treuen Ritter dort unten, den traurigen HanSwurst!"
— ja, Graf DornSberg- er scheint auf un« zu warten."
„O, diese schmachtenden Blicke, Marqui-- wenn Sie wüßten, wie diese Augen blitzten, al- er mir zu Füßen lag." Sie hält inne.
Er zieht fie näher zu fich.
„Unb Sie haben ihn erhört?"
„Wie er flehte und in mich drang!" fährt fie unbeirrt weiter. „Ich hatte eine .rothe Rose vorgesteckt. — „So geben Sie mir nur diese Rose al« ein Andenken an die glücklichsten Tage meine« Leben«!" sagte er. Na, ich habe fie ihm natürlich gegeben."
„Mais, chöre demoiseUe, Sie machen mich eifersüchtig !"
Mais non, Chevalier, ich habe ihm ja noch etwa« gegeben." Sie stellt fich auf die Zehen und flüstert ihm in« Ohr: „Einen Korb!"
Sie find während de« Gespräche- die Treppe hinab«
zurKflhmilthJ iapeeln ;u 12 nt) Mellt werden kam, K' G. Kleinhenn
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