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ßh- 115 Erstes Blatt. _ Sonntag den 17. Mai
1S96
Der iR«et A-letger irtemt täglich, c ad lina^me dcS üentagl.
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Mut vrm Anzeiger •i, *#e:l dreimal -gelegt.
Gießener Anzeiger
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Zlints- und 2lnzeigeblutt fiiv den Uveis Gietzen.
ILml m t ooi Anzeigen zu der Nacbmittag« für de» f ichudem Lag erscheinenden Nummer bii Corrn. 10 Uhr.
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Hratisöeitage: Hießencr Aamilienökätter.
Alle Annoncen-Burraux deS In- und Luglande» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
2lmtlid>cr Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul- und Klauenseuche.
-ioichdem in einem Gehöfte zu Bellersh eim die MW- »nb Klauenseuche amtlich fcstgestellt worden ist, wird mii dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, .-mch Gchöftsperre angeordnet worden ist.
-ließen, den 16. Mai 1896.
GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.
___________________v. Gagern.____________________
gefunden. 1 gold. Ring, 1 gold. Vorstecknadel, 1 .igelt Anhängsel (Herrchen), 1 silb. Fingerhut, 2 Spazier- Yiiodi, 1 Zwicker, 1 Bnüe mit Futteral, 1 Glacehandschuh, l 'i-erlelkette, 1 Messtngdrücker, 3 Kragen, 1 Pferdeleine, 1 'Wche, 1 Packet mit Inhalt und 1 Stallhase.
Gießen, den 16. Mai 1896
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold.
TUudjie Uad^rid^mu
«olff« telegraphisches Lorrefpondem-Bureem.
ttriie, 15. Mat. Die Meldung auswärtiger Blätter, .tc«eat iber Kaiser aus den Rath des Reichskanzlers seine fliWi mich CoweS für diesen Sommer aufgegeben, ist dahin richtig zm stellen, daß von dem Aufgeben einer solchen Reise jaianiijc die Rede sein kann, weil dieselbe überhaupt nicht geWltil igewesen ist.
Delta, 15. Mai. In der heute zusammengetretenen R^illicggS. Commission für die Handwerkskammern .xhllhk der HandelSmtnister Freiherr v. Berlepsch, es sei ein Saitoarltv betreffend die Zwangsorganisation des Handwerks, der» tztvatSministerium zugegangen. Die Gerüchte über be- qäjWhk,Zerwürfntffe im preußischen SlaatSministerium und de'ee iosellgedeffen etngetreteoen Stockung der Berathungen seien asVjll-h unbegründet. Die Vorlage gehe demnächst dem BiimdrSi athe zu, wo sie gründlich berathen werde. ES sei öa'tzn krlne Aussicht vorhanden, daß die Vorlage in dieser T^:hn dem Reichstage zugehe. Die Commission beschloß, )te:i Stmthungen bis zum Herbste zu vertagen, für den Fall abai, twß die Session deS Reichstages vorher geschloffen toCMlt, fjich noch über eine Resolution Hitze schlüssig zu machen, bG ^iBgelienb: Unter Ablehnung deS vorliegenden Entwurfes Ab cts bitt Handwerkskammern die Regierung zu ersuchen, thMilichbi bald einen entsprechenden Gesetzentwurf auf Grund- [Ofw de r Gruodzüge des Gesetzes des HandelSminifterS 3. ! kulitpsch, betr. Errichtung von Handwerkskammern unter mcchilchflter Berücksichtigung der bezüglichen Beschlüsse der Hejmlrrnker-Tage in Berlin und Halle, auSzuarbeiteu und bo*3rde$|tn.
Falta, 15. Mai. Heute Vormittag begannen dte Ver- •jaanlainigen gegen den Vorsteher, den Ordner und den -Jciillttr der focialdemokratischen Parteiorgani. f aijitllia wegen des Vergehens der Uebertretung der Para- gr f^en 8 nnd 16 deS VersammlungS- und Vereinsrechts vom II. März 1850. Angeklagt find 47 Personen, darunter bien zdg.eordneten Auer, Bebel und Singer und auch mehrere ^rfcEtn. Der Vorfitzende ist LandgerichtSdirector Köller, die ArMize vertritt der Staatsanwalt Schwetgger und als Ver- iheMze- find anwesend die Herren Rechtsanwälte Herzfeld, Hejerii! »und Justtzrath Munckel. Vor Eintritt in die Ver- chaenO-wg bemerkt Justizrath Munckel, daß in der Anklage un dem Beschluß dte Behauptung fehle, daß dte Ver- iirdljg der Vereine untereinander zu gemeinsamen Zwecken gernen; nur wenn die« der Fall ist, sei nach Bestimmung dM 5» die Verbindung von Vereinen strafbar. ES liege dalchic krtn Vergehen vor und dte Verhandlung ist unstatthaft, er tliikorspreche derselben ausdrücklich. Der Gerichtshof be- isch'Wfi, die Worte „zu gemeinsamen Zwecken" nachträglich €in*en. Sodann beginnt die Vernehmung Auers.;
fotnlfutt a. M., 15. Mat. Gegenüber der von der HiMr focialdemokratischen „DolkSftimme" in ihrer Ausgabe SO B« 131. d. M. veröffentlichten und in andere Blatter über- geiMzernen Mittheiluug, daß während der Tage der Friedens- eis» üiirselbst 40 Verhaftungen wegen angeblicher Majestats- heliliLiznugev stattgefunden hätten, stellt der Polizeibericht fejitijiijb in der erwähnten'Zeit auch nicht eine einzige so! H Verhaftung tu Frankfurt stattgefunden hat und daß ntrc# dmmal eine derartige Anzeige eingegangen, der be- rreOedv! Artikel also von Anfang bis zu Ende erfunden ist.
ItttiS, 15. Mai. Der Präfident deS früheren Stadt- raLchdwa Parts, Rouf feile, ist gestorben.
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verltn. 15. Mat. Der Kaiser besuchte gestern Vormittag in Primkenau den Gottesdienst und pflanzte Nach- mittags im Wildpark eine Eiche zur Erinnerung. Am Abend wurde dem Katserpaare von 400 Hüttenarbeitern und zwei- hundert KriegervereinSmttgliedern ein glänzender Fackelzug dargebracht. Darauf folgte ein prächtiges Feuerwerk. Heute früh 4 Uhr begab sich der Kaiser zur Rehbockpürsche nach dem benachbarten Orte Kosel und gedachte Abends von Primkenau nach Pröckelwttz mittelst SonderzugeS zu reisen. — Nach den bisherigen Bestimmungen ist die Rückkehr der Kaiserin nach dem Neuen Palais morgen Vormittag zu erwarten.
Balta, 15. Mai. Der Referendar Dr. v. Bötticher, der jüngste Sohn deS StaatSsecretärS v. Bötticher, wird seit zwei Tagen vermißt. Er unternahm, wie die „Post" hört, am Mittwoch auf dem Neu-Rupptner See eine Kahnfahrt, von der er bisher nicht zurückgekehrt ist, so daß man auf einen schweren Unfall schließt.
Wien, 16. Mai. Dte Bestätigung deS Bürgermeisters Strobach ist bereits erfolgt. Dte Beeidigung soll am Mittwoch stattfindeo. Der mit der Verwaltung Wiens bisher betraute Bezirkshauptmann v. Triebel ist zum Statt- Haltereirath ernannt worden.
Lemberg, 15. Mai. Seit zwei Tagen schneit eS hier. In ganz Ost-Galizien herrscht empfindliche Kälte.
Rom, 15. Mai. General Baldiffera beabfichtigt einen Angriff auf RaS Mangascha, falls derselbe nicht binnen 24 Stunden dte Gefangenen freigtbt.
Berit«, 16. Mai. Hofprediger a. D. Stöcker sprach gestern vor etwa tausend Personen über Groß-Capttalismus, Monarchie und Christlich-Social. Stöcker begann mit dem Hinweis auf einen schottischen, königstreuen Edelmann, dem durch Urtheil des Königs dte rechte Hand abgehauen wurde und der dann mit der Linken den Hut empor warf und dem König huldigte. Darauf brachte Stöcker ein Hoch auf den Kaiser aus, waS sonst bet chrtstlich-socialen Versammlungen ntcht übltch ist. Beim Besprechen des bekannten kaiserlichen Telegramms an Geheimrath Hiuzpeter führte Stöcker aus, er habe nicht geendigt, sondern lebe als Christlich-Socialer so kraftvoll und frisch, wie nie zuvor. DaS Telegramm des Kaisers stehe nitit im Einklänge mit dem, waS Prinz Wilhelm über seine chrtstlich-sociale Thättgkeit geäußert habe. Er hoffe, der Kaiser werde daS Wort: christlich-sozial ist Unsinn, noch einmal zurücknehmen. Bezüglich deS Satzes, dte Politik sollen die Pastoren auS dem Spiele lassen, bemerkt Stöcker, hier könne er nicht mit, sogern er auch seinem Könige folgen möchte. Schließlich gelangte eine Resolution zur Annahme, die fich gegen den Groß-CapitaliSmus und seine Vertretung richtet und die Christlich-Socialen auffordert, gegen derartige Elemente entschlossen vorzugegen. Mit einem Hoch auf Stöcker, daS dieser mit „Hoch Christlich-social" erwiderte, ging die Versammlung auseinander.
Berlin, 16. Mai. Beim preußischen Abgeordnetenhaus ging vom Minister Fretherrn v. Berlepsch dte Mtttheilung ein, daß der Gesetzentwurf über die Handelskammern zurückgezogen worden sei.
Berlin, 16. Mat. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, begibt fich zu den Moskauer Krönungsfesten eine Deputation des 2. Garde-Dragoner-RegtmentS. — Der frühere Abgeordnete Gescher ist in das Ministerium deS Innern berufen worden. — Der Localauzeiger meldet aus Petersburg: Im Spätherbst sieht das Zarenpaar einem freudigen Famtlienereigniß entgegen.
Kiel, 16. Mat. Bei Baltrum ist die Leiche deS mit dem Torpedoboot 8. 48 verunglückten OberheizerS Stemberg angetrieben.
Dresden, 16. Mai. Die vorgestern geschlossene Gartenbau - A u s st e l l u n g war von insgesammt 250 000 Personen besucht. Das Finanzergebntß ist glänzend.
Wien, 16. Mai. In Lerzdowitz (Böhmen) führte der Jesuitenpater Kral Selbstmord durch Selbstverbrennung aus. __________
nn. Darmstadt, 16. Mai. Der Groß Herzog und die Großherzogin, sowie Prinz Heinrich von Battenberg und Gemahlin find nach Moskau abgereist.
H. Frankfurt a. M., 16. Mai. Im Schaffner- Proceß wurde heute Vormittag das Urtheil gesprochen. Die Schaffner Müller und Schmidt wurden zu je 14 Monaten, H etnrtch zu 10Monaten, Burkard zu 6Monaten, Perronwärter Preß zu 2 Monaten und 3 Tagen Gesängniß ver- urtheilt, die übrigen 10 freigesprochen.
CoceU» rrnd provinzielles,
Gießen, den 16. Mai.
*♦ Ordenr-Berleihuugeu. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 13. Mai dem Oberst a. D. von Rosenberg, seither Commandeur des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 das Comturkreuz 2. Klasse und dem Major Weimer, Bataillons Commandeur im Königlich Preußischen Füsilier-Regiment Graf Roon (Ostpreuß.) Nr. 33. seither aggregirt dem Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen geruht.
♦* Auszeichnung. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog haben dem berittenen Gendarm Konrad Heppner im Großherzoglichen Gendarmerie-Corps die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Medaille zum Königlichen Kronen-Orden Aüergnädigst zu ertheilen geruht.
♦* Parlamentarisches. DerAbgeoronete Köhler (Langs- darf) hat beantragt: Dte Zweite Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, inhaltlich deren der Artikel 8 des Gesetzes, die Landgemeinde-Ordnung für das Großherzogthum Hessen betreffend, folgendermaßen ergänzt werden soll: „Die Gemeinden sind verpflichtet, alle von öffentlichen Behörden, insonderheit von der eigenen Gemeinde und ihren Beauftragten ausgehenden, öffentlichen Bekanntmachungen und Mittheilungen jeglicher Art den außerhalb des Ortes — aber innerhalb der GemarkungSgrenze — wohnenden Einwohnern ebenso und zur selbigen Zett zur Kenntniß zu bringen als den im Orte selbst Wohnenden. Die Gemeinden haben — vorbehaltlich der Genehmigung deS Kreisamtes — zu bestimmen, auf welche Art und Weise dies geschehen soll. Ebenso find diejenigen Gemeinden, in deren Gemarkung Grundbesitz von Auswärtigen gelegen ist, verpflichtet, von beabsichtigten und erfolgten Veränderungen der Cultur, Bewirthschastung und dergleichen, Oeffnung und Schließung der Wege, Felder, Wiesen, Weinberge u. s. w. — soweit dadurch die Auswärtigen berührt werden — denjenigen Großherzogltch Hessischen Gemeinden rechtzeitig Kenntniß zu geben, in denen die Besitzer, Pächter, Nutznießer u. s. w. der betroffenen Grundstücke wohnhaft sind. — Diejenige Gemeinde, der eine solche Mittheilung gemacht wird, hat dieselbe sofort und aus ortsübliche Weise den Betheiligten kostenfrei zur Kenntniß zu bringen. Der Antrag knüpft an die Thatsache an, daß ein außerhalb deS OrteS wohnender- Müller bestraft wurde, weil er bei der Uebung der Pflicht» feuerwehr fehlte. Letztere war ortsüblich bekannt gemacht worden, wodurch der Müller keine Kenntniß davon erhielt, da die ortsübliche, für Alle geltende Bekanntmachung, nur im Dorfe erfolgte. —
• * Unglück. In der Eisengießerei von Heyligenstaedt u. Co. verunglückte gestern Nachmittag der ledige Arbeiter Heinrich Schneider von hier. Beim Aufziehen eines circa 24 Ceutner schweren Gußstücks brach die Kette und der bereits auf Manneshöhe aufgezogene Guß fiel auf den darunter stehenden Schneider. Er war sofort tobt. Dte Leiche wurde in das Leichenhaus am Friedhof gebracht.
♦ * Kiudesmord. An der Lahnbrücke wurde gestern Nachmittag aus der Lahn die Leiche eines neugeborenen KrndeS geläudet. Dte Leiche war in einen Sack gehüllt und mit einem Stein beschwert.
* • Zum Zwecke der chemischen Untersuchung entnahm gestern dte Polizei tu verschiedenen Kaufläden Proben von Chocolade und Himbeersaft.
♦ * Schöne Ansficht. Die „Schöne Aussicht" wurde heute von dem neuen Eigenthümer, Herrn A. K uhnd aus Frankfurt, übernommen. Wie wir erfahren, wird derselbe außer Vergrößerung des Etablissements eine Kegelbahn und einen Kinderspielplatz errichten. Um eine bessere Aussicht zu erhalten, werden die großen Thierkäfige verlegt. Herr Kuhnd, selber ein Thiersreund, gedenkt den Thierpark zu vergrößern, um namentlich in seltenen Thieren eine größere Parthie unterzubringen. Sicher werden diese Aenderungen vom Publikum mit Beifall ausgenommen werden.
** Für Pfingstreiseude. Entgegen den bisherigen Mittheilungen ist jetzt vom Eisenbahnminister die Bestimmung getroffen, daß die Rückfahrkarten, welche am Freitag, den 22. Mai, oder Samstag, den 23. Mai, gelöst sind, bis einschließlich Donnerstag, den 28. Mai, gelten. Die Rückfahrt muß spätestens an diesem Tage um 12 Uhr Mitternacht einschließlich angetreten und darf nach Ablauf dieses Tages nicht mehr unterbrochen werden.


