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17/03/1896 Zweites Blatt
 
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Der chte-ever -«teiger «scheint täglich, it Ausnahme drS Montags.

Die Gießener »««ikteuvlätler »«den dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag den 17. März

Gießener Anzeig er

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vierteljähriger -bovnementspretsi 2 Mar! 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mar! 50 Pfg.

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[ Kratisöeitage: Hießener Aamitienblätter

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hüten sollten.

Abg. Lieber (Centr) spricht seine Genuglhuung über diesen Erlaß aus als den einzigen Hillen Punkt in den Ausführungen des Vorredners. Peters sei in der ganzen gefitteten Welt gerichtet, wenn der eine von Bebel erwähnte Fall zutreffe. Deutschland habe wahr­hastig keine Colontalpoltttk etnoeschlagen, um am Ende des neun­zehnten Jahrhunderts deutsche Cortez, deutsche Pizarros zu züchten. (Lebhafter Beifall.) Uebrigens habe P-ters in einem Briese an Bischof Tuck r seine Schuld bekannt. Herr Peters möge sich nun selbst rechtfertigen. Wenn er ein junges Mädchen, zu dem er in in­timen Beziehungen gestanden, habe hängen lasten, so sei das die denkbar schimpflichste Gemeinheit. (Ruse: An den Galgen! Cyankalt!) Solche Männer dürfe Deutschland nicht nach Afrika schicken; so dürfe es nicht weitergehen. Die Stellung des Centrums zur Colonial- politik habe sich durch solche Erfahrungen verschoben; das Centrum könne der Colonialpolittk nun nicht mehr so frei enigegenlreien wie früher. Die Regierung möge dafür sorgen, daß es in unseren Colonteen anders werde.

Morgen 1 Ubr Fortsetzung.

Schluß 5'/a Uhr.

Hauptstadt herrscht fast allseitig die Meinung vor, daß das Eretgniß nicht nur tiue Stärkung und Kräftigung der deutsch-österreichischen Beziehungen, sondern auch deS Drei­bundes überhaupt darstelle und daß mithin die Diplomaten« begegnung von Berlin zugleich eine neue Gewähr für die weitere Erhaltung des europäischen Friedens in sich schließe. Wenn im Uebrigen hie und da noch besondere Muthmaßungen über die Vorgänge und etwaigen Abmachungen bet den Unter­redungen deS Grasen GoluchowSki mit den leitenden deutschen Staatsmännern laut werden, so handelt eS sich hierbei natürlich nur um mehr oder weniger willkürliche Schlüste. Spectell soll denn auch von den behaupteten Besprechungen über ein etwaigÄ englisch - österreichisches Zusammenwirken insbesondere im Orient an Berliner zuständiger Stelle nicht« bekannt sein. ES bleibt aber doch bemerkenSwertb, daß der Botschafter Englands bet der Wtederabreise des Grafen GoluchowSki von Berlin zugegen war und daß ferner gerade zum jetzigen Zeitpunkte die Zusammenkunft deS Kaisers von Oesterreich mit der Königin von England in Nizza statt- gesunden hat.

rüstig wiedergegeben waren, brachte den betreuenden Rcdacleur auf timen Monat ins Gesängniß. Wenn aber in unseren Colonieen bembertmal so schlimme Dinge vasfiren, da findet sich in der ganzen Seit fein Richter und kein Gerichtshof. Wenn ein gewöhnlicher Slrbeiter solche Grausamkeiten gccen einen Eingeborenen begangen

♦r. Herborn, 14. Marz. Der vom Director deS hie­sigen PredtgerseminarS Prof. D. Zimmer alljährlich ver­anstaltete hodegetische CursuS für angehende Studirende der Theologie findet in diesem Jahre vom 15. bis 18. April im Schloß zu Herborn statt. Der Cursus ist unengeltlich. Er giebt einen Ueberblick über akademisches Lernen und Leben Überhaupt, sowie spectelle Winke und Arbeitspläne für daS Studium der Theologie. Zunächst für die Theologen aus dem ehemaligen Herzogtum Naffau gedacht, ist er auch für alle anderen Theologie Studtreoden zugänglich. Meldungen find an den Veranstalter des Cursus dtrect zu richten.

Heidelberg, 12. März. An der Universität Heidelberg legte am 6. d. MtS. die vierte Dame ihr Doktorexamen ob. Es ist Miß Alice Luce, die, nachdem sie am WelleSley- College in MassachusrtS (Amerika) promovirt worden, zuerst zwei Jahre in Leipzig und dann ein Semester in Heidelberg Philologie studirt hatte. Sie bestand das Examen mit dem Prädikat multa cum laude.

* Speier, 14. März. Die beiden abgängigen Einjährigen sind zurückgekehrt. Sie waren über die Grenze nach Nancy gefahren, von wo aus sie ihre Eltern um Geld ersuchten. Die beiden Väter begaben sich darauf nach Nancy und ver­anlaßten die Flüchtlinge zur Rückkehr.

Deutscher Reich.

Berlin, 14. März. Die Zuckersteuer-Commission des Reichstages hielt gestern Abend ihre zweite Sitzung ab. Abg. Paasche (natl.) beantragte, die Exportprämien für rohen Zucker bezw. Candis bezw. alle anderen Sorten, die nach der Regierungsvorlage 4 bezw. 5.25 bezw. 4.60 Mk. betragen sollen, auf 3 resp. 4 rrsp. 3.50 Mk. feflzusetzen. Das Er- gebniß der gestrigen Berathung war die Annahme deS Antrages Paasche mit 12 gegen 9 Stimmen. Dagegen stimmten vier Mitglieder des Centrums, beide Freisinnigen und drei Social» demokraten. Mit demselben Stimmenverhältniß wurden dem Anträge Paasche gemäß die Verbrauchsabgaben auf 21 Mk. festgesetzt. Die Regierung erklärte sich mtt dieser Aenderung der Vorlage einverstanden. Die Annahme der Vorlage auf dieser Grundlage mit Erhöhung des Covtingents auf 17 Doppelcentner gilt als gesichert. Man will die Vorlage noch vor den Osterferien zur Verabschiedung bringen.

Berlin, 14. März. Ernst Götze, der Angestellte des Hauses Bleichröder, welcher 105 000 Mk. unterschlagen hat, ist in Philadelphia verhaftet worden.

Berlin, 14. März. Heute früh 7 Uhr brach auf dem Militärbahnhof in Schöneberg in der MonttrungSkammer Feuer aus, das den ganzen Inhalt der Räume und den Dachstuhl ergriff. ES gelang nach einer Stunde, den Brand zu bewältigen.

Berlin, 14. März. Wie dieKreuzztg." meldet, beruhen die verschiedenen Mittheilungen, wonach Graf v. Goluch owSki einen preußischen Orden erhalten habe, auf Erfindung- zu solcher Auszeichnung lag kein unmittelbarer Anlaß vor.

Berlin, 14. März. Der österreichisch-ungarische Minister deS Auswärtigen Graf GoluchowSki ist am Freitag Nachmittag 5,/a Uhr von Berlin nach Wien zurückgereist. Auf dem Bahnhofe waren zur Ver­abschiedung neben dem österreichisch-ungarischen Botschafter Grafen v. Szögyenyi Marich auch der italienische Botschafter Graf Lanza und der englische Botschafter Sir Frank Cavendish i LaScelleS zur Verabschiedung erschienen. In der Beurthei- I lung der politischen Bedeutung deS nun wieder beendigten | langen Aufenthaltes GoluchowSkiS in der deutschen ReichS-

Allk Ännoncen-SureauF deS In- und Auslandes nchm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Schiff-nachrichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl LooS und I. M. Schulhof.

Bremen, 14. März. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Saale. Capt. F. Keßler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

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Dienstag den 17. März: Die Walküre. Mittwoch den 18. März: Gastspiel des Schtiersee'c Bauerntheaters. Der Aus- aestoßene. Donnerstag den 19. März: Aida. Freitag den 2O. März: Letztes Gastspiel der Schliersee'r. Jägerblut. Samstag den 21. März: Götterdämmerung. Sonntag den 22. Mär,, Nach­mittags 3'/, Uhr: Der Obersteiger. Abends 7 Uhr: Mignon.

«chanspirlhan».

Dienstag den 17. März: Glück im Winkel. Mittwoch deu 18. März: Zwei glückliche Tage. Donnerstag den 19. März: Vorletztes Gastspiel der Schliersee'r: 's Liefe! vom Schliersee. Freitag den 20. März: Shakespeare-Cyclus, siebenter Abend: Der Widerspänsttgen Zähmung. Samstag den 21. März: Die Fourchambault. Sonntag den 22. März: Fall Glemenceeu. Montag den 23. März: Der kleine Kadi. Gleiche Gegner. Man kann nie wissen.

77-3 , ; Juonoten Gesängniß bestraft wird, wer mit Personen, die in Ge- längniffen u. s w. i!« anvertraut sind, unzüchtig« Handlungen sor-

81.- nimmt. Rach meiner felsenfesten Ueberzeugung ist dieser Paragraph 24;! tuf den Fall Leist anwendbar. Ein Beamter deS deutschen Reiches tamn unmöglich weibliche Gefangene ganz nach Belieben für sich ge­brauchen. CS wäre doch unerhört, wenn daraus nicht der Straf- lodex deS deutschen Reiches Anwendung fänbe. Wenn das aber selbst nicht der Fall sein sollte, so möge man doch wenigstens gegen die Beamten vorgehen nach den eigenen Gebräuchen, Sitten und Gewohn­heiten der Eingeborenen bei solchen Thalen, die von der afrikanischen Bevölkerung selbst allseitig verurtheilt sind. Sonst soll man auf- l ören, Cultur unter den Völkern zu treiben. Wun kommt noch der Fall Wehlan. Auch nach dem, waS die Potsdamer Discipltnar- lammer als erwiesen erachtet hat, muß das Strafgesetzbuch in An­wendung kommen. Der Maschinist Gebhard ist jetzt in Berlin und (2 wird Wehlan sehr schwer fallen, seine Anklagen zu bestreiten Mir hat der Verstand still gestanden, als ich gelesen habe, daß der Ge- lichtshof die Stirn gehabt hat, zu sagen, Wehlan sei ein strenger, aber gerechter, ein tüchtiger Beamter gewesen. Wie müssen da erst die untüchtigen Beamten aussehen! Dem Gerichtshof scheint jede UttheilSiähigkeit abbanden zu kommen, sobald er mit afrikanischen Sachen sich zu Mafien hat. Das Niedermachen der Gefangenen in der grausamsten Weise erklärte der Gerichtshof nicht für eine Ver- le-yung des Amtes. Wenn ein Soldat einen Gefangenen tödtet, so begeht er die ehrloseste Handlung. DaS Strafgesetzbuch muß da an- w-endbar sein. Was müssen sonst die Eingeborenen dort von unserer Z-ulturmission denken, die sie sich doch als Schutzbefohlene des dänischen Kaisers fühlen. ES müßte ein iolch elendes Subject zur Üerantworlung gezogen werden können, wenn nicht auf Grund des 8 339 wegen Amtsmißbrauchs, dann wegen Köi perverletzung eines iAttmenschen auf Grund der SS 223 und 223a. Bet uns in Brau- a*etler find auch schlimme Sachen passirt, schlimme Grausamkeiten, mab nur die Thatsache, daß einige nebensächliche Dinge nicht ganz

59. Pleoarfitzuog. Freitag, den 13. März 1896.

(Schluß.)

Abg. Bebel (,'ortfahrend): Der Director der Colontalabtheilung IUI, der Fall Leist sei abgethan; für ihn vielleicht, für mich nicht. Me'dlngS ist Leist, nachdem bad erste Urtheil des Potsdamer Dis- rixSinargerichtshofS umgestoßen wurde, aus dem Amte entlassen worben. Daß in Deutschland Männer in hoher Stellung nach all de» Brutalitäten, Unmenschlichkeiten ein solches Urthlll fällen konnten, »tib ewig eine Schande und Schmach für Deutschland sein. (Leb­hafter Beifall links.) Wie kann die deutsche ReichSregierung es ver- iiniroorten, daß sie, nachdem der Fall Leist tn ossicteller Weise zu ihrer Kenntniß gekommen war, nicht sofort von ihrem Verordnungs­recht Gebrauch gemacht hat? Solche Fälle kommen aber durchaus nicht fo vereinzelt vor. Es kam nach dem Fall Wehlau hier in Berlin in einer Verfammlung von Geistlichen und Missionaren zur Sprache, wie die Sittlichkeitszustande in den Colonteen beschaffen sind. Das hätte die Regierung also erst nicht auS jener Behandlung ju erfahren brauchen. Schlimm ist es, sehr schlimm, sagen jene geistlichen Herren, der Fall Leist ist typisch. Und da heißt es, in einem Fall wie der Fall Leist sind unsere Strafgesetze unanwendbar. 3* will aber selbst einmal annehmen, daß die betreffenden Para­graphen über den Mißbrauch der Amtsgewalt nicht zutreffen. Ich leim mir zwar nicht denken, daß unser Strafgesetzbuch zu dem Zw- cke tn die Schutzgebiete eingeführt ist, damit es Anwendung finde, wenn Europäer gegen einander Verbrechen begehen, und nicht, wenn sie eS jenen die Eingeborenen thun. Das wäre ja ein geradezu unglaub­licher Zustand. Selbst aber wenn die Paragraphen über Mißbrauch bei Amtsgewalt nicht angewendet werden können, so hätte man doch oeflcn Leist wegen seines Verhaltens gegen dte P'andwetbcr den Ubsatz 3 deS S 174 deS Strafgesetzbuches anwenden sollen, wonach

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hätte, ich setze meinen Kopf dafür, eS wäre ihm an den Kragen ge­gangen. Es kommt da offenbar das wunderschöne Sprichwort des preußischen Justizministers zur Geltung: wenn zwei dasselbe thun, c 1Qaß I ist es nicht dasselbe. Wenn da« unsere Colontalpolitik ist, dann thun

Gießen, den 10. Marz Ivvv. I rotr flutj f0 rasch wie möglich auszugeben und unsere Kraft lieber

Bett.: KreiSlehrer-Conferenz tn Gießen. I für die Culturmission im Innern autzuwenden. (Beifall bei den

<7\;P I Soctaldemokraten.) t .

I Dtrector Kayser weist die vomVorredner an dem Potsdamer

»rotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

°» -- Schulvorstände des Kreises. ff »nn.T

Wir benachrichtigen Sie, daß rubr. Conserenz I Reich für die Hinterbliebenen der Ermordeten eine ausreichende Ent-

Lamstaa den 21. Marr, Bormittaas 9 Uhr, schädigung durchgefeht. Man müsse bedenken, daß man drüben die «anwiag pcu . 8 H Sache anbei8 beurteile als in der Wllhelmstraße und als dies von

tn Steins Garren I Anderen geschehe, die berufen oder unberufen.krittsirten. Man muffe

abzehalten werden wird. I sich tn die Lage berß ute drüben oersetzrn. Von Einem freilich habe

Sie wollen den Lehrern Ihrer Gemeinden hiervon I Bismarck unter dem Beifall der ganzen Ration hier ausgesprochen, Kenntniß geben. Wir erwarten, daß dieselben schon mit den er sei ohne ®d)ulb km tnmnen m^tretLnUr5a^ler^eVer8^am triicn Bahuzügen hier eintreffen, ebenso daß fie dte Lieder- NliÄÄmö seien neue U^t!rsuchun^en angestellk worde'n, welche dücher für den Gesang mitbrtngen. ergeben hätten, daß die heutige Darstellung Bebels nicht richtig fei.

Die geistlichen Mitglieder der Schulvorstände werden I Der betreffende Diener Peters sei wegen wiederholten Diebstahls htn- mr TbetlnaKme freundlich einaeladen. gerichtet worden und das Mädchen wegen wiederholten Fluchtversuchs,

zur Lyeunl^me srcunonly eingirnv«!. (Lebhafte Ruse link«: Unerhört! Schandlhaten!) Wir, so fährt

Zur Verhandlung bei der Lehrer-Conserenz kommen I $)fnctor y{a9jer fort, beklagen diese Thaten durchaus. (Ruse links: fobgcnbc Gegenstände: I Sühnen Sie doch diese Thaten I) Ja, wenn man das Interesse der

1. Wem liegt dte Erziehung der Kinder zunächst ob? I Disciplin bedenkt, so muß man doch sagen: Das subjcctive Ver- Referent' Lerr Lehrer Eckel in Grüninaen. schulden ist nicht nachgewiesen. (GroßeUnruhe links.) Peters Schuld

o TU k J.' Sa.nX M. VJmhZariVr ist ebenfalls nicht erwiesen. Wir hätten ihn an den Tanganyka

2. Dte deutsche Sprache und die Fremdwörter. I sannen, um so eher, als wir annehmen durften, daß unter

Referent: Herr Lehrer Ratz tn Oder-Hörgern. | t>er Oberleitung Wißmanns solche Dinge nicht wieder Vorkommen V. Gagern. I würden. Redner verliest schließlich einen Erlaß des Reichskanzlers,

tn welchem allen pflichttreuen Beamten Schutz zugesagt, zugleich aber bemerkt wird, daß sie sich vor allem Mißbrauch der Amtsgewalt