1896
Freitag den 17. Januar
Länder«
2lmts< und Anzeigeblatt für den 'Krcte Gietzen
Hratisöeitage: Gießener Kamitienötätter.
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Die größte Bedeutung der Entdeckung Röntgens besteht
und der Kathsdenwellen hat berechtigtes Aufsehen erregt.
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Doch sind die ersteru noch nicht wesentlich von den L-cht- wellen verschieden, die letzter» fast ausschließlich in den engen Raum der Hittorf'schen Röhre gebannt und daher für dte Wissenschaft und Praxis wenig zugänglich. Die Röntgen fche Erscheinung ist aber eine völlig neue, in großen Dtmenftonen sich abspielende". So ist denn daS Ende dieses Jahrhunderts durch eine Entdeckung ausgezeichnet, deren Tragweite vielleicht derjenigen vergleichbar ist, welche gegen Schluß des vorigen Jahrhunderts die zufällige Beobachtung GalvaniS in den Händen BoltaiS zur Folge hatte. Köln. Ztg.
A**«hmt »ob Anzeige» zu der Nachmittag« für be* faffenbcn Tag erscheinenden Nummer bi« Lärm. 10 Uhr.
Professor Röntgens neue Strahlen.
Ueber seine wichtige Entdeckung wird der Würzburger UniverfitätSprofesior in einer Schrift selbst berichten, deren Erscheinen tu Bälde zu erwarten ist.
DaS ungeheure Aufsehen, welches diese Entdeckung bereits in der ganzen Welt hervorgerufen hat, rechtfertigt es, an diesem Orte mittlerweile nochmals auf die Sache zurückzukommen, umsomehr, als der berühmte Wiener Physiker Prof. Ludwig Boltzmann es sogar für kaum zweifelhaft erklärt, daß mit der in Rede stehenden Entdeckung die Auffindung eines ganz neuen AgenS tu der Natur gelungen sei. Röntgens Experimente wurzeln in den Versuchen, dte William CrookeS zuerst angestellt hat. Nimmt mau eine mit einem außer, ordentlich verdünnten Gase angefüllte Glasröhre und leitet durch dieselbe einen electrischen Strom, so sieht man auf der Röhre jenseits des negativen Pols (der Kathode) einen stu.resctrenden Lichtfleck, der sich jo darstellt, als wenn von der Kathode unsichtbare Strahlen in gerader Linie auSgingen, dte auf der gegenüberliegenden Glaswand Licht erzeugten. «rovkeS nahm an, daß dieses FluoreScenzltcht in der fast luftleeren Glasröhre von Molekülen herrühre, die von der Kathode in geraden Linien fortgefchleuderr würden. Prof. E. Wiedemann behauptet dagegen (Annalen der Physik, B-,«d 9,’, S. 167), an eine durch Bewegung materieller Theilchen bedingte EleetricitätSleitung sei durchaus nicht zu denken,, vielmehr gehe von der Kathode eine Art Wellenbewegung aus, die mit derjenigen des Lichtes Aehnltchkeit besitze. Ueber dte auf Grund der CrookeS'schen Versuche angestellten Experimente Röntgens zur Erzeugung des Fluorescenz- lichtes berichtet Profeffor Boltzmann in der „Neuen Freien Presse" Folgendes:
„Um das schwache zu erwartende Licht sehen zu können, war das Zimmer sorgfältig abgedunkelt. Auch die Röhre war ganz mit einem Gehäuse von schwarzem Carton umgeben, damit daS von ihr ausgehende Licht das Auge des Beobachters nicht störe. Der Cartou war so dick, daß von dorauffalleudem Sonnen- oder electrischem Bogeulicht nicht eine Spur hiudurchgelaffen wurde. In der Nähe befand sich ein mit Varimnplatiucyanür bestrichener Schirm, wie solche fortwährend zu FluoreScenzversuchen benutzt werden. Diese Substanz hat nämlich dte Eigenschaft, daß sie, sobald sie durch gewöhnliche, besonder- violette Lichtstrahlen oder auch Katho- deustrahlen getroffen wird, lebhaft in weißer Farbe leuchtet (fluoreScirt). Der in der Nähe befindliche fluoreSetreude Schirm leuchtete nun jedesmal lebhaft auf, sobald dte Elec-
trlcität durch die Röhre ging, obwohl letztere in einer un- ...... . - - - _
durchsichtigen Hülle eingeschloffen war, und daher für da- offenbar darin, daß wir wieder mit einem ganz neuen Agens «uge absolut uufichtbar blteb. ES mußten daher von der bekannt geworden sind. Schon die Entdeckung der Hertz scheu RShre Strahlen au-geheu, welche den für daS Licht un- I i '
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betreffend:Maul- und Klauenseuche.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in den Gehöften der Gemarkungen Schiffenberg und Obbornhofen erloschen ist, werden die verfügten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.
Gießen, den 15. Januar 1896.
GrohherzoglicheS Kreisamt Gießen.
v. G a g e r n.
durchlässigen schwarzen Carton mir Leichttgkeit durchdringen. Dieselben machen auf dte Netzhaut deS Auges absolut keinen Eindruck, erzeugen aber auf dem Schirme lebhafte FluoreS- cenz. Röntgen überzeugte sich, daß diese Strahlen, welche wir auch Röntgen'sche Strahlen nennen können, nicht von der ganzen Röhre auSgehen, sondern blos von derjenigen Stelle derselben, wo dte Glaswand auf der innern Seite von den Kathodenftrahlen getroffen wird. Bringt man zwischen diese Stelle und den Schirm irgend einen Körper, z. B. ein Buch von etwa 1000 Seiten, ein dickes Holz, eine Metallplatte, so zeigt sich ein deutlicher aber nicht vollkommen dunkler Schatten des Körpers auf dem Schirme- die Strahlen gehen also durch alle Körper, also auch durch solche, welche für Licht und dte Kathodenftrahlen vollkommen undurchdringlich sind, hindurch- aber fie werden in denselben geschwächt (absorbirt), und zwar werden sie im allgemeinen um so mehr geschwächt, je dicker die Schicht des Körpers ist und au- je dichterem Stoffe er besteht. Bleiplatten lasten schon bei 2 cm Dicke saft nichts mehr hindurch. Nicht nur Barium- platincyanür, sondern fast alle fluore-ctrenden Körper: GlaS, besonder- daS grüm GlaS (Uranglas), Kalkspat, Ouarz werden durch dte Röntgen'schen Strahlen zur Fluorescenz angeregt.
Aber eine der merkwürdigsten Eigenschaften der neuen Strahlen ist eS, daß sie auf dte in der Photographie gewöhnlich benutzten Gelatin-Trockenplatten geradeso wie gewöhn- liche Lichtstrahlen wirken, wöbet Röntgen freilich die Frage offen läßt, ob sie direct wirken oder nicht vielleicht bloß in i der Gelatine FluoreScenzltcht erregen, welches erst auf das Chlorsilber der Trockenplatte wirkt. Röntgen konnte daher alle Schattenbilder, dte er auf dem Schirme sah, Photo- graphtren, indem er fie längere Zeit auf gewöhnliche Trocken- platten fallen ließ und dann in der üblichen Weise hervor- rief und fixtrte. Das Etgenthümliche dabet ist, daß die Holz- castette, welche dte Trockenplatte sonst vor der Lichtetnwtrkung schützt, hier nicht geöffnet zu werden braucht, da sie ja von den Röntgen'schen Strahlen ungehindert durchdrungen wird. Dagegen kann die Trockenplaite auch nicht durch Schließen der Castette, sondern nur durch Entfernung aus dem Bereiche der Strahlen vor deren weiterer Einwirkung geschützt werden. Da alle Kö'per für die Röntgen'schen Strahlen durchlässig find, so unt rjchetden fich dte mittel» derselben aufgenommenen Photographieen wesentlich von den gewöhnlichen. Die Photographie einer Metallplatte zeigt deutlich alle in deren Innern vorhandenen, beim Walzen oder Gießen der Platte etwa I entstandenen Inhomogenitäten. Ueberhaupt erscheint nicht die Oberfläche der Körper photographirt, sondern alle in ihrem Innern befindlichen dichtern oder sonst für dte Röntgen'schen Strahlen weniger durchläsfigen Theile. So fieht man von dem 'M vollkommen verschlostenen Etui Photo- graphirten Gewichtssätze deutlich jede- im Emi etngeschlostene Messinggewtcht. Der in einer Holzschachtel befindliche Draht bildet sich mit allen seinen Windungen naturgetreu ab. Ebenso der in einer dünnen Metallbüchse eingeschloffene I Compaß.
Besonder« schön sieht man daran die Ziffern und Theil- striche des TheilkretseS, da die Farbe, womit dieselben bestrichen find, sür die Sttahleu ziemlich wenig durchläsfig ist. Glücklicherweise find Tinte und Druckerschwärze stark durch- lässig, sonst könnte man das Innere jedes Briefes Photographien, ohne ihn zu öffnen. Sämmtliche von Röntgen bis jetzt untersuchten Substanzen zeigen weder eine merkliche Brechung noch regelmäßige Reflexion der neu entdeckten Strahlen. Diese letzter» scheinen eine Art dem Licht nahe verwandter Wellen zu bilden. „Sie haben", hebt Profeffor Boltzmann hervor, „mit den Kathodenftrahlen die große Fluorescenz erregende Kraft gemein- auch ihre Erzeugung ist eine ähnliche. Sie find aber doch sehr davon verschieden, da fie fast alle Körper durchdringen, während die Kathoden- strahlen in alle» Körpern absorbirt »erde» und daher nur schwer und auf ganz kurze Strecke» aus dem Rohre, in dem sie fich bildeten, herauSzubringen find- außerdem werden die Kathodenftrahlen durch einen in der Nähe befindlichen Magnet aus ihrer geraden Richtung abgelenkt, waS bei den Röntgen'schen Strahlen nicht der Fall ist. Bon den gewöhnlichen Lichtstrahlen find beide so verschieden, daß kaum anzunehmen ist, fie seien bloß Lichtstrahlen, deren Wellenlänge kleiner al- dte der ultravioletten oder größer als die der längsten Hertz'schen ist oder in dem zwischen den längsten ultrarothen und kürzesten Hertz'schen noch verfügbaren Intervalle liegt . . .
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stand.
Alle Annoncm-Bureaux de« In- und Au«lanbe» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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♦ * Hungen, 13. Januar. Gestern fand im „Solmser Hof" dahier eine Versammlung der Mitglieder der Molkereigenossenschaft Hungen statt, in welcher Herr General- secretär Dr. Rodewald auS Offenbach erschienen war, u» auf Wunsch der Genoffenschaft über die Vortheile einer Roh- stoff'Etn- und Berkaufs-Genoffenschaft zu referiren. Herr Dr. Rodewald setzte in längeren Ausführungen die Zwecke und Bortheile einer solchen Genoffenschaft auseinander und wurde ihm am Schluffe seiner Ausführungen einstimmiger Beifall zu Theil. Demzufolge hat fich nun hier in Hungen eine Rohstoff-Eiv- und BerkaufS-Genossenschaft gebildet, deren Zweck bekanntlich der gemeinsame Ankauf von Futterartikel», künstlichem Dünger, Sämereien usv. ist. Die hiesige Geuoffenschast ist gewillt, fich dem Verband hessischer Genossenschaften anzuschließen, falls derselben besonder- die oberhesfischen Interessen gewahrt bleiben. In einer dem- nächftigen Versammlung soll die Wahl de- Vorstände- nsw- erfolgen. Dte hiesige Genoffenschaft dürfte wohl eine der ersten in Oberheffen sein.
Der fielt*« Anzeiger erscheint täglich, *M AuSvahme be« Montag«.
Die Gießener 9**Ute*mtkt ernte* dem Anzeiger »ScheMtiich dreimal kigeleft
Gießener Anzeiger
Generat-Wnzeiger.
Der Krieg von 1870(71,
geschildert durch Ausschnitte «uS Zeitung»-Nummern jener Zett
(Nachdruck verboten.)
17. Januar.
AuS der Schlacht vonLeMan», wo Prinz Friedrich Karl den General Chanzy schlug, berichtet ein französischer Augenzeuge dem „Couriere de la Gironde" folgende Episode: Die französische Armee hatte bei Xvre l'Eveque furchtbare, von einem dreifachen Kranz von Geschützen besetzte Positionen inne. Aber plötzlich von einem unbegreiflichen Schwindel ergriffen, flohen unsere Truppen nach allen Richtungen und warfen ihre Säbel und Flinten, ja selbst ihre Revolver fort. Die Wege waren thatsächlich damit bedeckt. Auf dem Bahnhofe von Le ManS waren menschenfreundliche Personen beschäftigt, i» einem letzten Eisenbahnzug die am Tage vorher herangeführten Verwundeten unterzubringen. Die Unglücklichen wurden, so gut es ging, in BiehtranSportwagen auf Stroh gebettet und sie sollten eben abgehen, al- dte ersten Ausreißer eintrafeu, denen bald viele andere folgten. Da ereignete sich eine scheußliche Scene. Die Flüchtigen stürzten fich in die Wagen, packten dte Verwundeten beim Kopf, an drn Füßen, an den Armen und warfen fie unbarmherzig aufs Trottoir, um fick ihrer Plätze zu bemächtigen. Bei ihrer Menge war an keinen Widerstand zu denken. In jedem Wagen schichtete sich eine Menge dieser Ausreißer auf- einer stieg auf den andern - an allen Ecken im Innern klammerten fie fick an, bis der Wagen vollgepfropft war. So ging der letzte Zug, der Le Man- verließ, ab. Bei der eilfertigen Flucht hatten sich auch viele Soldaten, obgleich fie nicht schwimmen konnten, in dte HuiSne geworfen und f«,den in dem Fluß ihren Tod. Dte Osfiziere machten übermenschliche Anstrengungen, die Debandade zum Stillstand zu bringen. Aber Bitten, Drohungen, Alles war vergebens. Ich sah einen verwundeten Offizier, der, nachdem er alles Mögliche versucht hatte, die Leute anzuhalten, in seiner Wuth und Verzweiflung seinen Revolber den Flüchtigen vor die Brust hielt und fie niederschoß.
Den härtesten Stand unter den deutschen Feldherrn hat General v. Werder gegen Bourbaki. Bourbaki, früher Commaudeur der Napoleon'schen Garde, ist ein kühner und befähigter General und führt ein Heer, daS dem Werder scheu drei- bis viermal überlegen ist- er sucht die große gcftuttg Belfort zu entsetzen und nach Elsaß vorzudringen. Werder hat mit seiner kleinen Truppe Dijon und Vesoul raumen müffen und hat sich nun mehrere Tage lang auf der Linie Chageh Montbeliard an der Lisaine mit äußerster Bravour und Ausdauer gegen die ungeheuere Uebermackt geschlagen und gehalten. Er blickt sehnsüchtig nach dem 2. und 7. EorpS auS, die in Eilmärschen zu Hilfe ziehen.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 16. Januar 1896. _ Aetr.': Das Militär-Erfatz-Gefchäft im Jahre 1896; hier Einsendung vo^us^gm^a^^den'rSterberegtstern. "Der"Mvilvorfitzende der Größh.
Ersatz-Commisfion Gießen
att die Groftherzoglicherr Standesämter.
Mt Bezug auf § 46 pos. 7 der Wehr-Ordnung ersuche ich Sie, alsbald einen Auszug aus den Sterberegistern de» Jahres 1895 über die in diesem Jahre gestorbenen Personen männlichen Geschlechts, welche das 25. Lebensjahr | noch nicht vollendet hatten, an mich einzusenden. Bei sämmt- lichen Personen ist der Geburtsort und wenn dieser außer--- halb de» Großherzogthum» liegt, der Kreis oder Verwaltungsbezirk, wozu derselbe gehört, anzugeben. In dieses Verzeichmß find auch diejenigen aufzunehmen, welche im Jahre 1895 geboren, aber bereits gestorben find. Sollten Todesfälle gedachter Art in Ihren Gemeinden im Jahre 1895 nicht vor- geümmen sein, dann wollen Sie mir dies mittheilen.
Dr. Melior.
chuh.
Verein
s der Wiedi
m. U Zweites Blatt


