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Donnerstag den 16 Januar
1896
Zweites Blatt
Mr. 13
Vierteljährig er
Kenerat-Wnzeiger.
Redaction, Expeditio» und Druckerei:
Kchutstrntze Kr.H,
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Die Gießener »««ilienötLIler werde« dem Lnzeiger wöchentlich dreimal tetgdtgt
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Gtetzener Jutjtigtr erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montag-.
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Annahme vo« Anzeigen za der Nachmittag- für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Uhr.
Gratisbeilage: chießener Kamikienölätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher Theil.
Gießen, am 9 Januar 1896.
K.tr.. Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten.
Da- Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
O« die GrsEch. Bürger»eMere*e« M SreUeA.
Unter Bezugnahme auf nachstehend abgedruckte Bestimmungen des Jnoaliditäts- und Altersoerficherungsgefctzes bringen wir das Verzeichniß der von der Jnoaliditäts- und Ater» Versicherungsanstalt bestellten Vertrauensmänner zu Mer Kenntniß.
v. Gagern.
S 75.
Personen, welche den Anspruch auf Bewilligung einer Iiwaliden- oder Altersrente erheben, haben diesen Anspruch bei der für ihren Wohnort zuständigen unteren VerwaltungS« behvrde (Bürgermeisterei) anzumelden. Der Anmeldung sind die Quittungskarte sowie die sonstigen zur Begründung des Anspruchs dienenden Beweisstücke beizusügen. Handelt es sich um Bewilligung einer Invalidenrente, so hat die untere Verwaltungsbehörde (Bürgermeisterei) die für den Wohnort de» Antragstellers zuständigen Vertrauensmänner zu hören und dem Vorstande derjenigen im § 48 Absatz 2 bezeichneten Krankenkasse u. s. w., welcher der Antragsteller angehört, Gelt grnheit zu geben, sich binnen einer angemessenen Frist über dm Antrag zu äußern. Die untere Verwaltungsbehörde (Kreisamt) hat den Antrag unter Anschluß der beigebrachten Urkunden und entstandenen Verhandlungen mit ihrer gutachtlichen Aeußerung dem Vorstande derjenigen Ver- sicherungsanstalt zu übersenden, an welche ausweislich der QmittungLkarte zuletzt Beiträge entrichtet worden waren.
I. Bezirk Gießen.
1. Armenpfleger-Bezirk.
vertra»r«AmLn«err Dr.ector Edristtan Bansa in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); J-HS. Pahlke, Werkführer bet S. Bock in Gießen (Vertreter der Versicherten).
r Friedrich Helfrich, OrtsgerichtSmann in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Moritz EnderS, Küfer in Gießen (Vertreter der Versicheiten).
2. Armenpfleger-Bezirk.
Bertra*eu»m&«n<t: Hermann Döring, Sparkassenrechner in Gnßen (Vertreter der Arbeitgeber); Hermann Elle, Factor in der Brühl'schen Druckerei in Gießen (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmänner: Louis Fuhr, Spielwaarenbändler in Gießen (Vertreterder Arbeitgeber); W il h e l m We r ne r, Werkführer der Röhrle in Gießen (Vertreter der Versicherten).
3. Armenpfleger.Bezirk mit Schiffenberg.
Vertrauensmännerr Fromme, Professor in Wetzen (Vertreter der Arbeitgeber); Ludwig Friedrich, Monteur in der Gasfabrik in Gießen (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmänner: Karl Brück. Goldarbeiter in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Karl Nagel, Buchhalter bei Hcyligm- staedt in Gießen (Vertreter der Versicherten).
4. Armenpfleger-Bezirk.
Btttrattenim&nntt: Wilhelm Rudolph, Jnstrumentenhändler in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Ludwig Müller Schmelzmeister in der Margarethenhütte bei Gießen (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmännerr Louis Lotz, Gerber in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Heinr Haas, Werkführer in Gießen (Vertreter der Vrrsicherten). —
5. Armenpfleger-Bezirk.
Vertrauensmänner r Emil Pt stör, Kaufmann in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Philipp Horn, Lackirer (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmännerr Wilhelm Gail, Fabrikant in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Adolf Gabi sch, Schreiner in Gießen (Vertreter der Versicherten).
6. Armenpfleger-Bezirk.
BertranenSmännerr Karl Loos, Kaufmann in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Wilhelm Junker, Werkführer bei Georgi in Gießen (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmännerr Edmund Wetter, Buchhalter in Gießen (Vertreter der Arbeitgeber); Heinrich Sauer, Schreiner in Gießen (Vertreter der Ve,sicherten).
II. Bezirk Hungen
Bellersheim, Hof Graß, Inheiden, Langd, Obbornhofen, Rabertshausen, Ringelhausen, Rodheim a. d. Horloff, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
Vertrauensmänner: Ehriftian Jockel, Dachdecker in Hungen (Vertreter der Arbeitgeber); Wilh. Gerhardt, Maurer in Hungen (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmännerr Heinrich Ebersohn, Schlosser in Hungen (Vertreter der Arbeitgeber); Heinrich SameS, Maurer in Hungen (Vertreter der Versicherten).
HI. Bezirk Grünberg
Grünberg, Beltershain, Göbelnrod, Harbach, Lauter, Lumda (stzr.- und Kl.-Lumda), Queckborn, Reinhardshain, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrherg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain.
BertranenSmänner rHeinrichSchmtdt, Zeugweber in Grünberg (Vertreter der Arbeitgeber); Heinrich Linker, Buchhalter in Grünberg (Vertreter der Versickerten).
Ersatzmänner: Georg Keil, Müller In Grünberg (Vertreter der Arbeitgeber); Heinrich Wolf, Stadtdiener in Grünberg (Vertreter der Versicherten).
IV. Bezirk Lrch.
Albach, Albach (Hof), Arnsburg, Bettenhausen, Birklar. Dorf- Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Hof-Gill, Kolnhausen, Langsdorf, Mühlsachen (Hof), Münster, Muschenheim, Rieder-Bessingen, Ronnenroth, Ober-Bessingen, Ober Hörgern, Röthges, Steinbach.
BertranenSmänner: Wilh. Zimmer, Spenglermeister in Lich (Vertreter der Arbeitgeber); Hermann Diehlmann, Bürgermeistereigehülfe in Lich (Vertreter der Versicherten). Ersatzmänner: Friedrich Eise, Zimmer meister in Lich (Vertreter der Arbeitgeber); Junker, Hofgärtner in Ltch (Vertreter der Versicherten).
V. Bezirk Allendorf a. d. Lumda
Treis a.d.Lda., Allertshausen, Appenborn, Bersrod, Climbach, Geilshausen, Kesselbach, Londorf, Odenhausen, Rüddingshausen. BertranenSmänner: Reinhold Welker, Apotheker in Allendorf a. d. Lva (Vertreter der Arbeitgeber); Heinrich Wallenfels III., Briefträger in Allendorf a. d. Lumda (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmänner: Johannes Kloos, Landwirth in Allendorf an der Lumda (Vertreter der Arbeitgeber) ;KonradDammI. Schäfer in Allendorf a. d. Lda. (Vertreter der Versicherten).
VI. Bezirk Lollar
Staufenberg, Ruttershausen mit Kirchberg, Daubringen, Mainzlar, Friedelhausen, Heibertshausen.
BertranenSmänner: H e i n r i ch S ck a d e ck III, Landwirth in Lollar (Vertreter der Arbeitgeber); Johannes Schupp, Schlosier in Lollar (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmänner rHeinrichRohrbach IV., Schreinermeister in Lollar (Vertreter der Arbeitgeber); Balthaser Sckön, Hüttenarbeiter in Lollar (Vertreter der Versicherten).
VII. Bezirk Grotzeu-Liuden
Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn, Steinberg, Allendorf an der Lahn, Klein-Linden, Holzheim.
BertranenSmänner: Johannes Menges II., Landwirth in Großen-Linden (Vertreter derArbeiigeber); Ludwig Dietz Zimmermann in Großen-Linden (Vertreter der Versicherten). Ersatzmänner: Phil. Schättler IV., Schreinermeister inGroßen- Linden (Vertreter der Arbeitgeber); Konrad Mehl, Maurer in Großen-Linden (Vertreter der Versicherten).
VIII. Bezirk Grotzeu-Buseck
Alten - Buseck, Annerod, Rödgen, Trohe, Wieseck, Oppenrod, Reiskirchen, Lindenstruth, Burkhardsfelden, Hattenrod, Beuern, Winnerod.
BertranenSmännerr Johannes Demper, Zimmcrmeister in Grotzen-Buseck (Vertreter derArbeiigeber); Georg Konrad Schmidt, Werkführer in Großen-Buseck (Vertreter der Versicherten).
Ersatzmänner: Reinhard Wagner, Maurermeister in Großen- Buseck (Vertreter der Arbeitgeber); Stephan BüchslerZ Gärtner in Großen-Buseck (Vertreter der Versicherten).
Feuilleton.
Die heilige Stadt des Islam.
(Schluß.)
Die größte Berühmtheit Mekkas ist natürlich die große Moschee, MeSdschid et Haram („Die Unverletzbare") oder Beit-Allah („HauS Gottes") genannt, in ihr befindet sich die Kaaba, nächst Mohammeds Grabe in Medina daS größte Heiligthum des Muselmanns und von jeher das nationale Heiligthum fpecirll der Araber. Die Moschee steht inmitten der Stadt auf einem großen, freien Platze und ist durch Apparaturen und Flickwerk verschiedener Jahrhunderte ein «oderneS Bauwerk ohne Styl und Einheit geworden. Das ungeheure Viereck dieses Gebäudes enthält neunzehn Thore and sieben schlanke Minarets, ringsum aber befinden sich eine große Anzahl von Hallen, in denen die Pilger Schutz «egen Regen, wie die glühenden Strahlen der Sonne Arabiens finden. Die Säulenreihen dieser Hallen find untereinander dorch Bogengewölbe verbunden, von denen je vier eine kleine Kuppel tragen. DaS ganze Gebäude hat nicht weniger als 152 solcher Kuppeln, wodurch die Moschee ein besonders imposantes Aussehen erhält. Don den Säulengängen führen gepflasterte Wege nach der in der Mitte deS Hoseö gelegenen Siaaba. Letztere ist ein einfaches, viereckiges Gebäude von 13 Meter Höhe, in welchem ganz besonders ein schwarzer Stein verehrt wird, den nach der arabischen Legende der Engel Gabriel dem JSmanel bei Errichtung der Kaaba überbrachte. UnsprÜngltch soll der Stein schneeweiß gewesen sein, aber bord) die Sünden der Menschheit seine jetzige Farbe erhalten lieben.
Wie die Juden nach Salomos Tempel und die Christen üu.m heiligen Grabe, io Pilgert der Mohammedaner nach der Raoeba, welche schon PtolomäuS unter dem Namen Mocoraba erwähnt. Die Tradition erzählt, daß die erste Kaaba von Engeln, die zweite von Adam, die dritte, welche in der
großen Weltfluth unrergwg, von Seth und die vierte von Abraham, deffen Fußspur noch vorhanden ist, erbaut wurde. Um das Jahr 1630 ließ Sultan Mustapha sie erneuern, so daß von dem alten Gebäu nur noch ein hochheilig gehaltenes Stück Mauer übrig ist. Die Kaaba darf jährlich nur drei Mal geöffnet werden, einmal für Männer, dann für Frauen und endlich um das Heiligthum zu reinigen. Bon außen ist sie mit goldgesticktem Sammet überzogen, der alle sechs Jahre gewechselt und an die mohammedanischen Höfe gesandt wird, um gestorbenen fürstlichen Personen als Leichentuch zu dienen. Rings um die Kaaba ist ein eisernes Gitter angebracht, an dem silberne Lampen hängen und nicht fern davon steh n nach den vier Weltgegenden ebenso viele Bethäuser für die vier Hauptsecten der Mohammedaner, Hanbaliten, Schafiiten, Maliktten und Hantsiten. An der südwestlichen Front der Moschee befindet sich in einem kleinen Hause der heilige Brunnen Sesem, welcher auf Hagars Gebet aus der Erde rann, um den verschmachteten Ismael zu laben. Daß MoseS dieses Ereigniß an Palästinas südliche Grenze, in die Wüste Berseba versetzt, kümmert keinen guten Muselmann.
Sonstige Denkwürdigkeiten Mekka» sind kaum zu erwähnen, denn die Hauptmerkwürdigkett der heiligen Stadt, die Kaaba schließt eben schon die übrigen merkwürdigen Stätten mit in ihren Bereich ein, wie die Gräber HagarS und Ismaels, die erwähnten vier Bethäuser für die rechtgläubigen mohammedanischen Secten den Wunderblunnen Sesem und den Makam Ibrahim oder die Stätte Abrahams mit seinen Fußtapfen. Außerdem bifinden sich in der Moschee Beit-Allah, die KobbaraiuS oocr Bibliothekräume, in welchen die von frommen Muselmanen der berühmten Moschee vermachten Bücher nebst den von Konstantinopel ihr geschenkten Uhren und Chronometern aufbewahrt werden. Dagegen gibt eS noch außerhalb Mekkas einen von den Pilgern vielbesuchten Platz, den Berg Arafat. Es ist dies der etwa 80 Meter hohe Hügel, auf welchem Mohammed nach seiner Rückkehr aus Medina gebetet haben soll, jährlich
wird auf dem Arafat am 9. Tag des MouatS Hedscha den versammelten Pilgern eine Predigt gehalten.
DaS Betreten der heiligen Stadt und insbesondere der Kaaba ist jedem Ungläubigen, fpeciell aber den „Franken" oder Christen, bei Todesstrafe verboten, dennoch ist eS kühnen Europäern schon wiederholt gelungen, in Mekka einzudringen und auch in die Kaaba zu gelangen. Natürlich konnten diese Versuche nur von Leuten unternommen werden, die mit den Sitten und Gebräuchen des Islams genau vertraut waren, die arabische Sprache vollkommen beherrschten und sich auch in ihrem äußeren Wesen den Anschein eines echten Gläubigen zu geben verstanden. D e erste eingehende und getreue Schilderung Mekkas und seiner Heiligthümer verdankt man dem Reisenden Ludwig Burckhardt, einem geborenen Schweizer. Derselbe, ein genauer Kenner der Araber und der Jslamk, ging 1814 in der Verkleidung eines moslemischen Kaufmannes mit einer Karawane vom Senaar über Berber nach Suakin am Rothen Meere, setzte von da nach Dschedda über und bestand in Tais, vor einer Commission gelehrter MoSlims — Burckhardt hatte sich durch unvorsichtiges Benehmen verdächtig gemacht — eine strenge, religiöse Prüfung in glänzendster Weise. — Ungehindert konnte der kühne Reisende nun Mekka besuchen, wo er vier Monate verweilte und gründliche Localftudien machte. Er hat die große Moschee in Mekka und die Kaaba getreu beschrieben und auch Über das Treiben der Pilger in der heiligen Stadt intereffante Schilderungen hinterlassen. Burckhardt starb am 17. October 1817 in Kairo, er wurde auf b:m mohammedanischen Fried- Hof mit allen einem Scheich und Mekkapilger zukommenden Ehrenbezeugungen beerdigt. Später gelang eS noch mehreren Europäern, u. A. 1857 einem englischen Offizier, in Mekka und in die heilige Moschee einzudringen und glücklich zurückzukehren - doch bleibt auch heute noch ein Besuch der heiligen Stadt für einen Christen ein gefährliches Wagstück, daS nach allen Selten hin wohl überlegt sein will.


