Ausgabe 
15.12.1896 Erstes Blatt
 
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des Angeklagten die schwierigsten Sachen gemacht, auf eine Fäl chung mehr oder weniger kam es dabei nicht an. Unter den Entlastungszeugen war eine 77 Jahre alte Wittwe, die in ihrem Leben noch keinen Eid geleistet hatte, unter ThrLneu stammelte die Alte dem Dorfitzenden die Eidesformel nach. Diese Z-ugiu sollte dem Angeklagten bestätigen, daß es Rüddingshäuser Gepflogenheit sei, daß auswärtige Erben bet Grundstlicksverkäafen nicht gehört worden seien. Aber die Zeugin behauptete das Gegentheil. Den Geschworenen wurden 17 Haupt- und 6 Hilssfrageu vorgelegt. Herr Staats­anwalt Zimmermann plaidirt für schuldig in vollem Sinne der Anklage. Der Dertheidiger, Herr Rechtsanwalt Kraft, beschränkte sich darauf, in zwei Fällen von Fälsch­ungen von Pcivaturkunden Zweifel anzuregeu, ob hier sein Client auch wirklich gefehlt, er wolle für den Angeklagten, der ein schlechter Mensch sei, nicht etwa eine Lanze brechen, doch müsse auch dem Verbrecher sein Recht werden und seine Pflicht als Dertheidiger sei eS, darauf hiuzuwirken, daß Scherrer da schuldlos zu sprechen sei, wo noch Zweifel an seiner Schuld beständen. Die Geschworenen, deren Spruch durch Herrn Professor Netto - Gießen als Obmann verkündet wurde, sprachen den Angeklagten in einem Falle der Fälschung einer Prtvaturkunde frei, bejahten jedoch in 4 Fällen diese Urkundenfälschung in Jdealconcurrenz mit Betrug, bejahten ferner die weiteren sechs Fälle des AmtSverbrechens- in einem Falle jedoch verneinten sie, daß der Angeklagte sich oder einem andern einen VermögenSvortheil damit verschafft habe. Herr Staatsanwalt Zimmermann beantragte hierauf unter Einbeziehung der schon bekannten Strafe den Angeklagten zu dem höchst zulässigen Strafmaß von fünfzehn Jahren Zuchthaus zu verurtheilen mit dem Bemerken, daß der Angeklagte wegen der an seinen Mitgefangenen versuchten Verleitung zum Meineid sich demnächst noch zu verantworten haben wird und wenn er heute zu einer niedrigen Strafe als die beantragte verurtheilt werden sollte, er so wie so bei seiner nächsten Aburtheilung mit dem höchsten Strafmaß belegt werden müßte. Der Verthetdiger plaidtrte für eine geringere Strafe als die von dem Vertreter der Staats­behörde beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf eine Ge- fammtzuchthausstrafe von 11 Jahren, sowie auf eine Geld­strafe von 600 SRI. eventl. 40 Tage Zuchthaus und be­stätigte die schon erfolgte Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Mit Gleich- muth hörte Scheerer diesen UrtheilSspruch an, dessen Rechts­kraft er sofort anerkannte.

W. Gießen, 14. December.

Heute wurde in die Verhandlung gegen den Eisenbahn­assistenten Karl August Laatsch, früher in Butzbach, zu­letzt in Gießen stationirt, wegen Verbrechens im Amt ver­handelt. Die Anklage vertritt Herr GerichtSasseffor Dr. Friedrich. Die Vertheidigung wird geführt von Herrn Rechtsanwalt Grünewald. Der Angeklagte, am 29. Juli 1853 zu R ssow geboren, ist unbestraft und Vater von sechs Kindern. Er bestreitet, das ihm zur Last gelegte Verbrechen begangen zu haben. Die Beschuldigung geht dahin, Laatsch habe, um sich einen VermögenSvortheil im Betrage von 3,90 Mk. zu verschaffen, eine Fahrkarte 3. Klaffe ButzbachFrankfurt verfälscht an einen Passagier zu bringen gesucht und nachher vernichtet. Die Anklage behauptet das Folgende: Am 8. August verlangte der Postagent Metzler von Münzenberg beim Angeklagten, der an diesem Tage als Stationsassistent auf Bahnhof Butzbach den Schalterdienst versah, eine Fahrkarte 4. Klasse nach Frankfurt a. M. zu dem um 10 Uhr 45 Min. Vormittags von Butzbach ab­fahrenden Zuge. Metzler erhielt das Verlangte gegen Zahl­ung von 1 Mk. und betrat damit den Bahnsteig, nachdem die Durchlochung vom Bahnsteigfchaffaer besorgt war. Metzler traf auf dem Bahnsteig einen Bekannten, welcher ebenfalls die Reise nach Frankfurt unternehmen wollte, zu diesem Zwecke aber ein Billet 3. Klasse hin und zurück ge­löst hatte. Man wollte zusammen die Tour zurücklegen, weshalb sich der Reisende mit dem Fahrschein 4. Klaffe zum Bahnsteigschaffner begab, der ihn zum Schalter zurückbegleitete, wo vom Angeklagten der gewünschte Fahrkartenumtausch gegen Nachzahlung von 1,90 Mk., der Differenz zwischen dem Preis der 4. Klaffe und einem Billet 3. Klasse hin und zurück, ButzbachFrankfurt bewirkt wurde. Die Anklage beschuldigt nun den Laatsch, in diesem Falle eine bereits am 10. Mai d. IS. ausgegebene, mit dem Tagesstempel des 10. Mai versehen gewesene, bereits für eine Fahrt zwischen ButzbachFranksurt a. M. benutzte und daher einmal durchlochte Fahrkarte 3. Klasse ausgehändigt zu haben, nach­dem über dem schon vorhandenen Stempel vom Mai der damalige Tagesstempel gesetzt und so die alte Maistempelung dadurch auSgemerzt worden sei. Mit dieser Karte pasfirte Metzler das zweite Mal die Bahnsteigsperre, wobei der Schaffner, im Glauben, handele sich hier um eine Rück- sahrtkarte, welche von Frankfurt nach Butzbach schon benutzt und für diese Fahrt bereits durch Lochung entwerthet war, daS Billet an der noch undurchlochten Seite ebenfalls coupirte. Metzler, der sofort merkte, daß er nun im Besitz einer nur zur Hinfahrt nach Frankfurt benutzbaren Fahrkarte war, machte den Schaffner Buß, der den Dienst an der Sperre hatte, auf diesen Umstand aufmerksam und begab sich an den Schalter zurück. Inzwischen hatte sich auch Laatsch nach dem Perron begeben, um dem Bahnsteigschaffner Anweisung zu ertheilen, die Lochung des betreffenden B llets zu unter­lassen, er kam aber zu spät und erfuhr von Buß die bereits vorgenommene Entwerthung, wobei er gesagt haben soll: WaS machen Sie für Dummheiten, jetzt muß ich ihm ein anderes Billet geben. Metzler hat dann eine ordnungsgemäße Fahrkarte 3. Klasse erhalten, wogegen er die zweimal gelochte an den Angeklagten zurückgab. DaS Anerbieten bcß Passagierß, den halben Schaden zu tragen, soll Laatsch zurückgewiesen haben. Alß der Metz'er seine Reise mit Hindernissen angetreten, d. h., alß der Personen­zug den Bahnhof Butzbach verlassen hatte, soll der An­

geklagte zum Schaffner Buß gesagt haben, indem er die verhängnißvolle Fahrkarte in der Hand hatte, jetzt kann ich baß Geld drauflegen. Später soll nach der Anklage Laatsch den betreffenden Fahrschein in 6 Stücke zerrissen in den Ofen geworfen haben, wo er vom Stationsarbeiter Müller wieder heraußgesucht wurden, der denselben dem StationSasfiftenten Ploch auShändigte, worauf dieser die Anzeige erstattet hat. ____________________________________________(Fortsetzung folgt.)

und protHnjteUo,

Gießen, den 14. December 1896.

Schwurgericht. Für morgen Dienstag ist nachträglich noch eine Verhandlung anberaumt und zwar gegen den Bahn­arbeiter Joh. Zimmer von Lang-GönS wegen Verbrechen wider die Sittlichkeit.

* * BolkSbab. Der vorbereitende Ausschuß der Aktionäre beschloß in seiner ersten Sitzung, bei der Stadt Gießen anzufragev, zu welchem Preise dos an der Ecke zwischen Bißmarckftraße und Wieseck hinter dem Reimer'scheu Hause gelegene städtische Grundstück der alte Turnplatz für daS Bolksb ad zu haben sei. Ferner wurde beschlossen, 25 Procent der gezeichneten Seiten alsbald zu erheben, da nach den Bestimmungen des Aetiengesetzes vor Eintrag der Setten« gesellschaft dem Handelsgerichte der Nachweis erbracht werden muß, daß dieser Betrag des ActiencapitalS eingc« zahlt ist. Die Statuten wurden im Entwürfe festgestellt.

* * Kuustvereiu. Bei der am 12. d. M. in Darmftad t vorgenommenen Berloosung von Kunstgegenständen an die Mitglieder des Kur.stvereinS für das Großherzogthum war die Gießener Abtheilung wieder recht von Glück be­günstigt. Von B2 Gewinnsten find 12, von 20 Oelgemälden und Aquarellen sind 6 nach Gießen entfallen und zwar: 3.Fraueninsel im Chiemsee" Oelgemälde von Barlach- Anacapri, an Fabrikant Georg Noll. 4.Am Fenster", Oelgemälde von Roegge-München, an Architect I. Stein. 11.Winterabend", Oelgemälde von Gehrig-München, an Amtsrichter Neuenhagen. 13.Helgoländer Gepäckboot", Oelgemälde vonSturm-Berlin, an RendantDoering. 17.Straße tn Werthhetm", Aquarell von Schlegel-Darmstadt, an Justiz­rath Dr. Reatz. 18.Herbst in den Eisach-Auen", Aquarell von Schramm Klausen, an Fritz Kühn. 27.Hochzeitsreise nach Italien" von Allers, an Geb. Justizrath Professor Dr. Kretschmar. 40.43.Frühling und Winter", Radtrung von Kuhn, je an Stadtverordneten C. Loos, Prof. Dr. Stein- brügge, Major a. D. von Roeder, Rechtsanwalt Kraft. 54.Begrüßung Kaiser Wilhelms I. nach der Schlacht", nach Rocholl gestochen von Forberg, an Landgerichtßrath Kullmann.

* Sefellschaftsvereiu Gießen. Bei der am Samstag unter reger Betheiligung ftattgefunbenen Wahl wurde Herr AmtSgertchtSrath Gebhardt einstimmig zum ersten Director wiedergewählt.

* *Pr. Concertverein. Das gestrige zweite Concert des ConcertvereinS, zu dem ein zahlreiches Publikum sich im Saale des Gesellschaftsvereins eingefunden hatte, war in mehrfacher Beziehung von besonderem Interesse. Wir nennen vor allen Dingen den neugewählten Universitätsmusikdtrector Herrn Gustav Trautmann, der gestern hier zum ersten Mal alß musikalischer Leiter des Concertvereins daß Dirigenten­podium betrat und sich, wie wir gleich hier bemerken wollen, auf daß Vortheilhasteste bei den hiefigen Musikfreunden ein­führte. Wenn wir heute auch noch kein endgültiges Urtheil über Herrn Trautmann außzusprechen wagen, so glauben wir doch nach dem, maß wir gestern von ihm gesehen und ge­hört haben, getrost behaupten zu dürfen, daß die mufikalische Leitung dcß Concertvereins bei ihm in durchaus würdigen Händen ruht. Seine Directionsweise ist energisch und be­stimmt, und wenn auch vielleicht hie und da nervös, durch­aus geeignet, den vorliegenden Orchesterwerken zu klarer und verständnißvoller Wiedergabe zu verhelfen. Wir ver­sagen uns daher, auf Einzelheiten näher einzugehen, und erwähnen nur kurz, daß der Vortrag sowohl der Oxford- Symphonie von Hagen alß auch der Egmont - Ouvertüre von Beethoven und des Orchestersatzes von Monfignh ein fleißiges Studium erkennen, (wir erwähnen z. B. die einheitliche Bogenführung des Streicherchors in der Egrnvnt- Ouvertüre), und in der Wirkung nichts zu wünschen übrig ließ. Daß Orchester, in dem wir mehrere geschätzte hiesige Dilettanten bemerkten, folgte den Intentionen feineß neuen Leiters auf daß Pünktlichste und Bereitwilligste und zeigte sein Können in schönster Weise. Für den soliftischen Theil war der V olinvirtuoß Herr Willy 8ur meftcr ge­wonnen worden, ein Künstler, der unstreitig zu den be­rufensten Vertretern feineß Jnftrumenteß zählt und sich wie anderwärts, fo auch hier gestern einen bedeutenden Erfolg errungen hat. Seine schönste Leistung war unstreitig die Wiedergabe desAir" von Bach, daß er mit vor­nehmem Ton und tiefinniger Empfindung vortrug, während er unß in dem Concert von Spohr mehr auf die virtuose Seite seines Könnens zu geben schien. Eine geradezu er­staunliche Fingerfertigkeit der linken Hand entwickelte er in den Paganinischen Variationen eigener Bearbeitung, doch schien eS uns, als ob hier die Reinheit der Intonation nicht immer auf der Höhe seiner technischen Gewandtheit stand. Die Orchesterbegleitung zu dem Violinconcert und zu dem Air" von Bach war ausgezeichnet und nur geeignet, die Wirkung beider Stücke zu erhöhen.

* H. Stadttheater. Die gestrige Aufführung der immer noch beliebten und zugkräftigen Nestroy'schen PosseLum- paei-VagabundnS" war eine recht gute. Sie hatte ein besonders zahlreiches und beifallfreundlicheß Publikum gefunden und daS wirkte auf die Darsteller animtrenb zurück. Von befen war eS vor Allem Herr Hans Portz vom Kölner Stadttheater, welcher als Gast die Rolle desZwirn" über­nommen unb mit seiner ausgelassenen Laune aufß Köstlichste arnüfirte. Er stattete btefe Figur mit fo viel glänzender, natürlicher Komik und vollendeter Mimik aus, daß ihm bald daß Hauptinteresse galt und der Beifall des Hanfes wahrhaft

erschütternd wirkte. Von den übrigen Mitwirkenden verdienen namentlich Herr Director Helm als Schuster Snieriem und Herr P eickn er als Tischler Leim hervorgehoben zu werden, die das treffliche Trifolium der Handlung ergänzten unb nächst Herrn Portz ben Hauptantheil an bem Erfolg des Abends baoontrugen. Aber auch alle übrigen M twirkenden befriedigten durch Spiel und Gestaltung in hohem Maße, sodaß daß Ganze die beste Wirkung erzielte. B'vS der äußere Habitus contrastirte zu sehr im Vergleich zu den zur Zeit der Handlung in Mode gewesenen Costürnen sowohl bei den Damen alß auch bei den Herren.

btabttheater. Morgen Dienßtag wird alß Schluß- Vorstellung vor den Feiertagen SchillerßWilhelm Teil" hier aufgeführt werden. Die Direction hat für die Titel­rolle Herrn Oßcar Bohner vom Kölner Stadttheater alß Gast gewonnen. Der geschätzte Künstler, der unß vor einiger Zeit alßUriel Acosta" undConrad Bolz" ent­zückte, wird auch diesmal seinen zahlreichen Verehrern hoch­stehenden Kunstgenuß bieten. Möge diese letzte diesjährige Vorstellung sich eineß recht guten Besuchß erfreuen, umsomehr, alß die Direction weder Mühe noch Kosten gescheut, dieses herrliche klassische Stück zu bieten.

* Die allgemeine Sterbekaffe Gießen, welche vor nun mehr sieben Jahren gegründet wurde unb jetzt in ihr 8 Ge­schäftsjahr tritt, besteht zur Zeit auß 748 Mitgliedern. Die­selbe hatte im verflossenen Jahre einen Zuwachß von 92, dagegen eineu Abgang von nur 10 Mitgliedern (7 durch Tod unb 3 sonstige Abgänge), gewiß ein erfreuliches Resultat. Während seines siebenjährigen Bestehens hat der Verein 53 Sterbefälle unter fernen Mitgliedern gehabt unb wurden hierfür an 15 Mitglieder ä 75 Mk., an 15 ä 100 und an 23 & 120 Mk., in Summa 5385 Mk. außgezahlt. Außer- dem besitzt der Verein einen Reservefond von 2300 Mk. und ist mithin in der Sage, selbst in außergewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch ist die Sterbe­kasse durch ständige Zunahme von Mitgliedern in der an­genehmen Lage, vom 1. Januar 1897 ab daß Sterbegeld von 120 auf 150 Mk. zu erhöhen. Daß Eintrittsgeld be­trägt für eine Person im Alter von 1625 Jahr 50 Psg., 2530 Jahr Mk. 1, 3035 Jahr Mk. 1.50, 3540 Jahr Mk. 2.50, 4045 Jahr Mk. 4. Bei der Aufnahme ist außerdem noch ein Sterbefallbeitrag von 25 Pfg. zu be­zahlen. Bei dem Sterbefall eines Mitgliedes hat jedes Mit- lieb der Kasse einen Beitrag von 25 Pfg. zu entrichten, welcher durch den Kassenboten gegen Quittung erhoben wird. Zur Auskunft in allen Fragen ist Herr Schneidermeister Pfaff, Kreuzplatz 10, Herr Schuhrnaqermeister Seidewand, Teufelslustgärtchen 20, sowie Herr H. Bruchhäuser, Wolf­straße 8, gerne bereit.

* Verleihung von Diplomen an der Grobherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt. Im Studienjahr 1895/96 wurden folgende Diplome ertheilt: DaS Diplom als Archi- ' tect den Herren Heinrich Gresser au« Darmstadt, Christoph Janz auß Mainz und Heinrich Steinberger auß Gießen, daß Diplom alß Bauingenieur den Herren August Göbel auß Groß-Gerau, Raby Owtscharow auß Eßki-Djouma (Bulgarien), Jordan Russew auß Razygrad (Bulgarien) unb Michael Stawreff auß Sliwen (Bulgarien), baß Diplom alß Maschinen- Ingenieur ben Herren Eduarb Mueller auß ©reßlau, Otto Trapp auß Uffhofen, Dito Brühl auß Ludwigßhütte, Joseph Löffelholz auß Mainz, Georg Schultheiß auß Gießen unb Hermann Schmarje auß Sonderburg, daß Diplom alß Electro- Ingenieur den Herren Georg Schick aaß Mainz, Boris Peters auß Odessa, Hanß ©irrenbad) auß Mülheim a. Rh., Wilhelm Horn aus Wiesbaden und Pierre Pictel auß (Senf, daß Diplom alß Chemiker bem Herrn Ubo Klünder auß Glesdrendorf.

Beterauensache. Der Verband deutscher Kriegs- Veteranen (Sitz Leipzig), welchem die meisten Veteranen auß den KriegSjahren 1848, 1864, 1866, 1870/71 aogehören, hatte in seiner diesjährigen General-Versammlung in Hannover, wozu die Veteranen auß allen deutschen Stabten Vertreter entsendeten, beschlossen, an Se. Majestät den deut­schen Kaiser und an den Reichstag Petitionen zu richten, inhaltßderen allen, größtentheilß erwerbsunfähigen und hilfs­bedürftigen Veteranen eine fortlaufende Penfion aus Staats­mitteln gewährt werden sollte. Diese Petition kam in der Reichstagsitzung am 5. December b. I. zur Besprechung, und wurde hervorgehoben, daß die in der Petition niedergelegten Wünsche erfüllt werden müßten- wurde fast einstimmig beschlossen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, schien- nigst Erhebungen darüber anzustellen, wieviel erwerbsunfähige, hülfsbedürstige Veteranen noch leben unb wie vielen davon die jährliche Beihülfe von 120 Mark bewilligt worden sei. Seitenß der Rebaction beßVeteran", Organ beß Verbandes deutscher Kriegß-Veteranen zu Leipzig, werden wir nun er­sucht, alle erwerbsunfähigen unb hülfsbebürftigen Veteranen barauf aufmerksam zu machen, baß sie schleunigst bei ihren Ortsbehörden ihre Ansprüche geltend wachen, wie ebenso auch, daß sie von der Einrichtung beß VerbanbeS, wonach kranken Kriegern in Bädern Freistellen und Vergünstigungen, arbeits­losen Veteranen unentgeltlich leichtere Beschäftigung nach- Gewiesen unb in bringenden Nothfällen armen Veteranen aus BerbandSrnitteln Unterstützungen gewährt werden, Gebrauch machen können. Alle Arbeitgeber, welche ehemalige Kreger beschäftigen wollen, werden gebeten, bieß dem Verband in Leipzig mitzutheilen.

* Falsches Selb. Nachdem vorgestern Abend ein junger Mann von hier an zwei verschiedenen Stellen vergeblich ver­sucht hatte, ein falsches Einmarkstück an den Mann ;u bringen, wurden heute Vormittag weitere Ermittlungen na- dem Ursprung beß falschen Geldes angestellt, die auch von Erfolg begleitet waren. Bei einem Schuhmacher, in denen Wohnung, sanden fich die Formen unb baß nvthige Matena unb eine Parthie falscher, theilß fertiger, theilß unfertiger Einmarkstücke vor. Der Schuhmacher, beffen Mutter, ben Onkel unb ber vorerwähnte junge Mann wurden tn V genommen.

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