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15.10.1896 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 15. October

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Feuilleton.

typtm vom internationakn Frauen-Longreß in Berlin.

(Origtnalbericht für dm .Gießener 9lnicigcre.)

(Nachdruck verbotm.)

Dr. M. Acht Tage hat dieser Congreß gedauert, der itrüt Heiner Art in Deutschland und auch sonst in seiner Zu« fsaunl-nsetzung und seinem Verlauf neu und characteristisch. Mai ;zählt an 2000 Theilnehmer, über 90 Vorträge und «ilv t viel Redner und Rednerinnen. Letztere hatten natür« ii driS Uebergewicht.

Die Pflicht der Höflichkeit gebietet, daß wir zuerst der Slllldnderinnen gedenken, die von allen Culrurlandern in litt l Über Anzahl herbeigeströmt waren, um sich mit ihren IM Id en GefinnuvgSgenoflen über die Angelegenheiten ihres M|chl»chtS zu berathen

Die Machte des Dreibundes: das stammverwandte Vlftlkrreich und das uns politisch verbrüderte Italien Blüten vorzügliche Vertreterinnen der weiblichen Interessen gjilanlH. Da war zunächst Frau Therese Schlestoger- «cksti'in (Wien), eine energische, klare Persönlichkeit, welche Alrbeiterinnen-Enquete in ihren Ursachen und Resultaten il lngischtr Kürze darlegte. Den Ruf der Wiener Gemüth- Mihi rechtfertigte Frau Metßuer«Diemer gleich am AizithungSabend durch die herzlichen Worte, mit welchen fie Str Gastfreundschaft der Berliner Lob zollte.

MlS sehr sympathische Persönlichkeit erwies sich auf dem llmgnkß die Signorina Dottoreffa med. Montessori (Rom), 1 Wli tcim) den angesehensten italienischen Städten abgeordnet, ' li'mh! die Angelegenheiten des vierten Standes, wie die der ! Msitzwiden mit Tact und Sicherheit vertrat. Gediegen war

i,er Vortrag, den Signorina Emma Castelbologmefi ' JMano) über Ausbildung und Stellung der Oberlrhrerin iinQhiüen hielt.

Frankreich hatte in den Damen Pauline Dupont,

die fich als einsichtsvolle, von humanen Ideen getragene Pädagogin bewährte, und in Madame Vincent (Paris), die vier Vereinigungen vertrat und ein elegantes Litteratur- franzöfisch sprach, ausgezeichnete Wortführerinnen.

In England, wo die Frauenfrage die meisten prac- tischen Resultate aufzuweisen hat, wo selbst hohe Geistliche und erste Staatsmänner für die' politische Gleichberechtigung de- anderen Geschlecht- eintreten, Halen fich im Laufe der Jahre eine Menge tüchtiger, mit den Aufgaben eine- Son- grrsse- vertraute Rednerinnen herangebildet. Zu den Ber­liner Verhandlungen hatten sich eingefunden: Miß Park, die über Jugendhorte sprach, Miß Galloway (Glasgow), welche über das Studium der Frauen in Schottland be­richtete, MrS. Ormifton Chant, die einen sehr lebendigen Vortrag über die Mäßigkeitsbestrebungen hielt, Miß Georgina Hill, welche den Nutzen der öffentlichen weiblichen Armen« pflege beleuchtete, Miß Helen Blackburn, welche Über den jetzigen Stand des Frauenstimmrechts in England reserirte, MrS. Bright, die unS sagte, wa- die Frauenliga für das Stimmrecht in Großbritannien und Irland anstrebt, und MrS. A. Lockwood, deren Vortrag sich mit den politischen Rechten der Frauen in den Vereinigten Staaten beschäftigte.

Eine sehr tüchtige Kraft stand in der Holländerin Frau Haighton da, welche gleich am BegrüßungSabend einige paffende Worte fand und dann am vorletzten Tage über das Wahlrecht der Frauen in Holland sprach.

lieber den noch wenig gekannten Culturstand von Por­tugal und Armenien enthielten die Reden der Frl. Luise Ey (Porto) und der Dr. med. Margareth Melik Be glar« janz (TifliS) intereffante Aufschlüsse, lieber Univerfitats- curse für Frauen in Rußland berichtete Frl. E. Schaffe (Petersburg), und ein günstiges Bild vom Stand der Frauen­bildung in Ungarn und dem ersten Mädchenghmnafium in Budapest, daö in diesem Monat mit 80 Schülerinnen eröffnet werden konnte, entwarf Herr Profeffor Dr. Alexander Bernhard.

Von deutschen Frauen kommen zunächst die Haupt-

Leiterinnen in Betracht: Frau Stadtschulrath Minna Cauer, ans der eine große Aufgabe ruhte, die außer ihren Prä« fidiumSpflichten noch den Verkehr mit der Presse zu regeln hatte und thatiächlich ihre Augen und ihren Rath überall haben mußte, ferner die rührige Frau Lina Morgenstern, deren Verdienst um die Berliner Volksküchen stets un« geschmälert bleiben wird, die tapfere Frau Hauna Bieber- Böhm, welche in der Sittlichkeitsfrage, die zu vertreten eben keine gerade dankbare Aufgabe ist, unentwegt ihr Pro­gramm verficht.

Die Rechtsfragen wurden behandelt von Frl. Amita Augspurg (München), Frau Marie Stritt (Dresden), Frau Sera Proelß (Berlin). Letztere hielt einen aus­gezeichneten Vortrag überDeutsches Familienrecht". Shake­speares Porzia gehört nicht mehr dem Reiche märchenhafter Poesie an, fie wandelt im Sonnenschein der Wirklichkeit und dürfte noch manchem Tribunal zu schaffen machen.

Bildungsfragen im Allgemeinen, wie Frauenstudium, vethätigung der Frauen in Kunst und Litteratur wurden be» handelt von Frl. Ottilie von Bistram, welche über das Karlsruher Mädchengymnasium und die Ursachen seiner Gründung berichtete, von Dr. Käthe Schirmacher (Paris), Dr. Ella Mensch (Darmstadt), Frau Hermine von Preuschen-Telmann (Rom), die uns einen fein- finnigen Extract aus dem CapitelDaS Kunststudium der Frau" bot, Frl. Natalie von Milde (Weimar) u. v. a.

Jedenfalls hat dieser Congreß, dem in Berlin von Seiten der Behörden, in erster Linie vom Magistrat, der zu den Sitzungen den RathhauSsaal bewilligt, höchst sym­pathisch begegnet wurde, gezeigt, daß auch die deutschen Frauen fich über die großen socialen und wirthschaftlichen Fragen klar zu werden beginnen, daß fie daS Bedürfniß und die Kraft nach Eigenentfaltung verspüren und in dem ge­waltigen Ringen der Zeit, in den inneren EntwickelungS- kämpfen ihre Stellung einzunehmen wünschen.

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Iiice-Schuie in Gießen.

öeyimt des Winter-Semesters am 13. Oktober.

S Aufnahme der Schülerinnen am 12. Oktober, 10 Uhr.

Auszug aus dem Unterrichtsprogramm:

I. Klaffe: Englische und französische Conversation, Bügeln, weibliche Handarbeiten; 10 Wochen; 50 Mk.

2. Klaffe: Hand- und Maschinennähen, Sticken u. s. w., Bügeln, oder Kleidermachen und Bügeln; 10 Wochen; 20 Mk.

8. Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weißsticken,

Fach- und Freihandzeichnen; 10 Wochen; 15 Mk.

Ausführliche Einzeleurse:

k NüiQÜiche Curse für Lehrerinnen (40 Mk.), im Weißnähen oder Kleider­machen (30 Mk.), im Sticken (12 Mk.).

2^.monatliche Curse im Bügeln oder Kunstwaschen (12Lstk.), in franzö­sischer und englischer Conversation (je 20 Mk.), Kochcursus (50, Vormittage 36 Mk.).

'Ned ruckte Programme sind durch den Vorstand oder die ONKIelhrerin, Fräulein Möser, erhältlich. 7898

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600 Centner Speisekartoffeln und

20 Centner gebrochener Aepfel wiederholt auf dem öffentlichen Sub­missionswege vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbüreau der neuen Kliniken an den Wochentagen Vor­mittags von 1012 und Nachmittags von 35 Uhr eingefchen werden.

Offerten sind verschlossen mit ent­sprechender Aufschrift versehen, bis zum Donnerstag den 15. Oc­tober 1896, Mittags 12 Uhr, auf dem oben erwähnten Büreau einzureichen.

Zuschlag erfolgt am 20. Oc­tober 1896.

Gießen, den 9. October 1896. Großh. Verwaltungs - Direction der

Neuen Kliniken. 8956

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