Ausgabe 
15.9.1896 Zweites Blatt
 
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1896

Dienstag den 15, September

vierteljähriger

Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gissten

Hratisöeikage: Hießmer Jiamitienökätter.

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Butzbach, 12. September. Unser seitheriger Landtags« abozeordneter Dr. Bogt, deffen Mandat abgelausen ist, wird he:i der bevorstehenden Wahl wieder candidiren.

worsen.

Mainz, 11. September. Ein eigenthümlicher Unglücks«

fall hat sich gestern Nachmittag in Weisenau ereignet, preußischen Domäne statt. Ein Gehilfe des hiesigen Schornsteinfegermeisters M. hatte 1QOO ,th,na

in der Rheinischen Brauerei den großen Schornstein zu reinigen. Der Schornsteinseger kletterte in dem Schornstein empor, um seine Arbeit zu verrichten, blieb aber plötzlich *n der Mitte hängen, und konnte weder vor- noch rückwärts. Der Arme rief um Hülfe, doch sein Ruf erreichte nicht ein menschliches Ohr und so mußte er die ganze Nacht in dem Schornstein hängen bleiben. Gestern Abend nun wurde er von seinem Meister vermißt, aber man glaubte, er sei irgend wohin gegangen. Alß man aber heute Morgen in der Brauerei den durch den Schornstein bereits herabgefallenen Ruß entfernen wollte, gewahrte man, daß der Schornstein verstopft war und bald darauf fand man, daß ein Mensch in dem Schornstein stecke. ES wurde sofort hierher geschickt und bald darauf langten in Weisenau drei Schornsteinfeger an, welche mit vieler Mühe ihren halbtodten Collegen aus dem Schornstein herauSzogeu. Der Mann ist infolge des Schreckens schwer erkrankt und wurde in das RochuShofpital

verbracht.

A Mainz, 13. September. Mittelst Sonderzug find heute Nachmittag um 5 Uhr 48 Min. der Großherzog und die Großherzogin von Heflen nebst kleinem Gefolge zu zehntägigem Aufenthalt hier eingetroffen. Officteller Empfang fand keiner statt und hatten fich zur Begrüßung auf dem Bahnhof nur Provinzialdirector Rothe, Gouverneur von Holleben und Oberbürgermeister Dr. Gähner eingesunken, welch Letzterer der Großherzogin ein prachtvolles Rosen- bouquett überreichte. Das fürstliche Paar fuhr direct in daS großherzogltche PalaiS. Auf dem Bahnhofsplatz wie auch in den nach dem Schloß ziehenden Straßen hatte fich eine große Menschenmenge angesammelt, welche den Groß- Herzog und die Großherzogin mit lauten Ovationen begrüßte. Später fuhr daS fürstliche Paar in daS Theater und wohnte in der festlich geschmückten Loge des Provinzialdirector- der Aufführung desLohengriu" an.

daS Liter auf 26,70 Mk.

* Alkoholverbrauch im deutschen Reich. Wie es mit dem Alkoholverbrauch im deutschen Reiche steht, erhellt aus fol­genden Angaben. Ju deu letzten Jahren wurden jährlich durchschnittlich für Bier 1500, für Branntwein 600, für Wein 400 Millionen Mark auSgegebeu. DaS find 2y2 Mil« liarden Mark. Deutschland hat etwa 50 Millionen Einwohner, hat also auf den Kopf der Bevölkerung eine Ausgabe für Spirituosen von 50 Mark. Schätzen wir die Durchschnitts­zahl einer Haushaltung auf fünf Personen, so leistet jeder Haushalt jährlich an König Alkohol eine Steuer im Betrage von 260 Mark. Mit den 2'/, Milliarden, die wir für

Alkohol ausgeben, könnten wir die gesammten Stoatsauö- gaben des deutschen Reichs zweimal bezahlen. DaS deutsche Volk gibt für Alkohol mehr aus als die Kosten für säwmt- liche Krankenkaffen, für die Unfall-, die Alters und Invaliden­versicherung und der Ausgaben für den gesammten vffent-

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4 der Avsdrck t sch dar W ' fier wünschen lm este. 817! Hmonjta»

betreffend die Veranstaltung von verloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.

Der Vorstand des GewerbhallevereinS In Darmstadt hat bei Großh. Ministerium des Innern nachgesucht, eine Ver- laolung von Industrie« und Werthgegenständen zu Weihnachten l I. veranstalten zu dürfen. Demselben ist die Erlaubniß hierzu unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr e(3 20000 Loose zu 1 Mk. daS Stück auSgegebeu werden tilgen und mindestens 65pCt. des BruttoerlöseS aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewtnugegenständen zu verwenden find. Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.

Gießen, den 12. September 1896.

Großherzogltche- Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bringerlohn.

Durch bie Post bqogcit 2 Mark 50 Pfg.

Reboction, typtbitiee unb Druckerei:

Kchxkürahe Ar. 7°

Fernsprecher 51.

Verwischte-

* Bei den Eintragungen in daSGoldene Buch der Stadt Berlin", das in der Rotunde des Hauptindustrie« gebäudes der Berliner Gewerbeausstellung auSliegr, sollen bisher, wie die Verwaltung mittheilt, für 1482.50 Mk. Tinte und 2*/> GroS Federn verbraucht worden sein. Die Zahl der Federn erscheint glaublich, aber für 1482 Mark Tinte? Die muß wohl, wie der Sprachgebrauch weniger fein al- drastisch sagt, geradezugesoffen" worden sein!

* Ein gemeingefährlicher Mensch ist in Berlin erwischt worden. Ein gut gekleideter Mann besprengte in der Fried­richstraße am Oranienburger Thor daS Kleid einer Dame mit dem Inhalt einer kleinen Flasche. Ein Herr hielt ihn fest und forderte die Dame auf, ihr Kleid zu prüfen, wobei sich herausstellte, daß dieses fiebartig mit unzähligen kleinen Löchern bedeckt war. Der Thäter wurde einem Sch-tzmar.ne übergeben. Auf der Polizeiwache nannte er fich Kaufmann Seidel und gab auf Befragen nach dem Grunde seiner Handlungsweise an, unter einem unwiderstehlichen Triebe zu

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Deutsches Deich.

Berlin, 12. September. Der Generalmajor v. U s e d o m, MheilungS-Ehef im großen Generalstab, ist tu Genehmigung setueS Abschiedsgesuchs mit Penfiou und dem Character als Seneral'Lteutenant zur Disposition gestellt worden.

Alle Annoncen-Buttaux be« In- unb AuSlanbe» nehm« Anzeigen für btnGießener Anzeiger" entgegen.

Budapest, 12. September. Auf der Dampfschiff-Station I Sieben wurden gestern Nacht 15 Kisten Dynamit ge-I stehlen, welche dort eingelagert waren. Der Fall erregt I ungeheures Aussehen und gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß, I da die Feierlichkeiten anläßlich der Eröffnung deS eisernen I Ts oreS devorstehen. Die Polizei hat eingehende Recherchen ein geleitet.

Budapest, 12. September. Gestern Nacht ll1/» Uhr entstand auf der Ausstellung Feuer, daS anscheinend angelegt worden war. Der Feuerwehr gelang es bald, den Brand zu löschen.

Brüx, 12. September. DieBerdämmungSarbeiten im Aunaichacht scheinen sich bis jetzt zu bewähren, dagegen mehren sich die Erdriffe an der Fohudsdorferstraße in | erschreckender Weife. Ein an der Straße gelegene-Gärtner- Hänschen ist vollständig verschwunden. Aus den Riffen tritt unaufhörlich Waffer hervor. Eine besondere Eommtsfion bleibt daher die ganze Nacht am Bahnhofe in Action, ebenso ist da- Telegraphenamt angewiesen, NachtS Dienst zu halten.

Part-, 12. September. Ein Korrespondent des Figaro meldet aus Madagaskar, Frankreich müffe 15000 Mann auf der Insel haben und jährlich 15 Millionen aufwenden, Denn es verhindern wolle, daß französische Beamten und Soldaten in "ber Hauptstadt belagert bleiben sollen.

Pari-, 12. September. Die Interpellation über die Ai faire 'Dreifuß in der Kammer wird von dem Ab- ze ordneten Easteltu eingebracht werden. Außerdem werden . Graf de Mun und Lamhre die Regierung über die Nieder- nrtzelung der Armenier iuterpelliren.

Pari-, 12. September. Der Senator Prevot wird im Senat eine Interpellation über Madagaskar ein­bringen.

Paris, 12. September. DerFigaro" schreibt heute, Präsident Faure gebe dem Drucke der öffentlichen Meinung vach und werde fich dem Zaren im schwarzen Gewände

tarstellen.

London, 12. September. Englische Blätter melden aus Sansibar, dort herrsche eine hestige Agitation infolge deS verlängerten Aufenthalts des Kronprätendenten Kalid Said anf dem deutschen Consulat. ES geht dabei daS Gerücht, daß Deutschland Kalid Said beschütze, weßhalb Ruhestörungen befürchtet werden. Die öffentliche Meinung bezeichnet daS Verhalten Deutschland- als illoyal.

London, 12. September. Der Besuch deS Zaren iw Balm oral wird einen halbamtlichen Character tragen. Allen Stadtverwaltungen, welche die Ehre de-Zarenbesuches nachgesucht haben, wurde eine ablebnende Antwort zu Thetl. Mcht einmal die Stadt Edinburgh wird den rusfischen Herrscher nach seiner Landung in Leith officiell empfangen bffitfen.

Der -tttzener Anzeiger erfdjtint täglich, Ausnahme be« Montag«.

Die Gießener PnmtttenölLlter »erben bem Anzeiger »Scheutlich breimat beigelegt

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Knnst-AnssteUnng,

ntbme deS SamStaas, von 11 W 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. Xi Btlrtw«

tmttelttbtt*«* m 11 Hi 8 ttfrt. - Eintrittftpreil fit Nichtmttglirdn en SBerttaften 50 Pig., an Sonntagen 20 V«

Spitlpta bn «ndchtn -rmpvtrr StMpittt.

Dienstag den 15. September: Fra Diavolo. Eoppelia. Mittwoch dm 16. September: Die Meistersinger. Donnerstag dm 17. September: Die Regimentstochter. Eoppelia Freitag dm 18. September: Fidelio. Samstag dm 19. September: Tannhäuser. Sonntag den 20. September: Oberon. Montag dm 21. September: Hänsel und Gretel. Bajazzo.

Scharrsptalharr-.

Dimstag dm 15. September: Feenhände. Mittwoch dm 16. September: Die Erste. Donnerstag dm 17. September: Faust. Freitag dm 18. September: Der Roman eines armen jungen ManneS. Samstag dm 19. September: ©lüd 'm Winkel. Sonntag dm 20. S«Ptember: Doctor Klaus. Momag den 21. September: Der eingebildete Kranke. Vorher: Die Schule der Frauen. Dienstag den 22. September: Die officielle Frau.

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N. «al bem Baabejirl Rldd». 13. September. Die Be,. I handeln. Er gestand ein, zahlreiche derartige Bosheiten per- steiaerung des Obstes an unseren Staatsstraßen hat übt zu haben. Hoffentlich verspürt auch der Sträflicher oute Preise erzielt, ein Beweis dafür, daß Bedürsntß vor« einenunwiderstehlichen Trieb , "amlich den, diesen un- banden ist. Das Obstgeschäft fängt an lebendig zu werden, schuldigen, aber vom unabwendbaren Schicksale zu gemeiner

Man bietet für den Doppel Centner Honigbirnen 8-10 Mk., Niedertracht gezwungenen Menschen mit einer recht hohen

hält aber mit dem Verkaufe zurück. Für den Doppel-Centner Strafe zu belegen.

feine Tafeläpfel find 20 Mk. aigeboten worden. Die Nach- * Unfall durch Slecttieität. Von der Gefahr der ob^er­richt desGieß. Anz.", wonach das gut au-fortirte Brechobst irdischen Leitungen der elektrischen Straßenbahn für den

sehr gesucht sei, und hohe Preise dafür angelegt werden Verkehr zeugte dieser Tage in Dortmund wieder ein

würden bestätigt fich bereits. I Unfall. Gelegentlich des Katholikentages waren manche

Ranstadt, 11. September. Die der hiefigeu Gemeinde Straßen mit Gutrlanden überspannt, bet deren Anfertigung

zustehende Jagd war von dem OrtSvorstand aus der Hand auch Draht verwendet worden war. W« «he biefer

an einen Pächter abgegeben. Da von Jagdliebhabern bet landen abgenommen wurde, fiel sie auf den Leitung- rah

Großh. Ministerium dagegen Beschwerde erhoben wurde, hat der Bahn und sofort schlängelte fich eine-mächtige

dasselbe angeordnet, daß dieselbe öffentlich verpachtet werden an der Guirlaude entlang. In emfeL6en »uöenbIicfe 1 e

müffe. Bet der nun heute stattgefundenen Verpachtung wur« ein mit zwei Pferden bespannte- Fuhrwerk ^e S r ß , den über 300 Mk. mehr erlöst. Den Zuschlag bekam für eine- der Pferde berührte die Gutrlande dem Halse den ersten Theil Se. Durchlaucht der Fürst von Wernigerode sank sofort zu Tode getroffen zur Erde. DaS -weitt Pfe und (taten zweiten Theil der Gastwie.h He« Ahlbrnnd wurde Ge!

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Rh^eiuhessischen Gewerbeausstellung werden eifrig worden, fich weiter als »einziges H°"l in Ge chastSlage z gefördert. Gestern Abend versammelten fich die 21 Aus- bezeichnen. DaS Hotel "^ttiuer Hof ha gg

fchußmitglieder und beriethen über die Au-stellung-ordnungSchwarzen Bar Klage erhoben und erzielte jetzt diesen

und das Anmeldungsformular - letztere- wurde bereit- ent- | Erfolg. ^ppeu. Auf Kloster Eberbach fand

vor einigen Tagen eine Versteigerung der Weine der köntgl. .>Wp.O 7Hierbei wurden für l/t Stück 18S3eHteinberg etwa- über 16,000 Mk. bezahlt. Dar« nach stellte fich da- Fuder zu 1000 Liter auf 26,666 Mk.,

lichrn Unterricht betragen.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

vom 15. September bis 19. September.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7Vz bis 8i/2 Uhr an dem Kurbrunnen, Nachmittags und Abends stehe unten, bei wmiger als 10° R- Wärme im großen Speisesaale des Kurhauses.

Dienstag den 15. September, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf der Terrasse und von 8V* btS 10 Uhr im Saale. Abends Sinfonie,Eoncert. Mittwoch den 16. September, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf der Terrasse unb von 81/» bis 10 Uhr im Saale. Abends Wagner- Concert. Donnerstag den 17. September, Nachmittags von 5 b s 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf der Terrasse und von 8/, bis 10 Uhr im Saale. Abends Solisten-Eonc«rt. Freitag den 18. Sep­tember, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf der Terrasse und von 8l/i bis 10 Uhr im ©aale. Samstag den 19. September, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Eoncert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz.