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Amts- unb Anzeigeblatt für den "Kreis Gissten.
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All- Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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am Morgen in den Wiesen mit zerschlagenem Hirnschädel und mit abgehackter linker Hand tobt. Wer daS Verbrechen begangen, darüber fehlt noch jede Spur.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, Lkgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Crainfeld, 11. Juli. Nachdem der Großh. Untersuchungsrichter aus Gießen schon mehrmals einige Tage dienstlich hier verweilte, wurde heute in Folge besten auf Requisition Großh. Staatsanwaltschaft in Gießen der 61jährige Vieh- Händler Feist Sommer I. hier verhaftet und in bas BezirkSgefängniß nach Herbstein verbracht, um bann morgen weiter nach Gießen tranSportirt zu werben. Der Verhaftete steht im Verdacht beS Meineides und Wuchers, derselbe ist ein Bruder des bekannten ebenfalls wegen Wucher, Betrugs, Meineib u. f. w. im December 1894 verhaftet gewesenen David Sommer HI. hier, welcher sich jedoch dann später im Gefängniß in Gießen vor dem Beginn deS Schwurgerichts durch Erhängen feinem irdischen Richter entzogen hat, nachdem Herr RechSanwalt Metz die Vertheidigung nieder- gelegt hatte.
+ Mittel-Gründau, 12. Juli. Schwer hetmgesucht wurde die Familie Kalk Hof dahier. Vor 8 Tagen starb der Vater, der Bürgermeister Christian Kalkhof nach längerem Leiden und gestern verunglückte der 38 jährige, verheirathete Sohn, Poftagent Heinrich Kalkhof in einer Sandgrube und verlor dabei sein Leben. Die Verstorbenen genossen einen sehr guten Ruf und werden die Hinterbliebenen allgemein bedauert.
r. Freiensteinau (Kreis Lauterbach), 12. Juli. Ein Land. Wirth in dem benachbarten Hintersteinau war gestern mit seinem mit zwei Pferden bespannten Wagen auf dem Felde beschäftigt, wobei auf dem Nachhauseweg die Pferde scheuten, die Flucht ergriffen und in wilder Haft davon jagten. Unterwegs rannten dieselben wider ein anderes ebenfalls mit zwei Pferden bespanntes Geschirr derart, daß das eine Pferd sofort zusammenstürzte und verendete. Es war dies ein noch prachtvolles, theures Thier.
§ Ilbeshausen, 12. Juli. Die hiesige Gemeinde- Wasserleitung wurde hier vergeben für die Summe von 19 000 Mk. einschließlich der Hausanschlüsse, jedoch werden noch für etwaige Felssprengung pro laufende Meter 5 Mk. extra vergütet. Der Unternehmer ist aus Caffel, derselbe, welcher den Bau der Gemeinde-Wasserleitung in dem benachbarten Herbstein übernommen hat. Es hatten sich etwa fünf Unternehmungslustige eingefunden. Man hält die Summe für etwas hoch, da sich hier wohl kaum Schwierigkeiten bei dem Bau entgegenstellen, wie in Herbstein, auch ist die Länge der Leitung eine sehr kurze, denn der söge-
Rr. 164 Zweites Blatt.
thür und befand sich alsbald an meiner Seite, indem er, den Hut lüftend, höflich sagte:
„Ich war so anmaßend, wahrend dieser Unterredung im Coupö zu bleiben und den Lauscher zu spielen- auf die Gefahr hin, zudringlich zu erscheinen, erkühne ich mich dennoch, Ihnen, Gnädige, meinen Rath und Beistand anzubieten. Sie find allein und schutzlos im fremden Lande und durch ungliick- seliges Mißgeschick in eine Sache verwickelt, die Ihnen zum Mindesten einige peinliche Stunden bereiten wird. Dürfte ich für Sie eintreten, Gnädige?"
Ich maß den kühnen Sprecher mit hochmüthigem Seiten- blick, wobei ich die Bemerkung machte, daß etwas wie ein leiser Spott und unleugbares Selbstbewußtsein um seine bärtigen Lippen zuckte. . . .
ES war ein großer, kräftiger Mann von vierzig oder fünfundvierzig Jahren mit scharfgeschnitteneu Zügen und sprechenden dunklen Augen, in denen es zuweilen ganz merk- würdig zu blitzen schien. Sin flott aufgedrehter brauner Schnurrbart erhöhte noch den martialisch kühnen Ausdruck dieses Angefichts.
Don feiner Toilette war nicht viel erkenntlich, da ein langer Reisemantel ihm über die Schultern fast bis zum Boden hing. So viel ich beim Lüften feines Hutes wahr, genommen, war das kurzgeschnittene Haar bereits mit grau vermischt. , „ , . . ,
Seltsam 1 Alle von der Oberhofmeiftertn ausgesprochenen Warnungen schaffen mir jetzt wieder durch den Sinn: „Hüten Sie sich vor Reisebekanntschaften, liebes Kind! ES gibt so viele abgefeimte Schwindler. Trau — schau "km?"
Wie kam der fremde Mann dazu, mir feine Dienste anzubieten? Sicher stand er mit meiner Peinigerin im Complott. . ..
Beide hatten mich vielleicht längst beobachtet und fich auSgesonneu, mich gründlich zu rupfen.
^Fortsetzung folgt.)
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Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.
Dir Gießener Pnmilienvrstler werden dem Anzeiger »dchmtlich dreimal beigrlegt.
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Der Vorstand.
Gießener Anzeig er
Kenerat-Mnzeiger.
Feuilleton.
Um fünfzig Gulden.
Novelle von Doris Freitn von Spättgen.
(3. Fortsetzung.)
Der Zng brauste unaufhaltsam weiter und wir waren
nur noch zwei Stationen von P. . . . entfernt.
Nach einer Weile hörte ich meine Reisegefährtin wie zu sich selbst redend äußern:
„Ich würde ja gewiß kein Wort mehr über diese Sache verlieren, wenn ich nur bloS mein Geld wieder hätte- die Verzweiflung treibt mich -um Aeußersten. Ich muß die Summe zum ersten August auftreiben - o Gott, o Gott, was fange ich an!?"
Da lag eS ja klar auf der Hand- sie glaubte bestimmt, ich würde mich erweichen laffen. Es handelte fich um einen ErpreffungSverfuch. Oho, dann hatte die Schwindlerin fich aber doch getäuscht. Ich schaute in mein Fahrplanbuch. Schlag acht Uhr trafen wir in P ... . ein. Mein Zug nach X . .. ging eine Stunde später. Indem ich starren Auges aus dem Fenster fah, machte ich mir einen Plan zurecht.
Trotzdem ich meine Peinigerin ignorirte, fühlte ich in- ftinctiv, daß diese mich beobachtete und durch Stöhnen und Seufzen meine Aufmerksamkeit wieder auf fich zu lenken bemüht war, was ihr indeß nicht gelang. Ich zahlte die Minuten, diesem gräßlichen t6te-ä-tete zu entgehen.
Endlich! Ein langer, anhaltender Pfiff- wir näherten uns dem Ziele und fuhren mit verminderter Schnelligkeit. Recht- und links zeigten fich Schienengeleise, dahinter das endlose Häusergewirr der großen Stadt. Darauf brauste der Zug in den Bahnhof ein.
Der Schaffner riß an meiner Seite die Coupvthür auf und wollte weiterfchreiien. Ich hielt ihn am Aermel fest.
„Warte» Sie, bitte, einen Moment," sagte ich mit steckender Stimme. „Diese Dame hier beschuldigt mich, ihr,
VermifdyteSo
• Frankfurt a. M-, 13. Juli. Die Samoaner im Zoologischen Garten haben an ihren Schwimmkünsten nicht nur selbst große Freude gehabt, sondern auch bet den Zuschauern durch ihre nette, decente und ßtactdfe Art, wie sie fich im Waffer bewegten, so ungetheilten Beifall gesunden, daß diesen Mittwoch nochmals ein Schwimmfest veranstaltet werden, das wiederum um 6 Uhr ftattfindeu soll. Von besonderem Interesse war übrigens am SamStag auch die Vorstellung, welche nach dem Wafferfeft gegen 7 Uhr noch stattfand. Die Leute waren sichtlich erfrischt und anlnnrt durch das Bad und gaben dann ihre Programm-Nummern mit noch mehr Lebhaftigkeit als sonst, so daß das Publikum seinem Beifall durch lautes Klatschen Ausdruck gab.
• Die ethischen Gesellschaften Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz veranstalten in Verbindung mit einer internationalen Zusammenkunft in Zürich eine Reihe Ethischer und focialwiffeufchaftlicher Vor'ragScurfe vom 25. August bis 5. September 1896. Das Programm dieser Curse, welche das Interesse weitester Kreise finden dürften, ist folgender- maßen festgesetzt: Es liest Profeffor Harald Höffding aus Kopenhagen Über „Ethische Prinzipienlehre"- Profeffor Staudinger-WormS über „Beiträge zur Social-Pädagogik - Privatdocent Dr. Emil Reich Wien über „VolkSthümliche Univerfitatsbewegung"- Oberstlieutenant a. D. M. von Egydy Berlin über „Erziehung"- Profeffor Wilhelm Förfter- Berlin über „Naturwiffeuschaft und Lebensführung"- Dr.Penzig- Berlin über „Die ersten Moral Unterweisungen der Kinder - Dr. R. Saitschik-Zürich über „Reform der Methoden des höheren Unterrichtes"- Professor Ferdinand TönnieS-Kiel „Die Grundthatsachen deS socialen Lebens"- Prof. Werner- Sombart-Breslau „SocialtSmuS und sociale Bewegung im 19. Jahrhundert"- Privatdocent Dr. I. Jastrow - Berlin „Die Soctalpolttik in der Verwaltung von Staat und Gemeinde"- Landrath Stephan Gschwind - Baselland über „Genossenschaftswesen"- Gustav Maier - Zürich über „Die sociale Entwicklung in Geld- und Creditwesen, Handel, Industrie und Haushalt." Nähere Auskunft ertbeilen Profeffor Wilhelm Förster, Enckeplatz 3 a, Berlin S.W., Dr. Arthur Pfungst, Gärtnerweg 2, Frankfurt a. M.
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nannte Stakett-Brunnen ist nur fünf Minuten vom Ort entfernt- da nun dieser Brunen nicht genügend Waffer ev. liefern könnte, so muß noch eine weitere Quelle, nämlich der Lager-Brunnen, welcher etwa 15 Minuten vom Oct entfernt ist, dazu genommen werden, welcher auch bereits schon abgegraben tst. Die Wasserleitung muß bis 1. November dieses Jahres vollendet sein. Die Arbeiter sind sämmtlich von hier, welche den Bau ausführen helfen.
§ Ilbeshausen, 11. Juli. Die neu gegründete Firma Gabriel & Etling Hierselbst beginnt jetzt mit dem Bau eines Dampfsägewerks nahe unseres Orts, an der dem- nächst gebaut werdenden Bahnstrecke Lauterbach-Greben- Hain. Es wird dies Unternehmen allgemein in hiesiger Gegend mit Freuden begrüßt, da sich in unserer ganzen Gegend nur einzelne kleine Wafferschneidmühleu befinden, welche bei trockener Witterung im Sommer meistens nicht arbeiten können, auch sonst meistens nicht.
§ Vom höheren Vogelsberg, 13. Juli. Hier find unsere Landwirthe mitten in der Heuernte, die Witterung ist eine sehr günstige dafür. Der Ausfall der Heuernte muß als eine ziemlich mittelmäßige bezeichnet werden, denn besonders in den geringeren einschürigen Wiesen giebt es sehr wenig Heu, infolge der seitherig trockenen Witterung. Obwohl ja täglich der Himmel mit Gewitter und Regen- erscheinungen aussieht, so stellt fich doch voraussichtlich kein Regen ein, welcher jedoch für die Frucht sehr erwünscht wäre, da dieselbe sonst sehr kurz bleibt und es dadurch auch keine richtige Stroh-Ernte giebt. Auch andere Gewächse zeigen infolge der Trockenheit keinen eigentlichen Trieb.
/X Mainz, 13. Juli. Von der Mainzer Geschäftswelt wird bringend eine Abänderung der Bestimmungen über die Verkaufsftunden an den Sonntagen verlangt. Der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute hat die dieS- bezüglichrn Wünsche in einem eingehend motivirten Gesuch der Bürgermeisterei unterbreitet, in welchem verlangt wird, für die Sonntagsarbeit im HandrlSgewerbe die Stunden von 10 bis 2 Uhr freizugeben. Außerdem wird für die NahrungS- mittel- und Cigarrenbranche verlangt, vor 9 Uhr Morgens noch eine oder zwei Stunden zu bewillgen. In der Sommer- unb Winterzeit soll kein Unterschied nach dem Wunsche der Petenten gemacht werden und die Neuordnung gleichzeitig als Grundlage für die einheitliche Regelung der Sonntagsruhe in ganz Rheinhessen dienen. — In dem nahegelenen Dorfe Stadecken wurde gestern ein grausiger Mord verübt. Den angesehenen AckerSmann Bunkel sand man
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während sie diese Nacht geschlafen, fünfzig Gulden aus einer Ledertasche entwendet zu haben. Ich wünsche, diese Angelegenheit aufgeklärt zu sehen."
Der Angeredete, ein alter Mann mit ziemlich mürrischem Gesicht, blinzelte mich aus seinen kleinen Augen, giftig über diese Störung, mit sichtlichem Mißtrauen an und schloß rasch die Wagenthür, indem er sagte:
„Halt, Madamchen, da warten Sie gefälligst mit dem Au-steigen, bis dort der Sicherheitsbeamte kommt. Fünfzig Gulden gestohlen worden, daS ist stark!" Dabei winkte er mit erhobenem Arme einem auf dem Bahnhofe stehenden Polizisten zu, welcher sich uns unverzüglich näherte.
Mir war zu Muthe, als befände ich mich plötzlich in einer ganz fremden Welt.
„Um Gotteswillen, Sie werden die Sache doch nicht zur Anzeige bringen, gnädiges Fräulein!" hörte ich jetzt die Stimme meiner Peinigerin dicht hinter mir, wobei ich ihre Hand auf meiner Schulter fühlte. „O, ich bin fo aufgeregt, ich wußte gar nicht, was ich sagte!" ___
"" jßttte!" Mit sehr unsanfter Bewegung befreite ich mich von dieser Berührung. „Bitte, ich werde thun, Waich für richtig erachte," entgegnete ich schroff, worauf ich mich zum Fenster hinauslehnte.
Mittlerweile war der Polizist herangetreten und so knapp und verständlich wie möglich bemühte ich mich, ihm den Sachverhalt klarzulegen.
Zuweilen unterbrach er mich durch kurze Fragen, wobei sein scharfes Auge verwundert, beinahe ungläubig über meine $ 9 Als ich9zufälltg einmal aufblickte, fah ich, daß neben mir in einem Coupö erster Klaffe die Gestalt eines Herrn auftauchte und zugleich begegneten ein Paar ausdrucksvolle Augen den meinen. _ .
Hatte der Fremde meine in der Erregung ziemlich laut gesprochenen Worte vernommen?
, Sicherlich, denn plötzlich öffnete er selbst die Wagen-
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