Ausgabe 
15.3.1896 Zweites Blatt
 
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D« A«rei-er «scheint täglich, Ü Ausnahme des Montag».

Die Gießmer W«»ttt«»Stät1er wttben dem Anzeiger »tchmtfich dreimal ieigdcgt

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Zweites Blatt. Sonntag den 15. Nlärz

Gießener Anzeig er

Keneral-Mnzeiger.

Bierteljihriger >6onHtmtnbjrteUl 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn.

Durch die Post bezogt» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, LxpeditwO und Druckerei:

Fernsprecher 51. i

Amts- und Anzeigeblutt für den Tlreis Giefzen.

Die Rentabilität jeder maschinellen

Anlage Wird bedentend erhSht durch Aufstellung eines ökonomisch arbeitenden BctrtedSmolors. Als sparsamste Betrtebsmaschtnen sind die Loco mobil en mit ausziehbaren Röhrenkesseln von «.Wolf in Magdeburg-Bucka« bekannt u. zu Tausenden in allen Zweigen der JndustrteundLandwtrthschast verbreitet. Gering er Brennmaterial­verbrauch, große Leistungtzsäbigkeit u. Dauerhaftigkeit find die Haupt- vorzüge dieser Maschinen, vermöge deren sie nicht nur auf allen deutschen Locomobil-Concurrenzen stets den Sieg daoongetragen haben, sondern auch auf zahlreichen Ausstellungen (u. a. in Chicago) mtt den höchsten Preisen ausgezeichnet sind. [411

Hratisöeikage: Hießener Aamilienötätter

Amtliche» Theil

und

IH. Gemarkung Hungen.

Jost, RegierungSrath t. P.

Earl

//

Gemarkung Neuhof.

I.

in

213

1. Gloria

Max Eyth.

Borussia und drittens

2. Wilhelm Korn 195

v. Oven.

8. Borusfia

u

und

226 Kgr.,

Alle Sorten, mit Ausnahme der

war für hiesige Verhältnisse Beste, darnach in der Güte

Uvnahmr vo» Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

280

167

81

103

98

138

ff

ff

65

65

62

73

73

134i/a 198

150V2

291

Morgen Ctr.

(Gloria) Güte die

Max Eyth Borussia v. Setdewitz Gloria Wilhelm Korn

v. Setdewitz Borussia Wilhelm Korn Gloria

Ctr. : * // waren

Max Eyth v. Setdewitz Borussia Wilhelm Korn

Setzlinge, u

Ertrag pro 90.60 106.50 100.10 94.22

//

ff

//

Borussia-Kartoffel,

ist diese

welche wäffertg war, hatten einen guten und angenehmen Geschmack.

Gloria

Letztere Kartoffel Ertrag, Form und

Hervorzugeben ist noch, daß sich bei den Sorten Borusfia Gloria viele kleine Knollen befanden.

Angtfaulte Knollen waren überhaupt nicht vorhanden-

R. Güngerich.

ergaben folgendes Resultat:

1. Max Eyth

IV. Gemarkung HeibtrtShausen.

Es wurden je 10 Kgr. von folgenden Sorten gepflanzt

II. Gemarkung Gießen.

Die Versuchskartoffeln für das Jahr 1895 ergeben die nachfolgenden Resultate:

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Au-lande- nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Bekanntmachung.

SS find in dem Kreise Gießen Versuchsstationen zum Anbau von neuen Kartoffelsorten in den Gemarkungen Grünberg, HeibertShausen, Gießen, Neuhof und Hungen errichtet worden, um zu ermitteln, ob die empfohlenen neuen Kartoffelsorten in qualitativer und quantitativer Hinsicht den Anpreisungen und Angaben entsprechen, welche bezüglich ihrer Güte und ErtragSfähigkeit gemacht worden sind und ob sich diese neuen Sorten für die hiefige Gegend zum Anbau eignen und deren Anpflanzung empfohlen werden kann oder nicht.

Es stad im verfloffenen Jahre an neu empfohlenen Kartoffrlsorten Borusfia, Gloria, Wilhelm Korn, Max Eyth und vr. v. Setdewitz auf deu fünf Versuchsstationen angebaut worden.

Ich beehre mich nachstehend die Berichte über die Trnte- ergeb»iffe dieser Kartoffelsorten zur Keuntniß der Landwirthe zu bringen. t

Gießen, den 12. März 1896.

Der Direktor des landwirthfchaftltchen Bezirksvereins Gießen.

1.

2.

3.

4.

5.

2.

3.

4.

5.

V. Gemarkung Grünberg.

Im Allgemeinen war das Vorjahr ein günstige« für Kartoffelnzucht zu nennen; durch die langanhaltende Dürre wurde den Pilzen die Lebenskraft abgeschnitten, sodaß die meisten Sorten von der Krankheit ganz verschont blieben; nicht allein die neueren sondern auch die älteren Sorten lieferten gute und gesunde Erträge. Die zum Anbau empfohlenen neuen Sorten waren von mir auf milden Lehmboden verpflanzt worden; Vorfrucht war Hafer, im Herbst wurde leicht mit Mist gedüngt.

Den höchsten Ertrag lieferte Borussia. Dieselbe gab von je 20 Pfd. Saatkartoffeln 360 Pfd., pr. Qu.-M. 5 Pfd. gute und schmackhafte Kartoffeln, welche zum größten Theile gleichmäßig dick waren.

Gloria, eine hornähnliche, sehr feine wetßschalige Speise- kartoffel, brachte 356 Pfd., pr. Qu. M. 5 Pfd.

Max Eyth, eine runde, rothschalige, mehlige Kartoffel, brachte nur 226 Pfd., pr. Qu.-M. 4.1 Pfd.

Wilhelm Korn, -eine weißschalige, mehlige Kartoffel, lieferte 218 Pfd., pr. Qu. M. 3.6 Pfd.

e v. Setdewitz, eine feine Speisekartoffel, brachte den geringsten Ertrag mit 132 Pfd., pr. Qu.-M. 2.8 Pfd.

Carl Queckbörner.

pr. 1/4 Hrct. 2500 Qu.-Mtr.

//

ff

Die Kartoffeln

gar nicht unterworfen, zeigten nur zahlreiche größere oder kleinere Riffe in der Haut, ohne daß dadurch ein Faulig­werden herbetgeführt worden wäre. Die Knollen haben sich im Keller sehr gut gehalten. Ein Urtheil läßt sich, besonder« da die Kartoffelernte im vergangenen Jahre nicht gerade gut war, über die Sorten nicht fällen. Ts scheint als ob Gloria einen Vorzug vor den übrigen Sorten darin hat, daß ihre Knollen gut geformt und ansehnlich sind, sodaß diese Sorte sich vielleicht als hervorragende HdndelSkartoffel erweist.

Im Herbst 1896 oder erst 1897 wird man ein be­stimmtes Urtheil abgeben können.

C. Sch lenke.

der Krankheit im Jahre 1895

ES ergaben von 20 Pfund Saatkartoffeln 108 Pfund,

4. v. Seidewitz

(Zehn Stöcke nicht aufgegangen.)

5. Max Eyth 181 Setzlinge, 96,04

De» Höchstertrag ergab Wilhelm Korn und Kartoffel sehr zum Anbau zu empsehlrn; ebenso ist die in 1894 gebaute Bruce eine außerordentlich ertragreiche.

Schuchard, Verwalter.

Fenilleton.

Der Zigeuner.

Von L. Scharff.

(Schluß.)

Juval, sprich nicht so thöricht wie ein Kind, Du be­lastest mir da» Herz durch Deine Klagen und verwirrst mir die Sinne, denn ich liebe Dich ja viel mehr, als ich darf," sagte sie mit zitternder Stimme.Juval, lebe wohl!"

In ihren tiefen blauen Augen glänzen Thräuen und ihre Brust w.'gt stürmisch, als fie vor den Z'geuner tritt, der mit heißen, brennenden Augen ihre Gestalt umfaßt.

Mit einem Laut des Schmerzes und Entzückens reißt er fie an sich und preßt in glühender Liebe seine Lippen auf ihren zuckenden Mund. '<

Tinen Moment schlagen die Wogen der Leidenschaft über Beider Haupt zusammen, aber nur einen Moment, dann stößt Jlsiuka entsetzt den Wahnsinnigen zurück und flieht wie eine vom Habicht verfolgte weiße Taube dem Schlöffe zu.

Niemand folgt ihr. Wo war der Habicht?

Ach, er lag mich gebrochenen Schwingen in der Rosen- laube. Bei dem heftigen Stoß, den Jlfivka in der Auf­regung gegen JuvalS Brust geführt, war er taumelnd gegen die scharfe Kante deS steinernen Tisches gefallen, ein Blut- ström war über seine Lippen gefloffen und hatte sein Gewand und den Boden purpurn gefärbt. Wo vor wenigen Minuten eine blühende JünglingSgestalt gestanden, liebeheischend und glückberauscht, da lag jetzt ein in der Blüthe geknickte« Menschenleben; über daS schöne, bleiche Antlitz huschten scheu die Mondstrahlen; fie störten Juval nicht, eine tiefe Ohnmacht umflorte seine Sinne.

Die Bäume rauschten und die Blumen dufteten, und still war eS im Park.

* *

Eljen, Eljen a Hüzä! Hej, Huj, Magyarember! Auf- spielen, Zigeuner!"

Klirrend fielen eine Handvoll Silbergulden mittm unter die Mufikanteu, die auf einem kleinen Podium untergebracht waren.

Auf Schloß Fehervar feierte man Hochzeit. Heute hatte Gräfin Jlfinka BobreSky am Altar ihre Hand in die deS Grafen Karoly gelegt, fie waren vereint für alle Zeiten.

Hund von einem Zigeuner!" schreit Graf Karoly,hörst nit, daß ich will haben eins aufg'spielt?"

Seine Sprache ist infolge des allzu reichlich genoffenen TokayerS schon etwas lallend. Die liebenswürdige Auf- forderung gilt einem dunkellockigen Jüngling, der düsteren Blickes träumerisch über daS bunte Gewühl im Saale weg- fieht. Dunkle Gluth steigt in sein bisher todtblaffeS Antlitz und sein suchendes Auge trifft Jlfinka. Ungesehen von den andern hebt fie flehend die Hände empor und ein bittender Blick begleitet die sprechende Geberde. Mit einem Ruck fliegt die Geige JuvalS, die er bisher lose in der Hand gehalten, an daS Kinn, der Bogen stürmt und braust über die Saiten und still und stiller wird es im ganzen, großen Saale. ES ist die Hand eines Künstlers, die den Bogen führt, daS wiffen alle. Nur Eine weiß, was er spielt.

Er führt fie in die Vergangenheit zurück. Sie ist zu Pferd, vor ihr liegt die weite, herrliche Pußta und neben ihr rettet ein schlanker, brauner Knabe. Er ist einige Jahre älter als fie, ihr Beschützer. Strauchelt ihr Pferd, so greift er mtt rascher Hand tu die Zügel, und will fie rasten, so bereitet er ihr einen weichen Sitz.

Und weiter fingt die Geige.

Beseligende, süße Melodien verdrängen die jubelnden, kindlichen Weisen. Jlfinka fitzt im Garten, ihr zu Füßen Juval. Erröthend spielt er ihr sein erstes Liebeslied. Glück und Freude, Liebe und Schmerz wogen, in Klänge verwandelt, durch den Saal. Was ist daS? DaS ist kein Spiel mehr. Die Zigeuner lauschen athemloS, fie find ganz Ohr.

Leisen, lieblichen Tönen wie LiebeSgeflüster folgen leiden- schaftliche, schmerzdurchwühlte, und mit einem zitternden Auf­schrei der Saiten endet Juval seine Phantafie. Tiefe Bläffe breitet fich von Neuem über sein eben noch so belebte« Gesicht.

Ein allgemeiner Tumult folgt dem unerwarteten Kunst­genuß. Alle umdrängeu fie Juval, ihn mit Lob über­schüttend; nur Sine bleibt fern, ihr ist so weh, fie allein weiß, welche Qual der arme Spielmann im Herzen trägt; die Geige hat ihr mehr gesagt, als es Worte könnten.

DaS Cymbal klingt und die Clarinette flötet, im Saal herrscht laute Fröhlichkeit. Der Tokayer fließt in Strömen und gießt immer neues Feuer in die Adern der heißblütigen Magyaren. Auch Juval hat fich durch ein Glas Wein ge- stärkt; nun lehnt er wieder an der Balustrade, sein ernstes Auge ruht sinnend auf den gedunsenen, rothen Zügen des Grasen Karoly. Lärmend und prahlend durchschreitet dieser, in die kostbare Tracht eine- ungarischen Magnaten gekleidet, den Saal, hie und da einer üppigen Schönen eine dreiste Schmeichelei zurufend. Jetzt steht er vor seiner jungen Frau, sie reden hin und her, er scheint zu fordern, fie zu verweigern, da stampft der Graf zornig den Boden, daß die silbernen Sporen klirren, faßt Jlsinka derb am Handgelenk und reißt fie mit fich fort bis zum Podium.

Aufspielen, Zigeuner, einen CzardaS!"

Jlfinka wagt nicht aufzuschauen; sie fühlt, daß JuvalS traurige Augen mitleidig auf ihr ruhen.

Ach was, fie will nicht sein Mitleid, braucht eS nicht, ist sie nicht schön und reich?

Hej, Huj, Magyarember!"

Eine fremde Gluth blitzt in ihren Augen auf, die wilden, hinreißenden Klänge eines ächt ungarischen CzardaS bringen auch ihr Blut in Wallung, fie fieht nicht deu Grafen fich gegenüber tanzen, nein, JuvalS gluthvolle, heiße Augen find es, die fie fieht, und mit glühenden Wangen fliegt sie ihrem Tänzer zum wilden Wirbel an die Brust in der nächsten Secunde wird fie von ihm weggeriffeu, Juval hat die Balustrade übersprungen und steht nun zähneknirschend zwischen den beiden.

Hnnd verdammter !" schreit der Graf in maßlosem Zorn, reißt Juval zu Boden unb tritt mit seinem Spornstiefel heftig gegen deS Zigeune.S Brust.

Ein gräßlicher Schrei hallt durch den Saal. Jlfinka hat ihn ausgestoßen, fie ist neben Juval niedergesunken unb hält seinen Kopf in ihrem Schooß.

RotheS warmes Blut riefelt über ihre weiße Hanb.

Noch ein seliger Blick aus bett dunklen Sternen des Zigeuners trifft die Geliebte, dann schließen fich JuvalS Augen für immer.