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Theil.
Bekanntmachung,
betreffend die Reichstagswahl.
Der Unterzeichnete bringt hiermit zur öffentliche» Kenntniß, daß
Montag den L3. November d. I., Vormittags 11 Uhr,
in dem Sitzungssaale des RegterungsgebäudeS zu Gießen die Protokolle über die am 19. November stattfindende engere Wahl durchgesehen und die Resultate der Wahl zusammen- gestellt werden. Das Ergebntß wird sodann verkündet werden.
Der Zutritt zu dem Locale steht jedem Wähler frei. Gießen, den 12. November 1896.
Der Wahlcommissär: v. Gagern.
Bekanntmachung.
Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat die Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 18. März k. I. ftattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 13 000 Loose ä 1 Mk. ausgegeben werden dürfen und (abzüglich eines Betrags von 850 Mk. für Prämiirung) mindestens 65 pCt. des Brutto- erlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewiungegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet worden.
Gießen, den 12. November 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Sttzrrng der Stadtverordneten
am 12. November 1896.
Anwesend; Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Faber, Flett, Dr. Gaffkh, Dr. Gutfletsch, Hadevtcht, Haubach, Heichelheim, Htyligenstaedt, Helfrich, Homberger, Jughardt, Keller, Kirch, Löber, LooS, Orbtg, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schwall, Dr. Thaer, und Wallenfels.
Die Rechnung des Realgymnasiums und der Realschule für 1895/96, welche in Einnahme und Ausgabe abschlteßt mit 92,496 Mk. 86 Pfg, würbe nicht beanstandet. Der städtische Zuschuß zu den Lehrerbesoldungen belauft sich auf 22,445 Mk., wozu noch die sachlichen Ausgaben im Betrage von 5836 Mk. kommen. — Die hierauf zur Vorlage gebrachte Rechnung der Armenkasse für 1895/96 ergiebt an Einnahmen 260,221 Mk. 19 Pfg., an Ausgaben 259,830 Mk. 89 Pfg., das Eapitalvermögen beträgt 248,062 Mk. Unter den Einnahmen find hauptsächlichste Posten: Capitalztnsen 11,122 Mk., Zuschuß aus anderen Kaffen 37,242 Mk, Ersatz von Pflegegeldern 20651 Mk., unter den Ausgaben: Geldunterüützungrn und sonstige Gaben 28,771 Mk., ärztliche Behandlung und Arzneien 14,496 Mk., Kosten des städtischen Hospitals 9707 Mk., Unterbringung armer Kinder in Familien 7843 Mk., Ankauf von Gebäuden und Grundstücken 8026 Mk. — Für den sog. DtSposttionS- foud sind etngegangen 405 Mk. 50 Pfg., die Einnahmen betragen einschließlich eines Kaffenvorraths 1130 Mk., die Ausgaben 425 Mk. 50 Pfg., sodaß zur Verfügung bleiben 704 Mk. 80 Pfg.
Der Voranschlag der Armenkasse sür 1897/98 sieht vor an ordentlichen Einnahmen 75,109 Mk., an außer« ordentlichen 913 Mk., die in obiger Rechnung angeführt«» Posten sehen im Voranschlag vor: Capttalzinsen 10,198 Mk., Zuschuß aus anderen Kassen 46,150 Mk., Ersatz an Der« pflegungsgeldern 15,416 Mk., Geldunterstützuogen und sonstige Gaben 28,600 Mk., ärztliche Behandlung und Arzneien 13,300 Mk., Kosten des Hospitals 9969 Mk., Unterbringung armer Kinder in Familien 7550 Mk. — Für den DiSposi- tiouSfond find vorgesehen an Zuwendungen 295 Mk., an Curkosten 510 Mk., sonstige Gaben 340 Mk., sür Unter« brtngung von Kindern im Kindrrhospttal zu Nauheim 150 Mk.
Für eine Anzahl von im Budget 1895/96 gewährten Krediten zur Ausführung von Bauarbeiten u. s. w. wird, da deren Ausführung bisher nicht erfolgen konnte, Ueber- tragung ins Rechnungsjahr 1896/97 beschlossen. Die Bauten
betreffen: Erweiterung deS Friedhofes (Vollendung der Mauer im oberen Therle) 8666 Mk., Ausbau der Stephan« straße 9147 Mk., Restauration deö alten RegierungSgebäudeS 14,950 Mk., Einrichtung deS städtischen Archivs 623 Mk., Ausbau der Hawmftraße 27,023 Mk., Brücke über die Wieseck am Hamm (Restbetrag) 20,000 Mk., verschiedene Pflafte- rungSarbeiten 2000 Mk. und Geländeerwerb zur Durch« sührung der Ltebigstraße 57,000 Mk.
Dem Gesuche des Herrn Schaumberger um Er« laubuiß zur Aufstellung eines GartenhäuSchenS und demjenigen der Herren Gebr. Röhrle für eine weitere Eis« Halle am Ltchtenauerweg wird ausnahmsweise und widerruflich stattgegebeu.
Die erfolgte Abgabe von 2264 Wellen Fichten« deckretsern , für welche 358 Mk. erlöst wurden, wird genehmigt, deSgl. zur Versteigerung von zwei abgängigen Gießwagen und einem Cadavertransportwagen Genehmigung ertheilt.
Der Druck der Wählerlisten sür die Landtagswahl und die ReichStagswahl verursachte diesmal infolge der höheren Zahl der Wähler eine Erhöhung deS vertragsmäßig mit der Brühl'schrn Univ.-Druckerei festgesetzten DruckpretseS um 35 Mk., welche bewilligt werden.
Wie seit einigen Jahren, so sollen auch in diesem Herbste den städtischen, im Tagelohn beschäftigten Arbeitern Gratificationen au-gezahlt werden. Die Gratifieatiou beträgt sür den einzelnen Arbeiter je nach Dauer des ArbettS- verhältniffeS, Führung und Leistungsfähigkeit desselben 10 bis 20 Pfg. für jeden während des Jahres geleisteten Arbeitstag und soll bezwecken eineStheils ein dauernderes ArbeitSverhältniß besonders während der Gelegenheit zu anderweitigem Verdienst bietenden Sommerszeit, anderntheilS den damit bedachten Arbeitern die Möglichkeit geben, fich ihren Bedarf an Kohlen und Kartoffeln für den Winter zu verschaffen. Die Gesammtsumme der an ca. 60 Arbeiter zu verthetlenden Gratificationen beläuft fich auf 1547 Mk., welche bewilligt werden.
DaS Schulhaus der Altceschule soll mit GaS beleuchtet werden, da die bisherige Beleuchtung angesichts der erhöhten, am Abendunterricht betheiligten Schülerzahl nicht auSreicht. Bon den insgesammt auf 531 Mk. veranschlagten Kosten soll der Aliceverein diejenigen für Lampen (230 Mk.) bestreiten, deSgl. die Kosten des Gasverbrauchs.
Ueber das Gesuch des BerschönerungS-VereinS zur Aufstellung eines AuSsichtSgerüsteS auf der Hochwarthe und unentgeltliche Ueberlaffung deS hierzu nöthigen Holzes wird ein Beschluß nicht gefaßt. Es soll in Erwägung gezogen werden, ob eS nicht zweckmäßiger sei, an Stelle eines ca. 7 Meter hohen Gerüstes, von dem aus man wohl einen Ausblick nach der Stadt genießen könne, einen AuSfichtSthurm zu errichten, von dem fich auch der Oberwald überblicken läßt, und soll dieserhalb nochmals mit dem Ber« schönerungSveretn in Unterhandlung getreten werden.
Das Gesuch deS Herrn DterbrauereibefitzerS Georg Bichl er um Erlaubniß zur Herstellung einer kürzeren Wegverbindung von seiner Brauerei nach der Rodhetmerstraße wird auf Antrag der Baudeputalion, welche Annahme der vom Stadtbauamt vorgelegten Pläne und Bedingungen empfiehlt, genehmigt/ desgl. daS Gesuch desselben um käufliche Ueberlaffung zweier entbehrlich gewordener städtischer Wassergräben im Neustädter Feld. Der Preis sür das in Betracht kommende, 550 Quadratmeter messende Grabengelände wird auf 30 Pfg. pro Quadratmeter festgesetzt.
Die Gießener Dienftmänner haben sich beschwerde« führend an Großherzogl. Bürgermeisterei gewandt, weil ihnen dadurch, daß die Conducteure und Kutscher der OmnibuS- Gesellschaft große Gepäckstücke, Koffer und Körbe zur Mit- befördrrung znlaffen, der Verdienst geschmälert würde. Aber nicht nur die Dienstmänner würden dadurch benachtheiligt, sondern daS Publikum und die OmnibuSgesellschaft selbst, weil der Platz durch solche, den Umfang von Handgepäck überschreitenden Gepäckstücke versperrt würde, auch die Stadt, die an dem OmnibuS-Unternehmen betheiligt sei, werde benachtheiligt, zum wenigsten nicht noch dadurch, daß mit den großen Gepäckstücken der Octroischmuggel begünstigt werde. Die Petenten ersuchen um Abänderung deS Reglements in der Hinsicht, daß Kutschern und Conducieureu bei Strafe die Zulassung von derartigen Gepäckstücken verboten wird. Nach Mittheilung der Petition an die OmnibuSgesellschaft hat der Vorstand berichtet, daß Handgepäck zuzulaffen, aber verboten sei die Mitnahme von großen Körben, Säcken, Mahnen u. s. w., daS Fahrpersonal sei entsprechend tnstruirt worden, und beschloß die Versammlung auf Antrag der Finanzdeputation, der Beschwerde der Dienstmänner auf Grund der Aeußerung der OmnibuSgesellschaft keine Folge
zu geben und über die bestehende Polizetverordnung nicht hinauszugehen.
Zu dem Gesuch deS Herrn Wilh. Schomber um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein über die Straße, welches bereits zweimal von der Stadtverordneten-Versamm- lung abschläglich beschteden worden, hat der KreiSauSschuß die Angabe der Gründe etngefordert, aus denen die Stadt- verordneten-Versammlung die Bedürfuißfrage verneinte. Die Commission hat darauf beschlossen, die Bedürfuißfrage zu bejahen, weil mit Eingehen deS Fuckert'schen Ladens die Con- cesfion für den letzteren erloschen. Die Versammlung beschloß demgemäß.
Bezüglich des Gesuchs des Herrn Philipp Mank um Concesston zum WirthschaftSbetrtcb im Hause An den Bahnhöfen 20 beschloß die Versammlung Verneinung der Be- dürfnißfrage und zwar mit Rückficht auf die geringe Bebauung der dortigen Gegend.
Bejaht wird die Bedürfnißfrage bezüglich der Conces- fionS«Gesuche der Herren Jos. Stahl für den „Russischen Hos" und Wilh. Gerhardt sür den „Rheinischen Hos".
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Heidesheim, 9. November. Ein unerhörter Vorgang hat sich in der am Sonntag stattgehabten Gemeinde- rathsfitzung abgespielt. ES handelte fich um einen Antrag wegen Verlegung deS Friedhofs. Dieser Antrag war von einem Gemeinderath gestellt worden, weil die Vergrößerung deS Kirchhofs nothwendig geworden, der angrenzende Besitzer W. aber für daS Angebot des Gemeinderaths sein Grundstück nicht überlassen will. Allerdings handelt eß fich nur um den Unterschied von 50 Mk. Zur Klärung ist eS aber nothwendig, zu erklären, daß Herr W. dem betreffenden GemeinderathSmitgiied seit der letzten Wahl nicht besonders genehm sei. Ein Gegner dieses Antrags, der 85jährige Herr Joh. Jaf. Waldeck, ein Ehrenmann in des Wortes vollster Bedeutung, welcher fich schon nahezu ein halbes Jahrhundert des Vertrauens der Gemeinde als GemeinderathSm tglied zu erfreuen hat und der trotz seines hohen Alters noch heute eine besondere Geistesfrische offenbart und an allen Angelegenheiten der Gemeinde lebhaften Antheil nimmt, vertrat seine Ansicht mit Nachdruck, worauf der Antragsteller, ein robuster Mann, aufsprang, den alten Mann an der Kehle faßie, schüttelte und ihm den Kragen und Shlips herunterriß. Nur durch die Interventionen deS entrüsteten Bürgermeisters und einiger Gemeinderäthe wurde Weiteres verhütet. N. H. D.
O Offenbach, 12. November. Die Anfangs October eröffnete Nebenbahn Offenbach — Dieburg — Rein« heim hat im ersten Betriebsmonate ausschließlich der Lud- wigSbahn-Stationen Dieburg und Reinheim 32 000 Mk., im Ganzen aber wohl nahezu 40 000 Mk. ertragen. Der Umfang des Arbeiterverkehrs übertrifft alle Erwartungen) die Bahnwärter-Zahl der rund 40 Kilometer langen Strecke mußte bereits verdoppelt, ebenso die Zahl der Locomotiven und Wagen beträchtlich vermehrt werden. Es ist dies bie am besten reutirende Nebenbahn im Großherzogthum.
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* Marburg, 11. November. Der vor Kurzem bei dem hessischen Jägerbataillon Nr. 11 eingetretene Kaufmann Reinecke, ein Sohn des Kysshäuser-Burgwirths, wurde vor etwa zehn Tagen beim Exerciren plötzlich krank und mußte ins Lazareth gebracht werden. Dort verfiel er in einen tiefen Schlaf. Der Jäger wurde in die hiesige Klinik gebracht und dem Vater der Fall telegraphisch mit- getheilt. Dieser kam am vierten Tage, nachdem der Schlaf eingetreten war, hier an, mußte jedoch zwei Tage harren, bis sein Sohu die Augen einmal öffnete und durch ein Zeichen andeutete, daß er seinen Vater erkannt habe. Kurze Zeit darauf verfiel der Jäger wieder in tiefen Schlummer. Die Aerzte find sich über den Fall noch nicht klar.
* Hamburg, 11. November. Der gestern vom Schwurgericht zu Altona zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilte Schlächter Suschke, welcher am 2. Juni d. I. seine Geliebte erschaffen hat, hat fich heute Morgen im Gefängniß in seiner Zelle erhängt.
* Augsburg, 11. November. Der Raub Mörder Frohnauer, welcher im Frühjahr d. I. einen im Walde schlafenden Bauern ermordete und seiner Baarschast von 4.50 Mk, beraubt hatte, ist heute Morgen hingerichtet worden.
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