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Ur. 242 Zweites Blatt. Mittwoch d« >4. Oktober
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Bekanntmachung,
Ltlkchmd: Die Maul- und Klauenseuche- hier Abhaltung von Viehmärkten.
Das Großh. Ministerium des Innern hat die Abhaltung mer! Lieh Marktes zu Büdingen am 20. und 21. October lt.J. unter den nachstehenden Bedingungen genehmigt:
1. Für den Auf- und Abtrieb ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Der Marktort hat das nöthige Aufsichtspersonal zu stellen, damit den getroffenen Anordnungen genau nachgekommen wird.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des GroßherzogthumS Hessen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchefreiem Zustand zugebracht haben, aufgettieben werden. Beim Auftrieb der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Controls der betreffenden Ursprungsscheine zu verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden.
3. Außer der Controls der Ursprungszeugnisse hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.
Büdingen, den 8. October 1896.
Großherzoglicheö Kreisamt Büdingen.
Klietsch.
CiMiH **ö
gßetml, 7. October. An die städtische Arbeitsnachweis- Mr iwurde die Anfrage gerichtet, ob nicht durch Verbindung Bit .auswärtigen Nachweisstellen dem hier herrschenden Marge! an Dienstmädchen abzuhelfen sei. ES dürfte nun i.on Interesse sein, daß die hiesige Arbeitsnachweisstelle oh bis benachbarten Anstalten in Darmstadt, Alzey, Mann- öthn, Heidelberg, Frankfurt, Wiesbaden, Kreuznach und Wsei Slautern wöchentlich eine Uebersicht der offenen und der galten Stellen versendet und von einem Thetl der Anstalten Widjten über die dortigen Verhältnisse empfängt. Dabei äit fich ergeben, daß der Arbeitsmarkt in der ganzen Um- gigtnfö fast das gleiche Bild liefert und daß beispielsweise «tl Mangel an Dienstmädchen zur gegenwärtigen Jahreszeit «chcrnein ist. Unsere ArbeitSnachweiSstelle wird trotzdem »mW sein, soweit irgend möglich, die erforderlichen ArbeitS- tlftt herbetzuziehen._________________________________
Literatur rrrrd Arttrßt»
— Bei der großen Anzahl der Entscheidungen der obersten DalchdShöfe, deren Kenntntß für jeden Juristen unbedingt er. si-ckrllich ist, und der daraus sich ergebenden Schwierigkeiten, rasch
sich zu orienttren und eine pissende Entscheidung zu treffen, ist es ein dringendes Bedürsntß, daß die Erkenntnisse, welche tn den gewöhnlichen Sammlungen lediglich chronologisch an einander gereiht sind, gesichtet und systematisch geordnet werden. Diesem Bedürfniß abgeholfen zu haben, ist das Verdienst des k. OberlandesgertchtS- ratheS Fuchsberger tn Nürnberg, der es unternommen hat, die lLmmtltchen Entscheidungen unserer obersten Gerichtshöfe nach Gesetzbüchern systematisch zu sammeln und zu vereinen. So ist vor Kurzem tn dieser bewährten Sammlung als 8. Thetl in einem handlichen Bande (Verlag von Emil Roth tn Gießen) die ConeurS- ordm»«g, Preis br. 8 Mk.. in Halbfrz. 9 Mk. 50 Pfg. erschienen. In diesem Buche sind die sämmtlichen bis jetzt aus diesem Gebiete erlassenen Entscheidungen des ReichsoberhandelSgertchtS, deS Reichsgerichts, des b. obersten Landesgerichts und der sämmtlichen deutschen OberlandeSgerichte enthalten und zwar tn der Wetse, daß unter Hervorhebung der getroffenen Enlschetdungsfätze durch Schlagwörter die einschlägigen Entscheidungen bet den betreffenden Gesctzes- paragraphen abgedruckt sind. Zugleich sind die EntfchetdungSaründe excerplrl und zwar so ausführlich, wie es der Thatbestand unb auch die objectiv rechtliche Begründung deS betreffenden Rechtssotzes erfordert. In Folge dieser Anordnung des Werkes ist der beabsichtigte Zweck bet Wahrung der nöthtgen Vollfiändtgkett tn kurzer, klarer und übersichtlicher Weise eine gründliche und rasche Ortenltrung in den einschlägigen Entscheidungen zu ermöglichen, tn vorzüglicher Weise erreicht. Es kann daher dieses Werk, welchem 2 Register, und zwar ein Sachregister zur ConcourSordnung und ein Register zu den Entscheidungen, betgegeben sind, jedem Juristen, dem Richter sowie dem Rechtsanwalt, wärmstens empfohlen werden; eS soll nicht verfehlt werden, darauf hinzuweisen, daß insbesondere im Staats« concurs, wo bet der Kürze der zur Verfügung stehmden Z it ein rasches Auffinden der nothwendtgen Entschetdungen von besonderem Wertbe tst, die Fuchsberger'schen Entscheidungssammlungen dte vorzüglichsten Dienste leisten. Allein nicht nur für den Fachmann, den Juristen, tst die FuchSberger'sche Concursordnung ein ausgezeichneter Behelf, auch der Laie, der gerade tn unserer Zett öfter gezwungen ist, dieses Gesetzbuch aufzufchlagen und sich Rath zu erboten, und der nicht immer in der Lage und gewillt ist, sich der Hilfe eines Juristen zu bedienen, ist das Weik ob feiner Klarheit, Ueberstchtltchkeit und Vollständigkeit ein vorzüglicher Rathgeber, fo daß es auch Latenkretsen bestens empfohlen werden kann.
— Eine fehr originelle Extrabeilage enthalt das zweite Heft deS neuen Jahrgangs der illuftrtrten Halbmonatsschrift »Bom 0f<l» zu« Meer* (Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesellschast, Preis deS Hefte« 75 Pf.), nämlich dte Ahnentafel Kaiser Wilhelms II. Dieselbe hat dte Form einer Scheibe: Um einen mittleren Kreis, der den Namen des Kaisers enthält, grppptren sich concmtrtsch zehn andre, tn denen der Reihe nach die vier Eltern, acht Groß eitern usw., also nur die blrecten Vorfahren bis ins zehnte Glieb, insgesammt 2047 Namen aufgeführt sinb. Diese neue unb überaus practtsche Anordnung, auS der sich ein übersichtliches Bild der Blut- mtschung unsres Kaisers ergibt, bietet zugleich ein werthoolles Vorbild für diese Anlage solcher Stammtaseln im Allgemeinen. Im gleichen Heft veröfs ntltcht Leo Brenner, der Dtrector der berühmten Sternwarte von Lussin im Quarnerischen Archipel, die neuesten War- nebmungen, die er mit dem siebenzölligen Refractor auf dem schwer sichtbaren Planeten Merkur gemacht hat. Zwei Zeichnungen erhöhen ben Werth dieser höchst tntcreffanten Ausführungen. Prächtige farbige Illustrationen begleiten die Artikel „Im Oderengabtn" von Peregrinus unb „Bilder aus Japan" von Franz Jäger. Für bie Gediegenheit des belletristischen Inhalts legen dte Namen Paul H.yse, Adolf Wilbrandt unb Iba Boy-Eb ein gerabezu glänzendes Zeugniß ab unb autz bem Sammler, ber un8 in Wort unb Bild mit ben neuesten Ereignissen ber TageSgeschichte bekannt macht, sei
das Porträt des Großherzogs von Baben nach der jüngsten Aufnahme heroorgehoben. Die geschmackvolle äußere Ausstattung der Zeitschrift tst bekannt, und auch die zahlreichen Kunstblätter dieses HesteS zeugen wieder von ihrer vollendeten Reproducttonstechntk.
— Allgemeine M«stk,eit«ng (Charlottenburg, Otto Lehmann) Nr. 40 enthält: Auf ber Wanberung. Orgel-Suite in fünf Sttmmungsbtlbern von Dr. Heinrich Reimann. Zur Frage über seit Wagner« Tobe eingeführte Neuerungen bei ben Festspielen zu Bayreuth. Von Albert Heinz. Skizzen auS ber musikalischen Ab- theilung der Berliner Gewerbe-AuSstellung 1896. IV. Von Wilhelm Klatte. Literarisches. Von Otto Lehmann. Vom Mustkalienmarkt. Von Wilhelm Klatte und Otto Taudmann. Berichte und kleine Mittheilungen. — Theater und Oper. — Brieskasten, — Anzeigm.
Unltwrfüäis - Nachrichten.
Marburg, 10. October. Durch Erlaß vom 14. September b. I. hat ber Herr Minister ber geistlichen, Unterrichts- unb Mebicinal-Angelegenheiten unter Abänberung der entgegenstehenden Vorschriften bestimmt, daß an allen preußischen Universitäten, einschließlich der Akademie zu Münster, außer preußische ReichS- angehör ige künftighin htnstchtltch der bet Zulassung zur Promotion beizubringenden Reifezeugnisse nach denselben Grundsätzen ,u behandeln find, wie preußische Staatsangehörige.
Spielpllm Irr rnrhrijini Jmtyrfrr StMtzeitrr.
Opernhaus.
Mittwoch ben 14. October: Regimentstochter. Hierauf: Coppelia. Donnerstag bcn 15. October: Afrikanerin. Freitag ben 16. October: Wilhelm Teil. Samstag ben 17. October: Die verkaufte Braut. Sonntag ben 18. October: Margarethe. Montag ben 19 October: Carneval in Rom.
Schauspielhaus.
Mittwoch ben 14. October: Minna von Barnhelm. Donnerstag ben 15. October: Glück im Winkel. Freitag ben 16. October geschlossen. SamStag ben 17. October: Dte Höllenbrücke. Ein belicater Auftrag. Sonntag den 18. October, Nachmittags 3‘/i Uhr: Die offictelle Frau. Abends 7 Uhr: Dte Höllenbrücke. Ein belicater Auftrag. Montag den 19. October: Die Erste.
WttternngSbericht vom IS. October.
Der größte Theil Europas gehört einem umfangreichen De- pressionSgebtete an, das sich als eine breite Furche von Westen durch ganz Eentral-Europa nach dem Norden und Nordosten deS Erdthells erstreckt. Innerhalb desselben sind außer zwei geschloffenen Zentren, von denen das eine über der Nordsee, ben Nieberlanden unb Norb- west-Deutschlanb, baS anbere über Ostpreußen liegt, noch ve^ schiebene Tbeilminima zu erkennen. Im Norbwesten ist ber Luftbruck beträchtlich gestiegen unb lagert westlich von Jrlanb ein barometrisches Maximum. Auch über Ost- unb Südost-Europa besteht relativ hoher Barometerstanb. In Sübbeutschlanb sinb gestern auch Nachts allenthalben Nieberschläge gefallen. Das trübe Wetter dauert auch heute noch an. Die Temperaturen sinb merklich' gesunken, namentlich an ben Hochstationen, woselbst roteber leichter Schneefall eingetreten ist.
vorauSWihtltSa «Httmrns»
Fortbauer betz trüben kühlen Wetters mit zeitweisen Nieber- schlägen.
Feuilleton.
Grober Unfug.
AaS ber Schule geplaubert von Hebwig Erlin.
(Schluß.)
.Nicht zanken, Gestrenge, bitte, bitte!" Komisch bettelnd er dte Hände. „Rothe Nelke heißt . .?"
„Ich bin noch zu haben!" belehrte fie ihn gnädig.
,Stimmt!" bestätigte er seufzend.
.Sie haben entschieden andere Gedanken, Herr Doctor . Gedanken, die nicht zur Sache gehören und darum —"
Schwapp! schlug fie das Blumenbuch zu unb setzte ihre unimbfte Schmollmiene auf.
.Aber, Fräulein Käthe, ich bin doch ganz entschieden «williger Schüler! Ich möchte heute zum Beispiel gar jzi g ern noch wissen, welche von den Blumen glühende Me bedeutet. Solche Blume muß eS doch geben, nicht
Käthe?" , ,
Er hatte die letzten Worte leise gesprochen, wie ein ttlseilmniß. „ _ .
.Was weiß ich, Herr Doctor Bedding .... Sie find jjiloi sehr viel klüger als ich."
„Aber darin nicht, da find Sie meine Lehrerin."
verwirrt war fie aufgestanden und Kopfschmerz vor- Mtznnd, behauptete sie, heute überhaupt kein Wort wehr tnliao zu können, er dürfe morgen wiederkommen.
! Königlich huldvoll entließ fie ihn.
Sie war wirklich froh, daß er ging. Der merkwürdige Btafifij mit seiner absurden Blumenspracheutdee . . . Waß ui °mr von ihr wollte? Neulich schon auf dem Balle «eitel er alle Haupttauze mit ihr. Dabei muhte er doch
von der Schule her noch ganz genau wissen, wie fie ihn haßte! Freilich, fein Benehmen hatte sich bedeutend ge- Ludert seither . . . aber, wenn auch ... fie mußte ihn entschieden unausstehlich finden ... Ja, eß ist manchmal schwer, fich selbst getreu zu bleiben.
Am nächsten Tage wurde der Unterricht im Garten er- theilt. Familie Berthold nahm mit dem jungen Lehrer gemeinsam in der JaSminlaube den Nachmittagskaffee ein, nachher aber begab fie fich wieder in» HauS zurück und Käthe unb Doctor Bedding waren allein.
„Also, mein Herr, wir blieben letzteSmal bei der rothen Nelke stehen, nicht wahr?" begann fie gesucht monoton, während fie gesenkten Blickes in dem Lehrbuche blätterte.
„Nein, bet der glühenden Liebe," beharrte er.
„Fangen Sie schon wieder an? Ich ftrike einfach," drohte fie ernstlich ärgerlich.
„Da Sie mir die Blume nicht nennen können, die glühende Liebe bedeutet, ftrike ich auch."
Sie biß fich auf die Lippen, als wäre fie unangenehm überrascht.
„Wenn Ihnen so wenig an der ganzen Sache lag, hätten Sie mich überhaupt nicht bemühen brauchen!"
Er sah fie fragend an und wirbelte 'plötzlich seine« Schnurrbart in dte Höhe — alles in der Art eines Menschen, der fich zu einer längeren Rede auschickt.
„Fräulein Berthold, schon seit längerer Zeit quält mich eine Bitte, die ich an Sie richten möchte .... Ich weiß nicht, wie ich «ich Ihnen erklären soll . . . Eigentlich wollte ich'S Ihnen durch die Blumeusprache sagen —"
„Herr Doctor, Sie — Lehrer an der höheren Töchter- schule für deutsche Sprache und Literatur! Ha, ha, ha!"
Spöttisch lachte fie ihn au«.
Da« gab ihm seltsamerweise Energie. Em zerknitterte» Stück Papier aus der Tasche ziehen und eS ihr überreichen, war ein Augenblick.
„Hier, mein Fräulein, meine Bitte, kurz und bündig! Wollen Sie mir gestatten, das, was da auf dem Zettel steht, drucken unb veröffentlichen zu lassen?"
Ueber und über erglühend blickte fie auf die verhangniß- volle Verlobungsanzeige, um dte fie vor zwei Jahren mit einem Aufsatz über Schulpflichten bestraft worden war.
Der Schulzeit ganzer Jammer packte fie.
„Aber, Herr Doctor, über solchen groben Unfug bin ich doch längst hinaus."
Den unverfrorenen Menschen schüchterte diese gewiß deutliche Abweisung nicht im mindesten ein, im Gegentheil, er machte sein allvergnügteö Gesicht.
„Ja, Käthe, damals war die Sache thatsächlich sündhaft. Solcher Ansturm aus da» Herz eines Menschen, der nicht nur Gefühle, sondern Lehrerpfltchten hat, war geradezu Sachbeschädigung. Sachbeschädigung aber ist grober Unfug — und Unfug muß bestraft werden."
„Unb damals schon . . . Sie . . . Du —"
In Käthes Augen leuchtete es noch sonntäglicher al» sonst, das Glück war gekommen, eS war da.
„Ja, damals schon, Du unnützeste, gelehrigste aller Schülerinnen! Unb . . . darf ich'S nun drucken lassen?"
Sie zögerte eine Secunde, dann reichte sie ihm den Zettel zurück und verbarg den Kopf an seiner Brust.
„BloS .... bloS damit meine Mitschülerinnen von damals sehen, daß ich stets halte, was ich verspreche, selbst weouS Unfug ist."


