Ausgabe 
14.7.1896 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in

M. 163 Zweites Blatt. Dienstag beit 14. Juli

199«

Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.

Die Gießener M«mitkenvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Lierteljährlger AöonnementspreiF« 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.

Siedaction, Expedition und Druckerei:

Kchntstratze Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Airzeigeblatt füv den Weis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» Aokgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

HrMsöeikage: Hießener Iamitienökätter.

SSff- ... -------- ....

Alle Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen

Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

ImMWMMMMMMnMMWMIIIII II » XM

ganz

......... viv wvuivyiiu/ uuuj uicyt zu « Daher artete ich nicht weiter auf die Ergüsi, ^q'so U$s bekümmerten H,erzenS und vertiefte mich in ein Buch.

rtvlff a rt mlln Ma «m

3

6

9O.a/i 238.a/i 169.30 140.75 139.60 95 85 88.

139»

1385 130.- 1B

31.1

11,60

3.3C

1.30

14.

4U r->

90.-

169« 140H 136« 96« 81*

56.80

[50.70 [54.- s-F >07.20

139.30

187.90

129.55

129.90 94.20 33.-

4

4

5

3',

12.90

02.-

9

Afeber's Carlsbader Kaffeegewürz.

Jt Dorfeld

W efa 612(

Da plötzlich tönten Worte an mein Ohr, die mich er­schreckt stutzen ließen:

schienen die aujsgeregte Frau womöglich noch mehr zu reizen. Daher artete ich nicht weiter auf die Ergüsse ihres

»g.

Teilnahme bei dem schweren 1 Windei, sowie für die Wn wir hinmit unseren

kalter und Frau.

6424

44.45

25.1b

107.-

58.75

29.50

23.1°

6<vau!" höhnte; die Dame, indem ihre stechenden Augen wiederholt meinte Toilette streiften und schließlich an der an meinem Kra^eu steckenden Brache haften blieben- es waren die Initialen Mreiner Herrschaften in kleinen Brillanten und Türkisen, ein Schmuckstück, welches ich mit Vorliebe trug, dann fügte ste i n auffteigender Bitterkeit hinzu:

Dergleichen fatale M'ßgesch cke treffen ja stets nur arme Leute. .,Jn meine Kaffe schlägt der Verlust jener fünfzig Gulden x eine empfindliche Bresche. Oh oh, waS ßoll ich nun anhfangen. Ich bin der Verzweiflung nahe!"

Für mich 0 war die Situation äußerst unerquicklich; zu helfen vermocht^ ich nicht und weine wohlgemeinten Tröstungen

158.9° 4 .09.30 5

!97.*/i 3

< Feuilleton.

Am fünfzig Gulden. Novelle r^on Doris Frettn von Spättgen. (2. Fortsetzung.) Der Scheiß wird sich nicht finden, das weiß ich

do-Südb-M' Deft.^roT G°tth°rdbahn- Zrs

tUniKlI11!1

w-Ä yagtr.w11 DoM^' '

®«btvlix)

Ä Türk- sts- PK'»» i***'*- Ä

,rt

15.50 3 ,20.50 ,60.60

46.- «8.80 155.50

153--

'bindanfifttätt

M zurück.

|UTii tart l® ___besgWikttWistnlo^ dl ra billigen Preisen die sehe Univ.-Druckerei

(Pietsch & Scheyda),

Schulstrasse2___

L'b-k-M MM»

ntSS5 d nmeM sur vie M » M sein- _______

O, toafi.j gibt es doch für Menschen! Trauen darf man Niemanden auf der Welt! Hinter einem feinen Aeußeren und vornehmen Gebühren verbirgt sich oft die größte Schlechtigkeit. Trübe Erfahrungen haben mir wenigstens einen scharfen BIM verliehen. Ich weiß sofort, war ich von Manchem zu habften habe."

War dieses n Weib dort in der Ecke verrückt? Hatte fie . jene anzüglickhen Redensarten auf mich gemünzt? Un» io«' mmth und Widern^illen stritten in meinem Herzen. Ich that yj iedoch, als achtete $, ich nicht darauf, da fuhr fie auch schon tu ii.i derselben bissigen, »weinerlichen Weise fort:

fr'Fünfzig Gulden verschwinden so ohne Weiteres nicht. --- ' to^re ^ch mut nicht eingeschlafeu! Währenddem kann

28^5 dUl geschehen sein. e All mein bischen Hab und Gut lag ja srnt und offen da-eine Närrin bin ich gewesen!"

Hel der Welt ist za haben tessgeschäften.

E

Vetttßche» Leich

Berlin, 11. Juli. Dem BundeSrath sind jetzt d-sx officiellen Mittheilungen des ReichStagSPrästdenten übe te Entwürfe deS Margarine-Gesetzes, deS bürgerlichen duchS und des EtnführuugSgesetzeS zugegangen.

Berlin, 11. Juli. König Humbert kommi^m Herbst nach Berlin, um den Besuch deS Kaisers in Keuedtg zu rrwidern.

Berlin, 11. Juli. In der Special-AEellung Alt- Berlin wurde gestern auf dem Marktplätze von einem SicherheitSbeamten in einer Blechumhüllung r eine Patrone gefunden, die von einem Sachverständigen m Dynamitpatrone bezeichnet wurde. Wie die Patrone an.' ihren Fundort ge­kommen ist, weiß Niemand. Sie wur.de heute unter An­wendung der nöthigen Vorsicht in die Bpree versenkt.

Berltu, 11. Juli. Wie dieNordd.Allgem.Ztg." hört, ist in Preußen die Besoldung tzaufbesserung für scimmtliche mittleren und höheren Beamten einschließlich der Vortragenden Räthe in den Minister/ten in Aussicht genommen. Die Verhandlungen und Berathunsgen hierüber find soweit vorgeschritten, daß Aussicht vorhanden ist, die Aufbesserung im nächsten Staatshaushaltsetat i für 1897/98 zu erwägen. Ebenso liege diese Angelegenheit^ für die Reichsbeamten.

Berlin, 11. Juli. Die 'hier erscheinende Märkische Volkszeitung hat der Etzntrumsabgeordnete Dasbach- Trier angekauft. ;

Berlin, 11. Juli. Di.L Verhandlungen über den Abschluß eines neuen deutsch-amerrtkanischenAuslieferungS- Vertrags ruhen seit fkkst einem Jahre. An eine Wieder- oufnahme derselben ist, rn>ie da«Tageblatt" hört, nicht zu denken, da zwischen den ibetden Regierungen eine Verständigung über gewisse Fragen nifcht zu erzielen sei.

München, 11. IM. Wie denMünchener Neuesten Nachrichten" aus Berlin gemeldet wird, wird in eiugeweihten Kreisen kein Hehl daraus gemacht, daß für die Herbstsesfion d<S Reichstages groß^ Marineforderungen bevorstehen.

München, 11.IM. Die Kaiserin von Oesterreich ist gestern Abend tiion Füßen hier eingetroffen und im Hotel Continental abgefti egen.

München, 11.'Juli. Nach kurzer Krankheit verstarb hier unlängst die C-attin eines Restaurateurs. Da dieselbe öfteren Mißhandlungen Seitens sthres Ehemannes ausgesetzt war, wurde eine gerichtliche Section der Leiche angeordnet.

j ------------

-------------------------------j

esetz-

Ausland.

Wien, 11. Juli. In Bezug auf den bevorstehenden Besuch des österreichischen Kaisers beim König von Rumänien wird officiöS geschrieben, daß dieser Besuch nicht allein als eine feierliche Anerkennung der rühmlichen Cultur-Siege dikses Herrschers anzusehen sei, sondern auch den Beweis liefern für den sehr hohen Grad der Intimität, welche beide Herrscher und ihre Staaten verbinden. Diese Offenbarung werde zweifellos in allen denjenigen Kreisen, in welchen man ein richtiges Derständniß dafür habe, mit großer Genugthung begrüßt werden.

Rom, 11. Juli. General Baratieri soll bereits in Rom angekommen sein und sich bei einem Freunde versteckt halten. Auch soll er bereits eine Besprechung mit dem Kriegsminifter gehabt haben und beabsichtigen, morgen nach Triest weiter zu reisen.

Brüffel, 11. Juli. Die liberalen Blätter fordern die Wähler auf, am Sonntag für die Soc i ältst en zu stimmen, damit die Mehrheit der Regierung in der Kammer von 58 auf 22 Stimmen rehuclrt werde.

Brüffel, 11. Juli. Hiesige Blätter äußern die Be­fürchtung, daß die Verhaftung der beiden englischen SchiffS- osfiziere in Ostende zu einer neuen Affaire Stokes führen können. Die Gazette ertheilt dem Magistrat!, der Stadt, wo die beiden Offiziere sich im Gesängniß befinden, den wohlgemeinten Rath, fich in London genau zu informiren, ob er auch dem Gesetze nach in dieser Weise gegen die beiden Offiziere vorgehen konnte.

Tourcoing, 11. Juli. Sämmtliche Arbeiter der Teppich- fabriken haben beschloffen, am nächsten Montag in den Aus­stand zu treten, wenn die Forderungen der ausständigen Arbeiter zweier Fabriken nicht bewilligt werden.

Paris, 11. Juli. Vor dem Zuchtpolizeigericht wurde Ar ton wegen betrügerischem Bankerott zu drei Jahren Gcfängniß verurtheilt.

London, 11. Juli. Einem Telegramm aus Panptow zufolge haben die Rebellen eine katholische Mission nordwestlich von Salisbury zerstört. Man erwartet einen Angriff auf Salisbury selbst.

MW. Aus der mittleren Wrlterau, 9. Juli. Die

Kirschen find in den letzten Tagen bis auf 12 Pfennige

Wie durch einen Federdruck schnellte ich jetzt auf meinem Sitze empor und rief mit stockendem Athem:

Wollen Ste damit sagen, daß ich ich mich an Ihrem Gelde vergriffen habe?"

Sie maß mich mit überlegenen, mißtrauischen Seiten­blicken und entgegnete giftig:

Na, die fünfzig Gulden sind doch aber fort. Erklären Sie mir das, bitte. Auf eine natürliche Weise müffen fie doch wohl verschwunden sein, da Niemand außer und beiden im Coups war. Gedanken find zollfrei, wertheS Fräulein!"

Einen Moment hatte ich die Empfindung, als habe mir Jemand einen wuchtigen Schlag auf den Kopf versetzt- durch das soeben Gehörte wie betäubt, fast blöde, starrte ich in meines Gegenübers cynisch lächelndes Geficht. Ich fühlte, daß Leichenblässe meine Wangen überzog, aber dennoch ge­wann ich so viel Kraft über mich, um im Tone eifiger Ruhe und Verachtung zu erwidern:

Ich möchte Ihnen anrathen, mit dergleichen Aeuße- rungen vorsichtiger zu sein, da eS meiner Ansicht nach nichts Verwerflicheres und Sündhafteres gibt, als Unschuldige zu beschuldigen. Haben Sie Beweise, Madame?"

Ich wunderte mich selbst über die Festigkeit meiner Stimme.

Die Angeredete lachte brüsk und versetzte malitiöS:

DaS find sehr schöne Worte, aber Sie werden mir doch wohl zugeben, daß jeder fich selbst der nächste ist. Mir fehlt das Geld und daher sehe ich mich auch berechtigt, alles aufzubieten, es zurückzuerlangen."

Fast war ich versucht, der ordinären Person ins Geficht zu lachen, aber dagegen bäumte fich mein Stolz auf. In ihren Augen durfte ich mir nicht das Mindeste vergeben. Meine Blicke durchbohrend auf fie heftend, fragte ich streng:

Bitte, wollen Sie mir vorerst erklären, auf welche Weise ich mir den Ihnen gehörigen Fünfzig-Gnlden-Schein angeeignet haben soll?"

Nun, al- ich heute Nacht zufällig aufwachte, sah ich ganz deutlich, wie Sie fich an meiner Ledertasche zu ihun machten. Ich schenkte diesem Umstande weiter keine Be­deutung, bis ich jetzt eben bemerkte, daß mir das Geld ab-

das Pfund herabgegangen. Unsere Hausfrauen machen fleißig ein und vergeffen auch den Kirschenmichel nicht. Das Gemüse kränkelt und will nicht vorwärts, obgleich es sonst nicht von Ungeziefer geplagt wird. Bei Wirsing und Kohl­rüben zeigen fich viele Herzkranke Pflanzen. Das windige, trockene Wetter sagt dem Gemüse nicht zu. Mit neuen Kartoffeln haben wir Proben gemacht, fie sind aber wenig befriedigend ausgefallen. Die Stauden blühen seit Wochen, aber mit der Knollenbildung will es nicht voran, es find nur wenige vorhanden. Die Trockenheit ist zu groß, ein durchweichender Regen, der fett April fehlt, wäre äußerst erwünscht vor der Ernte. Die alten Kartoffeln, welche seit­her noch zu 3 Mark erhältlich waren, find in den letzten Tagen auf 4,50 Mark, gestiegen. Sie werden aber schwarz in­wendig. Der Roggen ist, seit Eintritt der heißen Tage, rasch weiß geworden. Man wird mit dem Schneiden auf höheren, trockenen Lagen morgen, den 10. Juli, beginnen. Genau auf denselben Tag begann das Schneiden auch im Jahre 1894 und 1895. Wie im Jahre 1896 zeigte fich der Monat Juli auch in den beiden vorhergehenden Jahren, während der ersten Decade stürmisch, trocken und ungemüth- lich. An den HauStraubenstöcken sind die Beeren schon stärker als Erbsen geworden. Jetzt sieht man erst den Segen, der daran hängt. Die Stöcke erscheinen wie überschüttet. Die Rebschenkel beugen fich, müffen stark an­geheftet und gegeizt werden, damit die Säfte nicht zwecklos verschwendet werden.

-ö- Ans dem Ridderthale, 10. Juli. Nachdem seit gestern eine furchtbar drückende Schwüle über unserem Thale gelastet das Thermometer zeigte heute Vormittag um 10 Uhr bereits 22 Grad R im Schatten zogen heute Nachmittag mehrere Gewitter in verschiedenster Richtung über die hiesige Gegend, von welchen fich gegen Abend einige hier entluden und einen durchdringenden, befruchtenden Regen brachten, welcher für unsere lechzenden Fluren, insbesondere für unsere Wiesen sehr willkommen war. Schaden hat das Wetter nicht angerichtet.

Mainz, 10. Juli. Heute Nachmittag 6 Uhr ging hier und in der Umgegend ein Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder- der Regen dauerte etwa eine halbe Stunde und setzte buchstäblich die ganze Stadt unter Wasser, so daß keine Straße mehr pasfirt werden konnte. Die niebergelegenen Geschäftslocale wurden unter Wasser gesetzt.

Händen gekommen ist," gab sie mir in gehässigem Tone zur Antwort.

Ich habe Ihre Tasche nur bei Seite gelegt, um zu meinem Köfferchen zu gelangen," sagte ich kalt.

Wer will mir das beweisen, Fräulein, ich kann be­schwören, daß Ihre Hand an meiner Tasche lag."

Etwas wie Angst und H'lflofigkeit beschlich mein Herz und ich fühlte, daß Thränen mir in die Augen stiegen. AlS Diebin beschuldigt! Entsetzlich!

WaS war zu thmi? Sollte ich an der nächsten Station den Schaffner rufen und darum bitten, mir ein anderes Coups zu öffnen? Nein, das hätte einer Flucht ähnlich ge­sehen. Ich mußte auSharren und so gut eS ging, meine Umschuld an den Tag zu bringen versuchen. Glaubte die Person wirklich, ich könne ihr daS Geld gestohlen haben ober lief alles nur auf einen ErpreffungSversuch hinaus? Meine elegante Toilette und der Schmuck, den ich an mir trug, hatten dem abscheulichen Weibe wohl längst in die Augen gestochen - zweifellos vermuthete sie eine Dame von Distinktion in mir. Entweder war fie eine abgefeimte Schwindlerin, welche mich in schlauer Weise zu rupfen gedachte, ober jene fünfzig Gulden waren ihr allerdings auf unerklärliche Weise abhanden gekommen und fie versuchte an wein gutes Herz zu appelliren, in der Hoffnung, ich würde ihr den Verlust ersetzen.

Ich erwiderte kein Wort und ging mit mir zu Rathe, waS hier zu thun sei. Gott sei Dank, hat die Vorsehung mir einen starken Geist verliehen, insbesondere in schwierigen Situationen habe ich noch nie meine Ruhe und Ueberlegung verloren.

Der Gedanke, der aufgeregten Frau aus meinem Porte­monnaie fünfzig Gulden auSzuhändigen, schoß mir anfänglich durch den Sinn. Allein eine mahnende Stimme im Innern belehrte mich eines Befferen. Lag hierin nicht ein stummes Zugeständniß, daß sie mit ihrer Vermuthung Recht und ich mich doch an ihrem Eigenthum vergriffen hatte? Nein, nein, das durfte nicht geschehen, nur keine Rückficht, keine Schwachheit in diesem Moment.

(Fortsetzung folgt.)