Ausgabe 
14.6.1896 Zweites Blatt
 
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>D! tenVtLller e HP" dem Anzeiger lt mU* t id) dreimal loigelegt.

Zweites Blatt. Sonntag den 14, Juni

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

1896

vierieljährtger jL6oae(«<nl»pttU i 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Rebaction, <kxveditr»8 und Druckerei:

><6*rHr<|t ISt.l. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen.

chratisbeisage- Hießener Iamiri-nbtätt-r. |

jju den wirthschaftlichen Kämpfen der (Gegenwart.

vurch die Entwickelung deS wirthschaftlichen Lebens der bt ton ! letzten Jahrzehnte tft, wenn man nach den heißen R litbpien der verschiedenen Interessengruppen, der Landwirthe u oi! kluafleure, der Handwerker und Industriellen, urtheilt, ektzipilliLH jeder im freien Erwerbsleben stehende Mann un- zuDisriktm geworden. Wir erblicken nun aber daS Uebel nicht n: uw In i bet thatsächlichen Erschwerung des Erwerbslebens, irkti bec Ueberproduction oder in den fich oft schnurstracks wMiporechenden Klagen, welche die einzelnen Berufszweige üliBkt ungenügenden Freihandel oder noch ungenügendere L8L»tzz>^lle erheben, sondern das Hauptübel liegt offenbar t, ta tta auf daS poltnsche Leben hinüdergespieltem wirth- UM^en Kampfe Aller gegen Alle. Dabet ist eS dahin- g pibtnütn, daß wett über den natürlichen und gesunden Eimurcenzkampf hinaus ein förmlicher SrwerbSklassenkampf ctnbjtircten ist, die Landwirthschaft bekämpft als ihren Tod- fetÄ dim Handel, daS Handwerk und Kleingewerbe führt h'dGAehbe mit dem Großbetriebe und der Industrie, und Irwin neuesten Zett ist sogar derZwischenhandel" als der g.Mikchste Jnteresienschädiger bitter angefeindet. Dabei g'flk!: alaer offenbar ganz und gar daS gesunde allgemeine w ta! staatliche Interesse verloren, denn fast jeder Erwerbs« ziMig eht sich auf diese Weise durch die anderen bedrängt u vc! bei-roht und verlangt nach staatlichem Schutz.

Dieser Schutz kann aber im Sinne der Klagesteller dann ^»kchwllch gar nicht als ein allgemeines, die Rechte aller SSiütftjürßet wahrnehmendes Staatsgesetz gewährt werden, so nitro er muß oder müßte als ein Specialgesetz zu Gunsten

ErwerbSklassen erlaffen werden, welchem sich aber in ilei Söirthschaslspraxi« nicht die betreffenden Erwerbsklaffen, foi ultra alle anderrn Einwohner des Staates zu fügen hätten. KMLHfe und Mißstände gtebt es nun allerdings im Wirth« fdöcfuLieben, aber die Bekämpfung derselben darf doch nicht b.te al|lgem?tne Jnterefse, welches in diesem Falle gleich- btibtlwanb mit dem Interesse aller Staatsbürger ist, miß- Am bedenklichsten erscheint unS jetzt derjenige Theil

des wirthschaftlichen Kampfes, welche die große Cultur« Aufgabe des Handels, d. h. den großartigen Güteraustausch von Stadt zu Land und von Land zu Stadt, ferner von Stadt zu Stadt und von Land zu Land mit Hilfe groß« artiger Verkehrsmittel und gewaltiger Capitalien so ziemlich für überflüssig oder gar unter dem schiefen Gesichtswinkel eines die Producenten und Consumenten schädigendenZwischen­handels" betrachten möchte. Der Güteraustausch im Großen und im Kleinen muß doch sein und die Producenten und Consumenten sind gar nicht im Stande, denselben ohne den Kaufmann ganz allein zu besorgen.

Vermischte».

* hermaoustetu, 10. Juni. Nachdem der glorreiche Feldzug von 1870/71 beendet war, wurden überall Krieger« vereine gegründet. Auch die Krieger und ehemaligen Soldaten unseres Dorfes haben im Jahre 1893 einen solchen Verein gegründet. Unser Verein besteht also die vorschrtftS- mäßige Zeit und hat deshalb beschloffen, sich eine Fahne anzuschaffen, denn nur eine solche, auf welche die ehemaligen Krieger und Soldaten dereinst Treue geschworen haben, kann das Band der Kameradschaft im Verein fester und enger schließen. Mit der Anfertigung der Fahne ist die Fahnen­fabrik von Herrn Julius Schulze in Gießen beauftragt worden. Als Tag der Fahnenweihe ist der 28. und 29. Juni vom Verein festgesetzt worden.

Einer der nicht deutsch sprechen will, stand in ver­gangener Woche in der Person des polnischen Holzhändlers Clemens Lukaskczyk aus Siemianowitz vor dem Schöffen­gericht in Kattowitz in der preußischen Provinz Posen, um sich wegen Körperverletzung zu verantworten. Der Amts­richter stellte fest, daß L. bet dem 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam feiner Militärpflicht genügt habe, daß er also der deutschen Sprache mächtig sein müffe. Der Vorsitzende ließ an L. eine ernsthafte Mahnung ergehen, und machte ihn darauf aufmerksam, daß ec, falls er fich weigere, deutsch zu sprechen, und ihm nachgewiesen werde, daß er fich deutsch auSdrücken könne, er unter Umständen sofort wegen Ungebühr zur Haft gebracht werden könne. Dies that seine Wirkung.

Die Bevölkerung deS rnsfischru Reiche» betrug mit Ausnahme des GroßfürstenthumS Fmland im Jahre 1892 1 19,288,804 Einwohner - die Geburten beliefen sich auf 4,976,386, eS starben 4,403,901. Auf daS europäische Rußland entfiel eine Einwohnerzahl von 100,251,510 die KaukasuSländer 7,864,202, Mittelasien 6,316 190.

Citerattu? mhö Aun-t

«in neuer HochlandSroman von Ludwig Gang- Hofer. Ludwig Ganghoser zählt zu den beliebtesten unserer Romanschriftsteller. Was ihm die Gunst weitester Leserkreise tn fo h.hem Matze gesichert, ist nicht nur seine wahrhaft dichterische Be­gabung, die dramatische Kraft, welche seinen Schöpfungen tnnewohnt, sondern auch die genaue Kenntniß des Volkslebens, namentlich der eigenartigen und so anziehenden Sitten und Gewohnheiten der Be­wohner unsrer süddeutschen Gebtrgsländer. Die meisten und hervor­ragendsten Romane Ganghofers sind im Laufe der letzten e in der weitverbreitetenGartenlaube" erschienen: soEdelwetglonig , der Unfried",die Marttnsklause" und der tiefergreisendc geschicht­liche Romander Klosterjäger". Die neueste, Schöpfung Gang- Hofers, die den TitelDer laufende Berg" fuhrt, beginnt soeben in derGartenlaube" zu erscheinen. Indem wir unsre Leier darauf Hinweisen, fügen wir noch hinzu, daß neueintretende Abonnenten, welche dieGartenlaube" o-'M 1. Juli ab beziehen wollen, die Juni­nummern der Zeitschrift mit dem Anfang deS neuesten Ganghofn schm Romans gratis geliefert erhalten.

Die soeben zur Ausgabe gelangte Wummer 22 des »Reports«*, tllustrtrtes Weltblalt Berlin (Preis 10 Pfa., Postzeitungsliste Dir. 5899) hat folgenden Inhalt: Die chinesische Krönungsgesandischaft. (Mit Illustration). Eine verunglückte Theatervorstellung (Mit drei Illustrationen). Die Wahrheit über Baratterts Niederlage. Der Brand des Schlosses in Würzburg. (Mit Illustration.) Clara Schumann. (Mit Portratt). Der Straußenmagen. Ein begründeter Korb. Aus dem Sudan. (Mit 2 Illustrationen). Die Herstellung der photographischen CltchöS. (Mit 2 Abbildungen). Zur Czarenkrönung in Moskau. (Mit 6 Illustrationen). Den R cord in der Reclame rc. Die Millenniums Ausstellung. Ein spät entdeckt-r Schatz Berliner Modebericht. (Mit Illustration). Capitän Willtgerod. (Mit Portratt). Otto von Camphaujen. (Mit Portratt). Erzherzog Karl Ludwig. (Mit Portratt). Edwa d Jenner. (Mit Portratt). Djemal ed-dtn. (Mit Portratt). Die höchste und die tiefste Kneipe der Welt. (Mit 2 Illustra­tionen). Gedankensplitter. Raubmörder Kögler. (Mit Portratt). Der neueste Sommerhut. (Mit Illustration). Briefkasten.

Feuilleton.

linier Garten im Juni.

Suiten hat ein launenhafter Frühling den Garten beim Er- w ton J irregeleitet, hingehalten, über die kostbare Lenzeszett hinweg- Zetti:, :ils in diesem Jahre. Der Zeitenpsetl schwirrte d-bet unaus- ha zvm über den Garten weiter. Und nun er endlich in sonniger y Mi Heine Augen voll aufgeschlagen, ist Freund Juni da: Der S wzarunflen, kaum in die richtige Bahn gelenkt, rüstet sich zur ÄiL-i

,llnb nun w.ll ich meine Sommerlust in vollen Zügen ge- niibfc sagt die Königin Rose, hüllt sich in ihre entzückendsten, bürgen Gewänder und blüht, blüht ihre alte, sinnige Pracht. (gt(i viel ist mir in den trauten deutschen Gärten schon begegnet, tu lexi It>!ir hab ich gesiegt'. Und ich blühe hier lieber als im oerweich- lüHta Norgenlande! Nicht« herzerfrischender als ein tüchtiger DW^tampf, nichts beglückender als Menschenhcrzm, die Sinn für ke vr:: Geradheit, Treue und Poesie, zu erfreuen!"

I nb weißt Du noch," fo neigte sich die köstlich aufblühende $ foer.liie zur weißen Lilie,alS wir zusammen in einem der ersten bewies Nutzgarten ftanben? Der traute Klostergarten zu Sanct G'Siil.- unfern des deutschen Bodensees wars, in dem sich unsere kl»ier sl flanzengemeinde 820 Jahre nach Christi Geburt zusammen- K ,O ja", sagte die Lilie,es war ein köstliches Fest, als wir, oatocTall her zulammengeschneit, die erste Sonnenwende in voller Jisir.acht zusammen feierten! Da war da« Gärtchen mit Heil- «fllfcaii unter der Wohnung der Aerzte; und vor dem Häuschen beidlä :ilner§ und seiner Gehilfen der Gemüsegarten. Wissen eS dtttr^rugen Gärtner, was er schon damals alles barg? Und nördlich v»«^.müsegarlen: der stille Friedhof, längst, längst versunken; zmOt '« den Gräbern reichb-hangene Obstbäumr!"Gewiß, so war daS Bobnenkraut:ihr standet ja bei uns, im Würzgärtchen, und'xieben Frauenminze, Fenchel, RoSmarin und gewöhnliche Mstd- auch fasilio, eine Bohnenari."Ach, und erinnert ihr euch nlübiß -herbularius*, wo ich mit Raute, Schwertlilie, Polei, «tzkm. »inze, Kreuzkümmel, Liebstöckel, geschwisterlich vereint, gepflanzt wmi1 agle die alte kluge Salbei.

,freilich!" tuschelte die Zwiebel bedeutungsvoll vom Beet be-';.von da ging« ja zu unserem ^bortvs", dem Gemüsegarten, tutiliifaoi Plan der einstige Gartenmeister geschrieben: hio plantata he hot. pulohre nascentia veraantu.

,30« warum denn nicht deutsch?" frug 8 gerltch der Rosen- pfißr.I, du lieber Got.', waren halt Mönche," tagte die ßi jnl; das hieß:Hier sprießen die hübsch aufwachsenden Gemuse- P ' Ma und ob! Ich sprießte ja drcht neben Dir, liebe Zwiebel", erfcili! I ber Porree.Und neben uns die vollen Beete von Koriander, DllflMahn (Samen:M.gsamen" zu Del!), Retttge, Rothe Beete, JjaWr ^j, Knoblauch, ascolonias (eine Zwiebelart). Petersilie, Kerbel, Rdhr-air, Pastinakwurzeln, Mohrrüben, Kohl (wohl Weißkohl?), S.!!tt;:&üintnel." _ _

,«>ich wie alte Landsleute!" staunte die Kartoffel.Ja, Du

kamst freilich erst 766 Jahre nach unserem damaligen Sonnenwendfest zu uns von Ame, tka herüber! bist uns deshalb doch lieb und werth," sagte der Kümmel.

Jetzt will ich euch auch sagen, was für Kameraden ich im stillen Gottesacker der St. Gallischen Benedictiner damals hatte; ich war auch dabet!" rief der Lederapfelbaum von der Gartenmauer herüber.Latz Klima war damals noch milder da am Bodenfee. Wir ftandrn da in fünf Reihen, je nach B.darf von einander entfernt. Also verschiedene Sorten meiner Art. Ebenso von Birnbäumen. Dann Pflaumenbäume, Pinien (der Nüsse wegen), Speieilinge, Mispeln, Lorbeer, Edelkastanie, Feigenbaum, Quitte, Pfirsichbaum, Haselnußstrauch, Mandelbaum, Maulbeerbaum, Wallnuß. Me,k- würdtg: Kitschbäume hasten nur keine, trotzdem sie schon lange vor­handen. Kaiser Karl der Große hat sie mit uns anderen Obstdäumen in seinemCapitulare de villis schon 812 zur allgemeinen An­pflanzung besohlen. Ach, das waren schöne Zeiten, da gabs noch keineBordelaise", keinKupferzuckerkalkpulver", keineSchradersche Mostessenz", keinRosinenmost" undSaccharin"!"Aber auch keinen Tobak!" brüstete sich eine Nicotiana colossea auf der Rabatte. Nein, der kam zuerst genau 800 Jahre fpäter nach Europa; wer den 1634 in Rußland rauchte, dem wur.e di- Nase abzeschnitten," lachte die MohrrübeUnd der Blumengarten?" frug die Kapuziner­kresse.Einen solchen hatten wir nicht; man sah damals mehr aufs Practische," sagte die Schwertlilie;mich zog man der Wurzel wegen, zu Brech- und Abführmitteln ufw. Aber an meiner Blüthe freute man sich doch!" , .

Die alten Klostergärten sind meist längst oerfunten, ihre Pflanzen aber stehen fast alle, mit nur wenigen neuen gemischt, wieder frühlingsfrisch vor uns. Die Arbeiten, die zu Staub zerfallme Hände einst für sie verrichteten, sind dieselben geblieben, ganz besonders im Gemüsegarten. Das Allermeiste, was man als neu darin zu entdecken und der etstaunten Ga-tenwelt mittheilen zu müssen glaubt, ist Alles schon, in irgend einer Form, dagewesen

Wtc damals im Juni, in auch jetzt der letzte Termin gekommen, Kohlarten für den Wtnterbrdarf auszupflonzen. Jedes leere Beet muß, nach sorgfältigem Umgraben, neu bestellt, bepflanzt werden. Falls nicht durch eine Neu'aat von Winterkohl, Endivien- oder anderem Salat, Carotten, Erbsen ober Buschbohnen darüber verfügt wird. Behacken, Anbäuseln, Begüllen, Gießen, das sind jcht tägliche Nothwendigkeiten. Beim letzteren wird so o|t gefehlt, besonders wo moderne Bespritzung mit Wosserlettungtzschläuchen üblich. Bei Trockenbeit hat ein leichtes, oberflächliches Gießen durch Bebrausen oder Besprühen gar keinen Werth. Nickt die heiße Bode: ober fläche, sondern die Wurzeln sollen Wasser erhalten. Also gründliL mit Rohr gießen. Einmal gründlich nutzt mehr als zehnmal flücht g!

®uifen, Tomaten, Melonen wollen >ach».em2ß bekneipr, d. h. entspitzt werden. Die Spargelernte wird eingestellt, damit genügend Kraut zum Sammeln der Reservenahrstoffe iürs kommende Jahr aufschießt.

Werdende Blumenkohlkäfe schützt man durck Einknicken der obersten Blätter gegen Sonne und Regen. Wer Löwenzahn als Frühltngssalat Hebt, säe ihn jetzt. Kompostbaufen sind bet Trocken­heit zu behülfen, teile Erdmagazine umzufetzm. Die Erdbeeren werden enttankt; alle noch erscheinenden llnfiäuter auLgrjälet.

Im Obstgarten stehen wi: im Zeichen deS Sommer-Gt ünschnt!ts:

das Entspltzen (Pin,Iren) muß gründlich fortgesetzt werden, ebenso das Heftin an den Spaltren. Ein richtiger Grünschnitt hat drei große Borlheile: 1. Erzeugung von Fruchtaugen, 2. Verbindern des Verwilderns, 3. Entschleierung einer Maste von Ungeziefer, da« man sonst kaum findm würde, da« aber vertilgt werden muß. Um Eulen- salter, Wickler, besonders auch Apjelwickler u. s. w. durch Adsangen unschädlich zu machen, ist es jetzt die höchste Zett,Fanggläser" üter den Gemüsebeeten, an Sprlir.n u. s. w. aufzuhängen. Es kommt in jedes ein starker Theelöfsel voll Apfelgelee ober -Mus hinein in schwach 1« Liter Wasser gelöst. Es ist erstaunlich, welche Mastm fliegenden Ungeziefers, dem man bisher nicht zu Leibe rücken konnte, sich in den heißen Tags- und lauen Nacktstunden darin fängt. Nach zweijährigem Ei proben hat meine Wenigkeit, die Form der bisherigen fo theuern Fanggläser, die man für Wespen halte, umstatzend, ein ganz einfaches geräumige« Modell dafür oorgeschlagen, daS außer leichtem Fang den Vortheil bat, auch im Haushalts (zu Mus, Gelee u. s. w) willkommenste Verwendung finden zu können. Um dieses FanoglaS bauet haft und um möglichst geringen Preis dem bcuifdten Garten- und Obstbau dienstbar machen zu können unter Umgebung jeden patentlüfiemeit Geschäftssinns Hal der bekannte Prall. Rathgeber im Obst- und Gartenbau" auf meine Anregung in dankenSwerther Weite einen Preis von 100 Mk. für die beste und billigste jabritmäßige Herstellung des Modells autzgefetzt. 20 deutsch- Glasfabriken haben sich betheiligt: als Siegerin ging die Glasfabrik Gedr. Rochna, Frankfurt a. O. hervor (sie läßt 10 Stück zu 65 Pfg., 100 Stück zu 6,25 Mk.).

Mein einziges Jnterrsse an dieser neuen bescheidenen Errungen­schaft auf dem Gebiet der Schädlingsbekämpfung besteht in dem warmen Wunsch, sie möge in möglichst vielen Gärten Nutzen stiften.

Und nun noch einen Bl-ck In den Blumengarten, besten Farben anmuthlg immer mehr an Reichthum gewinnen. An ben Rosen sind die Wurzelaustriebe, die frech in die Krone hinein wachsenden Triebe zu entfernen. Hm reichen Rosenflor zu behalten, schneide man doch j-de aufßtbiübte Rose, ehe sie verflattert, und freue sich daran, das Ansehen der Früchte schwächt den Stock durchaus. Wo ein Ros-nstock iortgesetzt L-lüthen bringt, die nicht, aufblühen wollen, p'atzen und abfaulen, ritze man die Rinde des Stämmchens oo.sichtig in kleinen auf die ganze Fläche vertheillen Mesterzügen, dadurch wird der Druck des BildungssafteS vermehrt: die Blüthenkrankhett wird nach und nach verschwinden.

Wir vermehren jetzt noch Nelken durch Absenken, säen für k mmende Jahre Stauden pflanzen, auch Goldlack und Winterlevkoyen. Die Zwiebeln der abgeblühten Hyazinthen u. f. w. können jetzt zum Abtrocknen bis zur Herbstpflanzung aus dem Boden genommen werden. Zierhecken beschneide man, sobald sie zu lange, unschöne Triebe bilden. Wo aber in traulicher Weißdornbecke u. f. w. zutrauliche Laub- vogelchen oder andere liebe kleine Sänger in ängstlich sorg.nber Elternliebe über ihrer kleinen Brut im Nestchen wachen, da laste man allen Btschnitt, alle Störung, sorge im Gegentheel dafür, daß das N st, einem Do-ntöschenschloste gleich, dicht umrankt stehe, daß das mnrbiunfelnbe Auge ber schletchenben Katze seinen Zweck nicht erreicht!

Heinrich Freiherr Schilling.