M. 138 Drittes Blatt. Somila« de» 14. Juni
1896
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Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter
Amtlicher Theil
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Tugv^aüi der Turner gewesen. Dann gedachte er der Ent-
llicbmt dom Anzeigen zu der Nachmittag- für bm Tag erschemenden Nummer bi- Bonn. IO Uhr.
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>|in lieavläiter ■ Mir »em Anzeiger lich dreimal i «gelegt.
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Z«»riSer dient täglich, i » R.iSnahme de- B oniogS.
Deutscher Neichstag.
108. Sitzung. Freitag, den 12. Juni 1896.
BundeSraihStifche: StaatSsecretär v. Bötticher, dritte Berathung der Gewerbenoveile wird fortgesetzt
Aints- unb 2lnzergeblutt für den Ttreis Giefzen
D. Ctrebendorf, 12. Juni. Der Dreschmaschinenbefitzer Daum von hier, welcher in Ober-Breidenbach mit seiner Maschine Holz schnitt, kam mit der einen Hand der Kreissäge zu nahe und wurde ihm in Folge dessen die Hand arg verstümmelt.
A Mainz, 12. Juni. Der am 9. November vorigen Jahres in der Neustadt hier erfolgte Einsturz eines fünfstöckigen Neubaues, bei welcher Katastrophe ein Dachdecker das Leben verloren hat, fand heute vor der Strafkammer des Landgericht- sein richterliches Nachspiel. Der fahrlässigen Tödtung beschuldigt, stand der Unternehmer deS eingestürzten Baues, Bauunternehmer Sud er, vor Gericht. Derselbe hat sich vom kleinen Maurer emporgearbeitet und find seit der im Jahre 1887 erfolgten Gründung seines Geschäft- Wohl über 100, zum Theil sehr große Neubauten durch ihn hier auSgeführt worden. Nach der Meinung des Angeklagten hat der verunglückte Dachdecker seinen Tod selbst verschuldet, indem er trotz Warnungen nochmals in den Bau gegangen sei. Der Bauführer sagte auS, daß sich nach der Ausschalung im Kellergewölbe Riffe über den Thüröffnungen und an den Fenstern gezeigt, worauf er den Bruder de- Angeklagten aufmerksam gemacht, dieser habe aber erklärt, diese Sprünge hätten keine Bedeutung. Am Tage deS Unglücks habe er die Beobachtung gemacht, daß an der Giebelseite deS Hause- ein bedeutender Sprung entstanden sei, und gesehen, daß schon Sand herunterriesele. Al- er sich in den Keller begeben wollte, seien ihm die Maurer entgegengesprungen und hätten erklärt, im Keller krache schon Alles. Wenige Minuten nachher sei der Einsturz erfolgt. Nach der Ansicht deS Zeugen ist der Zusammensturz durch einen Con- struction-fehler an dem Gewölbe verschuldet, welche Ansicht auch die geladenen Sachverständigen theilen. Es sind eine lange Reihe von Zeugen und mehrere Sachverständige geladen, so daß die Verhandlung heute schwerlich zu Ende geht. Der Strafantrag lautet auf drei Monat Gefängniß und Tragung sämmtlicher Kosten. DaS Urtheil wird in acht Tagen publicirt.
sodann der sofortigen Vornahme der Kefammiabsttmmung über das ganze Gefetz von Bebel widersprochen.
Der Vertrag mit Japan wird in brlltet Lesung debattelos erledigt.
Morgen 1 Uhr: Initiativ Anträge. Schluß gegen 6 Uhr.
SckäoiiU umb Wurzelreben, sowie Futtermittel, ferner auf Schmuck- ectcge, Sijouteden, Brillen und optische Instrumente.
8t$r,. Siegle unb Payer beantragen Zulassung bes Hausir- "arcM unit Gemüse- und Blumensamen.
Lid Itembergischer Bundesbeoollmächtigter v. Schicker und 4Dhfrrt|tci et ar v. Bötticher erklären ihre Zustimmung zu dem An tilttji.
Ibg Birk (Soc.) beantragt Zulassung des HaustrhandelS mitÜAmacksachen und Bijouterien.
Mg. itd. Strombeck (Ctr.) erklärt fich principiell für den An- naru 8lrl und beantragt event. daS Verbot de« HausirenS mit SchMchcchen und Bilouterien nur auf Geaenstände zu erstrecken, der. mk-SkausSpreis pro Stück mehr als 2 Ml. beträgt.
ildg Reißhau« (Soc.) empfiehlt den Antrag Birk; anderer- feit?Äli!ille kS ein Gendarm noch fertig bringen, Hut- und Haar- nabiftb utao. als Schmuckfachen anzufehen und das Hausiren hiermit zu iznWtrn.
kiawtSsecr. v. Bötticher erwidert, daß, falls Zweifel über den : 8tjr. i Schmucksachen entstehen sollten, der ordentliche Richter d)onü:8 Richtige finden würde.
Ibg Dr. Schädler (C.) spricht gegen die Anträge Birk und tihiinl>i cf. Bet Annahme des letzteren würden sich erst recht Un- lUtatiWdtcn ergeben.
Itg Weiß (frs. 93p.) beantragt, Brillen und optische Jnftru- memttkmHaufirvcibot zu unterwerfen; namentlich die füddeutfchen BerWnE'e ließen ein solches Verbot ganz unangebracht und schädlich crwtHfa.
-lag den 15. sein küstM
sührnngen, die alle vorzüglich erledigt wurden. Erst um 7 Uhr hatten sie ihr Ende erreicht. Auf dem Festplatze aber entfaltete fich nun erst daS rechte Leben. Am Abend fanden im Festzelte wiederum Aufführungen verschiedenster Art statt und die Stimmung blieb bis nach Mitternacht ganz vorzüglich. Erst am frühen Morgen wurde es still auf dem weiten Paradeplotze. DaS ganze Fest, es war wohl für eine Reihe von Jahren das letzte, das in Darmstadt in großem Maßstabe gefeiert wurde, hat der Turngemeinde reiche Ehren gebracht. Dank umsichtiger Vorbereitungen ist es in jeder Hinsicht glänzend verlaufen, kein Mißton trübte die allgemeine Freude. Die Turngemeinde ist nun wieder in die Zeit stiller Arbeit im Vereine eingetreten und wir wünschen ihr auch für diese den besten Erfolg.
DaS Turnfest nahm in der abgelaufenen Woche natürlich daS größte Jntereffe in Anspruch, hinter ihm traten andere Veranstaltungen zurück. Im Sommertheater stellte fich jedoch am Sonntag auch ein erfreulicher Wandel ein. Waren die ersten Vorstellungen schlecht besucht, so fand doch der „Obersteiger", deffeu melodienreiche Musik schon im letzten Sommer so große Anziehungskraft au-geübt, ein vorzüglich besetztes HauS. Da auch die Aufführung ungeteilten, ja oft stürmischen Beieall fand, so darf man dem Unternehmen von nun an ein günstigeres ProSperiren in Aussicht stellen. Im „Orpheum" absolvirte der bekannte Gedankenleser Cumberland, deffen mysteriöse Experimente schon so lange in Deutschland Aufsehen erregen, ein Gastspiel.
Zum Schluß noch eine Nachricht über daS Ableben eines stadtbekannten Originals. Der in allen Kreisen der Stadt durch seine originelle Persönlichkeit bekannte Hausirer Wiegler, von den Darmstädtern „Amboß" genannt, ein Mann von geradezu unheimlichem Körperumfange, ist schon in der letzten Woche einem Schlagfluffe erlegen. Mit dem Anwachsen der Stadt verschwinden leider die echten Darmstädter Originale immer mehr und zur Zeit find deren nur noch gar wenige vorhanden, der „Amboß" nahm unter ihnen eine erste und „gewichtige" Stellung ein.
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18 8 Uhr ; Mm lgen, PyranM ags W IW g, daraus Echuir Tanz.
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.} I Er pMü Me Turnvereine vor Allem als Erziehungsanstalten sUr InÜd 8?olf, deffen Wehrkraft durch fie bedeutend gehoben toerbitet Waterlandsliebe und Treue feien stets erhabene
Wickelung der Darmstädter Turngemeinde und betonte deren heutige Blüthe unter Hinweis auf die gnädige Förderung, die das hessische Fürstenhaus dem Verein allezeit geschenkt habe, wie ja auch die heutige Feier die lebhafte Antheilnahme Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs erwecke. Mit einem „Gut Heil" auf Alle, die bet den Festvorbereitungen in irgend einer Weise den Dank der Turnerschaft verdient hätten, schloß die inhaltreiche Ansprache.
Herr Geh. StaatSrath Dr. v. Knorr brachte darauf io Vertretung für den am Erscheinen verhinderten Herrn Staatsministcr die herzlichen Glückwünsche der Regierung dar. Er gedachte gleichfalls des mühevollen Anfangs der Turngemeinde und ihres jetzigen glänzenden Bestandes. Ihrem ferneren Blühen und Gedeihen widmete er gleichfalls ein dreifache- „Gut Heil!" Unter dem Ausdruck der Glückwünsche der Stadt überreichte Oberbürgermeister M ornew e g einen silbernen Pokal. Der Präsident des Kriegervereins- Verbandes, Herr Oberstlieutenant CaSpary, überbrachte gleichfalls herzliche Glückwünsche und widmete der Turngemeinde ein prächtige- Ehrengeschenk. Nun folgten An- sprachen von Deputationen zahlreicher Turnvereine, die alle ihre Wünsche und Festgeschenke darbrachten. Die noch lebenden Mitgründer deS Vereins, die Herren Turninspector Mark, BetriebScontroleur Appel und Sparkaffendirector Best, von denen die erstgenannten persönlich erschienen waren, bekamen Ehrenkrävze zugesprochen. Die Damen deS Vereins ließen eine prachtvolle neue Fahne überreichen, desgleichen Bandeliers, Schläger und Schärpen. Mit den DankeSworten des Vorsitzenden und dem Vortrag einer Festhymne schloß der Festact würdig ab.
Am Nachmittage durchzog der Festzug in langer Reihe die Hauptstraßen. Er bot mit vielen historischen Gruppen ein buntes, abwechselungsreiches Bild. Um 4 Uhr war der Festplatz erreicht. Hier hatten fich Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm und hohe Würdenträger der Staats- und Militärbehörden eingefunden. Herr Profeffor Dr. Ludwig Büchner hielt die Festrede und schloß mit einem „Gut Heil" auf die Turnersache. ES folgten turnerische Vor-
ÄUf Nnnoncen-Bureaux de- In- und slu-lande- nehm« Anzeigen für den „Lietzener Anzeiger" entgegen.
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vorteil folgten fich in bunter Reihe, unterbrochen von • nvwitin Vorführungen mannigfaltiger Art. Besonderen Beifcht-ttrdiente und fand die Darstellung mehrererlebender Bildet Nach Mitternacht war die Feier zu Ende.
Itt Sonntag brachte zunächst um 10 Uhr den Festact :m ß'K^te. Hierzu hatte fich außer den Vorständen und liZitf1:||!!t:m der Turogemeinde. auch eine große Anzahl hoher EhrsMu eingefunden. Die Büsten von Jahn, Spieß und Ftlfi'ök Mrten daS Podium! Ein Festmarsch und ein Choral eröffiiwin die Feier. Dann bestieg Herr RegierungSrath l?o tioii i)te Tribüne und gab einen kurzen Ueberblick über die ENHte des Turnens und über deffen hohe Bedeutung.
l-i fuuden: 1 Regenschirm, 1 Herrnhut, 1 Kinder- chltzn',, 11 Taschenmesser, 1 Metzgermeffer, 1 Taschentuch, 1 IIHweli Wolltuch, 1 Snck mit Hafer und 1 Hundehalsband.
6 liefe en, am 13. Juni 1896.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
indjtnbritft ans der Residenz.
(Originalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 12. Juni.
Jubelfeier der Turugemeiude. — Allerlei.
Hsckzdern am vorletzten Mittwoch noch einmal eine kleine Borüjffu lin der Festhalle auf dem Paradeplatz stattgefunden tt.titiiyonn am Samstag der letzten Woche die Reihe der kigeiMt'n Festlichkeiten zur Feier des 50jährigen Be- flehisj^ unseres gröfeten Turnvereins. Nach- mittrNe; roar Empfang der von auswärts eintreffenden Feft- gästii^ildttndS folgte ein großes Instrumental- und Vocalconcert jm ntrigmi Festzelt. Die Chöre der „HumanitaS", der „MM-rnen" und der Turnersingmannschaft stellten die
BekaMtwachuaa.
£1-? Maul- und Klauenseuche ist zu Kirch-Göns (Kreis jrV^erjg) ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.
tziießen, den 12. Juni 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Staatssecr. v. Bötticher: Gerade auf den Ausschluß deS Vertriebs von Brillen lege ich besonderen Werth aus sanilären Gründen. Ich selbst habe erfahren, wie fchädlich es ist, wenn man sich unpassender Brillen bedient. Der Handel mit Brillen sollte — gerade im Interesse deS Publikums, in Sachverständigen-Händen liegen, und solche Sachverständigen sind die Hausirer nicht.
Abg. Hahn (b. k. F.) stimmt biefen Ausführungen zu, und verheißt außerdem für eine spätere Gelegenheit einen Antrag auf Verbot deS HausirenS mit Colonial- und Manufaclurwaaren, im Interesse des seßhaften Handel«.
Abg. Lenzmann (frs. 93pj bekämpft diese ganze GesetzeS- macherei. Ein Eentrumsabgeordneter habe in einer Versammlung in Cöln selbst zugegeben und bedauert, daß 90 pCt. der ReichStags- abgeordnelen sich über die Tragweite dieser Gewerbenovelle gar nicht klar seien.
Der Antrag Siegle wird angenommen, der Antrag Birk mit 112 gegen 96 Stimmen abgelehnt. Auch die übrigen Anträge werden abgelehnt.
Art. 12 will die Befugniß der Landesregierungen, für ihr Gebiet Ausnahmen vom Hausirverbot zuzulassen, auch auf Bäume, Sträucher rc. erstrecken.
Ein Antrag von Strombeck will diese Befugniß der Landesregierungen auch auf Schmucksachen, Bijouterien ?c. autzdehnen.
Nach den Beschlüffen zweiter Lesung sollen die Landesregierungen autorifirt fein, den Hausi: handel mit Rindvieh, Schweinen, Ziegen oder Geflügel auf bestimmte Zeit zu unterfagen oder Beschränkungen zu unterwerfen.
Ein Antrag Radwanski will diese Befugniß der Landesregierungen ganz streichen, ein Antrag Hitze dagegen sie auf Schafe auSdehnen.
Ein Antrag Angst (d. 93p.) will diese Befugniß, insoweit sie sich aus Schweine bezieht, auf „Triebschweine" beschränken.
Endlich geht ein Antrag v. Arnswaldt-Hardenbostel dahin, daß die Landesregierungen von all diesen Befugnissen nur Gebrauch machen dürfen „zur Abwehr ober Unterdrückung von Seuchen." 11 Nach längerer Debatte werden die Anträge Hitze und Arns- walbt und damit Art. 12 angenommen.
Die Art. 13 bis 15 handeln von den Voraussetzungen für Versagung des Wandergewerbescheins. In Art. 14 wirb bie Versagung ausgesprochen, wenn ber Nachsuchenbc das 25. Lebensjahr noch nicht vollenbet bat.
Ein Antrag v. Strombeck will biefen Artikel ganz streichen unb ben Minderjährigen, denen auch schon nach bestehendem Gesetz ber Hausirschein in ber Regel versagt werben muß, biefen ertheilen, wenn andernfalls voraussichtlich Nothstanb ber Betrcffenben ober ihrer Angehörigen eintritt.
Ein Antrag Schwarze will bem noch nicht Fünfunbzwanzig- jährigen ben Hausirschein ertheilt wissen, wenn er Ernährer einer Familie ist unb bereits vier Jahre im Hausirbetriebe thätig war.
Art. 13 wirb unoeränbert, Art. 14 mit bem Anträge Schwarze angenommen. Im Art. 15 wirb ferner ohne weitere Debatte auf Antrag Lenzmann bie Aenberung beschlossen, baß bie Versagung bes Hausirscheins nicht auch wegen Landfriebensbruch unbebingt erfolgen muß.
Der Rest be8 Gesetzes wirb unoeränbert angenommen unb
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11, wonach baS Verbot beS HausirhanbelS auSgebehnt lonnta WH auf Bäume, Stkäucher, Sämereien unb Blumenzwiebeln,
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Gießener Anzeiger
Kmeral-Mnzeiger.
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SanM- unter denen als Solisten Herr Concertfänger — । Dr. IsßyavreS und Herr«. Söder hervorragten. Herr
llemhüft flllr Regi^zSrath Nover begrüßte die Gäste und brachte ihnen PMlISuM1 ein • ffilrb aufgenommenes „Gut Heil". Daran schloß fich
seiiigkeit S^ nun alt lünstlerifche Theil des Abends. Chor- und Solo-


