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14.4.1896 Zweites Blatt
 
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str. 87 Zweites Blatt. Dienstag den U April

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 11. April. Wie dieDarmft. Ztg." meldet, Pird daS Großherzogspaar am 16. Mai über Warschau »ach Moskau zur Kalserklönuog reisen, wo die Ankunft am 18. Mai Abends erfolgt.

Berlin, 11. April. Die österliche Jtalienfahrt unseres lkaßferpaareö hat mit dessen Besuche in Venedig vad der hierbei erfolgten Begegnung der deutschen Majestäten mit dem italienischen Herrscherpaare ihren harmonischen Abschluß gefunden. Gewiß kann man »hnc Weiteres zugeben, daß die jüngste Zusammenkunft Latl'er Wilhelms und König Humberts nichts an der poltti» Idjei Lage ändern wird, das Bündnißverhältniß Italiens zu Drrtschland und Oesterreich-Ungarn bedarf offenbar nicht btß geringsten Zusatzes oder sonst irgend einer Abänderung lei >den bestehenden Allianzverträgen, auf welche auch durch lit »Ereignisse in Abessinien keinerlei Rückwirkung auSgeübt lvorHen ist. Gleichwohl weift die Monarchenbegegnung ihre leicktt erkennbare Bedeutung auf, der Vorgang besiegelt aufs Neue die deutsch-italienische Freundschaft und schlingt ein Htm.8 sympathisches Baud um die beiderseitigen Herrscher, ihre Reiche und Völker. Die Gegenwart der Erben deS leuisschen Kaiserthrone» und deS italienischen Königsthrones lei Ler Venediger Monarchenbegegnung kann deren .grkenn« zeichnete Bedeutung nur noch verstärken, während daS politische Relief deS Ereignisses durch die Anwesenheit der italienischen Mliitster di Rudini, Herzog von Sermoneta und Brin eben- salli roch schärfer hervortritt. Jedenfalls hat die Monarchen- legeggnung von Venedig in ganz Italien wie im Deutschen Reitze ihr freudiges Echo gefunden und dort wie hier die Uedirzeugung weiter DolkSkretse, daß der segensreiche Bund Idbcr Staaten unerschütterlich weiterbestehrn wird, erneut befestigt.

DaS Befinde» deS Herrn von Schrader hat sich HO heute Nachmittag weder verschlechtert noch verbeffert. tzihioache Hoffnung aus Erhaltung deS Lebens besteht nach »le vor. Der Kaiser hat sich heute Vormittag telegraphisch kckumdigt und seine Theilnahme auSgedrückt. Die kräftige ionsstitution deS Schwerverletzten kommt diesem sehr zu blauten. Operative Eingriffe sind nicht mehr gemacht worden.

Anstand.

Wie», 11. April. Jnsormirte hiesige Kreise versichern, hfe Fürst Hohenlohe in Paris keine politische Persönlich- Idl empfangen hat. Derselbe reist heute von Parts nach Blem ab, um dortselbst bei der Entrevue zwischen Kaiser Zeanz Josef und Kaiser Wilhelm zugegen zu sein. Am 15. April wird der Reichskanzler an der Vermählung seiner fühlte theilnehmen.

Graz, 11. April. Bei der gestrigen Hebung des *1. Jäger - Bataillons erschoß ein Jäger einen seiner Mm traben unb feuerte auf einen Ober-Lieutenant, t)n< bieseu zu treffen. Man fand noch sieben scharfe fctronen bei ihm vor.

Rom, 11. April. Hiesige Blätter melde», daß während .inAnwesenheit des deutschen KatserpaareS in Neapel llnlipt bet Kaiser Wilhelm Schritte unternehmen werde, um utot Audienz zu erhalten. Der Kaiser habe aber daS Gesuch chelehnt.

Besedig, 11. April. König Humbert, die Königin eitb der Kronprinz kamen um 8 Uhr Abend» an. Der tonal Grande erglänzte in bengalischen Flammen. Der tourt MarcuSplatz strahlte von Llcht. Der Enthusiasmus Hu Bevölkerung ist infolge der Nationaltrauer gedämpft.

Besedig, 11. April. Die Hauptstraßen der Stadt find «Mich dcr Anwesenheit deS italienischen Könige- purreS und der bevorstehenden Ankunft deS deutschen ttil se rpaare S festlich geschmückt. Eine zahlreiche Menschkn- mixe wogt durch die Straßen. Ein Torpedoboot hat sich ÜiitiilS heute Mittag in See begeben, um der Hohenzollern ««zagenzufahren und dem deutschen Kaiserpaar die ersten Hitfce deS Königs Humbert und der Königin zu überbringen.

Pari», 11. April. Bon Dunkerque ans wurden gestern des englischen DampfersHerold" 75 Millionen Unkel, die in der Pariser Münze geprägt worden find, ad) Rußland befördert.

London, 11. April. Wie auS Sim la gemeldet wird, Mmt die HungerSnoth in Indien eine große AuS- ikianng an. 100 000 Arme find an öffentlichen Bauten KMftigt, aber trotzdem scheint daS Glend nicht abnehmen gi «ocollen. ________________

Wer find und was werden unsere deutschen Gymnafialabiturieuten?

Nachdem ein Vierteljahrhundert seit der Einigung Deutschlands verfloffen ist, ist es für weitere Kreise von hervorragendem Interesse, zu erfahren, wie daS junge studi- rende Deutschland, daS dereinst berufen ist, in den ver­schiedensten Lebensstellungen einen geistig führenden Einfluß auf die Nation zu üben, heute geartet und zusammengesetzt ist, welchen Berufsarten die zahlreichen Elemente, die all­jährlich unsere höheren Schulen verlaffen und die Hochschulen aufsuchen, sich zuwenden, welcher Confesfion sie angehören, welchen Kreisen endlich sie entstammen. Profeffor Gcmß in Berlin hat sich der mühevollen Aufgabe unterzogen, über diese kulturgeschichtlich bedeutsamen Fragen Klarheit zu schaffen und in einer wissenschaftlichen Beilage zum Jahres­bericht deS Königlichen Louisen-GhmnafiumS zu Berlin 1895 baß Ergebniß feiner statistischen Zusammenstellungen nieder- gelegt. Leider beschränkt sich die Untersuchung wegen der kaum zu bewältigenden Fülle des Stoffes nur auf die drei letzten Schuljahre 189194 und berücksichtigt auch nur da» Gymnasium als dieHauptbildungsquelle" für die höheren Berufkarten, obwohl, wie der Verfasser selbst zugibt, auch viele Männer, die ihre Vorbildung niedereren Schulen ver­danken, in hohen, leitenden Stellungen sich befinden und auch in Zukunft sich befinden werden. Dazu kommt noch, daß erfahrungsgemäß eine größere Zahl Abiturienten (besonders gilt dies für die Jurisprudenz) später einen anderen Beruf al» den anfangs angegebenen ergreift, wa» immerhin eine geringe Verschiebung in dem Grsammtergebniffe verursachen muß. Kann daher dieseStatistik der Gymnafial-Abi- turienten im Deutschen Reiche" bei dieser Beschränkung und den ihr anhaftenden Mängeln keinerlei Anspruch auf absolute Vollständigkeit machen, so gewährt sie doch so Überraschende Aufschlüffe, daß wir uns nicht versagen können, diese in gedrängter Uedersicht unseren Lesern vor Augen zu sühren.

Aus den 434 Gymnasien deS Reiches wurden in dem genannten Zeiträume 19,600 Abiturienten entlassen, von denen ca. 300 in Abzug kommen, die theilS über ihren Be­ruf noch unschlüssig waren, theilS Überhaupt keine Bezeich­nung eines bestimmten Fache» tragen. Bon dem Reste stellten:

Preußen sPr.j (bei einer Ges.-Bev. v. 60 pEt.) 57 pCt.

Boyern [Sa] , » IV/a ,/ 158/s ,/

Das übrige Süddeutsch!. sSd.j i in3/

(Württemb, Baden, Hessen)! " " 2 * 1U /s "

DaS übrige Norddeutsch! sRd.j 8 7*/s

Sachsen sSa.j 7 ß«/t

DaS Rtichsland (E L.j > ,, 3*/a 22/s ,

Diese Uedersicht zeigt, daß ganz Süddrutschlanv mit

Bayern im Verhültniß zu seiner Einwohnerzahl weit mehr Gymnasialabiturienteu aufweist, als die anderen Landes- theile. Der Umstand, daß die Realgymnasien dieser Lander vielfach nicht dieselbe Berechtigung gewähren wie in den anderen Staaten, daß ferner die Gymnasien dort an Zahl die anderen Anstalten nnverhältnißmäßig übertreffen, muß

nothwcndig den oben zahlenmäßig dargestellten Zudrang zu diesen Lehranstalten erzeugen. Die zahlreichen Abiturienten, welche auß katholischen und evangelischen theologischen Semi- narten und Stiften SüddeutschlandS hervorgehen, aber hier- bri aus Mangel an zuverlässigen Angaben nicht mit in An­schlag gebracht find, würden den bedeutenden Procentsatz noch

weiter erhöhen.

Höchst bemerkenSwerth ist weiterhin, daß sich im Deutschen Reiche von diesen Abiturienten durchschnittlich nur

733/4 pCt.*) dem akademischen Studium wirklich zuwenden, aber 26J/4 pLt. anderen Berufsarten. Mit Recht darf man darin eine erfreuliche Bestätigung der Thatsache erblicken,

daß das Gymnasium in den Augen unseres Volkes noch als

die edelste Bildungsstätte dasteht.

Was nun die einzelnen Fächer anlagt, so erwählten

Rechtswiffenschaft

Mcdicin

Katholische Theologie

Evangelische

Militär

ES folgen dann

243/4 pCt. Postfach 43/s pCt.

17»/4 Philologie 23/s

11 Vs Baufach 2y,

11 Ingenieur und

Techniker 2J/4

7/* , Forstfach 2

noch der Reihe nach: Kaufmannstand,

Maschinenbanfach, Chemie, Bergfach, Mathematik, Natur-

wiffenschaften, Steuerfach, Electrotechnik, Neuere Sprachen, Landwirthschaft, Bankfach, Geschichte, Marine, Philosophie, Bureaudienst, Eisenbahnfach, Katafterfach, Deutsche Sprache.

) Sd. 79'/» M.; Sa. 78'/,; E.-L. 76«/, pEt.; Nb. 74 p6tj;

B-. 73«/, PCt.; Pr. nur 71'/, ptt.

In erster Linie stehen also ,bte Juristen oben an, welche die höchste Ziffer mit 35pCt. in Sachsen erreichen, wo die Vertreter der practischen Berufsarten die zahlreichen Real- und technischen Schulen aufsuchen- in Nb. erreichen sie 30pCt., E.'L. 29pCt.- Sb. (etnschl. Cameral-und Finanzfach) 263/,pCt., Pr. 23pCt., Ba. 22'/§pCt.- eine stetige Zunahme ist überall zu bemerken.

Gleichfalls in Sachsen treffen wir die meisten M e d i c t n e r, 21 pCt. (Pr. 19pCt.,Nd. 17 '/2 pCt., Sd. 15 pCt., ®. L. 14»/3 PCt-, Ba. 14 PCt.).

Bei den evangelischen Theologen ist allenthalben ein starker Rückgang zu beobachten, der an den preußischen Schulen schon ein Jahrzehnt hindurch statistisch seftgestellt ist. Ihren höchsten Satz erreichen sie in Nd. 16 PCt.; Sa. 14i/4pCt., E. L. 13pCt., Pr. l l3/4pC., Sd. 8pCt. (ohne die Semiuar- abiturienten), Ba. 4Vs pßt.

Die katholischen Theologen bilden in Ba. mit 263/, PCt. die Mehrzahl aller Studirenden - Sd. zeigt 19 pCt., E. L. 10V*p6t., Pr. 10pCt., mehr als man erwarten sollte - am wenigsten Sa. u. Nd.

Auch hinsichtlich der Zahl derer, die sich dem Heeres­dienste widmen, steht Pr. durchaus nicht, wie man erwarten sollte, an der Spitze, sondern Ba., das mit IP/sP&t. (unb steigenden Einzelzahlen) Pr. mit 7'/» und Sa. 8'/4pCt. weit überholt; E.-L. stellt 62/3 p(5t., worunter fast kein geborener Elsaß-Lothringer, Nd. 6'/4pCt., Sd. 53/zpCt.

An Posteleven stellt am meisten L.-L. 7t/zpCt., bann Nb. 6V,pCt., Pr. 5Vz pCt-, Sd. 3'/g pCt., Sa. 2'/4pCt. unb Ba. nur 0,16pCt.

Bei den anderen Fächern, Baufach, Philologie, Ingenieure u. s. w. sind die verschiedenen Staaten mit annähernd gleichen Zahlen betheiligt, mit Ausnahme deS ForstfacheS, wo Ba. bei feinem Waldreichthum fast die Hälfte Vertreter liefert unb mit ß3/s p6t. obenan steht, E.-L. 33/s pCt., Nd. 2 PC., Sd. l4/spGt., Pr. 1 pCt., Sa. 0,6pCt.

In der philosophischen Faeultät (einschließlich der mathem.-uaturwiffensch. Fächer) weift Sd. lOpCt., Nd. 92/zpCt., E.-L. 83/4p6t., Pr. 73/,pCt., Ba. 7V2p(5t. unb Sa. 7'/s PCt. auf.

An Technikern stellt a»5 dem oben angegebenen Grnnbe Sa. bie größte Zahl mit 124/sp(5t., weiter Sd.7^/zpCt., Pr. 7'/4pSt., Nd. unb Ba. ö/jpCit. E.-L. 4VspCt.

(Schluß folgt.)

Vermischtes»

* Frankfurt, 10. April. Des NaShornS Einzug. Die Ankunft des für ben Zoologischen Garten bestimmten Nashorns mit ber Bahn hatte sich heute bis 4 Uhr Nach­mittags verzögert, erst um biefe Zeit traf baß RhinoceroS mit bem Schnellzug hier im Ostbahnhof ein. Es war kein kleines Stück Arbeit, baß vierzig Centner schwere gewaltige Unthier mit seinem ebenso schweren Käfig vom Eisenbahn­wagen auf ben Rollwagen unb von biesem nach der Nashorn- Villa im Zoologischen Garten zu bringen. Der Käfig mußte von bem östlichen Eingang deS Gartens auf untergeschobenen Rollen fortbewegt werben, was eine Zeit von etwa zwei Stunden erforderte. Gegen sieben Uhr war der Wagen an die auS schweren Eisenschienen hergestellte Einfriedigung heran- geschoben, deren Thür nun endlich geöffnet werden konnte, um den mächtigen Dickhäuter in sein neuefl Heim einzulaffen. Langsam schob sich der Coloß heraus, erwartet von einer zahlreichen Menge Neugieriger. Unzweifelhaft wird ber neueste Kostgänger beS Zoologischen Gartens einen besonderen Anziehungspunkt für die Besucher bilden, die den bekannten VerS beherzigen:Um daS RhinoceroS zu sehn, beschloß einst Gellert, auSzugehn." Er zeigte sich übrigen» gar nicht uuge- berdig, unb folgte willig der Peitsche seine» mitgekommenen Wärter», dem er an bem früheren Aufenthaltsorte anver­traut war. Von den Arbeitern mußte noch Verschiedenes fertiggestellt werden, um die Einfriedigung zu schließen- da» Nashorn nahm hiervon nicht die geringste Notiz. Auf dem Transport nach bem Garten zeigte verschobene Male seine Unzufriedenheit, indem mit dem gewaltigen Kops und Hör« verschiedene von den Bohlen der Decke deS Wagens absprengte, einige Arme voll Heu besänftigten eS aber bald wieder. Lange Zeit war erforderlich, um baß Thier zum Betreten des neuen Stalles zu bewegen- eS fühlte sich augenscheinlich im Freien nach mehr als vierundzwanzigstünbiger Reise recht behaglich und nahm das ihm vorgeworfene Futter mit Be­gierde auf. DaS Uugethürn ist etwa zwanzig Jahre alt, für ein Naßhorn also noch sehr jugendlich- eS hat dennoch schon eine Höhe von 1,70 Meter, also Gardemaß, eine Länge vou 3,40 Meter unb eine Dicke im Durchmesser von 1,20 Meter.