Drittes Blatt
Sonntag den 13. December
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und Anzeigeblatt für den Avers Giefzen.
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Berichtswoche. Die Dame besitzt eine ganz außergewöhnlich geschulte, namentlich in den höheren Lagen außerordentlich klangschöne, glockenreine Stimme, indeffen stehen ihr starke dramatische Accente, der Ausdruck des Unbändigen und Ge- waltigen nicht zur Verfügung, da» zeigten die verschiedenen hier gespielten Rollen deutlich. Am besten gefiel unS ihre „Mignon", diese Partie paßt sich ganz und gar der Individualität der Künstlerin au und wird von ihr in geradezu vollendeter Weise gegeben. Anders ist eS mit ihrer „Carmen", ihr fehlt das FaSctutrende, was Dichter und Componift diesem Zigeunermädchen gegeben haben. Frau ArnoldsovS Carmen ist voll Anmuth und Grazie und entzückend in ihrer Liebenswürdigkeit, aber nicht die von LiSzt gewollte. Die dritte Gaftdarstellung der Künstlerin war „Lakme" in DelibeS gleichnamiger Oper. Auch dieser ungeheuer schwierigen Partie entledigte sich die Dame mit staunenswerthem Geschick, namentlich die „Glöckchen-Arie" war eine Leistung größten Stiles. Selbstverständlich erntete die berühmte Diva in allen Rollen, die sie sang, rauschende Triumphe und Lorbeer in Fülle. Auch Se. Kgl. Hoheit der Großherzog ehrte ihre Kunst und verlieh ihr die goldene Medaille für Kunst und Wiffenschaft.
Um ein neues großstädtisches Etablissement ist unsere Stadt in diesen Tagen reicher geworden, das erste eigentliche Cafs wurde eröffnet und so einem langst ge« fühlten Bedürfniß abgeholfev. DaS neue Local liegt an der Rhetnstraße und ist außerordentlich reich und mit allem Comsort der Neuzeit ausgestattet. Der Besitzer, ein echter „Weaner", hat dafür Sorge getragen, daß auch in seinem Local alles „echt weanersch" ist und so wird denn dem neuen Institute, das zudem eine coloffale Menge von Zeitungen und Zeitschriften hält, der Erfolg wohl auch nicht fehlen.
Auch die Frage der Erbauung von Lagerhäusern bedarf nochmaliger gründlicher Erwägung und weiterer Ermittelungen aus dem Grunde, weil einige der früher interessirten Firmen sich inzwischen selbst mit Lagerräumen versorgt und darum kein Interesse an solchen neu zu errichtenden und an einer dafür zu übernehmenden Garantie mehr haben sollen.
Die ergebenft Unterzeichneten bitten bet der Dringlichkeit und der finanziellen Tragweite der beiden Angelegenheiten
»»nahm« von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Firmen in diesem Winter den nun einmal verdienten Lohn für ihre Mühen.
An Ereignissen im Kunstlebeu war die vergangene Woche reich. Sie brachte an musikalischen Genüssen vor allem ein Concert der bekannten Sopranistin Lilian Sanderson, daö einen vorzüglichen Verlauf nahm. Die Stimme der Künstlerin ist weniger glänzend durch große Ausdehnung und besonderen Klangretz, vielmehr wohnt ihr das Vermögen der geistigen Vertiefung, die Gabe des packenden, tp allen Details fein durchdachten und mir den Gedanken und Absichten des Componisten rechnenden BortragS inne. Am deutlichsten bewies, um nur eine Nummer aus dem reichen Programm zu nennen, die Künstlerin diese ihre Fähigkeit in der so selten gehörten „Rothen Hanne" von R. Schumann, deren Wiedergabe durch Frau Sanderson sich für alle Hörer zu einem herrlichen Kunstgenuß gestaltete. Begleitet wurden die Lieder der Dame von einem Pianisten Arthur Speed, der eS ebenfalls in seiner Kunst zu hoher Vollendung gebracht hat.
Eine weitere, sehr interessante musikalische Darbietung war daS vomJustrumentalverein veranstaltete Concert, in dem der neue Leiter des Vereins, Herr Karl Hall- wachS, zum ersten Male in dieser Eigenschaft vor daS Publikum trat. Sein Erfolg war ein wohlverdienter, denn sowohl die Wiedergabe von Mozarts Symphonie in C- dur Nr. 44, wie namentlich die Ouvertüre zu „Rothkäppchen" von Boildieu ließen in ihm einen Dirigenten von fein fünft» lerischem Empfinden und lebhaftem Temperament erkennen. Eine Abwechselung in dem Vortrage der Orchesterwerke bildete das Auftreten der Frankfurter Sängerin Fräulein Emilie Höfling in dem Concerte, deren hervorragende stimmlichen Mittel wiederum zur schönsten Geltung kamen.
Im Großh. Hoftheater bildete das bereit» im letzten Briefe erwähnte Gastspiel der schwedischen Sängerin Frau Siegrid Arnoldson da» Eretgntß der abgelaufeneu
Bevölkerung oder doch der erwerbenden Klaffen derselben, laut und deutlich, unwtderlegt und unwidersprochen, sich hat vernehmen laffeu gegen ein al» unheilvoll erkanntes Project.
Diesem einmüthtgeu Ruf Derer, die wir vertreten, darf der Stadtverordnete, wie die städtische Verwaltung ihr Ohr nicht verschließen.
In der Sitzung, deren Einberufung wir erbeten haben, werden wir betonen, daß immer noch keine überzeugenden Gründe für die Verlegung der Viehmärkte hinter die Bahnhöfe vorgebracht find, daß dagegen die Gründe, die gegen ein solche- Project sprechen, sich noch vertieft, in ihrer Bedeutung noch überzeugender sich erwiesen haben seit dem Beschluß vom 18. Juni l. I.
Weggefallen ist, wie die Petition der Händler darthut, der Grund, den man in deren Wünschen und Jntereffen finden zu können glaubte.
Nachdem lange Monate hindurch, wegen drohender Seuchen, die Viehmärkte verboten waren, hat mittlerweile vor Kurzem ein solcher wieder stattgefunden und die nunmehr zur Beobachtung angeregte Bevölkerung, Kaufleute, Wirthe und andere direct Betheiligte, haben constatirt, daß die Frequenz der Stadt und der Geschäfte um ein ganz Bedeutendes höher als an gewöhnlichen, marktfreien Tagen, mit diesen überhaupt nicht zu vergleichen war.
Worauf aber das Hauptgewicht zu legen sein wird, ist die unumstößlich feststehende Thatsache, daß der Platz hinter den Bahnhöfen, wie die geplanten Stalleinrichtungen ganz und gar ungeeignet find, für die Märkte, wie sie hier in Frage stehen, und daß diese Märkte veröden werden, wenn das Project zur Ausführung kommt.
Die Händler werden diese Märkte nicht beziehen, fie werden vor Allem die Seuchengefahr fürchten, fie werden mit Grund zurückscheuen vor der Zusammenpferchung des Viehs in großen Ställen, in denen die Erkrankung auch nur eines Stücks Verdacht und Quarantäne für alles Vieh bringt, das in dem Stalle war.
Tritt ein solcher Fall ein, dann erwächst die Frage, wer die Folgen davon tragen, die Kosten dafür bezahlen soll, und daß hier die Stadt einzutreten hat, ist zweifellos.
Das führt zu unübersehbaren Ausgaben, welche zusammen mit der Unrentabilität der Viehhofsanlageu zu einer weiteren Quelle des Verlustes für die Steuerzahler werden.
Um über die Gefahr, welche die Anlegung großer Viehställe in sich birgt, ein maßgebendes Urtheil zu hören, beantragen wir hiermit,
„daß der Herr Kreisveterinararzt Prof. vr. Winkler zu der Sitzung geladen werde" —
Alle Annoncen-Lureaux de» In- und AuSlanbe» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
zelnen Geschäfte anlangt, bedeutende Fortschritte gemacht. In den Hauptgeschäftsstraßen ist fast kein HauS, daS fein früheres einfaches Aussehen behalten hätte. Riesenhafte Au»- lagefenster sind hier überall entstanden und die Fatzaden der Häuser im modernen Geschmack hergerichtet worden. Seit nun noch durch die Stadt eine electrische Centrale geschaffen wurde, die das Licht zu verhältnißmäßig billigem Preise liefert, hat die Ausstattung dieser Auslagen den Grad der Vollendung erreicht, daß fie fich ruhig mit denen der Groß- stadt messen können. Namentlich große Möbelfirmen, die Geschäfte, in denen Luxus- und kunstgewerbliche Artikel verkauft werden, sowie die Stoff- und Seidenhaudlungen haben auch in dieser Saison wieder große Anstrengungen gemacht, nm etwa- Gediegenes zu bieten, und allabendlich erstrahlen ihre reichen Ausstellungen im hellsten Lichte. Zum Glück für das einheimische Gewerbe hat denn auch der früher so sehr starke Zug zum Kaufen in der benachbarten Großstadt entschieden nachgelassen. Hoffentlich finden die rührigen
Tagen die Geschäfte in den verschiedenen Branchen auf, um wohlgerüstet zu sein für die Ansprüche, die im Hinblick auf die heranuahenden Festtage an fie gestellt werden.
Feuilleton.
Wochendriefk ans der Residenz.
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 10. December.
Weihuachtsaulstellung. — Concert und Theater. — Verschiedenes.
Mit Riesenschritten naht daS Weihnachtsfest heran und bereits werden überall Vorbereitungen für die Feier desselben gemacht. Am meisten bieten natürlich schon tu diesen
waS schon bei der ersten Berathung zur Klärung dieser wichtigen Frage beigetragen hätte.
Die vielfachen, au» einer Verlegung deS Viehmarktes hinter die Bahnhöfe refultirenden Nachtheile:
„Die Schädigung deS Geschäfts- und Erwerbslebens in der Stadt bei gleichzeitiger Belastung desselben durch für unproductive Anlagen aufzuwendende Capitalien und ihre Verzinsung —
,/die Abneigung der Händler gegen die neue Anlage, verbunden mit der Unsicherheit darüber, ob bei den jetzt herrschenden und immer mehr um sich greifenden Seuchen unser Markt jemals wieder den Aufschwung nimmt, daß große Gelände- und Capital-Anlagen hierfür gerechtfertigt erscheinen und wenigstens indtrect durch einen gesteigerten Verkehr in der Stadt rentabel würden/ — endlich aber der berechtigte Widerwille der Bevölkerung gegen eine solche unnörhtge Verschiebung der Verkehr», und Erwerbsver- hältnisse — müssen uns dazu führen, die Lösung der Frage, wohin der Viehmarkt am zweckmäßigsten zu legen sei, in schon angedeuteter Richtung zu suchen.
Setzt man nun weiter voraus, daß baß hinter dem Schlachthaus liegende Gelände zu Wohnhaus-Bauzwecken nicht verwendbar ist, weil nach der Ansicht des Herrn Geh. Rath vr. Gaffkh solcher mit Abfällen aller Art aufgefüllter Boden sich schon auS sanitären Gründen nicht zum Bebauen eignet, so kommt man, da dieses für Viehmarktzwecke pro- jecttrte, ausreichende und günstig gelegene Terrain fchon lange angekauft ist und die dafür bezahlten 15000 Mark sonst theilweise wie seither nutz- und zinslos daliegeu würden, von selbst zu dem Antrag, den wir hiermit stellen:
„daß Großherzogliche Bürgermeisterei ein Project aus- arbeiten lassen möge über die Anlage eines Dtehmarkt- platze» hinter dem Schlachthaus und daß hinzukomme eine Schieneoverbindung im Anschluß an die aus dem Bieberthal vorbeiführende Bahn mit den Bahnhöfen." Der Schwetnemarkt wird dagegen nichtS einbüßen, wenn
IM a l*t gleit gegründet 1830.
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an feiner jetzigen Stelle verbleibt, aber die Nähe des ViehmarktS zu dem Schweinemarkt liegt gerade im Interesse von Händlern und Käufern.
That hat Darmstadt gerade in den letzten Jahren, was die Auslagen und geschmackvolle Dekorirung der Erker
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Der Vorstand.
Der frUltwet Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme de» Montag».
Die Gießener A«mttie»»täl1er »»«den dem Anzeiger WSchmtlich dreimal beigelegt.
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Cocete» unt> provinzielle».
Gießen, den 12. December 1896.
** ö»r Trage der Vtehmarkt Verlegung. Nachstehend thetlen wir den Inhalt eine» Schrelben» mit, welches 14 Mitglieder der Stadtverordneten Versammlung an Herrn Ober- Bürgermeister Guauth gerichtet haben:
Dem Herrn Oberbürgermeister unterbreiten die unterzeichneten Stadtverordneten den Antrag:
„Derselbe wolle geneigtest eine Sitzung der Stadt- „verordueten-Bersammlung anberaumen und auf die „Tagesordnung derselben setzen: „Die Verlegung „de» ViehmarkteS und die Erbauung von „Lagerhäusern."
Wir erlauben uns anzukündigen, daß wir tu dieser Dttzung an den Herrn Oberbürgermeister die Fragen richten werden:
1) Ob e» richtig ist, daß der Beschluß der Stadtverord- neten-Bersammlung vom 18. Junt l.J., obwohl derselbe von Interessenten im Instanzenwege angefochten und über seine Rechtswirksamkeit noch nicht entschieden ist, bereit» zur Ausführung, insbesondere durch Geländeankauf, gebracht wird.
2) Aus welchem Grunde die Petition einer dahier statt- gehabten Bürgerversammlung, die an die Stadtverord- neten-Versammluug gerichtet ist, noch nicht zur Vorlage gebracht wurde.
3) Auf welchem Grunde eine gleiche Unterlassung hinsichtlich einer von Viehhändlern ausgegangenen Petition beruht.
Dieser Bitte um AuSkunftSertheilung werden wir an- schließen den Antrag:
„Die Stadtverordneten-Versammlung wolle, unter „Aufhebung des Beschlusses vorn 18. Juni I. I., die „Verlegung der Viehmärkte auf das Gelände hinter „dem Schlachthofsgebäude beschließen."
Auf diesen Antrag, dem ein formelles Hinderniß nicht Wege steht, hoffen wir die Mehrheit der Stadtverordneten zu vereinigen.
Wir find der Anficht, daß der Stadtvorstand, als er den früheren Beschluß faßte, nicht so eingehend mit den Verhältnissen, die in Betracht kommen, vertraut war, — auch hei der geringen zur Verfügung stehenden Zeit nicht sein tonnte, — wie eine derartig wichtige, tief in die Interessen unserer Bevölkerung einschneidende Frage es erfordert.
Wir glauben zu appelliren von einer ungenügend infor- «irten Körperschaft an eine besser informirte. Wir legen auch hauptsächlich darauf Gewicht, daß die Stimme unserer
Einste Aroma und unüber auch weitaus der Billigste. Mk. 2.40.
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