Ausgabe 
13.11.1896 Zweites Blatt
 
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Amts- uitJ ^i^ciaeWaH für den Ureis Oiefzen

chratisöeikage: Gießener Kamittenötätter

Theil

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heutige

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" -entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Beeren- Beereu- Büschen

Die Gießener

N« mitten btä l ler werden >-eni Anzeiger W<>chc.>tl>.., dreimal beigelegt.

Bekanntmachung,

betr. Rothlausseuche.

die gleich diesen saft wertig oder gar keine Beachtung sinder, und so in jedem Jahre sie gedeiht fast immer nutzlos zu Grunde geht, aber dessen ungeachtet zu einem Beeren­wein und Beerengelee sich eignet wie kaum eine andere aller bekannten Beerensorten. ES ist die Hagebutte, die Frucht der wilden Heckenrose. Wohl wird sie hier und da geholt und aufbewahrt zur Bereitung eines guten TheeS für Husten und Heiserkeit, aber daß man auS ihr einen ganz aus­gezeichneten Hauswein und Gelee bereiten kann, ist seither so gut wie unbekannt in den ländlichen Kreisen gewesen. Der aus der Hagebutte hergestellte Wein übertrifft an Gehalt und Geschmack alle anderen Beerenweine, als da sind Heidel- beer-, Stachelbeer«, JohanntSbeer- und andere derartige Weine- er gleicht am meisten dem bekannten Tokayerwein. Im jetzigen Stadium, nach vorausgegangeuen leichten Nacht­frösten eignet sich die Hagebutte am besten zur Wetnbereituog und ebenso zu Gelee, daS gleichfalls von ausgezeichneter Güte ist.

Vierteljähriger Avonnemcnlspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit vringcrlohn. Durch die Post bezogeir 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chukstraße Ar.7. Fernsprecher 51.

Der

Anzeiger erscheint täglich, HHt Ausnahme btf Montags.

die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert pro Monat October 1896 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen:

Hafer Mk. 13,90, Heu Mk. 5,90, Stroh Mk. 4,60. Gießen, den 11. November 1896.

Großhsrzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

thue wen ich wieder zu euch käme macht mir ein gutes zeugnis vier mich von euch wird eins gefortet ach Lieber guter Herr und Frau helft das ich wieder fort komme wen ich heim kom und ihr hab noch oich gemaschtnd da toll ich euch helfen mit dank wen ihr mir gut hilft da kom ich vieleicht bis die Ktrchwttn Hein wie ich vernomen hab aber ihr mist mir alle gut Beten nun toil ich schliefen und auch alle herzlich Grüßen Gruß an euch nochmal guter Herr und Frau und Kinder und Hetnertch in GanzenhauS vor Lauterweinen haben wir geschrieben ich und Mein guter kalege sie haben al gesagt wen dir dein Herr ein gut wort verleit da wirst du wieder los und toil ich schliefen viele Grüße an euch alle in E. lebt Gesund bis ich zu euch kome gesundheit ist alles in der Ganzen Welt ach Herr ach Herr Hilft das ich heim kom Liebe gute

Gießen, den 10. November 1896. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.

kammer in Gießen abgeurthetlt werden. ES sollen nachträglich mehrere Fälle angemeldet worden fein.

§ AuS dem Vogelsberg, 11. November. Die früchte find längst vorüber und Beerenweine und

Schnitzler.

inß Lh-lli-r (3W tauet «. 3.60, M i

1 Ult., «me1 $

Haitier. f

= Alleudorf « d. 8ba., 11. November. Der

frßiirjgß

1 sanften

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über

Nickelsmarkt" dahier war wieder allseitig recht gut be- sucht, und der Umsatz sowohl auf dem Viehmarkt, wie auf dem Krämermarkt ein sehr erfreulicher- man merkte, daß die benachbarten preußischen Orte wieder in vollem Umfange an dem Markte Theil nehmen konnten. Schafe und Ferkel waren in großer Zahl vorhanden, und auch an Einlege­schweinen fehlte eS nicht. Anfangs wollte der Viehhandcl nicht recht ziehen- aber nach und nach näherten sich Käufer und Verkäufer mehr bezüglich des Preises, und so ent­wickelte sich ein Verkehr, mit dem man beiderseits zufrieden sein konnte. Bei den Schafen galten beispielsweise einjährige Hämmel 4449 Mk. daS Paar; Ferkel wurden mit 16 bis 34 Mk. bezahlt, Läufer mit 4050 Mk. Nachmittag zeigte sich auf dem Krämermarkte Gedränge.

Lauterbach, 10. November. Als Beweis, wie wenig Manchem daS militärische Leben zusagt, möge folgender Brief, der von einem kürzlich nach Darmstadt eingezogenen, auS dem Vogelsberge stammenden Nckcuten verfaßt und au seinen Dtenftherrn abgesandt worden ist, dienen:Darmast. 1 Lieber Mutter deinen Brief habe ich erhalten und daraus ersehen, daß eS dir sehr leid thut aber nutzt dich nicht- den ich bin wieder auS den Lazareth und muß Exerizern SS thut wir sehr leid daS ich von unser Leute sind Grüß mir Mein Herr in E. zu liebe ach mein guter Herr wär ich doch noch einmal bei euch Grüß mir meine Frau unser Mathen und unser kleines Kindchen sind sie den noch alle gesund ach ihr gute Leute wehr ich den noch einmal bei .euch um gotteS jeses willen und weine Tag und Nacht um euch und Meine Mutter helft mir alle daS ich wieder nach Haus kann Gruß an der Heinrich der bei euch ist ich toil lieber 4 Woche arbeiten um sonst als 1 Tag Soldat zu sein Lieber guter Herr hilft das ich wieder nachhauS kome sonst mus ich sterben hier in der fremde Welt ich wil wieder alles gut mache mit

Bekanntmachung.

Die Verfügung des Königl. LandrathsamteS Marburg vom 22. October d. I., betreffend die Bildung eines Beob. achtungSgebietes im Sinne des § 59 a der BundeSrathS- Instruction zum Dtehfeuchengesetz vom 27. Juni 1895 auS den Ortschaften

Weiershausen, Hermershausen, Cyriaxweimar, Haddams­hausen, Ockershausen, Marburg, Giffelberg, Oberweimar (Dorf und GutSbezirk), Nanz, Willershausen, Argenstetn, Stedebach, Kehna, Roth, Winkbach, Holzhausen, Fron­hausen und Oberwalgern

ist heute außer Kraft getreten.

Die Gemarkungssperre für die Ortschaften Niederwetmar, Niederwalgern und Cölbe bleibt bis auf Weiteres bestehen.

Gießen, den 10. November 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche in Niederwetz, Kreis Wetzlar, ist erloschen und die Gemarkungssperre aufgehoben worden.

Gießen, den 10. November 1896.

Grobherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

In dem Gehöft deS Bürgermeisters L auer in Msoischt, Kreis Marburg, ist die Rothlaufseuche ausgebrochen. ist Grhöftsperre augeordnet.

gelee längst fertig gestellt, aber in unseren Hecken und befindet sich gegenwärtig noch eine Frucht neben den Schlehen,

§§ Crainfeld, 10. November. Wie verlautet, soll der letzthin vom Schwurgericht in Gießen wegen Meineid, Betrug und Untreue zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurtheilte Viehhändler Feist Sommer I. von hier dem­nächst nochmals wegen anderer Vergehen von der Straf-

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

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Witzig WM 1* ltklMWutlu.

eusteu.

blieb nicht unbemerkt von meinem

FH re dunklen Augen und ihr goldblondes Haar erinnerten

duldete. In machen." packst Deinen

Briefes auf mich machte, Vater."

Und wollte er den

Nein, Gräfin. Er Ist das ein Gläubiger, zugeschworeu hatte, daß

Brief sehen?"

frug mich nur mit einiger Ironie: der Dir schreibt?" Al» ich ihm er fich irre, antwortete er nichts,

jste sich nach meiner Richtung um und ihre Blicke begegneten int meinen. Da bemerkte ich, wie sie leicht erschrak und (la lebhaftes Roth ihre Wangen überflog. Sie ging weiter, ließ mich aber nicht auS den Augeu. Kannte fie mich also? BSre fie etwa die Schreiberin de» anonymen Briefes?"

solchen Fällen pflegte er nicht viele Worte zu Du gehst gleich nach dem Hotel und Koffer," sagte er.

Wir reisen ab?" frug ich schüchtern.

Um Mitternacht."

aber ich hörte ihn murmeln:Dann wird e» wohl ein Frauenzimmer fein ein Grund mehr, abzureisen/ Ja, wenn ich statt meines BaterS, der bet aller Güte von un­beugsamer Strenge war, meine Mutter da gehabt hätte, wie gern hätte ich mich ihr vertraut! Und fie mit ihrem feinen weiblichen Derständniß hätte sofort errathen, daß es fich hier um eine Herzenssache handle. Mußte man mir doch meine Leidenschaft vom Gesteht ablesen! Denn jene unbestimmte Sentimentalität, die mich nach dem ersten Briefe von Spiritus indocilis beherrschte, hatte fich, seitdem ich die Schreiberin in dem verführerischen Reiz von Jugend und Schönheit erblickt und auch von ihr bemerkt worden war, in ein wahre» Liebesfeuer verwandelt."

(Schluß folgt.)

| unserer Abreise, saß ich mit meinem Vater beim Abendörod, als ein Theaterdiener mir athemloS einen Brief brachte."

Bon Spiritus indocilis?"

,/Don ihr.Ich bin auf Ihre Vorschläge nicht ein- gegangen," schrieb fie mir.Warum eine Bekanntschaft be­ginnen, die zu nichts weiter führen kann. Jedoch, da der Zufall un» heute zusammengesührt hat und Sie mich mit btt Frage auzusehen schienen: Sind Sie die Gewisse? will ich Sie nicht im Zweifel lassen. Ja, ich bin die Gewisse. Ich betrachtete gleichzeitig mit Ihnen das Paradies von Ttntoretto und trug einen rosa Hut. Wenn diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, bin ich fern von Venedig. Wer ich bin und wohin ich gehe, ist überflüssig, Ihnen zu sagen. Im Uebrigen, glauben Sie mir, bin ich ein sonderbares Geschöpf - mein Vater hat mir deßwegen den Beinamen Spiritus indocilis gegeben. Noch einmal, lassen Sie den Muth nickt sinken, vertrauen Sie Ihrem Talent. Zu Denjenigen, die fich einst über Ihre Triumphe freuen, wird auch gehören Spiritus indocilis." Der Eindruck, den die Lectüre diese»

Und warum folgten Sie ihr nicht?"

Woher wissen Sie, daß ich ihr nicht folgte.?"

Ich stellte mir nur so vor. Da Sie vorhin von einem Geheimniß sprachen"

»Ja, denken Sie fich die Tücke de» Schicksals. Gerade in diesem Augenblick fühle ich einen Schlag auf meiner Schulter und erkenne, als ich mich umwende, meinen Vater, der mich mit einem Blicke wißt, als ob er nicht einen, son­dern hundert verlorene Söhne zur Rechenschaft ziehen wolle."

Und wie war er dorthin gekommen?"

DaS war höchst natürlich zugegangen. Unerwartet in Venedig eingetroffen, hatte er fich im Theater nach mir er­kundigt, von wo man ihn nach der Piazza und dem Cafs Florian gewiesen hatte. Dort kannte mich keiner der Kellner, aber der diensteifrige Schauspieler sprang bei Nennung meine» Namen» auf und rief:

Marconcellt? Der war eben hier. Wenn Sie ihn sehen wollen, können Sie ihn im Dogenpalast noch antreffen." Jetzt begreife ich."

Mein Vater war immer ein Mann der That und hatte eine ihm eigene Art, die keinen Widerspruch

Ich erwiderte nichts, sah mich aber um. Diejenige, deren etgenthümltche Schönheit mich gebannt hatte, war ver> fchwunden. Da blitzte mir ein Einfall durch den Kopf."

»Ich gehe voraus," sagte ich zu meinem Vater.

Wohin?" frug dieser, erstaunt die Stirn in Falten ziehend.

Den Koffer zu packen."

Gut, ich komme mit," erklärte er im trockensten Tone.

Dahin war meine Hoffnung, in einer halben Stunde der Freiheit die Spur meiner schönen Unbekannten weiter zu verfolgen. Ich wurde blaß, ja, ich weinte fast vor Wuth."

Und so mußten Sie von Venedig abreisen, ohne Weiteres ergründet zu haben?"

Nein, warten Sie. De» Abends, einige Stunde« vor

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^Verbindung.

findgefl. beitzemStt.

v® 1*015**' dggboden,

Feuilleton.

Spiritus indocilis.

Aus dem Italienischen des E. Castelnuovo.

Von M. v. Locella.

(3. Fortsetzung.)

Nun, und was folgte?"

Keine Antwort, und ebensowenig war zu der von mir bezeichneten Stunde eine Dame zu entdecken, die eine Nelke an fich getragen oder zwischen den Säulen ein Taschentuch verloren hätte. Am dritten Tage war ich zur gewohnten Stunde im Cafä Florian, als fich ein Schauspieler unserer Theatertruppe zu mir gesellte und mir nicht von der Sette wich. Ec war mir lästig, da ich die Zeit bis drei Uhr ton da- an wollte ich auf meinem Warteposten einer günstigen Begegnung harren durch einen Besuch im Dogerpalast vuSzusüllen gedachte. Anstandshalber schlug ich dem Schau- spteler vor, mich zu begleiten, doch zog er es vor, im CafS feine Cigarre zu rauchen. Die Säle des weltberühmten Palastes wimmelten heute von Besuchern, theil- begleitet von den mir unausstehlichen Führern, theils allein ihren Weg vach Beschreibung des Reisehandbuches suchend. Ich befand mich gerade vor dem Paradies des Tlntoretto, als eine Gruppe von drei Damen und drei Herren meine Aufmerk­samkeit auf fich zog. Die Fremden bewunderten wie ich das herrliche Gemälde. Die Damen waren alle drei schön, aber He eine, die jüngste, die einen rosa Hut trug, war die schönste der Schönen. Sie konnte kaum mehr als achtzehn Jahre zählen und war gewiß noch unverheirathet, wenigstens sprach dafür die mädchenhafte Einfachheit ihrer Kleidung.

in Bilder von Veronese, ihr Wuchs war schlank, nicht zu zroß und nicht zu-klein. Während fie fich zugleich mit ihren Vr sahnen von der Betrachtung de» Bildes abwandte, kehrte

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Nr. 268 Zweites Blatt. Freitag den 13. November