Donnerstag den 13. August
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M. 189 Awettes Blatt
Aintr- und Anzsigeblntt für den 'Kreis Gieren.
Bes
chratisöeikage: Gießener Aamilienötätter
fand bei Kosel statt.
z den 14. ilugiii
Feuilleton
Innahme Don Anzeigen zu der Nachmittag- für den {ptgenbcn Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de- In« und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Vereins, Herr Reich eil, übec eine Reise durch Baden und Württemberg mit besonderer Berückfichtigung der dortigen Baumwärterverhältniffe. Herr Reichelt kam zu dem Schluß, daß, nachdem in den sieben Jahren deS Bestehen- dcS Ober- hessischen ObftbauvereinS so viel für Ausbildung tüchtiger Baumwärter geschehen sei, unsere Provinz hinter jenen Län- dern in dieser Beziehung nicht zurückstehe. Auch in Bezug auf die Obstproduction halte sie den Vergleich aus. Bei Oberhesien sei übrigens noch zu berücksichtigen, daß große Strecken im Vogelsberg zur Anpflanzung gänzlich ungeeignet seien. — Es wurde in der Versammlung noch mitgetheilt, daß der Kreis Lauterbach in diesem Jahre mehr Obst liefere, als jeder andere Kreis in Oberhesien.
-f- Nidda, 11. August. Gestern Mittag wollten zwei wm Frühschoppen heimkehrende hiesige junge Männer ihre EWe resp. Geschicklichkeit im AuSeiuanderhauen eiserner Vchiemen mittelst einer Schlage und eines großen MetselS ltmthnn. Hierbei fuhr der letztere ab und dem ledigen August Roth derart wider das Bein, daß solches brach mdgleichzeitig eine Knochensplitterung entstand, infolge Itfftn die Verbringung des Roth nach der Klinik in Gleßen »Slhiz, wurde. — Am Sonntag früh wurden mehrere Per- gontn in hiesiger Gemarkung dabet ertappt, wie sie Frucht gdjni tten. Da solches ohne behördliche Erlaubniß geschah, ■eiirbtm die Sabbathentheiliger angezeigt.
m. Friedberg, 10. August. Die Hauptversammlung 2rs WeretnSbezirkS Friedberg des Oberhessischen Obstbau- «ereimS fand gestern hier statt und war erfreulicherweise sehr Park besucht. Auch der Präsident des ObftbauvereinS, Herr Vrh. RegierungSrath Dr. Braden, war anwesend. Nach Bin l egrühenden Worten deS Vorsitzenden, de- Herrn Kreis- Mtwann Süffert, erstattete der Dtrector der Geschäfts- stille, Herr Dr. v. Peter, Bericht über die Thätigkeit deS YrreimS im verflosieneu Jahr. Die nächste Frage betraf •eine fiu erlassende Verordnung bezüglich der Zeit deS Obst- UlaerintenS in unserem Kreis. Hierüber refertrte der Herr Aorsittzende, mit desien AuSsührungen die Anwesenden über- Mimmten. ES wird hiernach nächsten- eine Verordnung «Trinen, in welcher verfügt wird, daß in jedem Ort eine Lommisston für die Bestimmung deS Zeitpunkte-, an dem L-s Stnernten einer Obstgattung beginnen darf, gebildet wird. Auch wurde das Einsammeln deS Fallobstes durch »inder beanstandet. Nunmehr referirte der Secretär des
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In einigen Secunden war ich nebst meinen Kameraden an Händen und Füßen ganz „kunstgerecht" mit Stricken und Lederriemen gefeffelt und zum Ueberflufle steckten die Elenden un- jedem noch einen au- Tuchlappen zusammengedrehten Knebel in den Mund, um un- nun in dieser hilflosen Ver- fasiung auf dem Fußboden liegen zu lassen.
„So," begann der erste Kerl wieder, welcher offenbar der Anführer der Strauchdiebe war, „das wäre ja besorgt, und mit Ihrer gütigen Erlaubniß, Gentlrmen, möchte ich mich jetzt ein wenig bei Ihnen umsehen."
Er musterte rasch unser höchst einfaches Meublement, wobei ihm eine große Kiste, als der einzige bemerken-- werthe Gegenstand neben den roh genug zusammengezimmerten Tischen, Stühlen u. s. w., sofort inS Auge fiel. Die Kille enthielt neben unserer Wäsche vor allem unser kleine- gemeinsames Vermögen in Baar, etwa 400 Dollars theilS in Banknoten, wohlverwahrt in einem Lederbeutel, und da- scharfe Auge des Strolches hatte den Schatz im Nu entdeckt. Verächtlich warf er die Wäschestücke bei Seite, nahm triumphirend den Beutel aus der Kiste und steckte ihn, nach, dem er sich flüchtig von dem Inhalt deffelben überzeugt, ein. Dann schritt der Bube auf unsere Büchsen zu, nahm sie von ihren Haken und übergab^ sie seinen Begleitern, ebenso den in einem Säckchen daneben hängenden MunirionSvorrath und ein paar Jagdmeffer, die in der Wand steckten, indem er hierbei lachens auSrief:
„Die Schießeisen wollen wir doch lieber auch mitnehmen, die Herren können doch mit ihnen jetzt nichts ansangen und dann bleibe ich auch dabei, daß bester eben bester ist. So, Jungens," wandte er sich nun an seine Begleiter, die unter- besten noch an Mundoorräthen eingesteckt hatten, was sie erspähen konnten, „nun wollen wir un- wieder trollen, wir haben noch ein schöne- Stück Weg vor uns. Good bye, Gentlemen, und lasten Sie sich die Zeit nicht allzu lang werden."
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 11. August. Der „Vorwärts" sieht sich zu einer Warnung au die der Armee angehörenden Mitglieder dir sixcialdemokratischen Partei veranlaßt. Er räth „jedem Angehörigen de- Soldatenstande-, während der Zeit, wo er unter dem Milttärgesetz steht, seine politische Gesinnung für sich zu behalten". Der Nutzen, den ein Soldat der Partei durch Propaganda bet diesem oder jenem Kameraden etwa erwei1’ en könnte, werde unter allen Umständen überwogen durch die Strafen, die er persönlich zu erdulden habe, wenn obie Sache herauSkommt."
Ein Abenteuer in Texas.
Erzählung von F. Börner.
(Nachdruck verboten.)
Ich war nach jahrelangen ziellosen Kreuz- und Quer- Wden durch die nordamerikantsche Republik nach TexaS Anschlägen worden, wo ich noch mit zwei anderen Deutschen KminS Engrrr und HelmerSdorfer und einem Schotten ölim tn8 Mac Burton durch einen Zufall zufammengeführt 64rbe- Meine neuen Gefährten batten, gleich mir, ein gmllich bewegtes und abenteuerliches Leben auf amerikanischem Änben hinter sich und nahmen daher meinen Vorschlag, eS am einmal mit einem ruhigeren Leben zu versuchen, etwa liä kleine Farmer, vollkommen zustimmend auf. Wir waren dt vier etwas in der Landwirthschaft bewandert und in gittni von der Natur so reich gesegneten Lande wie TexaS galten hierzu gerade nicht besondere Kenntniffe und auch q: Geldmitteln fehlte eS uu- keineswegs. Bald hatte sich wh für unsere Zwecke herrliche- Land ganz im Westen deS Staate«, unweit der mexikanischen Grenze, gefunden und mich erhob sich auf demselben eine geräumige, aber höchst 'mjcuche Blockhütte, nichts al- einen großen Raum, der uns nli Wohn- und Schlafzimmer zugleich diente, und eine Art AsrnathSkammer enthaltend. Unseren Btehstand bildeten mic® sechs kleinen, aber ausdauernden Pferden und einem ifnkkn, gewöhnlich als Packthter benutzten Maulthier, zwei und einige Hämmel und Schweine. Die Kühe be- tyaben sich nebst den Hammeln und Schweinen in einem ikpr ovifirten Stall, der etwa hundert Schritte vom Blockes« entfernt stand, während die Pferde und das Maul- chir in der Umgebung frei weideten- daß weder diese-, noch Bk Werde uns durchbrennen würden, wußten wir sehr wohl, Binn die Thiere waren an die tägliche Maisfütterung vor Bin Blockhause durchaus gewöhnt.
Wir hatten etwa schon ein Jahr auf unserer Farm Wiuthschaftet, deren Producte nach dem drei deutsche Wllen entfernten Städtchen HillLbourough verkaufend, und
befanden uns trotz unserer ziemlich einförmigen und ein- samen Lebensweise ganz wohl und vergnügt. Eines Morgens saß ich mit meinen beiden deutschen Landsleuten beim Frühstück, die Rückkehr Mac Burton- erwartend, der sehr zeitig auf den Anstand gegangen war, um endlich einen feisten Spießhirsch, welcher in der Nähe seinen Wechsel hatte, zu erlegen. Da- Gespräch drehte sich hauptsächlich um eine starke Bande verwogenen Gesindels, die in der weiteren Umgegend von Hillsbourough ausgetaucht war und vermuth- lich bezweckte, sich über den Rio Grande nach dem benachbarten Mexiko in Sicherheit zu bringen, denn in TexaS schien den Buschkleppern der Boden allmälig doch zu heiß geworden zu sein. Bon un- hatte allerdings noch keiner etwa- von der Bande bemerkt und Engert meinte eben, behaglich au einem in Butter gebackenem MaiSkuchen kauend, die Kerle wären jedenfalls über den Rio Grande entkommen und trieben sich längst unter den mexikanischen Gelbhäuten umher, al- plötzlich die Thür ausging und ein zerlumpter, riesengroßer Kerl, den Gürtel mit Mestern und Revolvern förmlich gespickt und eine Doppelbüchse schußfertig in den Händen haltend, in- Zimmer trat. Im Nu sprangen wir auf, um nach unseren Büchsen zu stürzen, die aber unglückseliger Weise gerade neben der Thür hingen, aber der Eindringling richtete drohend sein Gewehr auf unS und sagte spöttisch in gutem Englisch:
„Halt, halt, meine Herzchen, ... wer fick von Euch noch rührt, kriegt im nächsten Augenblick eine Ladung Blei in den Schädel, und übrigen- bin ich nicht allein, wie Ihr seht."
Der Kerl deutete grinsend auf die beiden breiten, als Fenster geltenden Oeffuungen des Zimmers, durch deren jede in der That ein paar Büchsenrohre auf uns gerichtet waren, während außerdem hinter dem Redner noch drei oder vier andere zerlumpte, aber wohlbewaffnete Gestalten in- Zimmer drängten.
„Bill und JoneS," fuhr er nun, sich an zwei der letzteren wendend, fort, „knebelt doch die drei Herren ein bischen, ich calcnlire, beffer ist bester, wir können in unserem Geschäft nicht vorsichtig genug sein."
Dermifdyteso
* Berlin, 10. August. Ein neues Reclameunternehm en von originellster Art soll demnächst Hierselbst in Kraft treten, durch welches man Briefbogen, CoavertS und eine Zehnpfennigmarke für zwei Pfennige erwerben kann. Die Unternehmer beabsichtigen, etwa achthundert Verkaufsstellen in ganz Deutschland zu errichten und zwar vornehmlich in Hotels, Cigarren- und Colonialwaarenhandlungen. Jeder Umschlag enthält zehn Briefbogen und Couverts und eine Zehnpfennigmarke, welchen ein mit Reclamen aller Art bedrucktes Respectblatt beigelegt ist. Die Reclameaufgeber müssen natürlich schweres Geld zahlen, damit der Ausfall gedeckt und auch Gewinn erzielt werden kann. Zahlreiche Inhaber von Hotels und Cigarrengeschäften in Berlin haben dieser Tage schon Postkarten mit folgender Ankündigung er- halten: „Morgen erhalten Sie per Poft eine Drucksache. In Ihrem eigenen Interesse liegt es, dieselbe mit größter Aufmerksamkeit bis zum Schlüsse zu lesen. Denn wir offe- riren Ihnen darin tausend Stück 10-Pfennigmarken (ver- sandtfähig und ungestempelt) mit zehntausend Stück Couverts und Briefbogen für nur 20 Mark, also 85 Mark billiger al- die Reichspost nimmt!"
• St. Johann-Saarbrücken, 9. August. Die Festlichkeiten zur Erinnerung an die Spicherner Schlacht schlossen heute mit der Gedächtnißfeier, die, wie üblich, in der Frühe am Kriegerdenkmal auf dem alten Friedhof zu St. Johann vom Kriegerverein der Städte Saarbrücken-St. Johann veranstaltet wurde. Im Gegensatz zum vergangenen Sonntag lachte die Sonne gar freundlich, als der Aufmarsch der Krieger- und sonstigen geladenen Vereine unter Choral-
urtheilte den Studenten der Medicin Kagschny wegen Herausforderung zum Zweikampf zu sechs Monaten Festung. Das Duell zwischen dem Medicmer und zwei Offizieren Ersterer hatte einen Schuß ins Bein
begleitung sich am Denkmal vollzog, dessen Sockel von Kränzen und Guirlanden ganz verhüllt war. Gesang der vereinigten St. Johanner Männerchöre und Choräle der 70er Capelle gingen der warm empfundenen Gedächtnißrede voran, die das Kriegervereins-VorstandSmitglird Eisenbahnlandmesser Ritt- mann hielt- ein gemeinschaftlicher Dankschlußgesang beendete die pietätvolle Feier, der die Spitzen der Militär- und St. Johanner Civilbehörden, Offiziere der Garnison Saarbrücken und des Beurlaubtenstandes anwohnten.
Ratibor, 10. August. Die hiesige Strafkammer ver-
erhalten.
• Hamburg, 10. August. Gestern schlug auf der Elbe ein Segelkutter um. Von den drei Insassen sind zwei, ein junges Ehepaar Namens Schumacher, ertrunken. Ihr Begleiter wurde gerettet.
♦ Nürnberg, 10. August. Gestern Vormittag wurde hier eine Bäckerei-AnS stellung eröffnet, an die sich der vierte Verbandstag deS Freien deutschen Bäcker Verbandes anschließt.
* Wenig, aber herzlich. Nach einem Bericht aus Leipzig hat die vorn altdeutschen Verbände eingeleitete Sammlung für die Vermehrung der deutschen Flotte einen Ertrag von 10 000 Mark eingebracht, der vorläufig in einer Berliner Bank hinterlegt worden ist.
♦ lieber die Bewegung der Bevölkerung unserer Erde in Bezug auf tägliche Geburten und TooeSsälle gibt Lavasseur intereffante Aufschlüsse. Derselbe schätzt Asien auf 825954000, Europa auf 547379000, Afrika auf 163953000, Amerika auf 121713000 und Australien auf 3230000 Einwohner. Bon diesen zufammen 1478 229 000 Menschen sterben jährlich etwa 32214000, daS find 98840 oder 4020 pro Stunde oder endlich 67 pro Minute. Die jährliche Anzahl der Geburten beträgt dagegen 36 792 000, also 100800 in einem Tage, 4200 in der Stunde und pro Minute 70. Die Zahl der Geburten Übertrifft also die der Todesfälle nach einer Mit- theilung des Patent- und technischen Bureau- von Richard Lüder- in Görlitz in der Minute um volle drei, so daß in allerdings unabsehbarer Zeit die Bevölkerung-zahl so ge- stiegen sein wird, daß die Mutter Erde sie nicht mehr zu erhalten im Stande sein wird.
Der fit lener Anzeiger I erscheint täglich, 1 fit Au-nahmr de- Montag-.
Die Gießener ^imikien d kälter Inden dem Anzeiger ,ch,nttich dreimal brigelrgt.
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