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-ietzeuer -uzeiger erscheint täglich,
Ttit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener
DamikteuötStter iverde» dem Anzeiger
sSchmtlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Donnerstag deu 13. Februar
1896
(yncßcncr Anzeiger
Keneml-Mnzeiger.
vierteljähriger ASonnementspretOr 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohiu Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
tttbaction, Expedition und Druckerei:
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Amts- »nd Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, TrtffPY All- »nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen
folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. v» ^Vv^vlVvV Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Vorstand«^
Aintliche^ Theil.
Bekanntmachung, ietceffend die Ausführung des Invalidität-- und Alter^- verficherungSgesetzes.
Indem wir die nachstehenden Bestimmungen rubr. Gesetzes yit Kenntniß der Interessenten bringen, bemerken wir, daß sich die in § 157 festgesetzte Verminderung der Wartezeit aus iet beigefügteu Tabelle ergibt.
Gießen, den 8. Februar 1896.
GroßherzogticheS KretSamt Gießen.
v. Gagern.
§ 15.
Zur Erlangung eines Anspruchs auf Invaliden' oder Altersrente ist, außer dem Nachweise der Erwerbsunfähigkeit ieziehnngSweise des gesetzlich vorgesehenen Alters, erforderlich:
1. die Zurücklegung der vorgeschrtebenen Wartezeit -
2. die Leistung vou Beiträgen.
§ 16.
Die Wartezeit (§ 15) beträgt:
1. bet der Invalidenrente fünf Beitragsjahre -
2. bet der Altersrente dreißig BettragSjahre.
§ 17.
Als BeitragSjahr gelten siebeuundvierztg Beitragswoche» (§ 19). Hierbei werden die BeitragSwochen, auch wenn fie ia vk rschiedene Kalenderjahre fallen, unbeschadet der Vorschriften H -5 32, bis zur Erfüllung des BettragSjahre- zusammen- gerechnet.
Solchen Personen, welche, nachdem fie nicht lediglich torSbergehend in ein die VerficherungSpfltcht begründendes SrbrttS- oder Dienstverhältniß eingetreten waren, wegen be- Hctntfltet, mtt Erwerbsunfähigkeit verbundener Krankheit für ilc Dauer vou fiebeu oder mehr aufeinander folgenden Tagen drrhßadert gewesen find, dieses Verhältniß fortzusetzen oder brhulS Ersüllung der Wehrpflicht in Friedens-, MobtlmachungS- oder KriegSzeiten zum Heere oder zur Marine etngezogen geivefen find, oder in MobilmachungS- oder KriegSzeiten freiwillig militärische Dienstleistungen verrichtet haben, werden bleit Zeiten als BeitragSzeiten in Anrechnung gebracht.
Die Dauer einer Krankheit ist nicht als BettragSzeit tu -nrechnung zu bringen, wenn der Betheiltgte fich die Krank- -tiü vorsätzlich oder bet Begehung etueS durch strafgericht- WS Urthetl festgestellten Verbrechens, durch schuldhafte Lrtheiligung bei Schlägereien oder Raufhändeln, durch Trunk- -filligkett oder durch geschlechtliche Ausschweifungen zu- itpgen hat.
Bet Krankheiten, welche ununterbrochen länger als ein *Mr währen, kommt die über diesen Zeitraum htnauSreichende Sauer der Krankheit als Beitragszeit nicht in Anrechnung. |
• § 157.
Für Versicherte, welche zur Zeit dcS Inkrafttretens diese« Gesetzes das vierzigste Lebensjahr vollendet haben und den Nachweis liefern, daß sie während der dem Inkrafttreten dieses Gesetzes unmittelbar vorangegangenen drei Kalenderjahre iuSgesammt mindestens einhundertetnundvierzig Wochen hindurch thatsächlich in einem nach diesem Gesetze die Versicherungspflicht begründenden ArbeitS- oder Dtenstverhältnisie gestanden haben, vermindert sich die Wartezeit für die Altersrente (§ 16 Ziffer 2), unbeschadet der Vorschriften des § 32, um so viele BettragSjahre und überschteßende Beitragswochen, als ihr Lebensalter am 1. Januar 1891 an Jahren und vollen Wochen das vollendete vierzigste Lebensjahr überstiegen hat. Dabet werden für jedes vollendete Lebensjahr sieben- undvierzig BeitragSwochen in Ansatz gebracht. Ist die Zahl der überschießenden Wochen höher als fiebenundvierzig, so sind neben der Vollzahl der Jahre nur siebeuuudvterzig Wochen in Anrechnung zu bringen.
Tabelle
über die Miudestzahleu der tn Betracht kommenden BeitragSwochen bei Festsetzung von Altersrenten für gesetzlich versicherte Personen aus dem GebunSjahrgange 1826.
Fällt der Geburtstag des Rentenberechtigten tn die Zeit vom
so müssen mindeste«« BeitragSwochen nachgewiesen sein
Fällt der Geburtstag des Rentenberechtigten in die Zeit vom
so müssen mindeste«« Beitragswochen, nachgewiesen sein
1. Jan. bis 6 Febr.
7. Febr. „ 13. „
14. „ „ 20. „
21. „ ff 27.
28. „ „ 6. März
7. Marz „ 13. „
U. „ „ 20. ,
21. „ „ 27. „
28. „ „ 3. April
4. April „ 10. „
11. „ „ 17. „
18. „ „ 24. „ 25 „ „ 1. Mai
2. Mai „ 8 „
9. „ tt 15. „
16. „ „ 22. „ 23. „ „ 29.
30. „ „ 5. Juni
6. Juni „ 12. „
13. „ „ 19. „
20. „ „ 26.
27. „ „ 3. Juli
4. Juli „ 10. „
11. „ „ 17. „
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18. Juli bis 24. Juli
25. „ „ 31. „
1 Aug. „ 7. Aug.
8. „ „ 14. ,
15. „ „ 21. „
22. „ „ 28. „
29. „ „ 4. Sept.
5. Sept. „ 11. „
12. i, „ 18. „
19. y „ 25. „
26. „ „ 2. Oct.
3. Oct. „ 9. „
10. „ „ 16. „
17. „ „ 23. „
24. „ „ 30. ,
31. „ „ 6. Noo.
7. Noo. „ 13. „
14. „ „ 20. „
21. „ - „ 27. „
28. „ „ 4. Dec.
5. Dec. „ 11. „
12. „ „ 18. „
19. , , 25 „
26. „ „ 31. „
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Dtt Krieg von 1870|7i, r-schtld-rt du ch Ausschnitte au8 Zeitung» - Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.)
13. Februar.
Paris zeigt fich gemäßigt und ruhig. Die Parteien haben sich über eine gemeinsame Candidatenliste verständigt, welche die Häupter der Republik und der Orleantsten enthält.
Die Napoleons und die Orleans haben fich bei Franzosen durch Proclamationen und Programme zur Wahl empfohlen. So fahren immer mehr Quirle in den französischen Brei und rühren ihn um .und der Himmel weiß, waS aus dem brodelnden Hexenkessel herauskommt. DaS deutsche Hauptquartier soll übrigens entschlosien sein, seine Heere nach Bordeau und Lyon in Marsch zu setzen, wenn der Friede während deS Waffenstillstandes nicht zu Stande kommt. Nach anderen Nachrichten jedoch ist eine Verlängerung deS Waffenstillstandes wahrscheinlich, da unvermeidliche Schwierigkeiten die rechtzeitige Eröffnung der Nationalversammlung in Bordeaux verzögern.
G. Geiß Nidda, 10. Februar. Die hiesige Gemein besag d, welche seither um 80 Mk. jährlich verpachtet war, hat nahezu den vierfachen Betrag erzielt, denn sie ging um 305 Mk. jährlich an eine Frankfurter Jagdgesellschaft über. — Im „Gieß. Anz." wurde kürzlich berichtet, daß in der Gegend von Staden schon junge Gänschen auf die Weide getrieben würden. Das will für unsere Wetterauer Geflügelzüchter wenig heißen, indem der Züchter Schwab in Bingenheim, der die Zucht ausgezeichnet versteht, bereit« junge Gänse besitzt, die fast ganz flügge find, und das stattliche Gewicht von 7 bis 8 Pfund erreicht haben. Der Handel mit schlachtbaren 1896 er jungen Gänsen nach Frankfurt beginnt bereits.
Ilbenstadt, 8. Februar. Einen jähen Tod fand der in der ganzen Wetterau alS tüchtiger Musiker bekannte hiesige Einwohner I. Mahl. Er wollte von Bruchenbrücken, wo er Tanzunterricht ertheilte, des Abends nach Hanse gehen. In der Dunkelheit kam M. vom Wege ab, und ge- rielh bei Affenheim tn die Nidda- es gelang ihm zwar sich aus dem nassen Elemente zu retten, allein seine Kräfte waren erschöpft, und so blieb er erstarrt am Ufer liegen, wo man ihn später als Leiche fand. Das jähe Ende deS Achtzigjährigen wird allgemein bedauert. Darmst. Ztg.
Bingen, 7. Februar. Heute Nachmittag fand die Eröffnung der 51 Bewerbungen für die hiesige Bürger- metsterstelle statt. Unter den Kandidaten sind 4 Hessen und zwar 2 aus Mainz, 1 auS Darmstadt und 1 Worms. Die engere Wahl ist einer Commission von 7 Gliedern deS Stadtverordneten Collegiums übertragen. Die Wahl wird sich demnach in aller Bälde vollziehen.
Feuilleton
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Die Worte kannte Clara vom Anfang
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Der Doctor drückte heimlich die Hand, tmsnsvoll durch seinen Arm geschoben hatte.
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onschlten nicht, ihn hoch zu beglücken. Er Nrmhard seit vier Jahren und liebte fie fast
»en 15. F°brn« ds 8 Uhr
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Ihr Hund.
Humoreske von Zo? von Reuß.
(Nachdruck verboten.)
lingfl dreißig, mit einem feinen, etwa» zerdrückten Sommer- litte und einer goldenen Brille, hinter welcher ein paar kurz- filiflc, aber haarscharfe Augen prüfend hervorleuchteten.
Die Angeredete legte mit lieblichem Erröthen ihre fein kleidete Hand in den dargebotenen Arm und schritt mit l:|rt« Begleiter die Straße hinab. Wie fie so unter den bchenden Bäumen und Sträuchern des Villenviertels dahin« iiiUten, waren sie wie das erste gotterschaffene Menscheu-i
im ParadieseSgarten.
„Also täglich schon zwei Stunden Clavierunterricht Sie zu ertheilen? Wahrlich ein guter Anfang! Mehr »irbe Ihren Nerven schädlich fein — ich werde niemals Bilme Erlaubniß geben, daß Sie sich ruiniren," sagte Doctor »itihold. „Ich hoffe nämlich stark, daß Sie mich zu Ihrem HanSarzte machen."
„Dabet würden Sie fich schlecht stehen — hoffentlich! habe keine Zeit, krank zu werden, keine Zett und keine
I.
„Darf ich Sie nach Ihrer neuen Wohnung begleiten, MtS Fräulein Clara?"
Der Sprecher war ein hübscher, kräftiger Mann, an-
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ihrer Bekanntschaft an. Er war einst als Arzt zu ihrer Mutter geholt, und während er dieselbe behandelte, hatte er die pflegende Tochter lieben und schätzen gelernt. Leider aber war seine Stellung derartig, daß er ihr kein Heim zu bieten hatte. So hatte er die Geliebte schmerzersüllt und hoffend zugleich nach dem Tode der Mutter aus der Heimath scheiden sehen, um am Conservatorium der nächsten Großstadt Musik zu studtren. Kürzlich war fie zurückgekehrt und hatte fich in der alten Heimath als Musiklehrerin ntedergelaffen. Natürlich ward die Bekanntschaft sofort erneut . . . Auch heute Abend war man einander in Gesellschaft begegnet und wanderte nun still beglückt zusammen dem kleinen Heim Claras zu, da» fich das junge Mädchen zur Wohnung eingerichtet hatte.
„Wird Ihnen denn aber nicht gruselig sein, wenn Sie künftig so allein und schutzlos haushalten werden?" frug der Doctor stockend und mit leisem Zittern tn der Stimme, indem er heimlich hoffte, daß die Aeußerung einer weiblichen Furchtsamkeit ihm schon heute Abend eine willkommene Veranlaffung zu einer Erklärung bieten werde. Denn das im Weltgetriebe und Kampf umS Dasein halb erblaßte Bild Claras hatte sich seit dem ersten Wiedersehen mit so frischen, anmuthendeu Farben belebt, daß er fest entschloffen war, die Sache balÄ „tnS Reine" zu bringen. Warum noch Comödie spielen? Clara mußte wissen, daß er fie liebte, seit er sie am Bette der Mutter kennen gelernt hatte. Auch war er glücklicher Weise überzeugt, daß er ihr nicht gleichgiltig sei, trotz der mädchenhaften Zurückhaltung, mit der fie ihm wie allen anderen Männern begegnete. Dazu vergrößerte fich die Praxis alljährlich, nur eine Frau Doctor fehlte dem Doctor!
„Wird Ihnen nicht einsam sein? Wird Ihnen nicht bange werden, so allein in Ihrer Wohnung?" versuchte er als Einleitung.
„Wieso?" frug Clara verwundert.
„Ihre beiden beneidenSwerthen Canarienvögel find zwar reizende Hausgenossen und Gesellschafter, aber ... Es ist erst kürzlich wieder ein Einbruch bet einer Dame verübt worden. Allerdings war sie alt und schwerhörig, aber . . Ein Eindringling würde unter allen Umständen zu fürchten sein —"
„Aber, liebster Doctor, woran denken Sie alles?" fiel Clara lustig ein. „Wollen Sie mich denn durchaus gruselig machen?"
„Nu, nu, ich meine nur so," stotterte der Doctor.
„Ich habe bereits drei Jahre allein gelebt, in L.", fuhr Clara fort. „Allerdings wohnte ich mit einer Gefährrii zusammen, aber das war doch kein ernsthafter Schutz zu nennen! Am Tage war fie meist außerhalb und Nacht« schlief sie wie ein Murmelthier."
„Dennoch — "
„Bedenken Sie doch, daß ich zu den „erwerbsfähigen" Frauen gehöre, die ihr Brod verdienen wollen und müssei, zu denen, die sich selbst ihren Weg suchen. Darf man fich denn fürchten?"
Der Doctor schüttelte verdrießlich mit dem Kopse und fand fich augenblicklich „abgeblitzt". Hoffentlich würde Clara Bernhard nicht gar zu den modernen Frauen gehören, die mtt den Männern concurrtren und die Einrichtung der Ehe für überflüssig halten. Das war doch nur sttr die Häßlichen!
„Uebrigens habe ich auch einen Wächter tn meiner Wohnung," lenkte Clara mtt reizendem schelmischem Lächeln ein. „O, man hat auch Scharfsinn und Erfahrung!"
(Fortsetzung folgt.)


