Ausgabe 
12.7.1896 Zweites Blatt
 
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den 11. Juli 1896.

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Sonntag den 12. Juli

Zweites Blatt

Nr. 162

Gießener Anzeiger

Kemrat-Anzeiger.

Amts- uttb Anzeigeblatt für bei« Nreis Gieren.

Hratisöeikage: Gießener Iamikienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den iofgetibtn Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Rrdaction, Exv^dilian und Druckern:

Zchulstrahe Kr.7.

Fernsprecher 51.

Die Gießener

Kamikienölälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Gießener Anzeiger erjcheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

vierteljähriger >. Aöounementsprci»» 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.

Durcb die Post br;ogett

2 Mark ÜO '+

Amtlicher TKeil.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert pro Monat Juni 1896 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 15,70, Heu Mk. 6,20, Stroh Mk. 4,90.

Gießen, den 9. Juli 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gr. Districts-Einnehmerei Gießen I.

Directe Steuern 2. Ziel, Brandversicherungsbeiträge für 1895 und Forst- und Feldstrafen 2. Periode 1896 werden an den Zahltagen Dienstag, 14. Juli 1896 Donnerstag, 16. Juli 1896 Freitag, 17. Juli 1896 Samstag, 18. Juli 1896

in dem Kaffenlocale (Alicestraße 18, Parterre) nach den ge­setzlichen Bestimmungen zur Erhebung kommen.

I. E.: Wolfschmidt, Districts-Einnehmerei-Berwalter.

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht: 1) daß Gesuche um Bewilligung von Subventionen zum Besuche von Ackerbauschulen, sowie deö Obstbaum- wärter-CursuS zu Friedberg bis zum 13. October 1896 bet dem Unterzeichneten einzureichen find-

2) daß zur Bestreitung der Kosten der Impfung der Ge- memdebullen mit Tuberkulin 180 Mk. in Ausgabe vor­gesehen sind und daß jeder Gemeinde, die ihre Bullen impfen läßt, ein Zuschuß zur Bestreitung dieser Kosten in dem Betrage von 12 Mk. aus der BezirkSvereinS- kaffe entrichtet werden wird.

Anträge find alsbald nach vollzogener Impfung der Bullen mit Tuberkulin unter Angabe des Resultats der Impfung einzureichen.

3) daß die für Hebung der Rindviehzucht vorgesehenen Mittel in folgender Weise verwendet werden sollen:

a) zur Abhaltung einer DiehpreiSvertheilung in Grünberg 500 Mk.,

b) zur Subventionirung von Gemeinden, welche Bullen rein Vogelsberger oder Simmenthaler Raffe anschaffen und dieselben nur zur Rein- zücht verwenden lassen oder in denen Viehzuchtvereine gegründet werden, 500 Mk. Zur Bestreitung der durch den Ankauf von reinen Bullen entstehenden höheren Kosten wird aus der land- wirrhschaftlichen BezirkSvereinSkaffe ein Zuschuß nicht unter 50 Mk. bewilligt, wobei im Covcurrenzfalle die ärmeren Gemeinden vorzugsweise berücksichtigt werden sollen.

Anträge sind unter Vorlage der Körscheine alsbald nach dem Ankauf der Bullen an den Unterzeichneten einzusenden.

4) daß zur Hebung der Ziegenzucht 100 Mk. in Ausgabe vorgesehen find und daß hieraus Gemeinden, welche Ziegenböcke rein Schweizer Rasse anschaffen, zur Be­streitung der hierdurch entstehenden Kosten eine Sub­vention bis zu dem Betrage von 25 Mk. bewilligt werden soll. Im Concurrenzfalle werden die ärmeren Gemeinden vorzugsweise berücksichtigt. Anträge find

unter Angabe des Ankaufspreises deS Ziegenbocks ein­zureichen-

5) daß für Abhaltung von Wandervorträgen 200 Mk. in Ausgabe vorgesehen sind. Aus diesem Betrage sollen die Diäten der Wanderlehrer und die Kosten deS Transports derselben auf der Eisenbahn bestritten werden.

Die Großh. Bürgermeistereien, welche wünschen, daß in Ihren Gemeinden derartige Vorträge gehalten werden sollen, werden ergebenst ersucht, mir dies unter Angabe des Themas, über welches der Wanderlehrer einen Vortrag halten soll, sowie deS Tages und deS LocalS, an resp. in welchem der Vortrag gehalten werden soll, mitzutheilen.

Gießen, den 6. Juli 1896.

Der Director deS landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost, RegierungSrath i. P.

Vermischtes.

* Enttäuschung. Emilie Augier trat eines Tages in ein Pariser Cafe, in dem er kurz vorher eine Erfrischung zu sich genommen, und wandte sich mit der ängstlichen Frage an den Kellner:Habe ich nicht auf dem Tische ein kleines Packetchen liegen taffen?Nein, mein Herr," versetzte der Kellner.O, daS thut mir aber sehr leid- ich möchte nicht, daß daS Packet in fremde Hände käme, es enthält einige sehr werthvolle....."Juwelen, mein Herr?

fragte der Kellner lächelnd.Juwelen? ach nein, aber Scorpione, einige seltene und werthvolle Exemplare." Der Kellner lächelte nicht mehr, er wurde im Gegentheil todtenblaß, zog ein kleines Packet aus der Rocktasche und reichte eS dem Schriftsteller mit verlegenen Blicken. Augier entfernte sich mit vergnügtem Lachen, denn das Packet ent­hielt keine Scorpione, sondern einen Schmuck, den er für seine Frau gekauft hatte.

von Vormittags 8 Uhr bis Nachmittags 1 Uhr.

und Ring-Clnbs -mahle.

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i, Kirmes.

meinem

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Feuilleton.

Unser Gsrlrn im Juli.

Wie schade, daß wir nicht allgemein gütige kerndeutsche Namen sür unsere Monate Haden! Was hat die schöne Spanne Sommerzeit, in der unser deutscher Garten in voller Ueppigketl uns entgegentritt, in der im Verwehen des Dufts der ersten Rosendlüthe, deS süßen, balsamischen Hauchs unserer traulichenJe länger je lieber "-Lauben, unsere Gartenlänger in zu Gemüthe dringenden Liedern, die immer letier und leiser verhallen, die Sangesluft des entschwundenen Früh­lings beschließen, mit dem einst so gewaltigen Römer Julius Cäsar zu thun ? Mit dem siegreichen Feidherrn und Eroberer, der auch Germaniens Boden zweimal betreten, der unter den Dolchen seiner Landsleute, 44 Jahre vor Christi Geburt, verblutete?! Nach ihm schreibt ahnungslos der AckerSmann, das Schulkind, seinen Juli". Wir besitzen freilich für ihn einen deutschen Namen.Heu­mond" wollte ihn Karl der Große geheißen haben; aber wer kehrt fich heute daran ? Sonderlich treffend ist die Bezeichnung auch nicht; wer erst im Julr sein Hauptheu einheimst, der ist kein kluger Wirth. Er erntet viel, aber Holz, aus dem die kostbaren Nährstoffe ver­schwunden. Vor der Blüthe, zum mindesten vor dem Johannistag heuen! das ist das richtige.

So ift'S auch bei den Gemüsen; je jünger, je rascher zur Ent­wickelung gebracht, desto zarter, nährstcffreicher, werthvoller sind sie. Verholzte Kohlrabi, langem gewachsener Blumenkohl usw. laugen nichts. Fette alle Nährerde, gute Pflege, guter ©amen. Diese drei Nolhwendigkeiten müssen über der Thüre zum Gemüsegarten stehen. Nur über die letztere Bedingung ein kurzes Wort. So Viele gibt es noch, die ihre Hauptgartensamen selbst ziehen. Das ist löblich häufig aber sehr unpracusch; gar wenn es vertthrl gemacht wird, ötch die Samen der Kohlsorten zu ziehen, lasse man überhaupt. Sortenechte, gute Kohlsamen sind, aus guter Quelle bezogen, am billigsten B.sser gelingt es schon, fich Gurken-, Erbsin-, Bohnen-, Salat-, Zwiebel-, Tomaten-, Rettigsamen, auch den mancher Würz- lräuter usw. zu ziehen. Wirklich schöne Erfolge erzielt man dabei »der nur bei einem richtigen Derständnitz mit einer gewissen Zucht­wahl. Aber wie wenig klug und überlegt geschieht das in den meisten Hausgärten! Die schönsten Gurken verschwinden selbstverständlich unter dem Salathobel: es wäre ja schade, sie zu Samen liegen zu Itffen. Dazu taugt eine jede; ja ein so richtiger Halbkrüppcl, der eine harte Jugend erfahren, und dennoch nicht zu Grunde gegangen ist, der erbringt ein künftiges hartes, widerstandsfähiges Geschlecht. Bei Erbsen u b Bohnen, ja da bleiben anstatt der schönsten, größten unb vollsten Schoten der allerkrästtgsten Stöcke, meist einfach das zu Samen stehen, was das Mädchen usw. beim Grünpfiücken übersehen unb vergessen. Ach das ist lange genug und gut: Same ist Same! Ist doch die Sorte echt! Dann beim Salat ist es fast am naivesten. Wer wird, um Alles in der Welt, die schönsten größten und hart­geschlossensten Salatköpfe zu Sarnen schießen lasten wollen! Laden sie nicht entzückend zum Sonntagsbraten? Die Natur machts schon recht. Ihr folge ich.

Da, die spindeiigen Schwerenöther, die aus ihren kleinen lockeren Köpfchen so rasch u.,d brillint schießen, die es kaum erwarten können, zu blühen, das sind die geborenen Samenträger! Fruchtbar bis .vortnaus"! Die lasse ich zu Samen stehen. Das macht so ganz und gar keine Mühe; wers anders macht, folgt dem Wink der Natur nicht! Von den Zwiebeln verbrauche ich natürlich die schönsten vorweg. Gegen Frühjahr wird es fich beim Rest schon zeigen, wer dm richtigen Trieb hat. Die am längsten ausgewachsen find, in der

Schublade, das sind die richtigen; die tragen einen Samen, der sich gewaschen hat: die pflanz ich ins Samenbeet, und keine anderen. Verstanden?!

Aehnliche Grundsätze wiederholen sich bei der übrigen lieben Samenzucht: von den Tomaten bleiben immer ein paar angefaulte, angefrorene zuletzt übrig; den schönen Samen der verbrauchten gießt die Köchin weg! Unb beim Rettich? Die Dicke und Form der Wurzel ein Bischen durch Bloßiegen untersuchen? Unsinn! Was zuerst schießt, bleibt stehen: die dicken, zarten, die wollen fich mit Saiz und Butterbrot vermählen. So will dasSpatenbräu", die liebe B quemlichkeit!

Bei solchen Zuchtwahl-Leitgedanken darf uns allerdings nicht wundern, wenn Jahr für Jahr alle diese Nutzgewächse an Güte und Ansehnlichkeit Nachlassen! Die Schuld wird bann ber Witterung, ber Lage unb allem möglichen Anderen zugeschrieden, und die Freude am Garten wird gedämpft. Wie ganz anders, wenn bei der Aus­wahl zur Samenzucht das Beste, schönste unb Vollkommenste ben Ausschlag giebr! Jetzt im Juli ist es noch Zeit, baß ber fürsorg­liche Gartenvater, bie kluge Hausmutter, mit höchsteigener Hanb bie Samenträger ber in Frage kommenden Pflanzen auswählt und sofort mit auffälligem Zeichen versteht, die allen tm Garten Hantirenden bekannt sein müssen; nicht daßMinna" an der gekürten Wahlgurke mit dem Küchenmester zur eisherzigen Parze Atropos wird, und mit der bekannten Schlauhcitsmiene vor die sprachlos werdende Hausfrau tritt:Nee, Mademeken, wat ick da ins Beet noch eene pikfeine Schworjmkr ufjestöbert habe!"

Der fleißige Gartenfreund behäufelt seine Kohlgewächse unb Spälkartoffeln, zieht zum Abtrocknen die abgewelkten, reifen Zwiebeln aud. Er düngt fleißig geräumte Beete: besetzt solche mit Winterkohl, Rosenkohl und Endivien. Auch säet er nochmal- Carotten, Winter­endivien, Herbstrüben, Radieschen, Rettiche und Frühsalat.

Nach seinen Apfelbäumen und Zwischen sieht er nur mit Sorgen. Was war doch das für eine neue schwere Heimsuchung in den letzten W.chen: fast alle Zweige mit scheußlichen grauen Schleiern überzogen, und darin ein Gewimmel von grauem Gewürm. Jetzt ist es ruhig darin geworden, aber bie Laubkronen sind abge- freffen, braun, wie versengt; fast nur bie Früchten blieben an den verui zierten in Trauer gehüllten Zweigen. Was wirb nun joerbtn!? Er hat zwar versucht, bas Geschmeiße zu erhaschen, zu zerbrücken: gelang es ihm bei Hundert'n, so tauchten SauK-nbe von Neuem auf. Er wurde ber Plage nicht Herr, wußte nichts von der Raupen­fackel, die ihm hier geholfen hätte, nichts vom Wesen des Schädlings; ließ schließlich, wie alle seine Nachbarn, die überhaupt gar nichts traten, der Sache freien Saut.Ach was! solange der Bürger­meister schweigt, brennt bie Geschichte nicht!"

Die 'G-spinnstmottenplage (bes. burch Hyponomeuta variabilis ZelL) ist es, bie in biesem Juni weite Striche unserer deutschen Obst- baugegmben schwer heimsuchte; schon tm vorigen Jahre ist sie z. B. in ber Provinz Sachsen, in Württemberg, Baben u. s. w. ziemlich erheblich aufgetreten.

Wenn ber Leser bieseS zu Gesicht bekommt, finb bie Milliarben ber kleinen Raupen in Gespinnstcn zwischen halbversengten Blättern ober bloß so an ben kahlen Aesten festgesponnen, alle verpuppt. Die weißen, spindelförmigen, kaum fingernagellangen Puppen Hullen sitzen zu Hunderten gedrängt, wie Cigarrenbündel, oft auch etwas loser, zusammen.

Es ist jetzt die allerhöchste Zeit, zum Abnehmen und zur Ver­nichtung dieser Puppenmassen zu schreiten. Die ungezählten Millionen Schmetterlinge, kleine, schneeweiße, schwarzaetüpfelte Mottenfalter, kaum 2 Ctm. spannend, fliegen schon gegen Mitte Juli aus. Dann

ist eine Bekämpfung der aufs Neue und weit schlimmer drohendm Plage absolut nicht mehr möglich. Es wird das Jeder begreifen, wenn er erfährt, daß jedes einzelne Weibchen dieser Falter etwa 100 Eier kurz nach Ausfliegen an die Aeste der Obstbäume ablegt. Diese unsichtbar kleinen Eier kommen noch im Herbst aus: die jungen, winzig kleinen Räupchen überdauern bie größte Kälte deS Winters in Rinbenritzen u. s. w. unb beginnen mit ihrem verderb­lichen Fraß im nächsten Mai. Die Gefahr ist eine nicht zu unter­schätzende; die Vereine von Obstzüchtern unb bie Gemeinben mögen bie geeigneten Maßregeln sofort ergreifen. Eine Leiter, bie Mühe nicht scheuende Hände, ein umgehängter Sack, in den die Puppen- Gespinnftmassen geworfen werden, um zu Hause den Flammentod zu finden, sind das ganze Rüstzeug dazu: Es ist hier nicht Raum, näher auf das Wesen des Schädlings einzugehen; ein von mir vom Landw. Centralverein der Provinz Sachsen erbetenes Gutachten (ab- gedruckt in Nr. 4 d. I. berZeitschrift bir LcwdwirthschastSkarnmer f. d. Provinz Sachsen" (Halle a. ©.), sowie eine genaue tllustrirte Darlegung meiner Weniakeit in Nr. 12 b. I. bes bekanntenPrak­tischen Rathgebers im Obst- unb Gartenbau" (Frankfurt a. O.) sprechen sich darüber eingehend aus. Beide warnten, ehe die Ge­fahr anhob.

Geschieht von Seiten der Besitzer, der Vereine, Gemeinden usw. aus Bequemlichkeit usw. nichts, so mögen diese ohne Murren die Folgen ihrer Unterlassungsthaten für ihren Obstbau des nächsten Sommers und wohl auch einiger weiteren Jahre tragen. Zu spätes Jammern nutzt dann nichts mehr. Auf eine Selbsthilfe der Natur (durch nützliche Schlupiwespen, P'lzkrankheiten 2c.), die ja schließlich nicht auöbleibt, kann mit Sicherheit sobald nicht gerechnet werden. Selbst im günstigen Falle würde vorher durch Schaden noch schweres Lehrgeld bezahlt werden müssen. Im vorigen Jahre glaubte man auf den Winter als Verbündeten rechnen zu dürfen Das war, wie ich vorauSsagte. durchaus verkehrt; selbst wenn er in eisiger Strenge regiert hätte, wäre die Heimsuchung kaum eine gelindere gewesen, da die Vermehrung ber Falter eine zu starke war, bie Brut gegen selbst starke Kälte widerstandsfähig ist.

Wir haben eben daSJe langer je lieber" erwähnt; hoffentlich gilt dieser porsieumhauchte Name den Obstzüchtern nicht als über­tragbar auf die Raupenplage, weshalb sie das Richtige wohl treffen werden»

Wit demJe länger je lieber" war das liebe alteGeisblatt" gemeint, das bescheiden, und in Masse an traulicher Laube doch so prächtig. Sein süßer Duft an warmen Sommerabenden ist fast zu berauschend; ich kann aber denen nicht ganz beistimmen, bie in bem Wohlgeruch einen starken Anklang an bieSonntagnachmittags- Ausgehepomade" bienstbeflisser er Geister finben wollen! UebrigenS kennt dec deutsche Volksmund noch ein zweitesJe länger je lieber". Es ranft, wuchert unb blüht bescheiben, an so manchem silbern bahinfließenden Bächlein, auf mancher Schutthalbe, unb an manchem stillen Walbranb. Sein violettes, kleines Blüthchen, nach Art bes Türkenbunbcs geformt, mit einem goldgelben, spitzen Napfkuchen in ber Mitte, erinnert uns sofort an eine Kartoffelblüthe. Eine solche Verwanbtschast ist auch da: es ist ber Kletternbe Nachtschatten, bas Bittersüß, das als Schlingpflanze mit seinen Blüthen unb Dolden rother Herbstbeeren auch dem Gartenhäuschen zum Schmuck gereichen kann. Eine geistreiche Französin, Frau von Latour, wählte einst dessen bescheidene Blüthe in ben Kranz ber Blumensprache als Symbol der wahren, offenen Aussprache, die anfangs bitter schmeckt, bann aber süß, heilsam wirkt. Möge solch Bittersüß am Wege beutschcn LebenSgartenS niemals oerborrcn!

H. Freiherr Schilling v. Cannstatt.