2. Appell Bormittags 11 Uhr:
Wehrleute l. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.
E. Zu Sich
am 21. April 1896 am Bahnhof für die Bewobner von: Albach, Birklar, Torf- Güll, Eberftadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
1. Appell Nachmittags 3 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Refervisten, sowie zur Tispofition der TruPPenthnle und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Nachmittags 4 Uhr 30 Minuten:
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatzreservisten.
Befreiungögefuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt fein, werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.
Diejenigen Mannschaften, bei denen Fnßmcssungen noch nicht vorgenommen wurden, haben überhaupt keine Aussicht auf Befreiung.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und FührungSzeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Eontroltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 19. März 1896.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
I. B.: Ziegler, Premierlieutenant und Bezirks-Adjutant.
Zur Organisation des Handwerkes.
In einem Theile derjenigen Presse, welche den Anspruch darauf erhebt, alß besonders „handwerkerfreundlich" an- gesehen zu werden, ertönen lebhafte Klagen über die „Verzögerung", die die Vorlage über die „Handwerks-Organi- sation" erfahren hat. Der Umstand, daß die Aussicht schwindet, noch in der gegenwärtigen Tagung deS Reichstags diese Angelegenheit zu einem definitiven Abschluß zu bringen, erscheint diesen Blättern als eine schwere Verletzung nicht nur der Interessen deS Handwerks, sondern auch des Vertrauen», welches man in Haudwerkerkretsen der Regierung trotz aller vorhergegangenen Enttäuschungen entgegen gebracht habe. Wenn nun daraus eine Verschleppung und Ver- sumpfung der Handwerkerfrage zu befürchten wäre, so hätten diese Klagen noch einen Sinn. Dies ist aber gar nicht der Fall, sondern die schwierige Handwerkerfrage erfordert Zeit und Gründlichkeit zur Vorberathung. ES sei doch vor allen Dingen daran erinnert, daß die Unwahrscheinlichkeit, noch im Laufe der jetzigen Session des Reichstages die angekllndigte sogenannte, Berlrpsch'sche Vorlage zu verabschieden, schon vor mehr als einem Vierteljahre von einer Seite festgestellt worden ist, welche mit dem Gange der gesetzgeberischen Geschäfte wohl vertraut ist.
Am 17. September v. IS., also kurz nach Beginn der Session, ließ fich der Staatssecretär Dr. von Boetttcher bet der ersten Berathung der Vorlage, betreffend die Handwerkskammern, des Näheren über diese Frage aus. Er nahm damals an, daß es bet eifrigster Förderung der Arbeiten möglich sein werde, das definitive OrgauisationSgesetz für das Handwerk im Entwurf etwa in der ersten Hälfte des Februar dem BundeSrathe vorzulcgen. Dort werde die Vorlage voraussichtlich auf manche Bedenken und Einwände stoßen, deren Erledigung geraume Zett beanspruchen werde. Herr von Boettcher rechnete dafür im günstigsten Falle vier Wochen, so daß nach seiner Annahme die Mitte deS März als der früheste Termin angesehen werden konnte, bis zu welchem der OrganifattonSentwurf an den Reichstag gelangen würde. „Und da, meine Herren", fuhr der Herr Staatssecretär fort, „bitte ich Sie doch zu überlegen, ob nicht die Durchberathung eines solchen Entwurfs in der jetzt begonnenen Session zu den Unmöglichkeiten gehören würde- Sie werden also frühestens darauf rechnen können, im nächsten Reichstage mit einem solchen Entwürfe begrüßt zu werden."
Inzwischen ist offictös bekannt gegeben worden, daß der OrganisationSentwurf erst nach den Ostertagen im preußischen GtaatSministerium zur Vorlage gelangt. Besten Falles wird demnach in der zweiten Hälfte des laufenden Monats der BundeSrath damit befaßt werden können. Es bedeutet das eine Verschiebung der Berechnung de» StaarüsecretärS von Boetticher um mindestens zwei Monate. Daß unter diesen Umständen nicht mehr daran gedacht werden kann, die Organisation deS Handwerks noch in der gegenwärtigen Tagung deS Reichstags zu erledigen, ist klar.
i AuS der Wetterau. 9. April. Bezüglich der M.W. Tor- respondenz in Nr. 83 sei erwähnt, daß daS Etnsammeln der Ktbitzeter nicht strafbar ist, denn in § 1 de» Gesetzes, „betreffend den Schutz von Vögeln" vom 22. März 1888 steht in Absatz 1 „Da» Zerstören und daS Ausheben von Nestern oder Brutstätten der Vögel, da» Zerstören und AuSnehmen von Eiern — ist untersagt" und in Absatz 3 „auch findet da» verbot keine Anwendung auf da» Etnsammeln, Feil- bieten und den Verkauf der Eier von Strandvögeln, See- schwalbeu, Möven und Kibitzen, jedoch kann durch Landesgesetz oder durch landeSpolizetliche Anordnung daS Tinfommein der Eier dieser Vögel für biftmmte Orte oder für bestimmte Zeiten untersagt werden." Da nun für die hiesige Gegend
keine etufchränkeuden gesetzlichen Bestimmungen erlassen find, I kann da» verwerrhen der Sibttzeier nicht bestraft werden. Die Frage: „Wer darf nun die Sier sammeln?" läßt fich au» § 8b de» angezogenen Gesetzes in Verbindung mit dem hesfischen Jagdwassenpaß, nachdem der Ktbitz im Mat und Junt Schonzeit hat, sonach zu den jagdbaren Vögeln gehört, wohl dahin beantworten, daß daS Recht hierzu nur dem Jagdpächter zusteht. Bertchttgung erfordert der Satz in der erwähnten Torrespondenz „ES find feltene Erscheinungen in unserer Gegend". DaS ist nicht richtig, vielmehr gehören die Wiesengründe au der Horloff zu den regelmäßig besuchten Brutplätzen der Kibitze. Einsender hat schon vor 15 Jahren Ktbitzschaaren zwischen den Schwalheimer Höfen und TraiS- Horloff anzetroffen und Nester gefunden. Auch in der Nähe der Horloffmündung in dem Wiesengrund zwischen Staden und Ober-Florstadt nisten schon seit Menschengedenken Kibitze und eben steigen beim Betreten der Wiesen dort Schaareu von 50 und mehr Paaren auf. Brutplätze für Kibitze befinden sich auch noch an der oberen Horloff, an den Teichen bei Villingen. Ebenso hat Einsender vor etwa 20 Jahren regelmäßig brütende Kibitze in den Niederungen de» sogen. „Alten Feldes" bet Londorf angetroffen. Bedeutende Brut- Plätze sind auch ob der Nidder, namentlich zwischen Höchst und Heldenbergen. Beim Einsammeln der Eier muß man eben indessen vorsichtig sein, da schon angebrütete Eier vorhanden find. Ohne die bekannte Wasserprobe kann man fie nicht mehr verwenden. DaS Suchen der Eier ist ohne Uebung aber nicht leicht, weil auf den grellen Schrei eines einzigen KtbitzeS sämmtliche anderen ebenso kreischend von den Nestern auffltegen und diese auf dem Boden angebracht find, von deffen Farbe die Eier sich kaum unterscheiden. Man hat hier schon gute Vorstehhunde mit Erfolg zum Aufsuchen der Nester verwendet. Ein Et wird hier eben von den Händlern mit 25 Pfg. bezahlt.
△ Mainz, 10. April. Die Strike in der Eich- bäum 'sich e n Schuhfabrik hier ist beendigt. Nachdem verschiedene VergleichSoersuche erfolgßloS geblieben waren, hat Oberbürgermeister Dr. Gaßn er fich der Sache persönlich angenommen und ist eS dessen Bemühungen gelungen, eine Versöhnung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen. — Die vor Kurzem in dem htefigen Museum getroffene Anordnung, das Dürer'sche Gemälde „Adam und Eva im Paradies" zu verhüllen, giebt der Mainzer Localpresse noch immer Stoff zu spöttischen Angriffen auf die städtische Museumsverwaltnng. Komisch bei der Sache ist, daß von den maßgebenden Persönlichkeiten der MuseumS- Deputation jetzt Niemand der Schuldige fein will und die Anordnung auf einen ehrsamen Handwerksmeister zurück- geführt wird, der durch Zufall Mitglied der MuseumS- Deputation geworden ist. Beiläufig bemerkt, hat daS betreffende Gemälde vor vielen Jahren schon einmal Anlaß zu ähnlichen Streitigkeiten gegeben.
kauSwirthschaslliche Sinkt und Kathschläge.
A «u» vberhesscn, Anfang April 1896.
Lavdwirthschaftltche Rück-, Um- «nd Borschau.
(Schluß.)
ES bleibt nun noch übrig, von unserem gegenwärttgm Standpunkte auS ein wenig vorwärts zu blicken. Dieses gelingt am besten, wenn wir die Vergangenheit nno Gegenwart fragen, was geleistet worben ist.
In den achtziger Jahren waren wir mitunter etwa« stolz darüber, wie herrlich wett wir es schon gebracht hätten. Jetzt, in der zweiten Hälfte des l'tzten Jahrzehntes im neunzehnten Jahrhundert können wir uns lagen, daß wir in der Mitte der achtziger Jahre ziemlich wett zurück warm. Verbinden wir diese junge Vergangenheit mit der Gegenwart, so muß sich jeder vernünftige Bauer sagen: Nur weu« ma« uud körperliche Kräfte
auspauut, werde« wir auf eine erfreuliche Zukunft rechne« könne«.
Die Zeit des alten Schlendrians ist durchaus vorüber und kommt nie mehr wieder. Man fährt jetzt in wenigen Tagen von Petersburg nach Lissabon oder von Konstantinopel nach London. Zur Zeit deS ersten Napoleon brauchte man ebenfoviele Wochen zu biefen Reifen, alS jetzt Tage. Die großartigsten und ichwierigstm Arbeiten werden gegenwärtig von Mafcbinen besser und sauberer verrichtet, als zu Napoleons Zeiten von Tausenden der geschicktesten Mmschmhände.
Davon läßt sich nichts mehr zurückschraubm und waS das Schönste ist: wir stehe« erst am Vlnfang aller Entdeckungen uud Erfindungen. Unsere Enkel nnb Urmkel werden im Jahre 1975 recht mitleidig auf uns herabsehen, weil wir unS am Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit schlecht eingerichteten Lampen und Kochherden, mit langweiligm Fuhrwerken, mit unpractifchen Wohn- räumm behelfen müßten.
Damit wir Bauern nun nicht hintendran kommen, müssen wir unS kräftig regen und tapfer vorwärts gehen. ES ist das alte Lied, daS gesungen wird, aber stets mit neuen Variationen, Umgestaltungen, Umschreibungen oder Veränderungen. Manchmal liegt die Hauptstimme im Sopran, ein andermal liegt sie im Baß, ein drtlteSmal singt sie der Alt, am häufigsten bringt sie der Tenor. Seit wir die Handelsverträge haben, spielt die Landwtrthschaft ein sehr untergeordnetes Instrument im Staatsorchester, etwa daS zweite Fagott. Mitunter füllt sie auch nur die Paufm aus.
DaS muß anders werden und — gottlob! — es ist auch fchon anders geworden. Roth macht erfinderisch, schlechte Zeiten zwingen zur Anstrengung der körperlichen und geistigen Kräfte. Wie lagen Deutschland und Preußen im Jahre 1806 darnieder und welche großartige Auferstehung feierte unsere Nation im Jahre 1813. Selbstverständlich müßte sieben Jahre lang hart gearbeitet, entbehrt, gelitten und gestritten werden.
Bis die zehn Jahre der Handelsverträge herum sind, müssen wir soviel gelernt und erfahren haben, daß wir fortan die Früchte unserer Anstrengungen und Entbehrungen auch genießen können. Diese Früchte zeitigen jetzt. Mit einigen Wortm soll dies angedeutet und zum Weiterstreben angefeuert werden.
Wer die landwirthschaftltche Ausstellung im September 1895 in Gießen besuchte, war ungemein überrascht von dem, wa» er sah. Die Stadl hatte einen riesigen Aufschwung genommen, die Landwirthschast aber auch. Welche Fortschritte hatte die Viehzucht in allen ihren Zweigen gemacht! Während früher jeder Bauer züchtete, waS er für zweckmäßig hielt, während man auf früheren Ausstellungen einen Mischmasch, ein bunte» Durcheinander au8 allen möglichen Schlägen, Gegenden und Richtungen vor sich sah, zeigte fich in Gießen Plan und Ordnung in der Züchtung. Simmenthaler Vieh für die Ebene, Vogelsberger Vieh für daS Gebirg, das waren klar und deutlich ausgesprochene Zuchtziele, denen ein ganz entschiedener Erfolg vorau»- gefagt werden kann, fall» die Ziele unentwegt angestrebt werden. Vor zehn Jahren hätte man ein solches Resultat für da» Jahr 1895 noch nicht für wahrscheinlich gehalten.
Werfen wir einen Blick ans die Getreideerzeugim»! Eie hfaü fast nicht mehr. Da rührt und regt e» sich nun an alle» Odra wegen Beschaffung trefflicher, artragSreicherer Saatirüchte; man mtfl mir noch da Getreide bauen, wo es besonder» aut gedeiht unh auch nur noch diejenigen Sorten, die In der betreffenden Gegend besonder» leicht zu v.. wenden find. Die Wetterau erzeugt treffliche Gerste, die fich zu Brauereizwecken verwenden läßt. Man will eine Mälzerei errichten und diese kommt ganz sicher. Vor 15 Jahren hätte man ein solche» Unternehmen für Unfinn auSgcgeben.
Im Jahre 1883 wirkte der Schreiber dieser Zellen mit etaigat befreundeten Herren (Rreilretb Haa», Tettweller, Wernher afe) darauf hin, daß die -e»ei«schaftltche Veewerthv«s der l<eb. wirthfchaftlichen Erzeugnisse versucht werden wüste, weil der Zwischenhandel zu verderblich wirkte. Ein anderer befreundet« Herr schrieb mir darüber: Du haft e» recht gut gemeint, ab« aus der Sache wird nichts. May bringt die eigen finnigen, halsstarrige, Bauern nicht bundertweife unter einen Hut. „Mir erlewe's sei, awwer Ihr werd't leben' sagt Datterlch. Seitdem ist erst ein Tvtzend Jah-e verstrichen und Alle» waS wir damals «strebten, ist vorhandra Selbst eine KartoffelverwerthungSgenossenschaft will fich jetzt te Rodgau (Seligenstadt, Steinheim und Umgegend) bilden unb Ht tfa gut daran.
Darf man daher nicht vom Befferwerben in der Viehzucht, im Getteidebau, in der Produclenorrwerthung sprechen? freilich!
Hiermit ist e» aber noch lange nicht fertig. Sehen nir O| einmal im Molkereiwefe« etwas näher um. Welch genaliigen Aufschwung bat es fett 1880 genommen. Nur ganz schüchtern»^ fich anfangs da und dort eine kleine Molkerei hervor. Maoichm« bauern nannte man in den sechziger Jahren die Experrmentat«i» in der Landwirthschast und thellwetse mit Recht, wenn die ton ahnungslose Theoretiker waren.
Ueber die Süßbutterfabrikanten wurde anfangs auch weidlich geschimpft und zu gulerletzt läuft die ganze Bauerngesellschaft hstun den Molkereien her, obgleich der eigentliche Rabm jetzt abgtiftiy. ist. Da» soll indessen von Molkeretgrüodungm keineswegs adhalua Sie rentiren heute noch, wenn sie gut geleitet werden, aber fie reuttdea vor 15 Jahren wesentlich besser als heute und wir wollen nur zeiz« wie Derjenige über den großen Hausen feiner Mitbürger weit hinaus ragt, der den Geist seiner Zeit versteht und ihn zu nützen vermag. Aber: „WaS ihr den Geist der Zeiten heißt, da» ist im Grund bc Herren eigner Geist." Da» har Faust schon vor mehr al» hander: Jahren gesagt unb eS wird wahrscheinlich auch noch sür etliche Jahr Hunderte weller vorhalten.
Wir müssen schließm, Raum unb Zett gehen zu Ende. Xit einige Worte noch über zwei Punkte. Der erste bettisst bas Schreine nach Staat-Hülse. Schon vor Jahren haben wir barauf hingewiesa daß eS die Ausgabe des Staate» nicht sein kann, allein zu Helfer Der Bauer muß das Beste selbst leisten, die Verwaltung wird un> will ihn dabei unterstützen. Hand in Hand wird man zum gaia Ziele gelangen.
Der zweite Punkt ist: Grade die kleinen Wirthschasten leide» bitter in der Uederga:ig»zeit und mancher brave Mann muß dm Haus und Hof, obgleich er geschasst, gebungert unb gedarbt hat und ehrlich geblieben ist sein Leben lang. ES thut einem in der Serif wehe, wenn man solche rutnirte Existenzen steht. Ist Ein« em Faulenzer ober Säufer und er geht dabei zurück, fo geschieht ihm dies recht. Dem unschuldig Leidenden soll man zur Hand geben Nichts Schöneres gibt e», als Gutes thun. Edel fei der Mms». hülfreich und gut!
Möchte das Jahr 1896 dem Landwirthe zu Glück unb Segne ausschlagen. Heil dem Bauernstände! Da» ist unser Wunsch.
Verkehr, Land- «nd volkrwlrthschaft.
— Laben»varficheru«-»-«esells»aft »« Leipzi«, gegrünt 1830. (Alte Leipziger.) Das Jahr 1895 ist sowohl In Bezug aal das finansselle Ergebmß wie auf den Zugang an neuen Verficht rungen für die Gesellschaft wieder ein hervorragend günstige« gt wesen. Der 1895 erzielte Ueberschmtz ist der größte, den die (»riefl schäft in einem Jahre je erzielt hat. Er beläuft fich auf 5,349,366 90 Kf und ist um 496,268.93 Mk. arößer al« der Ueberschuß de« 1894, der seinerseits den de» JahreS 1893 um 416,840 82 Mk. übe traf. Diefe starke Steigerung in den Jahresüberschüssen iß aneeiich.'i de« immer mehr sinkenden Zinsfüße» besonder« beachten«werts>, denn sie beweist, daß die finanzielle Lage der Gesellschaft selbst den hichfien Anforderungen entspricht. Während eine Reihe von LebevsvernL'. rung» Gesellschaften sich in den letzten Jahren geröthigt sah, ibu Dividenden herabzufetzen, gestatten die Ende 1895 vorhandercn #< sammiüberfchüsse der „Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Bdii't' im Betrage von 19,854,286.90 Mk. nicht nur, die flatutadlfr Dividende an die Vrrsicherten für daS Jahr 1897 wiederum, e‘t feit einer langen Reihe von Jahren, auf 42 pCt. der ordevüiLm Jahresbeiträge festzusetzen, sondern darüber hinau« weitere 300,000 V- dem im vergangenen Jahre geschossenen Extrareserveiond« ,u über weisen, der hierdurch bereits auf dir Höhe von 500,000 Mk e< bracht wird. Da» Vermögen ist um 11,227,090Mk. auf 134,122.198V l gestiegen; hiervon waren 110,408,078 Mk. auf erstklassige Hypoidetcr. 10,797,117 Mk. gegen Verpfändung von Policen der Ges.ilichs"-. 1,637,615 Mk. gegen Verpfändung von Dienstcautionen ausgetiehw, 4,629 918 Mk. in Staat»- unb anderen öffentlichen Weribv-vierm unb ber Rest in sonstigen Sicherheiten angelegt. Die i^lamm! elnnabme der Gesellschaft im Jahre 1895 betrug 22,681,486 W 1,527,981 Mk. mehr als 1894; davon entfallen allein auf die w nahmen an Prämien von TodeSfalloersicherungen 16.960,122 auf Zinsen aus den Fond« 4,604,469 Mk. Die Verwaltung«kosten ber Gesellschaft, die zu allen Seiten sehr niedrige waren, stellten st« wie seit einer Reihe von Jahren auf nur 6 pEt. ber Prämien- unr Zinseneinnabme. An Versicherungen sind im Jahre 1895 insge'awr' 6445 mit 49,183,100 Mk. Versicherungssumme beantragt word^ zum Abschluß gelangten 5242 Versicherungen mit 39,509.500 M Sterbefälle wurden angemelbet 852 über 5.028,450 Versicherung« summe. Der G.sammloersicherungSbeftand ist auf 64,322 Personen versichert mit 457,837,550 Mk., gestiegen.
— „Rorbtlcrtt*, Lede«»verficher«ng»-«ctie«-Ges«lttchaf« Itt Berlin. In der am 8. d. Mt«. unter dem Vorsitz des General-Eonsut Si us s el l abgehaltenen General - Veriammlung den Sctionäre wurde die vorgefchlagme Vertheilung einer Tloibent* von 150 000 Mk. gleich 120 Mk. pro »die an die Actionärew« von 525 738,85 Mk. an die am Gewinn detheiligten Versichert^ gleich 15 pCt. der im Jahre 1895 gezahlten Prämien Die im regelmäßigen Turnus au» dem ÄufsichtSrathe ausscheideover Mitglieder, die Herren König!. Bayr. Reichsrath unb 6ommer|Ue rath Th. Haßler in Augsburg, Bergwerk«desitzer vr.)ur. H. Hetn» mann in Wiesbaden, Oberbürgermeister a. D. W. Weder, Sondt«a de» Bankhauses S. Bleichröder in Berlin, wurden wiederqewa«» Al» Rechnungsrevisoren für daS laufende G-schäftSjahr wurden Herren VerlagSbuchhändler Hugo Bernstein, Bankier Ruvotp» George unb Procurist Robert Jmelmann gewählt. Law liche Wahlen unb Beschlüsse erfolgten einstimmig. In der nw hieran anschließenden General - Versammlung der Sctionaee „Nordstern, Unfall^ unb Alter» - Versicherung« - Actim - Gesell««« wurde ebenfalls einstimmig die oorgeschtagene, nach dem zulässige Marimal - Dividende von 10 pEt. der Einzahlan» «•<*■ Mk. 75 pro «die an die «ctionäre und die Ueterwttlun- '^ Mk. 29 912,07 zum Dividendenfond» ber am Gewinn detdeu s Versicherten genehmigt unb Decharge ertheilt. Die Neuwahtm den AussichtSiath wie für die Revision« - Eommission «arai^ gleichen, wie bei dem ^Nordstern", Lebens - Versichenw»«' Gesellschaft.


