Ausgabe 
11.9.1896 Zweites Blatt
 
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1806

Freitag de» 11. September

Rr. 214 Zweites Blatt

Vierteffährigkr

Kmerat-Mnzeiger

Amts« und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

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| Gratisbeilage: Gießener Kamitienötätter

Amtlicher Theil

Dr. Göttelmann.

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Annahmt Dow Anzeigen zu der Nachmittag» für dew felgcnbm Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

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nn. Darmstadt. 9. September. Gestern Nachmittag um 4 Uhr fand unter großartiger Betheiligung der Mitglieder der Kampfgenossenschaft und einer großen Trauerversammlung auf dem hiesigen städtischen Friedhöfe die Beerdigung des Kameraden und früheren Fechtmeisters des 2. Infanterie« Regiments (jetzt 116er) Peter Hofmann unter Borantritt der Musik des 25. Artillerie-Regiment- und der Kampf« genoßen von 1866 und 1870/71 vom Friedhofsportal aus statt. Am Grabe hielt Präsident Hetzel, indem er einen prächtigen Lorbeerkranz Namens der Kameraden niederlegte, dem Dahtngefchiedeuen einen tief ergreifenden Nachruf, aus dem wir das Nachstehende entnehmen: Der Verstorbene wurde 1835 in Darmstadt geboren. Derselbe trat 1852 als Freiwilliger in das 2. Großh. Infanterie-Regiment, dem er bis zu feinem 1873 erfolgten Uebertritt in den Staatsdienst ununterbrochen angehörte. Als Oberfeldwebel nahm er an dem Feldzug 1866 Theil. Im Jahre 1870/71 als Aeltefter in der Garnison Gießen zurückgehalten, fand er im Etappen- und Lazarethdienst, sowie später im AuffichtSdienst über die

in Gießen internirten Franzosen Verwendung. Der Heim­gegangene war ein pflichttreuer und ausgezeichneter, im Waffenhandwerk wohlgeübter Soldat. Besonders als Fecht­meister war er eine Zierde der in den 50er und 60er Jahren bestehenden militärischen Fechtanstalten, welche weit über die Grenzen unseres Hessenlandes berühmt waren. Auch als Civilbeamter und zwar als UniversitätSdiener der Alma mater zu Gießen war der Dahingeschiedene tüchtig und beliebt und die Verleihung des silbernen Kreuzes des Verdienstordens durch den Landesfürsten legt Zeugniß hiervon ab. Auch Ehrenzeichen anderer Art und zwar das SanitätSkreuz und zwei Felddienst-eichen schmückten seine Brust. Der Kampf­genoffenschaft, der er seit ihrer Gründung augehörte, war er stets ein treues Mitglied. In ihm betrauert diese einen guten und echten Kameraden und wird fein Andenken stets bet derselben wach bleiben. Möge er in Frieden ruhen.

Mainz, 9. September. Der Landesausschuß der hessischen CentrumSpartei war heute Vormittag hier ver- sammelt, um für die bevorstehende Reichs- und Landtags­wahl den Wahlaufruf festzustellen. In aller Kürze soll energisch in die Wahlagitation eingetreten werden. Die Candidateufrage ist noch eine offene. Gegenüber verschiedenen Blättermeldungen theilt daSMainzer Journal" mit, daß der vielfach als Candidat genannte Pfarrcurat Br. Forschuer nicht daran denke, für den Reichstag oder den hessischen Landtag zu eandidtren. Der rheinhessische Bauernbund ist jetzt auch in die Wahlbewegung eingetreten. Ein Land- wirth und Geometer in Stadecken, Michael Wolf mit Namen, hat ein Flugblatt erlaffen, worin er mittheilt, daß die deutsch-sociale Reformpartei" und eine Anzahl Männer aller Stände ihn aufgefordert haben, die ReichstagScandidatur für den Wahlkreis MainzOppenheim anzunehmen. Wolf er­klärt sich zur Annahme der Candtdatur bereit, unter der Voraussetzung, daß er von seinen Berufsgenossen die nöthige Unterstützung erhält und daß der Wahlkampf in idealer, sachlicher, jeder persönlicher Spitze entbehrenden Weise ge­führt werde.

A Mainz, 9. September. Bezüglich der lang schwe­benden Frage der Neuregelung des hiesigen Begräbniß- wesens wurde in der heutigen Stadtverordnetevsitzung Kenntntß von einem Schreiben der Regierung gegeben, das den Schluß der vielen 'zwischen der Stadt und dem Staat hierüber gepflogenen Verhandlungen bildet. Die Regierung giebt eS in dem Schreiben der Gemeindeverwaltung anheim, sich, wie dies auch anderwärts geschehen, auf gütlichem Wege mit den zur Ausübung des Rechtes der Beerdigung befugten Ktrchensabriken zu verständigen und so daS Begräbnißwesen in städtische Regte zu bringen. Einer Aufhebung deS DecretS aus französischer Zeit bedürfe es hier nicht. Letzter Tage wurde der bereits eine 25jährige Dienstzeit hinter sich habende Zugführer Doufrain von der Ludwigsbahu plötzlich entlassen. Es wird diese Entlaffung mit verschiedenfach

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Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

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lesung, als er das verhaltene Röcheln des armen Schwärmers hörte. Sr legte da- Blatt zur Seite und rief im früheren barschen Tone:

CaruS, die Komödie ist jetzt zu Ende. An wen ist dieses sogenannte Gedicht gerichtet?"

Darüber verweigere ich jede Auskunft!"

Unverschämter! Sie vergeffeu, wo Sie find, daß ich Sie zwingen kann."

Zwingen Sie mich nicht!"

Wenn ich es nicht thue, wird es morgen daS Lehrer- collegium an meiner Statt besorgen. Noch einmal also frage ich Sie: Wer ist die traurige Heldin dieses traurigen Gedichtes?"

Herr Profeffor, da- Gedicht mag traurig fein; ich weiß, daß ich kein Dichter bin, nie einer sein werde. Aber die Heldin dürfen Sie nicht traurig nennen, Herr Profeffor, das Mädchen, das in «ir den Manu liebt, wenn ich den Schüler au-gezogen habe, das Mädchen, daS keine höhere Aufgabe kennt, als mich für alle die Kränkungen zu ent- schädigen, die Sie mir zufügeu, da» mich nicht ganz an mir selbst irre werden läßt"

EaruS, besinnen Sie sich! Sie sollen hier keine cieerontscheu Perioden bauen, Antwort will ich.

Ich bin dabet, sie Ihnen zu geben, Herr Profeffor. DaS Mädchen ist--Ihre Tochter!"

Ueber zehn Jahre mochten nach dem eben erzählten romantischen Ereignisse verfloffeu sein, als ich, um die Langeweile eines verlorenen Abends zu tödten, ein Dpectalt- tätentheater der Hauptstadt aufsuchte. Ich kam gerade zur

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Hauptnummer des Abends, wie mich der Kasfirer mit bedeut- samer Miene versicherte, indem er auf die durch fette Hände besonders gekennzeichnete Stelle des Programms wies. Ikarus, der König der Luft," stand da in dicker Schrift zu lesen,in seinen unerreichten Productioueu am Flug- trapez". In demselben Augenblicke erschien der also An- gekündigte auch bereits auf dem Podium. Ein Blick ge­nügte und ich hatte meinen ehemaligen Schulfreund erkannt. Erarbeitete" sicher und mit Grazie. Nach beendigter Vorstellung wußte ich seiner habhaft zu werden. Er be­grüßte mich, als ich mich ihm vorgestellt hatte, ein wenig blafirt, aber nicht ohne Herzlichkeit. Sein Anzug war tadel- los, ächte Steine glänzten an seinen Fingern.

Frage mich nicht, wie ich unter dieses Volk gekommen bin. Ich befinde mich) wohl bet der Kunst. Das Maturi- tätSzeuguiß eines GymnafiumS ist auch bei dieser Earrtsre nicht vom Nebel! Denkst Du noch an den Troddel von Profeffor mit seiner Flugmaschtue? Nun nährt fie mich doch, und bester jedenfalls, wie den Schulfuchs feine Pro- festur. Wie Du gefeheu hast, hat mich fein famoser Witz der Mühe überhoben, mir selbst einen Künstlernamen auswählen zu müffen."

Und Deine damalige Liebe? Ich will gewiß nicht in- diSeret sei«, ich meine die Tochter des ProfestorS"

Martechen? Meine Frau? Da kommt fie. Ist eine famose Exeentrie-Soubrette geworden. Wir fliegen eben alle gen Himmel, jeder auf seine Weise!"

Und die ProfefforStochter drückte ihrem Ikarus die Hand und lächelte.

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Alle AnnoncM'Bureaux de» In- und Au»landr» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen

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Bekanntmachung,

die landw. Winterschule zu Alsfeld betreffend.

Die landw. Winterschule Alsfeld beginnt ihren 25. Winter-

CilrsuS

Montag den 2. November, Vormittags 11 Uhr.

Indem wir hiermit zum Besuche deffelben etnladen, bemerken wir, daß die Schule da- Ziel verfolgt, jungen Landwtrtheu diejenigen Fachkenntniffe, welche heute zur rationellen Bewirthschaftung bäuerlicher Güter nothwendig find, in zwei fünfmonatlichen Winter-Cursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule zwei LandwirthschaftSlehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist

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Der t<4twer Anzeiger rrfcheint täglich, »tt Ausnahme de» Montag».

Die Gießener AwmikiendtLlter »erben dem Anzeiger »Achmtlich dreimal beigelegt.

Feuilleton.

Ikarus.

Novellette von Carl Wilhelm Geißler.

(Schluß.)

Der Profeffor sah den Sprecher einen Augenblick an, als ob er ihn im nächsten zerschmettern wollte. Plötzlich nahm sein Geficht einen freundlicheren Ausdruck an und er ntaegnete;

Und ich möchte Sie herzlich bitten, Herr Ikarus, Ihren Mitschülern den Genuß, mit Ihnen HimmelSlust athmen zu türfen, nicht versagen zu wollen."

«Ich bin kein Hanswurst, Herr Profeffor! Dietireu Sie mir die Strafe, die ich verdient habe, aber lächerlich und)en laste ich mich nicht, laffe ich das Mädchen nicht, dem diese Verse bestimmt waren."

Die Klaffe wälzte sich förmlich vor Vergnügen, e n Srudium, das der Profeffor dadurch noch erhöhte, daß er in ttrbindlichstem Tone fortfuhr:

Strafe, mein Ikarus? Dichten rangirt unter die Humaniora, das Ghmnafium wird Dichter unter seinen Schülern belohnen, in jeder Hiuficht fördern müffen, noch dazu Dichter von Ihrer Qualität!"

Unser Held sank vernichtet auf seiner Bank zusammen, «ährend der Profeffor mit falschem Pathos die LaruS'scheu vrrse zu declawiren begann, hob und senkte fich seine Brust. Ht schluchzte, so alt er war; er fühlte fich gedewüthigt, in Innen reinsten Empfindungen tbdtlich verwundet. Selbst brr trockene Pedant aus dem Katheder stockte mit der Dor-

betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung RingelShauseu, Kreis Gießen.

Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß drei Grundeigenthümer, die mit 103,1725 Hectar Land in der Gemarkung Ringelshausen begütert sind, unterschriftlich die Feldbereinigung der Gemarkung Ringelshausen beantragt haben. Da an diesem Unternehmen im Ganzen 11 Grund­eigenthümer mit 118,345 Hectar Land betheiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich oorgeschriebene Majorität (mehr wie ein Fünftheil der betheiligten Gmndeigenthümer, welche mehr als die Hälfte der betheiligten Fläche besitzen) vorhanden.

Das Unternehmen ist hiernach von der Landescommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Commistär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden. Der obenerwähnte Antrag nebst einer Zusammen­stellung seines Ergebntstes liegt bei Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen vom 3. bis 10. September d. Js. zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebmffcs sind binnen 14 Tagen von der ersten Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei der Großh. Obern landwirthschaftlichen Behörde in Darm­stadt geltend zu machen.

Zugleich fordere ich die außerhalb der Gemarkung Ringelshausen wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Jntereffen einen in der Gemarkung Ringelshausen wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere be­sondere Zuschrift im Laufe des Bereinigungsverfahrens an sie nicht mehr erfolgt.

Friedberg, 28. August 1896.

Der Bereinigungscommiffär:

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S-m Mch OHÜG w zur gesl.

e Herrn. Else uen bestens baifc übertragen zu wolla Ilse Wittwe.

mit einer reichen Lehrmittel-Sammlung zweckentsprechend auS« gerüstet.

Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche daS Unterrichtsziel des Volksschule erreicht haben; in den oberen CursuS nur solche, welche schon den unteren Cursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nach­weisen, daß sie die Kenntniffe, welche der untere CursuS ver- Mitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden.

Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung un« bedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Pensionen zu 30 bis 40 Mk. pro Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn LandwirthschaftSlehrer Leithiger, nachgewiesen werden. DaS Schulgeld beträgt für daS Wintersemester 25 Mk.

Anmeldungen sind an den AuffichtSrath oder an Herrn LandwirthschaftSlehrer Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, spectellere Anfragen zu beantworten.

AlSfeld, den 1. September 1896.

Der AuffichtSrath der landwirthschaftl. Winterschule AlSfeld. I. V.: Ham mann.

Deutsche» Leich.

Darmstadt, 9. September. Als besonderer Abgesandter des Groß Herzogs hat fich lautDarmst. Ztg." Oberst­hofmarschall General der Inf. z. D. v. Westerweller Exc. nach Karlsruhe begeben, um dem Großherzog von Baden die Glückwünsche zu deffen 70. Geburtstage zu überbringen.