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•Meaer A«»elger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.
Die Gießener
Mimtkte» Slätter werben bem Anzeiger W-chmtlich breimal beigelegt.
Erstes Blatt. Samstag den tl. April
1896
Meßmer Anzeig er
Kenerak-Mnzeiger.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß iurch Beschluß des Kreistages vom 26. März I. Js. Herr Martin Loos zu Gießen zum Kreisfeuerwehrinspector fiiir den ganzen Kreis Gießen mit Wirkung vom 1. April L Js. ernannt worden ist.
Gießen, den 4. April 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Vemtsches Reich.
Berlin. 9. April. Der Kaiser und die Kaiserin »erden bei der in Coburg bevorstehenden Vermählung i ct Prinzessin Alexandra von Coburg mit dem Prinzen von Hohenlohe-Langenburg zugegen sein. Hon sonstigen hohen HochzettSgästeu sind bislang angemeldet: ter Großherzog und die Großherzogin von Heffen, der Thronfolger Ferdinand von Rumänien nebst Gemahlin, der Herzog ond die Herzogin von Mork, die Erbprinzesfin und Prinzessin Zieodora von Meiningen, der Statthalter der Reichslande Fürst von Hohenlohe-Langenburg und Gemahlin — die Eltern te» Bräutigams —, ferner der Erbprinz und die Erbprinzesfin ton Reuß j. L., das erbprinzliche Paar von Leiningen, Prinz Max von Baden, der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe- S chillingSfllrst, Großfürst Paul von Rußland und Prinz und Prinzessin von Coburg.
Neueste Nsrchelchte«»
Wolffs telegrsphtscheS Correspondmz-Burein.
Berlin, 9. April. Der Deutsche Protestantentag vmrde heute Vormittag unter ziemlich zahlreicher Betheiligung eröffnet. Der zum Vorfitzenden gewählte Kammergerichtsrath Dchroeder leitete die Verhandlungen mit einer längeren Rede erio, worin er die Ziele des Protestanten-VereinS darlegte. Hierauf hielt Hauptpastor Grimm Hamburg einen Vortrag Liber Kirche und Wissenschaft.
Berlin, 9. April. Die unter dem Vorsitz des Ober- biÜrgermeisterS Zelle stattgehabte Conferenz über Vieh- und Schlachthof-Angelegenheiten beschloß, alle Städte, ungefähr 60 an Zahl, welche Vieh« und Schlachthöfe besitzen, zu gemeinschaftlicher Berathung auch über die Seuchen- stage nsw. für die zweite Hälfte des Mai nach Berlin einzuladen.
Karlsruhe, 9. April. Der „Bad. LandeSztg." zufolge k»ird der Kaiser am 16. d. MtS. Mittags hier eintreffen umd sich in das Residenzschloß zur Einnahme eines Imbisses bigeben. Am Abend des gleichen Tages wird sich der Kaiser in Begleitung des Erbgroßherzogs nach dem Kaltenbrunn zurr Auerhahnjagd begeben. Der Aufenthalt dortselbst währt biiS zum 18. d. MtS., an welchem Tage die Weiterreise nach Loburg erfolgt. Der Kaiser wird im strengsten Jncognito raisen.
Messina, 9. April. Von der Kaiserlichen Macht „Hoheu- zoollern" aus wurde in der vergangenen Nacht der Hafen, au welchem ein glänzender Fackelzug stattfand, elektrisch beleuchtet. Ihre Majestäten der deutsche Kaiser und die deutsche Kaiserin landeten heute Vormittag unter lebhaften Kundgebungen der zahlreich anwesenden Bevölkerung bei dem Zollgebäude und begaben sich durch die an der Kathedrale a.rrübersührenden Straßen Primo Settembre und Garibaldi zur Besichtigung der Befestigungen. Die Stadt ist reich mit Flaggen geschmückt, in den Straßen herrscht ein überaus reges Leben. Das Wetter ist zweifelhaft.
Teheran, 9. April. Alle Städte Persiens, besonders die Hauptstadt Teheran, treffen Vorbereitungen zur Feier des den 6. Mai d. I. fallenden fünfzigsten Jahres- tiagtö der Thronbesteigung des Schahs. Der Kaiser von Rußland wird dem Schah als Ehrengeschenk zu sainem Thronjubiläum eine Batterie Krupp'scher Feldgeschütze mit Munition übergeben lassen.
D«p«fch« M »areaa .Herold".
Berlin, 9. April. DaS Kaiserpaar beabsichtigt Mueren Bestimmungen zufolge bereits heute Mittag die Reise wach Venedig fortzusetzen, wo die Ankunft am SamStag Nach- «mittag erfolgt und wo das Kaiserpaar bis Montag Abend 7 Uhr verweilen wird. Die Ankunft in Wien erfolgt am MenStag den 14. April, Vormittags 10 Uhr. An demselben Tütge kehrt die Kaiserin mit den Prinzen nach Berlin zurück, »röhrend der Kaiser sich am 15. d. M. nach Karlsruhe be
gibt. Am 16. April Abends fährt der Kaiser in Begleitung des Erbgroßherzogs nach Kaltenbronn zur Auerhahnjagd und bleibt daselbst bis zum 18. d. M. An diesem Tage reist der Monarch nach Coburg.
Berlin, 9. April. Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, seine Gemahlin nach Paris begleitet und hält sich dort seit einigen Tagen incognito auf. Die ganze private Natur deS Aufenthalts des Reichskanzlers in Paris schließt offizielle Besuche und Empsänge auS. Von Paris begibt sich der Reichskanzler nach Wien.
Berlin, 8. April. Christlich-socialer Parteitag. In der Nachtsitzung, welche der öffentlichen Versammlung folgte, gab der Parteitag seine Zustimmung zu dem Vorschlag, die Frage der christlich-socialen Arbeit auf dem Laude in einer im Herbst stattfindendeu Versammlung, wieder zu erörtern. Der Parteitag erwählte im Einklang mit dem Frankfurter Beschluß daS „Volk" zum Parteiorgan, wobei dem Blatt von allen Rednern Anerkennung gezollt und die Nothwendigkeit seiner Unabhängigkeit hervorgehoben wurde. Offizielle Kundgebungen, für welche allein bte Parteileitung verantwortlich sein soll, find mit besonderen Kennzeichen zu versehen. Es wurden dann noch Organisationsfragen besprochen und der Parteitag mit einem Hoch auf die christlichsociale Sache geschlossen.
Berlin, 9. April. Der „Localanzeiger" meldet: Anna Merten hat auS Bordeaux die Bitte an hiesige Freunde Fritz Friedmanns gelangen lassen, daß für die bessere Beköstigung des Verhafteten eine Einzahlung geleistet werden möge. Friedmann hofft nach wie vor zuversichtlich, daß er nicht ausgeliefert! werde.
Berlin, 9. April. Wie bereits bestimmt mitgetheilt wird, besteht nach den jetzt vorliegenden Resultaten der Abstimmung über die socialistische Maifeier kein Zweifel, daß die Mehrzahl der Berliner Gewerkschaften vollständige ArbeitSruhe für den 1. Mai proclamiren wird.
Hannover, 9. April. Die Unterschlagungen deS Dtrec- torS der Niedersächsischen Bank, Lindner, sollen sich aus 21/* Millionen Mark belaufen. Dies wurde indeß nur bisher festgestellt. Man vermuthet, daß sich der Gesammt- fehlbetrag auf 3 Millionen erhöhen wird.
Aachen, 9. April. In den Tagen vom 27. bis 29. Mat wird hier ein internationaler Bergarbeiter-Con- greß abgehalten. Den Vorsitz wird das englssche Parlamentsmitglied Pickard führen. Zur DiScusfion steht die Frage einer Centralisation der WohlthätigkeitSeiurichtungen.
Hamburg, 9. April. Der „Börsenhalle" zufolge haben die Verhandlungen des ComiteS der griechischen Gläubiger mit der griechischen Regierung zu einer grundsätzlichen Einigung geführt, nämlich, daß eine etwaige Besserung der griechischen Finanzen den Gläubigern zu Gute kommen soll. Ueber Einzelnes bleibt noch zu verhandeln. So wünscht die griechische Regierung, daß alle auS der Besserung der griechischen Valuta in daS Budget eingesetzten Beträge zur Hälfte der Regierung verbleiben sollen, während daS Gläubiger-Comit« die Gesammtbeträge für die Gläubiger beansprucht.
Wien, 9. April. Wahrend der Kaiser-Entrevue wird auch der ungarische Ministerpräsident Baron Banffy hier anwesend sein.
Wien, 9. April. Für SamStag den 28. d. M. wurde die Bürgermeisterwahl anberaumt.
Görz, 9. April. Am Oster-Sonotag-Abend IOV2 Uhr fand in Tol mein und Umgegend ein4Secunden dauerndes heftiges Erdbeben statt, welches von einem unterirdischen Rollen begleitet war. Die Gebäude wankten. Die Bewohner flohen ins Freie.
Meran, 9. April. Infolge des etngetreteneu Sturmes hat der Wald brand an Umfang wieder zugenommen, so daß ein großes Militär-Aufgebot zur Hilfeleistung beordert werden mußte.
Triest, 9. April. Nach einem Telegramm des „Piccolo" fand in Novaglia auf der Insel Pago eine blutige Schlägerei zwischen Italienern und Croaten statt. Die italienischen Fischer wurden zurückgeschlagen und verwundet. Die herbeigeeilte GenSdarmerie war zu schwach, um die Ruhe wieder herzuftellen. Ein RegierungS-Commiffar wurde nach Novaglia entsendet.
Rom, 9. April. Der Erzbischof von Venedig hat vom Varican Instruction verlangt über die Haltung, welche er beim Aufenthalt deS Königs Humbert und deS Deutschen Kaiser- in Venedig beobachten soll. Erinnert sei daran, daß der Cardioal-Erzbischof im vergangenen Jahre, wo der König in Venedig war, demselben keinen Besuch abstattete. Der
Vatican hat ihm auch diesmal völlige Handlungsfreiheit gelassen.
Rom, 9. April. Kaiser Wilhelm richtete an König Humbert ein Telegramm, in welchem er sein Entzücken über die Aufnahme in Sicilien ausdrückt.
Paris, 9. April. Meldungen mehrerer Blätter zufolge steht eine Umgestaltung des Ministerium- bevor.
Pari-, 9. April. Wie der „Figaro" meldet, haben zwischen Frankreich und Deutschland Verhandlungen bezüglich der Feste in Belfort stattgefunden, bei welchen die deutsche Regierung den Wunsch äußerte, die französische Regierung möge diesen Festlichkeiten fernbleiben.
Pari«, 9. April. DaS „Journal" versichert, daß die Engländer auf der Insel Malta mit größter Beschleunigung Kasernen bauen lassen, in welchen 30,000 Mann untergebracht werden können.
Loudon, 9. April. AuS Prätoria wird der „Times" gemeldet, daß die Mitglieder deS Reform-ComitsS in Johannesburg wegen HochverrathS angeklagt worden sind und in den nächsten Tagen durch daS Hochgericht abgeurtheilt werden. DaS Gericht hat über die Gesuche wegen Freilassung der in Haft befindlichen Personen noch keinen Beschluß gefaßt.
WB. Potsdam, 10. April. Auf dem RavenSberge fand heute zwischen Kotze und Schrader ein Duell statt, wobei Schrader dem Vernehmen nach durch einen Schuß in den Unterleib schwer verwundet wurde. Schrader wurde nach dem städtischen Krankenhause zu Potsdam gebracht.
_ fcocate» und LrvVtnzteUes.
Sieben, 10. April 1896.
•* Militärische». Die Reserven find zum 30. April, die Landwehrleute zum 17. Juni zu einer 14tägigen Uebung einberufen worden. Die EinberufungSordreS gelangen dieser Tage zur Vertheilung.
Theater in Gießen. Die von uns bereits gemeldete Baseler Operettengesellschaft wird am DtenStag den 14. April im Leib'schen Festsaal mit Carl ZellerS neuer Operette: „Der Obersteiger" ihre Gastvorstellungen beginnen. DaS Orchester stellt die hiesige Jnfanteriecapelle und bemerken wir noch, daß die Gesellschaft nur an drei Abenden hier spielt und kommen folgende Operetten außer der oben genannten zu Gehör: Micado, Vogelhändler. Daß daS Ensemble nur tüchtige Kräfte zur Verfügung hat und nur Hervorragendes leistet, beweist folgende Recenfion auS der „Speyerer Zeitung": Die gestrige Aufführung des „Bettelstudent" seitens des Operettenensembles von Basel war vorzüglich. Sämmtliche Mitwirkende wetteiferten geradezu, ihr Bestes zu geben. In erster Linie find die Damen Heß- berger, Durand, Ströhl und Horwitz zu nennen, von denen jede einzelne den lebhaftesten Beifall fand. Der Oberst Ollendorf des Herrn Victor Horwitz war prächtig, die Herren Director Bömly und Johann Siebert rissen die Hörer zu stürmischem Applaus hin. Besonders hervorzuheben ist daS gute Zusammenspiel aller Kräfte, Alles ist gleichsam aus einem Guß. Das Publikum war zahlreich erschienen. Ein weiterer Bericht aus Aschaffenburg lautet folgendermaßen: Den Mitgliedern des Basler Operettenensembles wurde anläßlich ihres hiesigen Gastspiels gestern die Ehre zu Theil, vor Ihrer Durchlaucht der Fürstin zu Leiningen im Schloß Amorbach die Strauß'sche Operette „Der Zigeunerbaron" aufführen zu dürfen- die Jägercaprlle hatte unter Capell- meister Reuther-Leitung den orchestralen Theil übernommen. Die Vorstellung, die auch hier mit besonderer Bravour in Scene ging, gefiel ganz außerordentlich. Nach Schluß der Vorstellung, der auch die Honorattoren von Amorbach, die Beamten rc. anwohuten, ließ die Frau Fürstin (Schwester Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS von Baden) Herrn Director Bömly zu sich bescheiden, zeichnete ihn durch eine längereUnterhaltung auS und überreichte ihm eine kostbare Busennadel mit Brillanten und Saphieren- ebenso wurden dem Regisseur, Herrn Horwitz, sowie den Trägern der Hauptpartieen werthvolle Geschenke überreicht. — Außerdem erhielt der Herr Director noch folgendes Handschreiben von Ihrer Durchlaucht: Geehrter Herr Director Bömly! Diese Zeilen sollen Ihnen und den Herren und Damen Ihrer Gesellschaft meinen besten Dank aussprechen für die so außerordentlich gelungene Vorstellung des Zigeunerbarons. Sie hat uns allen die größte Freude gemacht, und werden die Leistungen Ihrer Künstler stet- eine sehr angenehme Erinnerung bleiben. Ihnen, geehrter Herr Director, für die Zukunft Glück wünschend, verbleibe ich Ihre ergebene Marie, Fürstin zu Leiningen.


