Mittwoch de» 1L März
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Zweites Blatt.
1896
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Kichmer Anzeiger
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Kemrat-Anzeiger
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nur meine Nerven spielten
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für b« felgmbm lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
§§ Bermuthshain, 7. März. Eine Spinnstuben- Gesellschaft von dem benachbarten Crainfeld war vorgestern bet der hiesigen Spinnstube zu Besuch. Auf dem Heimweg war am Ausgang unseres OrtS plötzlich ein Mädchen von der Gesellschaft verschwunden. In Folge deS starken Sturme» und der stockfinftren Nacht war es nicht möglich, bat Mädchen aufzusuchen. Am AuSgang unseres OrtS geht eine ziemlich breite, jedoch niedrige Brücke über den Hauptbach. Da» Mädchen war etwa» link» abgekommen, ist in den angeschwollenen Bach gefallen und wurde durch die Wucht des WasierS unter die Brücke gerisien. Die von ihm auS- gestoßenen Hilferufe blieben des starken Sturmes wegen ungehört, bis zufällig Nachbarsleute herbeikamen und baß Mädchen retteten. Ohne rasche Hilfe wäre das Mädchen verloren gewesen.
Die Gießener
uxtben bcm Anzeiger Amtlich dreimal brigtltgL
gklagte frei, da eine JrrthumSerregung keineswegs vorliegk. Die Firma Zuntz sel. Wwe. berechnet den ihr zugefügte« directen Schaden auf etwa 20 000 Mk., sie will versuchen, den Polizeipräsidenten regreßpflichtig zu machen.
* Wo die Hausfrau selbst kocht, da schmeckt daS Esten dem Manne und den Kindern, denn eß wird mit Sachverstand und Liebe zubereitet. Aber wenn sie verreist ist, dann pflegen die Kochkunstversuche unerfahrener junger Dienstmädchen dem Manne darzuthun, daß die Rosen de» Stroh- wittwerthums auch Dornen tragen. In solchen Fällen zeigt sich der alte treue Allerweltshelfer in der Küche, echte» Liebig» Fleifch-Extract, in feinem vollen Glanze. Faden und flauen Suppen, Saucen und Ragouts verleiht eß Kraft und Würze, eine treffliche Bouillon auf bekannte Art aus kochendem Master und Salz sofort hergestellt, dient durch Zusatz von Eiern oder Brot oder Suppenkraut rc. zu den verschiedensten Formen der Borspeisen. Bei zahlreichen Gemüsen verbestert schon ein winziger Zusatz wesentlich den Geschmack. Nicht nur den Reisenden, auch den Daheimbleibenden leistet eß unschätzbare Dienste, daß echte Liebigß Fleisch-Extract.
„Wirklich, Ihre Hände sind
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Der fitjeeer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme be« Montag«.
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kehrt, steht ein Mann in grauer Tourtstenkleidung neben mir, wie auß dem Boden emporgewachsen.
Scheu, traumbefangen, blicke ich empor . . . Allmächtiger Gott, — er ist eß, um den ich in die Einsamkeit geflohen war und an den ich dock in diesem Augenblicke am wenigsten gedacht hatte.
„Sie find krank, mein Fraulein?" fragt er mit seiner sympathischen Baßstimme, indem er sich zu mir niederbeugt,
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Überrest« alte
um mich genau zu betrachten, eiseßkalt —"
„Eß ist nichts," fiel ich ein, mir einen Streich."
Alle Annoncen-Bureaux be« In- und Au-lande« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Kritik unterzogen. Bon Polizei wegen wurden sogar an bte Firmen gedruckte Zettel verschickt, in welchen sie darauf hin- gewiesen wurden, daß sie fich bei fernerem Berkaus der Fabrikate eines Vergehens gegen das NahrungSmittelgesetz schuldig machen würden. Im Anschluß daran wurden bann Kaufmann Schmidt und der Theilhaber der Firma A. Zuntz sel. Wwe., Bing, wegen Nahrungsmittelverfälschung angeklagt, weil bei dem ersten ^Angeklagten ein Packet Zuntz'schen Kaffee polizeilich entnommen war, baß nach dem Gutachten des polizeilichen Chemiker» Bischoff „einen mit ungefähr 3 Procent Caramel beschwerten, unvollkommen gebrannten, relativ stark wasterhaltigen Kaffee mit unentwickeltem Aroma" darstellten solle. — Die Angeklagten reichten dem Gutachten Dr. Bischoffs eine Reihe gegenteiliger Gutachten schriftlich ein, außerdem waren zu ihren Gunsten Profeffor Dr. Frefe niuß auß Wiesbaden und Dr. Mayrhofer, Vorsteher des chemischen Untersuchungßamts für die Rheinprovinz in Mainz zur Stelle. Der Angeklagte Bing bestritt entschieden jede Berechtigung eines polizeilichen Vorgehens gegen seine Fabrikate. Auf jedem Packet steht, daß der nach einem von Justus v. Liebig empfohlenen Verfahren hergestellte Zuntz'sche Kaffee mit Caramel überzogen sei, um dadurch einen Schutz gegen zu schnelle Verflüchtigung der ätherischen Oele zu gewähren. Das sei keine Verschlechterung, sondern eine wesentliche Verbesserung. Die anwesenden beiden Sachverständigen würden außerdem bekunden, daß fich der Werth eines Kaffees keineswegs aus den analytischen Zahlen der Gesammtextractivstoffe beziehungsweise der ätherlöslichen Stoffe herleiten lasse, sondern daß der Werth des Kaffees einzig auf dem Vorhandensein jener werthvollen, flüchtigen aromatischen und wohlschmeckenden Substanzen basire, deren analytische Nachweisung der Chemie bis jetzt noch nicht möglich geworden sei und für deren Bestimmung nur die Geschmacksprobe maßgebend sei. — Dr. Bischoff erklärte vor Gericht auch selbst, daß das Glafiren (mit Cara- mel) an sich nicht eine Verfälschung darstelle, daß dazu vielmehr noch bestimmte Täuschungszwecke hinzutreten müßten, waS hier nicht der Fall sei. Auch der höhere Feuchtigkeitsgehalt spreche noch nicht für eine Fälschung, dieser könne vielmehr eine Folge der längeren Lagerung an feuchter Stelle fein, jedenfalls sei von einer absichtlichen Beschwerung mit Feuchtigkeit nichts erwiesen. Dr. Bischoff hat auch in einem früheren dec Firma Zuntz sel. Wwe. erstatteten Gutachten die Brennmethode dieser Firma aufs Wärmste empfohlen und die Beschwerung des Kaffees mit circa 3 Procent Caramel vertheidigt. Der Gerichtshof verzichtete hiernach auf weitere Beweisaufnahme. Der Staatsanwalt beantragte die Feisprechung und der Gerichtshof sprach beids An-
Citeratur und ICuuft.
— Handbuch der praktischen ZimmergLrtnerei. Von Max Hesdörffer. Mit einer Facdentafel, mehreren Vollbildern und über 200 Textabbildungen. Vollständig in etwa 8 Lieferungen A 75 Pf. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt) in Berlin SW. 46. Die zweite und dlitte Lieferung dieses wirklich nützlichen Hausbuches reihen sich der ersten Lieferung in jeder Hinsicht ebenbürtig an. Ein Reichthum an vortrefflichen Abbildungen schmückt auch diese Hefte. Schon aus den fo anschaulich dargestellten Handgriffen bei der Blumenpflege ist so viel zu lernen, daß die Abbildungen allein den Besitz deS Buches werthooll machen werden. Die Darstellungen der Blumen, Aquarien u. f. w. sind von hohem künstlerischem Reiz. Die Schilderungen Hesdörfferß sind von großer Klarheit und werden jeden Leser schnell in die Blumenpflege etn- führen. In Lteserung 3 hat bereits die Schilderung der bestm Zimmerpflanzen begonnen. Der genaue Inhalt der beiden Ltese- r ungen ist der folgende: Vom Einpflanzen und Verpflanzen; Die Behandlung frisch etngepflanzter Gewächse; Das Gießen. Daß Düngen der Topfpflanzen; Reinlichkeit bet der Pflanzen- cultur; ;Dte Feinde dar Zimmerpflanzen; Kranke Zimmerpflanzen. DaS Heizen der Blumenztmmer; Zum Lüften der Blumenztmmer und Ueberwinterungsräume: Einkauf und Verpacken der Pflanzen. Die Aufbewahrung und daS Antreiben ruhender Knollen: Die Zimmerpflanzen im Sommer: 1. Im Garten, 2. Die Zimmerpflanzen auf dem Balkon und Fensterbrett; Blumenkästen und ihre Bepflanzung; DaS Etnräumen der im Sommer auf dem Balkon, vor dem Fenster und im Garten gepflegten Topfpflanzen; Der Keller als Ueberwinterungsraum für harte DecorattonS-, Balkon- und Fensterpflanzen; Strauchartige Blüthenpflanzrn für kühle Räume, Balkon- und Blumenbrett vor dem Fenster. Allen Blumenfreunden fei die Subscrtption auf das ebenso schöne wie nützliche Hausbuch empfohlen. Der Preis ist als sehr billig zu bezeichnen.
au, fstand. Professor
Ich erzählte ihm meinen Unfall.
„Und noch vor zehn Minuten hörten wir Sie singen wie ein Waldvögelein. Ich ließ die Wandergenoffen allein nach Henduft zurückkehren, denn es trieb mich, den Tönen zu folgen. Wa» ist zu thun? Wie werden wir Hilfe erlangen?" überlegte er. „Ich wage nicht, Sie hier allein zu laffen, um solche aufzusuchen, der Abend ist nahe —"
Ich konnte nicht umhin, mich ängstlich umzublickeu, denn die schrägen, goldfunkelnden Sonnenlichter auf dem MooSboden verkündeten allerdings die vorgerückte Tageszeit.
„Halt — ein Gedanke! Der Hirtenjunge auf der Waldwiese, kaum hundert Schrttte von hier, ihn werde ich hinabsenden. Wird eS Ihnen möglich sein, bis nach der Waldwiese zu gehen?" frug er.
Ich erhob mich, um zu versuchen. Aber die heftige Verstauchung deS Fußgelenkes machte jede Bewegung unmöglich, verzweifelnd lehnte ich mich an den Baumstamm. Da, ein Moment, und ich faß auf feinem Arm. Ich wußte nicht, ob ich zürnen oder ihm danken sollte. Er würde auch schwerlich ans einen Einwand gehört haben.
Rüstig schritt er mit seiner Last ans, stumm, wie nm mich nicht anzuftrengen durch Gegennede. In zehn Minuten war die Waldwiese erreicht.
ttieder tm Gleichmaß. Ich schalt mich tüchtig, daß mich die zufällige, so natürliche Begegnung in Aufregung versetzt Latte und ließ mir daß Frühstück noch beffer schmecken als sonst. Kühl biß anß Herz hinan wollte ich sein und bleiben, iamit kam man in meiner Sphäre am besten durch die Welt. Wenn dann ein verliebter Prinz oder Rabob kam, batte man kein thörichte» Herz zu überwinden. Dann dachte ich wieder, ob er mich nicht besuchen werde, wie mancher entere durchreisende Bekannte, und lauschte unwillkürlich tthemlo» hinauß. Nein, nein, er — kam niemals wieder.
Gegen Abend beschloß ich, spazieren zu gehen und schlug meinen Lieblingßpfad nach einer Waldhöhe ein, von welcher auß man eine herrliche Aussicht genoß.
Der herbstliche Wald hatte bunteste Toilette gemacht- leben dem ewig grünen Kleide der Tanne hob fich daß löchliche Laub der Birke energisch hervor und daneben stand nit gelbgefärbtem Laub die Haidebirke. Oben angekommen, weidete ich mich an der klaren Fernsicht und grüßte mit dem Lvschentuch nach dem Blocksberg hinüber. Dann folgte ch absteigend dem Waldbach, der kaökadenartig faß Thal hfaabsprang.
Da — mit einem Male gleite ich auf dem schlüpfrigen 8»ben auß . . - ES gelingt mir zwar, mich aufrecht zu -clhaltn, aber ich fühle den heftigsten Schmerz im linken Zußgeleuk, vermuthlich eine Verstauchung. Uebertoältigt sinke ch auf einem bemoosten Stein nieder — die Sinne schwinden . - . Und als das Bewußtsein nach geraumer Zeit zurück-
vekmnttmachmiL betreffend: die Mathildenstiftung für die Provinz Oberheffen. Die diesjährige Hauptversammlung der Mathilden- stiftuug für die Provinz Oberheffen findet Samstag den 14. März d. I Nachmittags 3 Uhr, im Regierungßgebäude zu Gießen statt, wozu die verehrlichen Mitglieder der Stiftung ergebenst eingeladen werden.
Tagesordnung:
1) Prüfung der Rechnung für 1895.
2) Vertheilung des Ueberschuffes aus 1895 zur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten. x
3) Feststellung des Voranschlags für 1896.
4) Ergänzungswahl des Vorstandes.
Gießen, den 24. Februar 1896.
Der Vorstand der Mathildenstiftung für die Provinz Oberheffen.
v. Gagern, Prooinzialdirector.
* Berlin, tm Februar. Die bekannte Kaffeefirma L. Zuntz sel. Wwe. hat unlängst ein siegreiches Urtheil gegen daS Berliner Polizeipräsidtum erftrltten. Dieses hatte am 15. October eine Bekanntmachung über Mißstände bei dem Verkehr mit Kaffee und Kaffeesurrogaten erlassen und dabei baß Zuntz'sche Fabrikat einer abfälligen
Vierteljähriger A6oMwcmeab,refa t 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch bie Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Rtbachan, Otpebithe unb Druckerei:
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„Lauf faß Thal unb hole ein paar Leute mit einer Tragbahre herauf," herrschte Dr. Hertel ben Hirtenjungen an, ber lang unb faul tm Grase lag. „Willst Du gleich?" wiederholte er, als fich dieser nicht von der Stelle rührte, indem er mich saust von seinem Arme faß Graß nieder- gleiten ließ.
„Du kannst Dir morgen ein Markstück bei mir holen, Bockchrlstel," unterstützte ich ben Befehl an ben Knaben, in welchem ich den kleinen Gemefadehirten von „Heudnft" erkannte.
Aber Bockchrtstel rührte fich nicht.
Da trat Dr. Hertel in daß Gebüsch, schnitt einen derben Haselnußstock ab und fuchtelte vielversprechend damit in der Luft umher. Dazu sagte er sehr außdruckßvoll:
„Wenn Du jetzt nicht machst, daß Du hinunterkommst, so — — Eins, zwei, drei!"
„Ich doarf nich — um die Beester!" heulte Bockchrtstel laut. „Sie versteig'n fich! Ich kriege Schläge, wenn, wenn —"
„Du läufst, ober — —" Dr. Hertel fuchtelte von Neuem mit dem Stocke. „Wir werden für Dich die Heerde bewachen. Verstanden?"
Der Knabe sprang jetzt in die Höhe, denn bie gegenwärtigen Schläge schienen ihm noch sicherer alß die zukünftigen. Dr. Hertel „knüpfte" ben Befehl noch einmal „ein" unb jagte ben Jungen thalabwärts.
„Eß bleibt unß nun aßerbtngß nichtß weiter Übrig, alß unß als Gemeinbehirten von „Heuduft" zu installiren, Gnädigste," lachte er, „der Spaß ist göttlich und verdient gedruckt zu werden. Und weil wir plötzlich in Arkadien sind, darf ich wohl bitten, auf diesem Hirtenthrone Platz zu nehmen," dabet zeigte er auf einen Hügel, fadem er feine Touriftevjoppe auszog unb ans bem Boden außbreitete. „Daß Graß ist feucht vom Abenbthau."
(Schluß folgt.)
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Feuilleton.
Ein Rosenstrauß.
Auß dem Leben einer Künstlerin. Von Zoo von Reuß.
(3. Fortsetzung.)
III.
Ich hatte eine unruhige Nacht, aber ber Tag fand
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»de, Umgebung ergebe’ M Künstlern c ittelst kidch-UP on Vorstellunger: mnastik, Pani,


