Nr^LS Zweites Blatt
1896
Donnerstag den 10 December
2lints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.
] chratisöeikage: chießener Kamilienökätter.
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Feuilleton
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
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Die Gießener
A»a«ikienötä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelcgt.
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Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Bei der Redaetiou eiugegangeue Bücher re.
— Alb«» für Jagdfre««de. Zweites Heft. Ein Groß- solto-Heft mit 45 Holzschnitten nach Gemälden und Zeichnungen berühmter Meister. Preis in Umschlag 2 Mark, in Earton-Mappe 3 Mark, in Leinwand-Mappe 5 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.
neuen Mewede-TchiffsahrtSwegS, dir Trennung der Maa» von der Waal und die neue Seeschifffahrts-Wasserstraße von Rotterdam zur Nordsee viele Millionen kostende Arbeiten, die als treffliche Leistungen der holländischen Ingenieure in der technischen Welt gerühmt find und durch deren Studium die deutschen Wasserbautechniker mancherlei für fie Nutzbringende» erfahren können. Herr Jmroth sah sich durch viele übersichtlich ausgeführte Pläne unterstützt, die ein holländischer Fachgenosse ihm fü» den Zweck zur Verfügung stellte- er konnte als Mitglied der internationalen Strombau-Commisfion deS Rheins zumeist aus Erfahrung berichten.
Derselbe Sonnenstrahl weckte weit draußen in der Altstadt in einer herrschaftlichen Billa ein rosiges kleine» Mädchen ans süßem Schlummer. Mit den kleinen Fäusten rieb es sich die Augen auS, sah sich verwundert um in der fremden Umgebung und wollte schon daS Mündchen zum Weinen verziehen, als sein Blick auf eine herrliche Puppe fiel, die zur Seite im Bettchen lag. Mit strahlendem Blick griff das Kind darnach und mit fröhlichem Jauchzen begrüßte es den neuen Tag.
Nr. 39 des Reichs-Gesetzblatt», auSgegeben den 7. d. M., enthält:
(Nr. 2351.) Verordnung über die Cautionen von Beamten beim Kaiserlichen Patentamt. Vom 30. November 1896.
Gießen, den 8. December 1896.
GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
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In diesem Augenblicke begann eine Glocke zu läuten, dann noch eine und noch eine — feierlich klangen die Töne durch das Dunkel — daS Fest wurde eingelänter. — Frau Werner lauschte athemloS, dann plötzlich zuckte fie zusammen und ein Thränenstrom brach aus ihren Augen. WaS hatte fie thun wollen soeben? Mit einer Sünde hatte fie auS dem Leben scheiden wollen, mit einer Sünde, die fie trennen würde von ihrem Kinde für immer und ewig! Denn in der Ewigkeit würde fie doch ihr Kind wiederfinden, von dem fie für diese» Leben geschieden war. Und deßhalb durfte es nicht sein, durfte fie den Tod nicht rufen, deßhalb mußte fie warten, stille warten, bis er zu ihr kam. Und nun nach Hansel Mit langsamen, wankenden Schritten wandte fie fich hinweg von der Brücke und erreichte endlich völlig erschöpft und mit wild klopfendem Herzen ihre Wohnung.
Dunkel warS in dem kleinen Dachstübchen und dunkler vor den Augen der Armen. Sie tastete fich mühsam vorwärts und mit einem Wehlaut brach fie an dem Bettchen ihres Kindes zusammen. Dann mahnte fie ein Gefühl äußerster Schwäche, ihr Lager aufzusuchen, und kaum halt, fie es erreicht, als eine tiefe Ohnmacht ihre Sinne umfing. Und der Todesengel hatte Mitleid mit dem armen Mutter- herzen- leise und lind kam er in der Nacht und als btt erste bleiche Wintersonnenstrahl am Weihnachtsmorgen in das Stübchen der Wiltwe drang, fiel er auf ein stilles, friedliches Todtenantlitz.
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Gießen, den 9. December.
In Amerika verstorbene Hessen. In MaScoutah, Jll.: William MauS, 80 Jahre alt, aus Badenheim. In Cleve land, Ohio: Georg A. Schneider aus Ebersheim. In Delhi, Mich.: Jacob Menger aus Dittelsheim, 76 Jahre alt. In JohnStown, Pa.: Johannes Scharmann aus Steinheim, 74 Jahre alt.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. December. Unangenehme Familien- g eh et m n iss e. Es kommt nicht selten vor und geht durchaus natürlich zu, daß es den Eltern nachträglich legtti- mtrter Kinder unerwünscht ist, ’toenn die Thatsache der vorehelichen Geburt in den ihnen von dem StandeSamte zu mancherlei Zwecken ertheilten Bescheinigungen immer wieder erwähnt wird. AuS Anlaß eine» SpectalfalleS hat sich, wie verlautet, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg dahin ausgesprochen, daß er eS für unbedenklich erachte, wenn die betreffende Bescheinigung in Form .einet einfachen Notiz ergehe und wenn insbesondere auch die für da» Pfarramt zum Zweck der Taufe bestimmte Bescheinigung so abgesaßt werde, daß, unbeschadet der vollen Richtigkeit derselben, zur Vermeidung unnöthiger Preisgabe eine» unangenehmen FamiliengehetmnisseS die zur Zeit nicht mehr erhebliche That- fache der früheren Illegitimität einfach außer Betracht^bleibt. ES ist das eine ebenso dankenswerthe al» humane Entscheidung, nach der fortan in Berlin sicherlich zur Genugthuung vieler Eltern bei Ausstellung der betreffenden standesamtlichen Be- schetnigung zu verschiedenen Zwecken (z. B. zur Einschulung) verfahren wird. _______________
Ausrufen über daS „herzige Engelchen" nicht genug thun konnte. Undeutlich fah fie das Bild eines hübsch eingerichteten KtnderzimmerS vor fich, sah in demselben ihr Kind in einem k.einen Stuhle fitzen, ein prächtige» Bilderbuch vor fich. Dann war da die Erscheinung der gnädigen Frau, die herzliche, gütige Worte zu ihr sprach und ihr versicherte, daß es ihrem Töchterchen immer gur gehen solle, daß es fich gewiß schnell eingewöhnen würde u. s. w.
Dann war die gnädige Frau verschwunden — fie wollte gewiß dem Abschied au» dem Wege gehen. Die Wirth- schafterin hatte ihr den Wagen zur Heimfahrt angeboten, aber fie hatte dankend abgelehnt. Da wäre fie so schnell nach Hause gekommen und fie hatte ja keine Ecke — e» wartete ja Niemand auf fie. Auch hatte fie daS unbestimmte Gefühl, al» hätte fie auf dem Heimweg irgend etwa» zu thun- irgend etwas — fie wußte nur noch nicht was. Dem Abschiede hätte die Frau Baronin nicht auS dem Wege zu gehen brauchen — fie war ja nur an das Stühlchen getreten und hatte gesagt: „Schön brav sein, mein Herzchen, Mutter hat zu thun," und dann hatte fie mit schnellen Schritten Haus und Garten verlaffen und wieder auf der Straße gestanden — allein!
Zuerst ging fie nur langsam vorwärts, trotzdem ein weiter Weg vor ihr lag, den fie zu Fuß zurücklegen wollte. In die Pferdebahn wäre fie um keinen Preis gestiegen, da hätten ihr all die fremden Menschen ins Geficht sehen können und das hätte fie nicht ertragen. Dann begann fie ihre Schritte zu beschleunigen- so schnell al» möglich durcheilte fie die Straßen der Altstadt, und erst, als fie die Albert- Brücke erreicht hatte, blieb fie aufathmend stehen, fich er- schöpft an das Geländer lehnend. Und als fie so stand und in den Fluß schaute, auö dem glitzernd der Widerschein der Laternen leuchtete, da wußte fie plötzlich, warum sie heimwärts hatte zu Fuß gehen wollen und was fie zu thun hatte auf diesem Wege. Es gab ja einen Erlöser von all der Qual, die ihr Inneres durchwühlte, sie wollte ihn suchen, diesen Erlöser, fie wollte nicht warten, bis er zu ihr kam. Ein Sprung von der Brücke und da» arme Herz kam zur Ruhe.
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Durch eine Puppe.
eine Weihnachtsgeschichte von E. Ritter.
(Schluß.)
Durch die Fenster sah man da»- rege Treiben auf den Straßen- wie eilig rannten die Menschen dahin, einander anstoßend im Gedränge, aber nicht scheltend wie sonst wohl, ändern mit freundlichem Blick um Entschuldigung bittend — e» war ja Weihnachtsheiligabend.
Da fah man einen armen Arbeiter, der, das eben erstandene Chrlstbäumchen im Arme, nach Hause eilte- auch auf seinen Zügen lag schon der Abglanz deS Feste». Er sah wohl im Geiste schon sein Klnderhäuflein, wie e» den Baum umjubelte. — Immer dichter wurde da» Menschen- vedränge, je näher man dem Neustädter Markt und der AugustuSbrücke kam. Eine ganze Reihe Packetpostwagen, immer einer hinter dem andern, jagte über die Brücke und merkwürdig — Frau Werner sah all diese Einzelheiten, aber wie durch einen Nebel, und daS Brausen be» Straßen- verkehr» tönte wie auS weiter Ferne an ihr Ohr. Uab immer noch wechselten die Paffaglere- eilig verließen an den einzelnen Haltestellen die einen ihre Sitze, um anderen Platz za machen. Frau Werner blieb fitzen- ihr Ziel lag ja weit dicanßen.
Endlich war es erreicht- nun verließ auch fie mit ihrem Künde die Pferdebahn, um noch eine kurze Strecke zu gehen. Sie mußte erst die Nummer der ihr bezeichneten Villa suchen. TS war bereits dämmerig, aber dennoch gelang eß ihr bald. Langsam und zögernd betrat fie den Borgarten, blieb auf dnrr Freitreppe noch einen Augenblick stehen, um daS Ge- Mtchen des Kinde» mit heißen Küssen zu bedecken, und drückte dimn auf den Knopf der electrifchen Schelle.
AIS fie die Billa wieder verließ, war e» völlig dunkel mworden- die Laternen brannten und zeigten ihr den Weg. Wie ein Traum war ihr baß eben Erlebte: bet freundliche Smpfaog durch die Wirthschafterio, die fich in bewundernden
Alsfeld, 6. December. Da» benachbarte Schwabenrod ist in der verflossenen Woche der Schauplatz eine» verwegenen Gaunerftrelcheß gewesen, der an die zweifelhaften Helden- thaten des zur Zeit hinter Schloß und Riegel verbannten, in der Schrecksbacher Gegend vor Jahresfrist berüchtigten „Schlemmer" erinnert. Dem Landwlrth Schneider find am Montag von einem „sachkundigen" Einbrecher Kleider und sonstige Werthgegenftände gestohlen worden. Daß ist nun an sich heutzutage nichts Ungewöhnliches. Die Geschichte gewann erst an verblüffender Wirkung und Tragikomik, als am Freitag die infolge HauSlchlachtung neugespickte Wurst» tammet des Schneidet gleichfalls einer schweren Heimsuchung Seitens unbetufenet Hände mit langen Fingern anheimfiel. Polizeilichen Nachforschungen ist eß gelungen, die Person deS „Attentäters", der genaue OrtSkenntntß besessen haben muß und auf dessen Conto wohl beide Einbrüche zu setzen find, zu ermitteln — es soll ein in hiesiger Gegend beschäftigt gewesener Steinbrucharbeiter auS Wolfhagen sein —, doch erfreut fich derselbe mit seinem Raube vorläufig noch der goldenen Freiheit.
4- Büdingen, 8. December. In der verflossenen Nacht wurde in baß hiesige KreiSamtßgebäube eingebrochen und zum Nachtheil der Kreiskasse ein größerer Geldbetrag — man hört von über 700 Mk. — entwendet. Bon dem THStet fehlt bis jetzt jede Spur.
XX. Darmstadt, im December. Bor über Jahresfrist hat der Mittelrheinische Architekten- und In- genieur-Verein seine Organisation insofern geändert, als von da Darmstadt, unter Wegfall deS betreffenden Zweig- vereinS, der Sitz deS Haupivereins wurde und alljährlich dort gegen JahreSschluß eine erste Hauptversammlung, sowie eine Wander-Hnuptversammlung in der besseren Jahreszeit jeweils in den anderen DerbandSorten (Mainz, Wiesbaden rc.) stattfinden. Die erstgenannte Versammlung für 1897 tagte am 5. d. M. im neuen Collegienhause der Technischen Hochschule unter dem Vorsitze des ProfeffotS für Ingenieur- Wissenschaft, Geh. Baurath Landsberg. Der Verein, ein Glied de» Verbandes deutscher Archltecten- und Ingenieur- Vereine, zählt jetzt 204 Mitglieder- in Mainz und Worms steht die Gründung neuer OrtSverelne bevor, Wiesbaden hat schon einen solchen. Die finanziellen Verhältnisse deS Vereins find die besten. Zum neuen Dorfitzenden wurde Geh. Oberbaurath Jmroth gewählt, nachdem dieser einen interessanten Vortrag über bedeutende Bauausführungen im holländischen Rheingebiete gehalten hatte, speciell über die Herstellung beß
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Meßmer Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
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Citaratur utifc Kunft.
— «int glückliche Familie. Eine hübsche Geschichte unb Anleitung, wie Kinder tm Hauehalte helfen und zum Glück der Ihrigen beitragen können. Von Tony Schumacher. Verlag von Levy u. Müller in Stuttgart. Preis eleg. geb. Mk. 2.50. Immer unb immer wieder wird von der Pädagogik die dringende Forderung an Eltern und Erzieher gerichtet, die Kinder frühzeitig an geordnete Thätigkett zu gewöhnen und auf dieser Grundlage die Anlagen der Kleinen zu entwickeln. Leider wird dieser Forderung nicht in dem gewünschten Umfange entsprochen, hauptsächlich wohl au» dem Grunde, weil Väter und Mütter es nicht richtig verstehen, in den jugendlichen Gemütbern Luft und Liebe zu einer geregelten und nützlichen Mithilfe im Haushalte zu wecken. Hierin bemüht sich die Verfasserin obigen Buches in helfender Weise entgegenzukommen. Hatte sic in ihrem ersten Werke „Mütterchens Hilsslruppen" im Gewand einer äußerst spannend geschriebenen Familiengeschichte be- herzigenswerthe Winke gegeben, wie die Heranwachsenden KMder der vielg-plagten Mutter bei Führung der Wtrthschast Helsen und ihr viele Mühe und Sorge abnehmen können, so ertheilt „Eine glückliche Familie" Anweisungen zur Entfaltung der moralischen und geistigen Anlagen der Kinder im Verkehr mit einander und mit Fremden, ohne jedoch auf die Anleitungen zu weiterer practtscher Thätigkett im Haushalte ganz zu verzichten. Die hier in der Form einer hübschen Geschichte der lieben Jugend gegebenen Winke sind so be- herztgenswerth und frei von aller unangenehm berührenden Abficht- lichkett, daß dieselben ihren fördernden Einfluß nicht verfehlen werden. Auch diese zweite Schrift der Verfasserin von „Mütterchens HilsS- truppen" trifft den Ton, in dem man erzählend lehrt, sehr glücklich und kann Eitern für ihre Kleinen als ein ebenso schönes wie nützliches Festgrschenk aufs Wärmste empfohlen werden.
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